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Deutschsprachige Erstaufführung

Ein hässliches Spiel (Dogfight)

Eine Wette und ihre Folgen


© Falk von Traubenberg
© Falk von Traubenberg
Die deutschsprachige Erstaufführung des 2012 am Off-Broadway uraufgeführten Stücks "Dogfight" überzeugt nicht auf ganzer Linie. Die Schwächen des Buches werden durch die Inszenierung nicht ausgeglichen, so dass gerade der erste Akt recht uninspiriert und langatmig wirkt.

(Text: mr)

Premiere:06.05.2017


Eddie und seine Freunde sollen in den Vietnam-Krieg geschickt werden. Doch am Abend vor ihrem Abflug wollen sie es noch einmal so richtig krachen lassen – bei einem Dogfight. Das ist in der US-Marine eine Tradition: Ein Wettbewerb nach dem Motto "bring das hässlichste Mädchen mit zur Party". Eddies Wahl fällt auf Rose, eine unscheinbare Kellnerin, die entsetzt davonläuft, als sie im Nachhinein erfährt, worum es bei diesem Date geht. Eddie versucht sich zu entschuldigen und es wieder gut zu machen und lernt dabei den Wert von innerer Schönheit kennen.

© Falk von Traubenberg
© Falk von Traubenberg

Die Musik von Pasek und Paul, die mit "Dear Evan Hansen" in der aktuellen Saison endlich den seit Jahren prognostizierten massentauglichen Broadway-Hit gelandet haben, bietet eine ansprechend poppige Partitur mit ein wenig Country und Jazz. Viele der Lieder klingen angenehm ungewöhnlich – typische Off-Broadway-Musik, die ein Stück weit vom Mainstream entfernt liegt und die bei der sechsköpfigen Band unter Leitung von Andreas Unsicker in besten Händen ist.

Alice Aspers Inszenierung verlässt sich dabei voll auf die Tragkraft der Geschichte und der Darsteller. Asper bringt das Geschehen geradlinig und ohne Schnörkeleien auf die Bühne. Doch gerade der erste Akt hat so seine langatmigen Momente. Die Charaktere sind allesamt spröde: Es dauert ein Weilchen, bis der Zuschauer mit der Geschichte warm wird und manche Figuren zumindest ein gewisses Identifikations-Potential bieten.

Das Stück benötigt unbedingte Nähe des Publikums zu den Akteuren – eine Studiobühne statt eines klassischen Stadttheaters mit Guckkastenbühne und Orchestergraben würde der Handlung gut tun. Diese allein schon durch den Spielort entstandene Distanz wird noch verstärkt durch das Bühnenbild von Holger Syrbe. Viele Szenen spielen in der hinteren Hälfte der Bühne auf einem grundsätzlich zweckdienlichen, begehbaren Stahlgerüst. Hier findet u.a. die eigentlich intime Szene in Roses Zimmer statt, in der sich die beiden Hauptakteure einander annähern – viel zu weit von den Zuschauern entfernt.

© Falk von Traubenberg
© Falk von Traubenberg

Rose und Eddie stehen absolut im Zentrum des Stückes. Die Hauptlast des Abends tragen also Elisabeth Köstner und Tim Müller, die sich mit viel Engagement in ihre Rollen stürzen. Beide zeigen eine glaubhafte Entwicklung ihrer Charaktere. Es tut schon fast weh, dem Mauerblümchen Rose dabei zuzusehen, wie es sich von Charmeur Eddie einwickeln und in diesen fiesen Dogfight hineinziehen lässt. Tim Müller lässt dabei immerzu spüren, dass ihm auch nicht so ganz wohl bei diesem Spiel ist: Einerseits lässt er bei seinen Freunden den coolen Typen heraushängen, andererseits ist ihm ab der ersten Szene mit Rose anzumerken, dass er – im Gegensatz zu den anderen Soldaten – ein schlechtes Gewissen dabei hat, ein Mädchen so zu erniedrigen. Insofern überrascht seine Wandlung, sich dann doch auf Rose einzulassen, im weiteren Verlauf nicht mehr wirklich. Dazu hätte er bei der ersten Begegnung viel selbstverliebter und arroganter mit ihr umgehen müssen. Beeindruckend gelingen Müller die späteren Szenen in Vietnam sowie die Entwicklung, als Eddie traumatisiert in die Staaten zurückkehrt.

Die weiteren Darsteller spielen zumeist mehrere kleine Rollen, von denen kaum eine wirklich in Erinnerung bleibt. Selbst Eddies Kumpel Dick und Ralph als größere Nebenrollen hinterlassen keinen nachhaltigen Eindruck. Das liegt jedoch weniger an den engagiert aufspielenden Jürgen Brehm und Lukas Sandmann, als an der Tatsache, dass die Autoren den beiden Charakteren nur wenig Substanz gegeben haben.

© Falk von Traubenberg
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Als wahre Absahnerin in der Publikumsgunst erweist sich jedoch noch Teresa Scherhag, die mit viel Mut zur Hässlichkeit in der Nebenrolle der Marcy, die den Dogfight gewinnt, ein berührendes Porträt abliefert und damit aus dem Ensemble heraus sticht.

Im zweiten Akt kommt das Stück besser in Fahrt. Rose und Eddie erleben so etwas wie eine zart angedeutete Liebesgeschichte, für deren emotionale Wirkung eine deutlichere Nähe zum Publikum allerdings immer noch wünschenswert gewesen wäre. Doch parallel zu den beiden Charakteren, die endlich lernen miteinander umzugehen, kann sich auch das Publikum zunehmend mit ihnen identifizieren. Nach dieser Nacht geht es für die Soldaten nach Vietnam und die Zuschauer werden in einer mitreißenden Szene Zeuge, wie einer der jungen Männer nach dem anderen umkommt, bis nur noch der verstörte Eddie übrig bleibt. Nach seiner Rückkehr in die USA gibt es noch ein weiteres Treffen zwischen Eddie und Rose. Doch erfreulicherweise kommt "Dogfight" ohne verkitschtes Hollywood-Happy-End aus und erreicht gerade dadurch, dass der Zuschauer nachdenklich und durch den Realismus berührt das Theater verlässt.

Musik / Texte - Benj Pasek & Justin Paul
Buch - Peter Duchan
Deutsch von Daniel Große Boymann

(Text: Michael Rieper)




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Kreativteam

InszenierungAlice Asper
Musikalische LeitungAndreas Unsicker
ChoreographieAnnika Dickel
Bühne und KostümeHolger Syrbe


Besetzung

Rose FennyElisabeth Köstner
Eddie BirdlaceTim Müller
Dick BernsteinJürgen Brehm
Ralph BolanLukas Sandmann
FectorMaurice Daniel Ernst
Stevens
Kellner
Björn Schäffer
Marcy
Hippie
Teresa Scherhag
Ruth zwei Bären
Bibliothekarin
Peggy
Hippie
Sandra Pangl
Tanja Kleine
Mutter Fenny
Suzette
Chippy
Hippie
Judith Bloch
Laura Mann
Gibbs
Drag Queen
Kellner
Besitzer Nite Lite
Jens Krause
Nachtclubsänger
Gast im Diner
Sergant
Marine
Kellner
Big Tony
Fehmi Göklü




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Falk von Traubenberg
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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


3 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


Beitrag vom 08.05.2017 gesperrt


Autenthisch und toll

08.05.2017 - Eine tiefgehende Story die einen nicht unbedingt angenehmen Themenkomplex (Diskrimierung, Vietnamkrieg) auf eine doch sehr unterhaltsame Weise darstellt ohne platt zu wirken.

Kleine Ungenauigkeiten in der Choreografie oder Gesang, bringen eher einen authentischen Charakter rüber als störend zu wirken.

Die Figuren waren lebhaft inszeniert und dargstellt und dienen als gute Kontrapunkte zueinander, natuerlich bedienen sie einige Klischees um dann aber immer wieder auch eine Vielschichtigkeit aufblitzen zu lassen.
Stichwort, die Restaurantszene.
Kleine Details runden das Bild ab, Unterschied zwischen Eddi vor und nach dem Einsatz.

Sorgnar (erste Bewertung)


Die Musik ist gut!

08.05.2017 - Ich hatte mich sehr auf diesen Abend gefreut. Leider hat er nicht meine Erwartung erfüllt! Doch jetzt etwas ausführlicher: „Die berührendste Romanze der Musical-Literatur“ - mit diesem Slogan kündigt das Theater für Niedersachsen ihre deutschsprachige Erstaufführung von Dogfight an. Dies ist entweder auf überambitionierte Marketingleute oder auf ahnungslose Dramaturgen zurückzuführen. Die Geschichte ist eigentlich recht alt und abgekupfert, vollgestopft mit Klischees und erschreckend zweidimensional. Dennoch ist die Musik schön und alltagstauglich, vermag stellenweise sogar zu verzaubern. Die Band spielt sehr gut auf und kann viele musikalisch-emotionale Momente erzeugen. Die Abmischung der Instrumente und der Sänger ist aber durchgehend miserabel was den Genuss dieses Abends noch weiter einschränkt. Die Darsteller sind durchgehend solide aber wenig faszinierend. Dies gilt auch für die beiden Hauptpersonen des Stückes Rose und Eddie. Rose vermag noch mit ihrer wirklich sehr schönen und teilweise eindrucksvollen Stimme zu punkten, dass Schauspiel der Beiden ist aber eher von Plattitüden und verkrampften Dialogen (besonders Eddie) geprägt. Manchmal ist das so störend, dass man sich ernsthaft fragen muss, was die Regie und die Dramaturgie für eine Arbeit geleistet haben. Besonders hervorzuheben sind Marcy und Pete die beide positiv auffallen und echtes Spiel abliefern. Die überwiegend sehr junge Truppe scheint den Stoff nicht wirklich transportieren zu können. Erst gegen ende des zweiten Aktes entsteht Dichte die fasziniert und fesselt. Da ist es aber schon zu spät. Bühnenbild und Regie wirken willkürlich und halb durchdacht. Die Choreographie wirkt bemüht doch wenig konsequent oder zündend. Dogfight ist meiner Meinung nach eingeschränkt empfehlenswert. Man wird den Besuch und das Eintrittsgeld nicht bereuen, muss es aber auch wahrlich nicht ein zweites mal sehen. Wäre es ein Kinofilm würde ich warten bis er im Fernsehen ausgestrahlt wird.

HelBer87 (erste Bewertung)


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Buch

Komposition

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Unaufgeregte Inszenierung, die sich ganz auf die Stärken der Geschichte und der Darsteller verlässt, dabei aber im ersten Akt einige Längen in Kauf nimmt.

16.05.2017

 Termine
Sa18.11.19:30 UhrWieder­aufnahme
Stadttheater (Hildesheim)
Mi29.11.19:30 Uhr
Stadttheater (Hildesheim)
Di12.12.19:30 Uhr
Stadttheater (Hildesheim)
Termine 2018
Sa03.02.1819:30 Uhr
Stadttheater (Hildesheim)
So25.02.1816:00 Uhr
Stadttheater (Hildesheim)
Do12.04.1819:30 Uhr
Stadttheater (Hildesheim)


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