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Klassiker

Anything Goes

Auf dem Traumschiff im Bigband-Sound


© Silke Winkler
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Iris Limbarths Inszenierung der Ozean-Passage mit vielen Cole Porter-Hits ist zwar prächtig bebildert, es fehlt ihr letztendlich aber an Tempo. Insgesamt ist die Schweriner Aufführung ein solider, unterhaltsamer Tanzmusical-Abend, bei dem insbesondere die schlimmen deutschen Gesangstexte ("Es ist was los – Anything Goes") stören.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:16.02.2017
Rezensierte Vorstellung:18.02.2017
Letzte bekannte Aufführung:05.03.2017


Aufruhr auf dem Luxusliner: Die auf der "MS America" reisende Upperclass protestiert beim Kapitän gegen die langweilige Passagierliste und skandiert "Prominente, Prominente"! Doch wie lässt sich die Forderung nach mehr oder weniger bekannten Namen auf einem von New York nach Liverpool schippernden, in sich geschlossenen Kosmos erfüllen?


Wie gut, dass an Bord angeblich zwei Männer mitreisen, die das FBI als Schwerverbrecher Nummer 1 und Nummer 13 listet: Schlangenauge Johnson und Moonface Martin. Ohne zu wissen, wen er nach fieberhafter Suche wirklich hat festnehmen lassen, rollt der Kapitän den vermeintlichen Gangstern den roten Teppich aus und ernennt sie unter dem Jubel der amüsierwilligen Gäste zu Ehrenkapitänen. In der 1934 uraufgeführten Hochsee-Klamotte mit Musik und Gesangstexten von Cole Porter ist dramaturgisch alles möglich – anything goes!

© Silke Winkler
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Es ist genau dieses Finale des ersten Aktes, mit dem Iris Limbarth das Publikum nach langatmig wirkenden neunzig Minuten elektrisiert. Zum Titelsong des Musicals formt die Regisseurin und Choreografin Solisten und das riesige Ensemble (Opernchor, Ballett und Statisterie des Mecklenburgischen Staatstheaters) zu einer pulsierenden, homogenen Einheit. Ein rasanter, ungemein mitreißender Rausschmeißer in die Pause, der auch von Andreas Langschs Step-Choreografie getragen wird. Bravo!


Dieses Aha-Erlebnis wiederholt sich zu Beginn des zweiten Akts in der revueartig gestalteten Erweckungszeremonie. Ansonsten belässt es Limbarth dabei, das von einigen guten, aber auch von erschreckend vielen ganz platten Gags durchzogene Boulevardstück nett zu bebildern. Unentwegt wuselt die Matrosen-Statisterie über das von Bühnenbildner Bernd Franke auf die Bühne gestellte, wenig überraschende Luxusliner-Oberdeck. Dabei schleppt sie Übersee-Koffer, schrubbt die Reling oder baut Liegestühle auf und ab. Gerne setzt die Regisseurin auch einen kleinen Jungen ein, der keck im Schlafanzug Würste vom Büfett stibitzen oder mit einem großen Laternen-Mond auf dem Oberdeck stehend romantische Momente dekorieren darf. In der vom Theater Münster übernommenen Ausstattung tuckert Limbarths Inszenierung nur als leicht angestaubt wirkender Tanzmusical-Oldtimer über die Bühne. Glanzpunkte setzen jedoch die vielen prächtigen und mit witzigen Details versehenen Kostüme von Götz Lanzelot Fischer.


Mit der Entscheidung für die schlimme deutsche Übertragung von Hartmut H. Forche und Lida Winiewicz hat das Kreativteam dem Stück keinen Gefallen getan. "All Through The Night" verwurstet das Übersetzer-Duo zu "Nacht wie gemacht", für "It’s De-lovely" erfinden sie mit "s’ist bewunderlich" sogar ein neues deutsches Wort. Auch wenn bestimmt die wenigsten im Saal jede Pointe der englischen Texte verstehen dürften, sind Songs wie "I Get a Kick Out of You" oder "You’re the Top" bekannt und klingen auf Deutsch befremdlich. Dank einer nur befriedigend ausgesteuerten Tontechnik sind zum Glück nicht alle Texte zu verstehen. Oft überdeckt der aus dem Graben klingende, satte Bigband-Sound der unter dem Dirigat von Michael Ellis Ingram spielenden sechzehn Musiker (Anything-Goes-Band) Solisten und Ensemble.

© Silke_Winkler
© Silke_Winkler



Hauptleidtragende ist Marysol Ximénez-Carrillo, die trotz schöner Stimme als Reno Sweeney gesanglich nicht als Leading Lady der Produktion punkten kann. In den großen Ensemble-Nummern "Anything Goes" und "Leg los, Gabriel, los" kann sie sich kaum durchsetzen. Auch wenn sie ihre Reno weniger als verruchte Nachtclub-Sängerin gibt und stattdessen als kecke Frau mit Herz fast unentwegt präsent ist, ist Ximénez-Carrillo in den vielen Duetten gesanglich und auch tänzerisch top.


In der zweiten, etwas undankbareren weiblichen Hauptrolle glänzt Nina Links als liebreizende Debütantin Hope Harcourt: Ihr Solo "Adieu, schöner Traum, adieu" entwickelt sie mit fein geführtem Sopran zum musikalischen Highlight des Abends. Ann-Christin Fray setzt als tumb-blondes Gangsterliebchen Erma geschickt Pointen, nervt auf Dauer aber mit ihrer künstlich-piepsenden Sprechstimme. Beim Song "Vorsicht, Gefahr" lässt sie eine souligere Stimmfärbung vermissen und klingt deshalb als Sexbombe mit hohem Matrosenverschleiß etwas zu brav.

© Silke Winkler
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Andreas Langschs Billy Crocker ist zunächst ein smarter, zurückhaltender College-Boy. Im Laufe der Handlung wandelt er sich zu einem schlitzohrigen Mann, der für seine Liebe kämpft. Langsch zeigt in seinen vielen Verkleidungen die unterschiedlichsten schauspielerischen Facetten und tanzt einfach hinreißend perfekt. Gesanglich liegt ihm der Billy Crocker weniger, da er seinen angenehmen Bariton für höhere Töne zu angestrengt in die Kopfstimme stemmt.


Hinter den vier gastverpflichteten Solisten müssen sich die hauseigenen Darsteller des Mecklenburgischen Staatstheaters keinesfalls verstecken. Mit viel komödiantischem Einsatz, herrlich steif und very british spielt in der besuchten Vorstellung Cornelius Lewenberg Lord Evelyn Oakleigh, der mit großem, klassisch geschultem Bariton den "Gypsy in mir" entdeckt. Genauso hervorragend ist Özgür Platte als zwielichtig-gewitzter, leicht aufbrausender Moonface Martin. Erstaunlich, dass ein Mitglied des Schauspiel-Ensembles gesangliche Aufgaben so gut meistert und zudem auch noch ein eleganter Tänzer ist.


Als nach gut drei Stunden die solide auf die Bühne gebrachte Klamauk-Schiffspassage endet, gibt es in der besuchten Vorstellung zögerlich stehende Ovationen. Verdient für die musikalische Umsetzung, aber mit einiger Luft nach oben für die Inszenierung. "Die Welt ist nicht recht zurzeit, gut ist schlecht zurzeit – Anything Goes!".

(Text: kw)






Kreativteam

BuchGuy Bolton
P. G. Wodehouse
Howard Lindsay
Russel Crouse
NeufassungTimothy Crouse
John Weidman
Musik und GesangstexteCole Porter
Deutsche DialogeChristian Severin
Deutsche GesangstexteHartmut H. Forche
Lida Winiewicz
Inszenierung und ChoreografieIris Limbarth
Step-ChoreografieAndreas Langsch
Musikalische LeitungMichael Ellis Ingram
BühnenbildBernd Franke
KostümeGötz Lanzelot Fischer


Besetzung

Reno SweeneyMarysol Ximénez-Carrillo
Billie CrockerAndreas Langsch
Hope HarcourtNina Links
Evangeline HarcourtPetra Nadvornik
Lord Evelyn OakleighSebastian Kroggel
Cornelius Lewenberg
Elisha WhitneyChristian Hees
ZahlmeisterMatthias Koziorowski
Moonface MartinÖzgür Platte
ErmaAnn-Christin Fray
KapitänSebastian Kroggel
Igor Storozhenko
ZahlmeisterMatthias Koziorowski
Chinese LukeJulius Tietje
Chinese JohnDavid Reichert
Engel Reinhild ReinheitIrene López Ros
Engel Kirsten KeuschheitElena Lucas
Engel Niki NächstenliebeFem Rosa Rudoff
Engel Trude TugendMagdalena Pawelec
MatrosenquartettAgim Kasumi
Olaf Meißner
Martin Scheil
André Schmidtke
Fred (Barkeeper), Henry J. Dobson (Geistlicher)Uwe Skowronek
MädchenNele Christoph
ReporterAnika Voß
Christin Voigt
FotografenHenrik Blümel
Manuel Oetermann
FBI-AgentenUwe Lüthke
André Rickert
Opernchor, Ballett und Statisterie des Mecklenburgischen Staatstheaters

ANYTHING GOES BAND





Produktionsgalerie (weitere Bilder)

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Zuschauer-Rezensionen

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1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


Beitrag vom 18.04.2017 gesperrt

hartmut h forche (erste Bewertung)


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(kw)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Fröhlich tuckert der von Iris Limbarth langatmig inszenierte Kalauer-Kahn mit grausigen deutschen Gesangstexten über den Ozean. Solider Cast mit einer herausragenden Nina Links (Hope Harcourt).

18.02.2017

 Termine

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