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Rock

Tommy

Can you hear me?


Bühnenversion des berühmten Konzeptalbums der Rockgruppe The Who über das "deaf, dumb and blind kid" Tommy Walker. Ryan McBryde inszeniert die englischsprachige Originalversion des Stücks, das 1993 am Broadway Premiere feierte und 1995 im Offenbacher Capitol seine deutsche Erstaufführung erlebte.

(Text: Jens Alsbach)

Premiere:10.11.2011
Rezensierte Vorstellung:26.11.2011
Letzte bekannte Aufführung:27.05.2012


Zu Beginn steht nur ein Käfig auf der Bühne, bezeichnend für die innere Verschlossenheit des jungen Tommy. Im Käfig eine Puppe, die später lebendig wird und die Geschichte des taubstummen und blinden Jungen erzählt, der zufällig mit ansieht, wie sein Vater den Geliebten seiner Mutter erschießt, trotz der Isolation in seiner eigenen Welt zum "Flipperkönig" wird und dadurch vermeintlich wieder an Lebenswillen gewinnt. Tommy trägt beinahe während der gesamten Show eine Maske, bei der Augen und Mund verschmolzen sind - gruselig, aber effektvoll, und ähnlich symbolträchtig wie der Käfig: Tommy kapselt sich durch die Maske von der Welt ab. So effektvoll wie diese Details ist die ganze Inszenierung. Die kleine Bühne des Theaters wird bestens genutzt, Übergänge funktionieren fließend und unbemerkt durch Türen an den Seiten und eine Luke im hinteren Bereich. Die durch Leinwände geschlossene Luke wird auch immer wieder für gewaltige Projektionen - besonders bei der Darstellung der Szenarien aus dem Zweiten Weltkrieg sehr beeindruckend - genutzt.
Tommy wird gleich von drei Darstellern pro Show gespielt. Zwei Kinderdarsteller werden von den erwachsenen Schauspielern mit ihren Masken kreuz und quer über die Bühne geführt und wirken dabei wie Marionetten, was auch wieder zur Symbolik beiträgt. Außerdem steht das Alter Ego von Tommy als Erzähler auf der Bühne, der durch Rückblenden von der Tragik seines eigenen Lebens berichtet. Leo Miles macht dies in seinem komplett roten Outfit und mit angenehm klarer, heller Stimme sehr gut. Besonders schön: "I’m free", der Song, bei dem er sich allen Ärger von der Seele singt und die rockige Reprise von "Pinball Wizard". Zu loben ist auch seine Interaktion mit den jungen Tommys, sowohl wenn sich der alte und der junge Tommy im Spiegel gegenüberstehen als auch im Finale.
Der Song "Pinball Wizard" ist eines der Highlights vor der Pause. Gesungen von Giovanni Spanó als Tommys Cousin Kevin, der Tommy immer wieder quält und zur Schau stellt und in diesem Song doch eingestehen muss, dass der Junge am Flipperautomat ein König ist.
Unbedingt zu erwähnen ist Shimi Goodman als Arzt und Priester, der durch obskure Heilversuche versucht, Tommy zu bekehren. Ein Schauspieler mit ausladenden Gesten und starker Stimme.
Die fünf Musiker haben augenscheinlich Freude an dem was sie tun, denn die Musik rockt an den richtigen Stellen und nimmt sich zurück, wenn es nötig ist. Das Ganze noch passend abgemischt und in einer angenehmen Lautstärke, ein Rockkonzert zum Mitmachen. Spätestens im Finale - die Menge klatscht und tobt - wird klar, dass das Theater mit dieser von Ryan McBryde inszenierten Show einen Treffer gelandet hat.

(Text: Jens Alsbach)






Kreativteam

Regie Ryan McBryde
Musikalischer Leiter Thomas Lorey
Choreografie Drew McOnie
Bühnenbild Diego Pitarch
Kostüm Eva Weinmann


Besetzung

Tommy, Narrator Leo Miles
Captain Walker Mark Powell
Mrs Walker Natalie Langston
Tommy 6 Jahre Béla Hill
Elias Klockow
Emanuel Konietzny
Dario Liotta
Jascha Mössle
Emil Scharfenberg
Devin Schneider
Max Schwartzkopff
Tommy 12 Jahre Maximilian Atta
Moritz Florschütz
Kevin Funk
Jan Ole Hellwig
Oliver Ife
Lewis Lenk
Leo Stiebeling
Tim Taucher
Uncle Ernie, Fighter Pilot Jamie Tyler
Cousin Kevin, Fighter Pilot, Doctor Giovanni Spanó
Nurse, Fighter Pilot, Kevin's Mother, Local Lass, Lab Technician, Gypsy, Reporter, Disciple, Mrs Simpson Jemma Alexander
Assistant Specialist, Aide, Fighter Pilot, First Policeman, Doctor, Kevin's Father, Local Lad, Gyspy, Reporter, Disciple, Mr Simpson James Ballanger
Nurse, Fighter Pilot, Minister's Wife, Local Lass, Lab Technician, Gypsy Queen, Reporter, Disciple Kimmy Edwards
Specialist, Fighter Pilot, Judge, Minister, Gypsy King, News Vendor, TV Interviewer, Diciple Shimi Goodman
Nurse, Fighter Pilot, Young Sally, Lab Technician, Gypsy Katy Hards
Doctor, Fighter Pilot, First Officer, Lover, First Congregation, Family Member, Local Lad, Lab Technician, Gypsy, Security Guard Simon Hardwick
Fighter Pilot, Second Officer, Second Policeman, Doctor, Second Congregation, Family Callum Train



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


29439
Die Show die mich dazu veranlasste, meine erste Rezension anzufertigen

25.01.2012 - Seit über 10 Jahren verfolge ich die deutsche und die internationale Musicalszene mit großem Interesse, letztere vor allem in London, wo ich unzählige Westendshows erleben durfte.

Zu meinen absoluten Sternstunden der musikalischen Bühnenunterhaltung gehört sicher Blood Brothers, eine Show die ich seit Jahren immer wieder schaue und die Welturaufführung von Mary Poppins im Jahr 2004 in Bristol (ein wunderbares Musical, welches anschließend leider für das Westend und vor allem für die spätere Broadway-Fassung kindgerechter, niedlicher und weichgespülter wurde).

Die deutsche Musicalszene hat mich in den letzten Jahren kaum positiv überrascht; zu selten werden die verlockenden Pfade des Mainstreams verlassen, zu selten wird mal etwas neues gewagt. Zu den Perlen der nationalen Unterhaltungskunst würde ich am ehesten die fantastischen Essener Inszenierungen von Chess und Jesus Christ Superstar zählen, beide aufgeführt im Aalto Theater, aber auch das Musicaltheater im Revier hat das Potenzial positiv hervorzustechen, zwischen all den Jürgens- und Lindenberg-Revues, den oft herzlosen Großproduktionen und den Historiendramen mit Einheitslibretto. Mir fehlen die geistreichen Stoffe eines Jason Robert Browns oder vergleichbare Werke auf deutschen Bühnen.

Im vergangenen Jahr machte ich dann eine Entdeckung, welche ich noch immer als Geheimtipp bezeichnen würde, wenngleich es mittlerweile schwerer wird, Karten für die Shows im kleinen Haus zu bekommen: The English Theatre Frankfurt (ETF). Wie der Name schon andeutet, werden die Musicals und Theaterstücke hier nicht nur in englischer (Original-)sprache aufgeführt, sondern auch durch muttersprachliche Darsteller; direkt vom Westend (noch häufiger allerdings "frisch" aus der Drama School, wie das Studium der Lebensläufe der meist jungen Darsteller im Programmheft verrät) auf die Bühne in der Frankfurter Innenstadt.

Meine initiale "Entdeckung" war die deutsche Uraufführung von Spring Awakening im vergangenem Jahr. Ich erinnere mich noch allzu gut an die gemischten Gefühle und die gehörige Portion Skepsis, mit der ich damals das moderne Theater betrat - schließlich halte ich mich für einen Szenekenner und hatte doch nie zuvor von diesem Theater gehört. Umso größer war die Überraschung, als ich eine perfekte Inszenierung mit jungen, überaus talentierten Darstellern, einem genialen Bühnenbild und zahlreichen tollen Regieeinfällen erlebte.

In diesem Jahr hat sich der selbe Regisseur zurückgemeldet: Ryan McBryde war wieder in der Mainmetropole, im Gepäck die "Rock-Oper" Tommy.

Tommy zählt zu den Werken, welche ich jahrelang mehr oder minder erfolgreich ignorierte; ich besitze zwar die Original-Gesamtaufnahme des Musicals, hatte aber niemals einen Zugang zur Musik oder ein gesteigertes Interesse daran, die Show auf der Bühne live zu erleben.

Da das ETF jedoch seit der Inszenierung von Spring Awakening ein hohes Ansehen bei mir genießt, bin ich dieses Mal, am gestrigen Abend dem 24.01.2012, mit mehr Zuversicht in das Theater gegangen, wenn auch einige Zweifel bezüglich der Handlung und des musikalischen Scores blieben, immerhin wurde ich erst 15 Jahre nach der Konzeptalbumveröffentlichung durch "The Who" zur Welt gebracht und mich verbindet wenig mit dieser britischen Band.

Man kann mir also keinesfalls vorwerfen, dass es sich beim Wohlwollen über die Inszenierung um eine selbsterfüllende Prophezeiung handelt, denn auch dieses Mal war ich initial durchaus kritisch gestimmt. Was mir und meiner Begleitung dann aber geboten wurde, war abermals eine Sternstunde des Musiktheaters!

Die Inszenierung ist schnell, gewaltig und verdammt clever. Wer schon einmal Gast im ETF war, kennt die kleine Bühne und kann sicher antizipieren, welches Geschick es beispielsweise erfordert, eine Luftschlacht des zweiten Weltkriegs auf diese Bretter zu bringen. Kein Problem, solange der Regisseur kreativ ist und man außerdem einen erfahrenen Choreographen wie Drew McOnie zur Seite hat. Die Tänze sind ohnehin von erstaunlicher Dynamik und Rasanz geprägt, passend zum Gesamteindruck der äußerst temporeichen Inszenierung.

Die Casting-Abteilung des ETF scheint ein goldenes Händchen zu haben; nach dem sehr guten Ensemble in Spring Awakening präsentiert sich in Tommy abermals ein Ensemble, welches in dieser Stärke nur selten zu finden ist. Die Darsteller singen kraftvoll zur donnernden Musik der exzellenten Live-Band, bewegen sich außerordentlich sicher über Pinball-Automaten und Möbelstücke (die Choreographien sind teilweise anspruchsvoll, aber von sehr begabten "tanzenden Sängern" beherrschbar, ohne dass es zusätzliche "singende Tänzer" erfordert) und verkörpern ihre Rollen authentisch, was gerade bei Musicaldarstellern nicht immer behauptet werden kann.

Das Ensemble ist insgesamt so stimmig und auf derart hohem Niveau, dass eine Einzelbesprechung beinahe redundant scheint, nur so viel sei gesagt: Jamie Tyler, der den pädophilen Onkel Ernie verkörpert, ist eine Wucht, aber auch Natalie Langston, die den Part von Tommy´s Mutter mimt, gefiel mir außerordentlich gut mit ihrer glasklaren Stimme, nicht zu vergessen Kimmy Edwards, die den Song der Gypsy Queen so durch das kleine Theater schmetterte, dass sie sich nicht hinter ihrem Film-Vorbild Tina Turner verstecken müsste.

Auch Shimi Goodman besticht in der Szene als Priester derartig, dass man sich anschließend fragt, ob Eric Clapton gar eine Fehlbesetzung für die Filmvorlage war.

Tommy selbst wird von 2 unterschiedlich alten Kindern und Leo Miles verkörpert. Dieser agiert gleichzeitig als Erzähler und hat eine gute Bühnenpräsenz, wenngleich seine Stimme für meinen Geschmack zu viel "Twang" beinhaltet, was dem allgemeinen Trend entgegenkommt, mir aber grundsätzlich missfällt.

Das Bühnenbild und die Austattung sind erneut eine Lehrstunde für die unzähligen Theater der Republik, die mit relativ kleiner Bühne und begrenzten Mitteln auskommen müssen. Was hier mit tollem Licht, wenigen stimmigen Requisiten und atmosphärischer Videokunst gelingt, dass ist Spitzenklasse.

Und abschließend sind es wieder die vielen kleinen Ideen und Regieeinfälle, die aus einer guten eine exzellente Produktion machen: Die Masken, die Tommy´s Sinnesabschirmung visualisieren, die Wiederholung des Traumas als der Spiegel bricht - in Zeitlupe und mit riesiger Pistole, die Stimmverfremdung wenn die Außenwelt auf Tommy einredet, all das ist genial.

Der finale Kunstgriff, dass Stück so enden zu lassen, wie es begonnen hatte, und damit all das Erlebte anzuzweifeln, wird sicher für gemischte Meinungen sorgen, doch auch hier deckt sich der Geschmack des Regisseurs mit meinem: Was Tommy auf seinem Weg vom autistisch-isolierten Trauma-Kind zum Messiahs der Massen erlebt ist derart abgedreht, dass diese finale Relativierung für mich nur konsequent erscheint.

Die Musik ist übrigens so mitreißend, dass ich mich frage, wie ich diese jahrelang ignorieren konnte. Die CD mit der Gesamtaufnahme vom ETF läuft bereits im Hintergrund, während ich diese Zeilen schreibe. Mir gefällt sie deutlich besser als die Originalaufnahme, aber natürlich auch deshalb, weil ich jeden Ton und jede Zeile mit Bildern des Erlebten verknüpfe.

Wenn ich einen Wunsch an das ETF äußern dürfte, dann wäre es der Wunsch nach Kontinuität und weiteren mutigen Projekten - meine Anregung wäre "Parade" auf der Frankfurter Bühne.

Das Stück läuft noch eine Weile im ETF und scheint anschließend auf Tournee zu gehen. Ob ich es uneingeschränkt weiterempfehle? Auf jeden Fall, dieses Musical hat mich derart begeistert, dass ich nach Jahren des Schweigens (Parallele zu Tommy?!) meine erste Rezension geschrieben habe.

Bugini (erste Bewertung)


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 muz-Lexikon
Handlung
In der von der Band "The Who" 1967 herausgebrachten Rockoper geht es um den Jungen Tommy, der in frühester Kindheit einen Mord mit ansehen muss, daraufhin traumatisiert, blind und taub und später noch Opfer eines sexuellen Missbrauches wird. mehr

 Kurzbewertung [ i ]
(jal)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Perfekte, rockige Unterhaltung, ein Ensemble, bei dem alles stimmt und eine kurzweilige Inszenierung. Mit “Tommy” hat das English Theatre wieder einen Musical-Hit.

27.11.2011

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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