Maximilian Teschner (Percy Jackson), Zoltán Selo (Grover Underwood), Lina Gräfe (Annabeth Chase) © Matthias Jung, Junges Theater Bonn
Maximilian Teschner (Percy Jackson), Zoltán Selo (Grover Underwood), Lina Gräfe (Annabeth Chase) © Matthias Jung, Junges Theater Bonn

NEUE REZENSION
Diebe im Olymp - Das Percy Jackson Musical (seit 10/2026)
Junges Theater, Bonn

Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neSpielorte
 

Mit einem Reisebus aus Pappaufstellern, zahlreichen kleinen Regieeinfällen und einem talentierten jungen Ensemble bringt das Junge Theater Bonn in Koproduktion mit dem Theater Bonn die Welt der griechischen Mythologie auf die Bühne. Regisseur Bernard Niemeyer setzt bei „Percy Jackson – The Lightning Thief“ auf eine humorvolle und temporeiche Inszenierung, die besonders durch ihre kreativen Bühnenlösungen, gelungene Lichteffekte und die Spielfreude der Darstellenden überzeugt.

Das Musical basiert auf dem Roman „Diebe im Olymp“ von Rick Riordan. Das Buch stammt von Joe Tracz, Musik und Liedtexte von Rob Rokicki in der deutschen Übersetzung von Sina Schütte und Luisa Neumann. Erzählt wird die Geschichte des jungen Percy Jackson, der plötzlich erfährt, dass er ein Halbgott und der Sohn des Meeresgottes Poseidon ist. Als Zeus‘ Herrscherblitz verschwindet und Percy unter Verdacht gerät, macht er sich gemeinsam mit seinen Freunden Annabeth und Grover auf die Suche nach dem wahren Dieb. Auf ihrer Reise begegnen sie zahlreichen Gestalten der griechischen Mythologie und geraten dabei immer wieder in gefährliche, aber auch äußerst komische Situationen.

Bernard Niemeyer nimmt seine Inszenierung ganz im Stile der Buchvorlage nicht allzu ernst. Die bedrohlicheren Begegnungen mit Göttern und Monstern lockert er mit zahlreichen kleinen Witzen und bewusst überzeichneten Figuren auf. Dabei verlieren die Figuren jedoch nicht an Tiefe. Die Ängste und Probleme der Gotteskinder sind trotz ihrer göttlichen Abstammung zutiefst menschlich und werden bei aller Komik ernst genommen. Besonders die drei Hauptfiguren profitieren davon, dass zwischen den actionreichen Szenen immer wieder Raum für ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten bleibt.

Das Bühnenbild von Mara Lena Schönborn nimmt einen großen Teil der Spielfläche ein. Kantige, ineinandergreifende Felsformationen in grau-grünlichen Farbtönen bestimmen das Bild. Die abstrakten, teilweise schräg angeordneten Elemente lassen sich keiner konkreten Umgebung zuordnen und bilden damit einen Hintergrund für die zahlreichen Schauplätze der Handlung. Eine in die Felslandschaft integrierte Öffnung schafft zusätzliche Auftrittsmöglichkeiten. So entsteht eine recht umfangreiche Grundkulisse, die mit wenigen Ergänzungen immer wieder neue Orte darstellen kann. Gleichzeitig minimiert die Kulisse aber auch die eigentliche Spielfläche, was Szenen mit vielen Darstellenden manchmal ein wenig zugestellt wirken lässt. 

Besonders viel Einfallsreichtum zeigt die Inszenierung beim Umgang mit kleineren Requisiten und Kulissenteilen. Ein Bus wird beispielsweise lediglich durch mehrere Pappaufsteller dargestellt. Wälder entstehen auf ähnliche Weise durch Baumaufsteller. Größere mythologische Monster wie der Minotaurus werden als überdimensionale Puppen dargestellt, die sich aus einzeln beweglichen Elementen für Augen, Maul und weitere Körperteile zusammensetzen. Der Zentaur Chiron zieht einen ganzen Pferdekörper hinter sich her und Medusas abgeschlagener Kopf rollt polternd von der Seite auf die Bühne. Die Produktion versucht nicht, jede übernatürliche Begebenheit möglichst realistisch darzustellen. Stattdessen vertraut sie darauf, dass die Zuschauenden die angebotenen Bilder annehmen und mit ihrer Fantasie ergänzen. Das funktioniert über weite Strecken ausgesprochen gut.

Unterstützt wird das Bühnenbild durch eine abwechslungsreiche Lichtgestaltung. Das felsige Bühnenbild wird mit cleverer Beleuchtung schnell zur Unterwelt oder zur Küstenlandschaft und aus einer Felsenformation entsteht ein Portal. So werden mit gezielten Lichtwechseln und einzelnen Effekten unterschiedliche Orte und übernatürliche Ereignisse sichtbar gemacht. Bei der Darstellung von Percys Wasserkräften kommen auch Projektionen zum Einsatz, auch wenn diese Effekte stellenweise noch eindrucksvoller ausfallen könnten. Ansonsten ergänzen sich Bühne und Licht hervorragend und machen viele der Szenen zu echten Hinguckern.

Larissa Fühners Choreografien bleiben überwiegend unkompliziert, sind aber sauber einstudiert und passend in die Szenen integriert. Statt auf besonders anspruchsvolle Tanzfolgen setzt die Produktion auf gut koordinierte Gruppenbewegungen und kleinere choreografische Einfälle. Wenn Poseidon, Gott des Meeres, mit einem Bewegungsstil, der an Capoeira erinnert, über die Bühne tänzelt, wird auch für das Publikum nachvollziehbar, wie befremdlich Percy seine neue Umgebung erscheint. Die Götter sind hier eben keine majestätischen Wesen, sondern mitunter ziemlich schräge Gestalten.

Die Musik von Rob Rokicki, die rockige Nummern mit ruhigeren, gefühlsvollen Liedern verbindet, wird in Bonn instrumental vom Band gespielt. Der Gesang ist weitgehend gut verständlich und die Abmischung lässt sowohl den Stimmen als auch der Musik genügend Raum. An einigen Stellen wirken die Übergänge zwischen musikalischen Abschnitten allerdings etwas abrupt. In der besuchten Vorstellung wurde das ein oder andere Mikrofon erst einen Moment zu spät geöffnet, was allerdings aufgrund des recht kleinen Theaters und der nicht verstärkten Akustik nicht zu Verständnisschwierigkeiten sorgte.

Die größte Stärke der Produktion liegt allerdings in ihrer Besetzung. Das junge Ensemble bringt eine Spielfreude auf die Bühne, die besonders den humorvollen Szenen zugutekommt. Gesanglich bewegt sich die Aufführung insgesamt auf einem soliden Niveau, mit einigen herausragenden Gesangsmomenten. Schauspielerisch gelingt es den Darstellenden immer wieder, selbst kleine unscheinbare Szenen zu Highlights zu machen.

Ahmed El Kholy übernimmt in der besuchten Vorstellung die Titelrolle und zeigt einen herrlich tollpatschigen Percy Jackson. Besonders in den Momenten, in denen seine Figur vollkommen überfordert oder regelrecht panisch auf die absurden Ereignisse reagiert, überzeugt El Kholy mit gutem komödiantischem Timing. Er macht Percy zu einem Jugendlichen, der sich zwar immer wieder mutig seinen Aufgaben stellt, dabei aber keineswegs wie ein unerschrockener Held wirkt.

An seiner Seite steht Lina Gräfe als Annabeth Chase. Sie bildet einen gelungenen Gegenpol zum häufig überforderten Percy und kann insbesondere gesanglich überzeugen. Ihre Stimme gehört zu den positiven Überraschungen des Abends und kann sich so auf jeder Profi-Bühne zeigen.

Zoltán Selo übernimmt die Rolle des Satyrs Grover Underwood und legt seine Darstellung ausgesprochen theatralisch an. Mit tänzelnden Bewegungen, überdeutlicher Körpersprache und einer bisweilen stark überzeichneten Spielweise sorgt er für zahlreiche komische Momente. Seine Interpretation passt gut zum grundsätzlich humorvollen Ton der Inszenierung und macht Grover zu einer auffälligen Figur innerhalb des Trios.

Darüber hinaus glänzt das restliche Jugendensemble ausnahmslos und sorgt gemeinsam mit dem Haupttrio für ein mitreißendes Theatererlebnis. Auch gesanglich und tänzerisch beweist der gesamte Cast sein Talent.

Unterstützt werden die Jugendlichen von drei erwachsenen Profis: Axel Becker, Thomas Kahle und Isabella Gonzalez übernehmen passenderweise die erwachsenen Rollen und ergänzen das junge Ensemble. Gerade diese Mischung aus jugendlichen und erwachsenen Darstellenden, die jeweils altersgerecht besetzt sind, verleiht der Inszenierung eine besondere Glaubwürdigkeit. Dabei stehen die jungen Talente ihren erfahrenen Kolleginnen und Kollegen in nichts nach und sorgen gemeinsam mit ihnen für eine durchweg überzeugende Ensembleleistung.

„Percy Jackson – The Lightning Thief“ gelingt am Jungen Theater Bonn als kurzweilige, humorvolle und vor allem einfallsreiche Musicalinszenierung. Bernard Niemeyer und sein Team setzen die fantastische Handlung mit einfachen, aber wirkungsvollen Theatermitteln um und finden zahlreiche Gelegenheiten für kleine visuelle und komödiantische Überraschungen. Dabei verliert die Inszenierung auch die zentralen Themen der Geschichte nicht aus dem Blick: Die junge Generation muss sich die Welt selbst machen und aus dem Schatten ihrer Eltern treten. Eine Botschaft, die für diese talentierte Jugendbesetzung nicht passender gesetzt werden könnte.

Musical nach dem Roman von Rick Riordan
Buch von Joe Tracz
Musik und Gesangstexte von Rob Rokicki

 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neSpielorte
KREATIVTEAM
InszenierungBernard Niemeyer
Musikalische LeitungEkaterina Klewitz
BühneMara Lena Schönborn
KostümKatharina Savvides
ChoreografieLarissa Fühner
Deutsche FassungSina Schütte
Luisa Neumann
 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neSpielorte
CAST (AKTUELL)
Percy JacksonAhmed El Kholy
Maximilian Teschner
Annabeth ChaseEliana Craciun
Lina Gräfe
Grover UnderwoodMartin Wald
Zoltán Selo
Luke CastellanAlbert Teves
Moritz Reinisch
Clarisse La RueClélia Oemus
Soraya-Nikita Krajewski
Katie GardnerGreta Fußhöller
Alia Olk
Daniela Craciun
Silena BeauregardEmilia Paereli
Lina Sophie Kalisch
Lee FletcherKonstantin Kluth
Gustav Hellmann
Lou Ellen BlackstoneEmma Maschke
Milena Hüsgen
Charly BeckendorfAiden Hucho
Leandro Siantis
Mr. Brunner / Chiron / Poseidon / Hades u. a.Axel Becker
Mr. D. / Ares u. a.Thomas Kahle
Percys Mutter u. a.Isabella Gonzalez
  
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neSpielorte
TERMINE
Do, 05.11.2026 10:00Junges Theater, Bonn
Fr, 06.11.2026 10:00Junges Theater, Bonn
Fr, 06.11.2026 18:30Junges Theater, Bonn
Sa, 07.11.2026 15:00Junges Theater, Bonn
Sa, 07.11.2026 19:30Junges Theater, Bonn
Fr, 04.12.2026 10:00Junges Theater, Bonn
Fr, 04.12.2026 18:30Junges Theater, Bonn
Sa, 05.12.2026 15:00Junges Theater, Bonn
Sa, 05.12.2026 19:30Junges Theater, Bonn
Fr, 18.12.2026 10:00Junges Theater, Bonn
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SPIELORTE
02.10.2026 - 03.10.2026Telekom Forum, Bonn2 x
08.10.2026 - 31.12.2026Junges Theater, Bonn27 x
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