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Drama

Fast normal (Next to Normal)

Einfach nur durchkommen


┬ę Andreas Hartmann
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Die Goodmans wirken nur auf den ersten Blick wie eine ganz normale Familie. Sehr schnell wird klar, dass die psychische Erkrankung der Mutter das Familienleben bestimmt und die Beziehungen der Personen beeinflusst. Das Musical von Tom Kitt und Brian Yorkey lief 2009-11 in ├╝ber 750 Vostellungen am Broadway, wurde mit drei Tony Awards und dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und erobert seitdem die Regionaltheater.

(Text: Andreas Gundelach)

Premiere:12.04.2014
Rezensierte Vorstellung:12.04.2014
Letzte bekannte Auff├╝hrung:19.07.2014


Die New York Times schrieb einst, "Next to Normal" ist kein "Feel-Good-Musical", viel mehr sei es ein "Feel-Everything-Musical". Und besser kann man "Fast normal (Next to Normal)" auch in Hildesheim nicht beschreiben. Eine Gef├╝hlsachterbahn mit r├╝hrenden, absto├čenden, mitleiderweckenden und zum Mitfiebern anregenden Momenten steht am TfN bereit. Die Hildesheimer Produktion zielt tief in die Seele der Zuschauer und vermag einige Zeit dort zu verweilen. Sie l├Ąsst nicht los. Und genau darum geht es: um das Loslassen und Seelenheil einer ganzen Familie.

┬ę Andreas Hartmann
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Regisseur Craig Simmons inszeniert die Geschichte rund um die bipolare St├Ârung der Diana Goodmann. Mit klarem Fokus auf Gef├╝hle, ├ängste und Sehns├╝chte der Figuren schafft er ein intensives Musicalerlebnis, das zum Nachdenken anregt und mit Klischees aufzur├Ąumen versucht. Es ist damit viel mehr als reine Unterhaltung. Simmons bietet Gelegenheit zur Identifikation mit den Protagonisten um Sekunden sp├Ąter deren Unzul├Ąnglichkeiten in den Blick zu r├╝cken. Dazu verzichtet er ├╝berwiegend auf ausladende Gesten, seine Arbeit besticht durch eine ausgezeichnete Detailarbeit in Mimik und K├Ârpersprache.

Das durchdachte B├╝hnenbild von Steffen Lebjedzinski bildet die Grundlage f├╝r spannende Szenencollagen und -wechsel. Verschiedene geometrische Formen und Treppen auf einer Drehb├╝hne lassen im Handumdrehen immer wieder neue Spielorte entstehen. Die Ausstattung bleibt schlicht und l├Ąsst viel Platz f├╝r eigene Interpretationen und Projektion. Das Lichtdesign greift diesen Trend auf. Mit wenigen klaren Farben und gezielten Spots nimmt es die Zuschauer an die Hand, lenkt seinen Fokus gezielt durch sich abwechselnde Szenenfragmente. Au├čen- und Innensicht wechseln in Sekundenschnelle. Eine variable Lichtfl├Ąche im Hintergrund der B├╝hne verdeutlicht den Wechsel der Gef├╝hlswelten von Diana Goodmann auf weiterer Ebene.

┬ę Andreas Hartmann
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"Next to Normal" arbeitet mit wenigen Darstellern, es spielen gerade einmal sechs Personen auf der B├╝hne. So haben die Zuschauer Zeit und Gelegenheit, jeden einzelnen Charakter genauer zu betrachten und das lohnt sich. Caroline Kiesewetter bereichert als Gastverpflichtung die hiesige Musical-Company und beeindruckt mit ihrem klaren und sehr differenzierten Spiel zwischen Manie und Depression. Ihre Interpretation der Diana ist kraftvoll und verletzlich zugleich. Sie zeigt eine starke Frau, die nur "fast normal" ist und sich dessen mehr und mehr bewusst wird. Dabei l├Ądt sie auch zum Schmunzeln ein, gibt Anlass zum Tr├Ąumen und Trauern. Man m├Âchte sie zeitweise in den Arm nehmen und tr├Âsten; Sekunden sp├Ąter stellt sich die Frage, weshalb ihre Familie es ├╝berhaupt so lange mit ihr aushalten konnte. Scheinbar unzertrennlich mit ihr verbunden brilliert Jonas Hein als Gabe. Zun├Ąchst zur├╝ckhaltend freundlich lebt er im Laufe der Handlung die Zwanghaftigkeit seiner Figur hochkonzentriert bis hin zur Diabolie aus. Dabei setzt er seine starke B├╝hnenpr├Ąsenz zielgerichtet ein. Mit bemerkenswerter Sportlichkeit und dennoch stabiler Stimme haucht er Gabe zunehmend mehr Wahnsinn ein. Dennoch l├Ąsst er in seiner Interpretation auch die Angst seiner Figur vor dem Vergessen werden nicht zu kurz kommen.

Auch die ├╝brigen Darsteller in Hildesheim ├╝berzeugen in zum Teil ungeahnter Besetzung. Caroline Zins ├╝berrascht als hochbegabte und dennoch von der Mutter vernachl├Ąssigte Tochter Natalie mit ihrer Rebellion gegen das Elternhaus, immer an Ihrer Seite steht optimistisch und kindlich zugleich Tim M├╝ller als ihr Freund Henry. Jens Plewinksi gl├Ąnzt als reifer, unnahbarer und doch sorgender Arzt (Dr.Fine/Dr.Madden). Und auch Alexander Prosek als hoffenden, k├Ąmpfenden und sich aufopfernder Vater Dan ist hervorragend besetzt, spielt stark und zerbrechlich zugleich. Wer Prosek aus fr├╝heren Produktionen kennt, in denen er eher kom├Âdiantische und stark ├╝berspitzte Figuren bediente, muss sich an die neue Charakterrolle allerdings vielleicht erst gew├Âhnen.

┬ę Andreas Hartmann
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Die sechsk├Âpfige Liveband rund um Andreas Unsicker spielt wie erwartet und gewohnt klar und pr├Ązise. Die Arrangements sind ├╝ppig, rockig und gut eingez├Ąhlt. Lediglich die Tonmischung ist auch an diesem Abend am TfN nicht optimal. Mehrmals sind Stimmen zu basslastig oder zu leise und (wichtige) Textpassagen damit schwer zu verstehen. Da "Next to normal" zu 90% durchkomponiert und an vielen Stellen im Satzgesang aufgebaut ist, entwickelt sich dieses Manko zu einem ├ärgernis. Zum Gl├╝ck bleibt es das einzige an diesem Abend und steht klar hinter der hervorragenden Leistung aller ├╝brigen Mitwirkenden und Gewerke zur├╝ck.

"Fast normal" ist und bleibt ein "Feel-Everything-Musical", es spielt bewusst mit melancholischen und auch ironischen Elementen. Die deutschen Text├╝bersetzungen von Titus Hoffmann regen trotz ernsten Hintergrunds immer wieder zum Schmunzeln an. Das TfN unterst├╝tzt den vergleichsweise schwer zug├Ąnglichen Stoff mit einer 20-min├╝tigen Einf├╝hrung vor den Auff├╝hrungen. Dramaturg Christof Wahlefeld erkl├Ąrt hier die ersten Szenen des St├╝cks und beschreibt Hintergr├╝nde bipolarer St├Ârungen. Mit dieser Vorbereitung ist "Fast normal" deutlich mehr als ein "fast normales" St├╝ck am TfN. Es ist eine intensive Reise mit Erkenntnisgewinn, die ohne gro├čes Ensemble und Orchester, ohne gepinseltes B├╝hnenbild, gro├če Tanznummern oder unn├Âtige ├ťberdramatisierung auskommt. Sie verurteilt keine Rolle und wertet nicht, sondern gibt dem Zuschauer die M├Âglichkeit, den Lebens- und Leidensweg einer "fast normalen" Familie mitzuerleben: mit ihnen zu lachen, zu weinen und dabei nicht nur von au├čen zu blicken, sondern auch in sie hinein.


Standing Ovations mit langanhaltender Applaus auch weit über das Einschalten des Saallichts hinaus runden den Abend mehr als verdient ab und zeigen, dass dem Hildesheimer Publikum und auch der Musical-Company mehr zugetraut werden darf als nur  "Feel-Good-Musicals".

(Text: Andreas Gundelach)






Kreativteam

InszenierungCraig Simmons
Musikalische LeitungAndreas Unsicker
B├╝hne und Kost├╝meSteffen Lebjedzinski
DramaturgieChristof Wahlefeld


Besetzung

Diana GoodmanCaroline Kiesewetter
Dan GoodmanAlexander Prosek
Gabe GoodmanJonas Hein
Natalie GoodmanCaroline Zins
HenryTim M├╝ller
Dr. Fine/ Dr. MaddenJens Plewinski




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

┬ę Andreas Hartmann
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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


5 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


30429
Wird immer besser

18.07.2014 - ich habe mir das musical bereits 4 mal angesehen und werde auch morgen in der letzten show am tfn sein. dieses st├╝ck ist einfach genial gemacht. die musik ist der absolute wahnsinn und die darsteller einfach nur bombe. allen voran karoline kiesewetter, alexander prosek und jonas hein die eine mordsleistung abliefern und die zuschauer gefangen nehmen. da f├╝hlt man mit jedem mit, hat verst├Ąndnis und verzweifelt aufgrund ihrer entscheidungen. gesanglich sind alle perfekt besetzt wobei jonas hein und carolin zins durch ihre showstoppernummern besonders auffallen. am meisten ├╝berrascht war ich von alexander prosek. ich habe im letzten jahr jede produktion im tfn gesehen und muss sagen -da steckt ein diamant der bisher immer so einseitig benutzt wurde. da l├Ąsst sich das theater echt was entgehen!
die musiker waren auch hammer. so wenige leute und so ein guter und satter klang. beide daumen hoch.

Almdudler (erste Bewertung)


30364
├ťberw├Ąltigend

25.04.2014 - Ich habe dieses Musical bereits zum zweiten Mal in Hildesheim gesehen und es wird immer genialer. Ausnahmslos alle Darsteller sind ├╝berw├Ąltigend. Jemanden hierbei hervorheben zu wollen ist f├╝r mich unm├Âglich. Ich bewundere die Leistung eines jeden Einzelnen. Traumhaftes Musical, tiefsinnig und ber├╝hrend. Ich gehe bestimmt noch einmal rein. ┬şVIELEN VIELEN DANK!

RaoulLorenz (erste Bewertung)


30360
Ich bin sprachlos!

17.04.2014 - Was f├╝r ein wundervolles Musical. Alle Darsteller waren absolut Klasse. Kiesewetter als Diana und Prosek als Dan geben ein gro├čartiges Gespann ab und f├╝hren den ganzen Abend an. Ich kam aus dem Theater und habe immer noch geweint. Schaut es euch an.

Antje78 (erste Bewertung)


30359
einfach ein tolles st├╝ck!

17.04.2014 - Ich liebe dieses St├╝ck einfach! habe es am Broadway gesehen, in F├╝rth, in Linz und jetzt in Hildesheim.
Fein, da├č auch hier nicht 1 zu 1 die Broadway Version ├╝bernommen wurde wie etwa in F├╝rth. Besetzungstechnisch kann es meiner Meinung nach nicht ganz mit F├╝rth und Linz mithalten, die Darsteller machen ihre Sache aber gut! Caroline Kiesewetter spielt eine facettenreiche Diana, stimmlich jetzt keine Pia Douwes oder Kristin H├Âlck, aber trotzdem wirklich toll! Caroline Zins hat mir sehr gut gefallen, finde sie vom Typ besser besetzt als etwa Lisa Antoni oder Sabrina Weckerlin, allein wegen des Alters... Alexander Prosek fand ich sehr glaubw├╝rdig und ber├╝hrend! Jonas Hein agiert auch rollendeckend. Ich war aber sehr begeistert von den Gabes in F├╝rth und vorallem Linz, da kommt er meiner Meinung nach nicht ganz mitÔÇŽ Tim M├╝ller sehr sympathischer Henry, Jens Plewinski ein gut besetzter ArztÔÇŽ
Kann dieses St├╝ck wirklich jedem empfehlen!

isaflor12 (erste Bewertung)


30357
Hohe Berge, tiefe T├Ąler und dazwischen wir

16.04.2014 - Mit Next to normal hat das Tfn einen wirklichen Schatz ausgegraben. Er funkelt nicht so stark wie manch andere Produktion, aber der eigentliche Wert liegt hier nicht im ├äu├čeren, sondern im wahrsten Sinne des Wortes im Inneren. Die Innenwelt der Familie wird von den Darstellen detailliert pr├Ąsentiert. Besonders Caroline Kiesewetter zeigt sich als Diana mit allen Facetten einer psychisch kranken Frau - erschreckend und faszinierend zugleich. Wenn sie von der Sehnsucht nach den Bergen und T├Ąlern singt, macht sich G├Ąnsehaut breit. Ebenso ist es mit Jonas Hein als Sohn Gabe, der seine glasklare Stimme besonders im 1. Akt entfaltet - trotz K├Ârpereinsatz.
Das B├╝hnenbild besticht mit Schlichtheit ohne zu einfach zu wirken. Die Drehb├╝hne zeigt sich als optimale L├Âsung f├╝r die Szenenwechsel.
Tfn: Vielen Dank!

TarzanFan (5 Bewertungen, ∅ 3.2 Sterne)


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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Intime Einblicke in die Versuche einer Familie endlich FAST NORMAL zu werden. Ein ernstes Thema hervorragend inszeniert und stark besetzt.

13.04.2014

 Leserbewertung
(5 Leser)


Ø 4.80 Sterne

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