Best of Spotlight 2026 - Schlussapplaus © André Böke
Best of Spotlight 2026 - Schlussapplaus © André Böke

NEUE REZENSION
Best of spotlight 2026 (2026)
spotlight musicals GmbH, Fulda

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Die Spotlight-Musicalgala auf dem Fuldaer Domplatz hat 2026 neben der hochkarätigen Besetzung sowie den opulenten Orchester- und Chorklängen mit Dennis Martins größten Hits auch eine kleine Musical-Uraufführung im Programm: Das Comedy-Stück „Der allmächtige Handkäs“ wird von der Konzertbesetzung und einigen Gastdarsteller:innen zur allgemeinen Freude des hessischen Publikums mit herzhaften Lachern und Jubelrufen willkommen geheißen.

Das Domplatz Open Air im Barockviertel Fuldas lockt mit einem facettenreichen Konzertprogramm bis zu 4000 Zuschauende pro Show auf die Tribünen vor der großen, technisch hervorragend ausgestatteten Außenbühne. Im Rahmen des alljährlichen Musicalsommers veranstaltet Spotlight Musicals nicht nur eine En-suite-Produktion im Schlosstheater – dieses Jahr die Uraufführung von „Der Schimmelreiter“ –, sondern steuert auch eine große Musicalgala zum Open-Air-Programm bei, zu der Peter Scholz hochkarätige Sänger:innen und Darsteller:innen aus der deutschsprachigen Musicalszene einlädt, um die bekanntesten Lieder aus Dennis Martins mittlerweile neun Uraufführungen umfassendem Repertoire (in diesem Jahr lediglich ohne „Kolpings Traum“) für die von nah und fern angereisten Musicalfans zu interpretieren.

In diesem Jahr findet neben Musicalsommer und Domplatz Open Air zudem auch der Hessentag in Fulda statt. Im Rahmen der festlichen Eröffnung dieser Veranstaltung zum 80. Jubiläum des Landes Hessen hat sich die hessische Comedy-Legende Henni Nachtsheim (Badesalz) mit Ali Neander von den Rodgau Monotones und dem Kreativteam von Spotlight Musicals zusammengetan, um das 40-minütige Comedy-Musical „Der allmächtige Handkäs“ mit finanzieller Unterstützung des Landes Hessen zu realisieren. Neben Nachtsheim stehen unter anderem Radio-Moderator Johannes Scherer, Autor und Comedian Franz Habersack, der Chefredakteur der Fuldaer Zeitung Tobias Farnung, No-Angels-Star Sandy Mölling sowie zahlreiche Musicaldarstellerinnen und -darsteller auf der Bühne, die entweder bei „Der Schimmelreiter“ mitwirken, bei der Spotlight-Gala als Solist:innen auftreten oder eigens für das Projekt engagiert wurden. Die Live-Band wird von Rodgau-Monotones-Gitarrist Ali Neander geleitet. Die Kölner Symphoniker und ein großer Konzertchor begleiten sowohl die Konzertgala als auch das Comedy-Musical.

Vor Beginn der „Best of“-Gala sind die Publikumsstimmen bezüglich dieses Doppelprojekts zwiegespalten: Einige wünschen sich statt der gewagten „Handkäs“-Uraufführung lieber mehr Songs von Dennis Martin, für die sie zur Spotlight-Gala gekommen sind, andere erhoffen sich aufgrund der geflossenen Steuergelder eine große Comedy-Show – die Skepsis ist spürbar, wird aber zunächst hinten angestellt, denn der Abend beginnt mit dem musikalischen Querschnitt durch die neun Musicals von Spotlight.

Die technisch perfekt ausgestattete Außenbühne wird für die Gala optimal genutzt. Das Lichtdesign von Pia Virolainen kreiert ausgelassene Konzertstimmung, schafft aber auch durchaus dramatisch mitreißende Musicalmomente, die durch Annie Brackens Videodesign mittels großer Hintergrundprojektionen noch potenziert werden. Sven Selvik hat das Licht punktgenau synchron programmiert, sodass die Visualität des Abends ihre volle Wirkung entfalten kann. Auch Thomas Strebels Sounddesign lässt keine Wünsche offen: Die Stimmen und Melodien werden glasklar über den Domplatz geleitet und die orchestrale Kraft kommt besonders zur Geltung. Inga Hilsberg leitet die Kölner Symphoniker, beginnend mit der eindrucksvollen „Bonifatius“-Ouvertüre, schwungvoll und virtuos. Das rund 30-köpfige Orchester, unter anderem mit Martin selbst am Klavier, erstrahlt mit zusätzlicher Band in sattem Klang. Die nicht selten opulente Klangpracht von Dennis Martins Partituren erhält durch das Orchester greifbar cineastische Dimensionen, aus der einzelne Stimmen und klangliche Schattierungen trotz klanglicher Wucht stets klar hervortreten. Das Orchester bringt die stilistische Spannweite des Komponisten eindrucksvoll zur Geltung. Durch den rund 40-köpfigen, von Frank Hollmann geleiteten Chor gewinnen einige von Martins Liedern eine geradezu epische Dimension. Mit originalen Kostümen aus den jeweiligen Musicals und Martin Ruppels Choreografien, die vor allem bei den Ensemblenummern ihre Wirkung entfalten, werden auch die zwölf Solist:innen und 20 Ensemblemitglieder visuell und energetisch stimmig präsentiert.

Da „Päpstin“-Darstellerin Sandy Mölling erst zum „Handkäs“-Teil in Erscheinung tritt, darf Verena Mackenberg, die diese Rolle ebenfalls als Hauptbesetzung bekleidet, die großen Songs „Das bin ich“ und „Einsames Gewand“ neben den anderen Damen-Soli aus den Spotlight-Musicals nahezu allesamt interpretieren. So strahlt sie stimmlich beispielsweise zudem mit „Wann trägt der Wind mich fort“ aus „Bonifatius“ und schlüpft in die Rollen der Wilhelmine aus dem Musical „Friedrich“ und der Mary Cullen aus „Der Medicus“. Gesangliche Unterstützung aus der Damenriege erhält Mackenberg vor allem durch die sehr spontan eingeladene Femke Soetenga, die mit dem „Bonifatius“-Song „Starke Frauen“ das Publikum mitreißt.

André Haedicke darf in seiner Paraderolle des Bruder Tuck „Fünfe gerade sein“ lassen und die Tribünen zum Schunkeln bringen, während Dennis Henschel mit seinem neuen Charakter Ole aus „Der Schimmelreiter“ zu „Dreichgraf eines Weibes wegen“ große Stimmgewalt beweist. Pamina Lenn berührt als Elke im Duett zu „Sternenmeer“ zusammen mit Sascha Kurth, der an diesem Abend auch als Rob Cole mit „Mein Weg“ aus „Der Medicus“ gesanglich begeistert. Philipp Büttner schlüpft abermals in die Titelrolle des „Robin Hood“ zu „Woran kann ich noch glauben“, kann aber als Schah zu „Isfahan“ auch seine flamboyante Seite und großartige Riffs präsentieren. Jogi Kaiser heizt mit rockiger Stimme als Wolfram von Eschenbach mit „Wunder oder Wahrheit“ ein, während Tobias Bieri als junger Friedrich von Preußen mit „Sterbekittel“ bewegt.

Sein älteres Pendant interpretiert Chris Murray zu „Ebenbild“ darstellerisch wie gesanglich auf markerschütternd intensive Art. Der Ausnahmekünstler zeigt zu „Hinter hohen Klostermauern“ aber auch seine anrührende Seite und beweist aufs Neue sein herausragendes performatives Geschick. Dem kommt Ethan Freeman als John Silver zu „Hey-ho“ und als Bonifatius mit „Gib mir Kraft“ eindrucksvoll gleich; Murrays und Freemans Auftritte sind große Highlights des mit musikalischen Glanzmomenten gefüllten Abends.

Die Comedy „Der allmächtige Handkäs“ folgt direkt im Anschluss an den Galateil und bildet den Großteil des zweiten Aktes: Im Jahr 2126 ist die Energiequelle des Imperiums Hessen ein riesiger, durch Kernfusionsenergie scheinbar unerschöpflich aufgeladener Handkäs. Da er jedoch tatsächlich an Energie verliert, will man durch eine Zeitreise die berühmtesten Hessen aller Zeiten, u.a. die Gebrüder Grimm, Goethe oder Rudi Völler, versammeln. um ihn durch vereinte hessische Kraft wieder aufzuladen….

Christoph Jilo zeichnet neben Henni Nachtsheim für das ulkige Buch und die Liedtexte verantwortlich. Neanders Melodien sind eingängig, und es wechseln sich klassische Musical-Anleihen mit bekannten Songs aus dem hessischen Kulturkreis ab – so singt nicht nur Heinz Schenk bekannte Melodien, sondern es erklingen auch die Lieder „Die Hesse komme“ von Neanders Band Rodgau Monotones und die Fußballhymne „Es gibt nur ein‘ Rudi Völler“. Zu den musicalhaften Eigenkompositionen gehört „Ich hör mir diesen Schwachsinn net mehr an“, das Rudi Völler singt, oder Goethes Ballade „Ich will die Sterne vom Himmel schreiben“, die sich als musikalisch durchaus eingängige Lieder erweisen.

Christoph Drewitz setzt bei seiner Regie erfolgreich auf die effektvolle Präsentation der vielen Comedy-Elemente des Stücks, sodass jeder Witz und jede Pointe beim Publikum zünden. David Hartlands Choreografie ist schwungvoll, überlädt die Szenen dabei aber nicht unnötig. Adam Lees Kostüme sind peppig, bunt und tragen durch die unterschiedlichen Stile maßgeblich zur Zeitreise-Illusion bei. Gerade die futuristischen Kluften sind echte Hingucker. Sein Bühnenbild, bestehend aus zwei dampflassenden Säulen, einem die Zeitmaschine mimenden Portal, einer beleuchteten Handkäs-Monumentalität und einer Science-Fiction-Kommandozentrale, erhält durch Annie Brackens Videodesign einige cineastische Momente, die durch Pia Virolainens Lichtdesign gerade am späten Abend visuell voll zur Geltung kommen. Frank Hollmann leitet das Orchester einwandfrei durch die stilistisch unterschiedlichen Songs, und Thomas Strebels Sounddesign sorgt für einen wuchtigen Klang.

Den Darstellenden, darunter Jogi Kaiser als Rudi Völler, André Haedicke und Johann Samuel Betz als Gebrüder Grimm, Alida Will als Charlotte Grimm, Ethan Freeman als Bonifatius, Henni Nachtsheim als Doc Bembel, Sandy Mölling als Sandiana und Dennis Henschel als Elvis, bietet das Kurz-Musical kleine aber dankbare Rollen, die sie alle mit viel Talent für Comedy ausfüllen. Das musikalische Highlight interpretiert Volker Metzger als Goethe mit der Ballade „Ich will die Sterne vom Himmel schreiben“, während Pamina Lenn in ihrer Rolle der witzigen KI Ursula eine perfekte Siri-Parodie abliefert, was zum größten darstellerischen Glanzmoment der Inszenierung wird.

Nicht nur bei den überwiegend hessischen Zuschauenden scheint dieses Musicalprojekt gut angekommen zu sein – und obwohl es einen krassen Stilbruch zum Hauptteil, dem Best-of-Spotlight-Konzert, darstellte, wurde es mit Begeisterung oder zumindest Wohlwollen angenommen.

Am Ende stimmen alle Sänger:innen das berührende und zu diesem identitätsspiegelnden Abend durchaus passende Lied „Heimat“ aus „Der Medicus“ an. Das komplette Ensemble kommt mit Orchester, Band, Chor und Kreativteam gemeinsam auf die Bühne, um sich für einen ungewöhnlichen, aber rundum stimmigen Abend vom Publikum feiern zu lassen. Musicalsommer, Domplatz Open Air und der Hessentag haben durch Spotlight Musicals eine gelungene Fusion erlebt.


  
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11.06.2026 - 12.06.2026Domplatz, Fulda2 x
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