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Das Schauspielstudio der TU Darmstadt hat sich mit „Percy Jackson“ erstmals eines Musicals angenommen. Der Truppe gelingt ihr Genredebut unter tosendem Applaus; der Schweiß, das Blut und die Tränen, die in diese Produktion geflossen sind, werden durch die schöne Performance auf der Bühne offenkundig.
Zahlreiche Jugendbücher, zwei Kinofilme und eine Serie auf Disney+ zählen zum populären „Percy Jackson“-Franchise von Rick Riordan, in dem ein Halbgott mit seinen Freunden zuerst um die Anerkennung ihrer göttlichen Eltern und im weiteren Verlauf um die Rettung der Welt kämpft. Riordans Geschichte bedient sich der griechischen, später auch römischen Mythologie und setzt den Olymp in das moderne New York City, den Tartaros nach Los Angeles und bevölkert die USA mit klassischen Monstern wie Chimären, Gorgonen und dem Minotaurus, die den jungen Protagonisten nach dem Leben trachten. Ihr sicherer Zufluchtsort ist das Camp Half Blood, in dem sie nicht nur ihre göttlichen Wurzeln und spezielle übernatürlicheFähigkeiten kennenlernen, sondern im Bestfall auch eine „Quest“, also einen Auftrag erhalten, um sich vor ihren Eltern zu beweisen.
Das 2014 uraufgeführte Musical „Diebe im Olymp: Das Percy Jackson Musical“ (engl. Originaltitel „The Lightning Thief: The Percy Jackson Musical“) zeichnet recht originalgetreu die Handlung des ersten Buches, in dem Titelheld Percy seine Herkunft nachverfolgt und ganz nebenbei einen Krieg zwischen den drei olympischen Hauptgöttern Zeus, Hades und Poseidon verhindert. Das Ganze gelingt ihm zusammen mit seinen Freunden Annabeth, Tochter der Athene und dem Satyr Grover. Das Buch von Joe Tracz strotzt vor jugendlichem Witz und setzt den Fokus auf die Leichtigkeit der Handlung, wenngleich auch einige tiefergehende und bewegende Momente entstehen. Da hier der Auftakt einer mehrbändigen Fantasy-Buchreihe als Musical dargestellt wird, bleiben viele eingeführte Figuren recht blass oder nur andeutungsweise charakterisiert, ohne dass sich die Relevanz dieser Charaktere erschließt – dies geschieht erst in den Folgebänden der Geschichte, die im Musical nicht abgedeckt werden. Dadurch wirkt die Handlung als Bühnenwerk teilweise unausgegoren und fragmenthaft, das Ende bleibt relativ offen und für Zuschauer, die nicht mit dem „Percy Jackson“-Universum vertraut sind, bleiben wahrscheinlich einige Fragezeichen zurück. Eine in sich geschlossene Storyline oder eine für sich stehende Auskopplung aus dem Franchise wäre wahrscheinlich eine publikumsfreundlichere Herangehensweise an diesen Stoff gewesen. Nicht zuletzt deshalb wird dieses Musical eher ein Nischenstück bleiben.
2022 wurde das Werk erstmals in deutscher Sprache aufgeführt und bisher hierzulande selten gespielt. Aufgrund der großen Fanbase, der modernen Erzählweise und der durchaus ohrwurmträchtigen und abwechslungsreichen Musik von Rob Rokicki erfreut sich das Stück trotzdem eines gewissen Kult-Followings und passt wie ähnlich nischige Werke à la „Bare: A Pop Opera“ oder „Urinetown“ hervorragend in das künstlerische, kreative wie mentale Umfeld von jungen Schauspiel- und Musicalgruppen. Insofern ist „Percy Jackson“ am Schauspielstudio der TU Darmstadt bestens aufgehoben. Das Ensemble besteht zum Großteil aus bereits musicalerprobten LaiendarstellerInnen, die in umliegenden Vereinen bereits verschiedene Musiktheaterstücke auf die Bühne gebracht haben. Ihre Erfahrung kommt auch dieser Inszenierung zugute:
Besonders Rebecca Göbels Choreographien wissen zu begeistern. Sowohl die flotten und modernen Tanzarrangements in den Ensemblenummern wie „Ich klatsch dich an die Wand“, als auch die durchaus actiongeladenen und dynamischen Kampfabläufe bilden ein großes Highlight der Produktion. Eindrucksvoll mystisch wird „Das Orakel“ inszeniert: Ein rundum stimmiger Moment, in dem auch Maximilian Kannapinns Lichtdesign symbiotisch mit der Choreographie zusammenwirkt. Die größtenteils saubere Tontechnik und die für die Möglichkeiten der kleinen Spielstätte durchaus differenzierte Lichttechnik setzen das Stück in einen guten akustischen wie visuellen Rahmen. Rae Rähses und Petra Reddigs Kostümbild orientiert sich stimmig an den bekannten Buch- und Serienfiguren und auch mit Robert Bruns und Valentin Klinks Bühnenbild zusammen ergeben sich einige eindrucksvolle wie unterhaltsame Bilder, die durch Marina Hardt-Mitidieris und Marius Tritschlers Regieführung voll punkten können: Der Kampf von Mutter Sally mit dem riesigen Minotaurus, das Endgefecht von Percy gegen den Gott Ares, bei dem der Held seine Wasserkräfte entdeckt und eine Welle über das Publikum zischen lässt, die turbulente Reise mit Bus und Motorrad quer durch die USA oder die Fährüberfahrt auf dem Styx mit Discostimmung sind schöne Momente der Inszenierung. Auch die Körpersprache und die Interaktionen, die die Regie den einzelnen Figuren angedeihen lassen, sind einerseits stimmig und sorgen andererseits auch für entzückte Lacher im Publikum. So beispielsweise, als sich Percys Lehrer mit dem Ausschütteln seiner Haarpracht in den Zentauren Chiron verwandelt, sich die Aushilfslehrkraft als buchstäbliche Furie entpuppt oder eine Auseinandersetzung mit der Gorgone Medusa aus Versehen mit ihrer Enthauptung endet – da bleibt kein Auge trocken!
Schöne Projektionen unterstützen das Bühnengeschehen und besonders die Videos und Zeichnungen von Lorena Müller wissen zu gefallen. So wird die Reise nach Los Angeles zum Teil als animierter Comic präsentiert, aus dem die echten DarstellerInnen wieder in die Szene hineinzuspringen scheinen. Auch bei der Verwandlung der Halbgöttin Thalia in eine Kiefer verschmilzt die animierte Projektion mit dem Geschehen auf der Bühne in inspirierender Weise.
Der große Wermutstropfen im Vergleich zu einigen umliegenden Vereinen und Produktionen ist die fehlende Live-Musik, was fairerweise zu erwähnen ist. Die Stärke der DarstellerInnen ist vor allem im Schauspiel zu verorten; jedes der 10 Ensemblemitglieder schlüpft in zahlreiche Rollen und füllt sie alle mit Spielfreude und Nuanciertheit aus. Die Energie der Truppe springt immer wieder auf das Premierenpublikum über. Rae Rähse gefällt neben der Aphroditetochter Silena und der bösen Medusa mit einem Spagat zwischen Mystik und Komik vor allem mit ihrer jähzornigen Interpretation von Dionysos bzw. Mr. D., so beispeilsweise im Song „Ein neuer schrecklicher Tag“. Lucy Hessler räumt als Furie Mrs. Dodds am Anfang des Stücks viele Lacher ab. Charlotte Paulsen spielt die temperamentvolle, fast chronisch aggressive Clarisse Larue, deren Vater Ares von Marius Tritschler mal bedrohlich, mal süffisant gegeben wird. Tritschler brilliert in der nicht einfach zu interpretierenden Rolle des Luke Castellan, dessen Charakterwandlung die Buchfans auch im Musical mitreißen dürfte. Robert Bruns macht unter anderem als Meeresgott Poseidon in lässiger Surferboy-Optik eine gute Figur.
Die drei HauptdarstellerInnen wechseln rollenbedingt nicht laufend ihre Charaktere: Valentin Klink ist als Grover Underwood der Sympathieträger des Halbgöttertrios und beweist Geschick für gute Comedy. Trotzdem gelingt es ihm auch mit „Der Baum auf dem Hang“, rührselige Momente zu kreieren. Marina Hardt-Mitidieri spickt die vor allem am Anfang recht besserwisserische Annabeth mit nahbaren Emotionen und gefällt mit ihrem Solo „Mein großer Plan“. Patrik Keufen beweist profundes und nuanciertes Schauspiel in seiner Hauptrolle des Percy, den er nicht nur zu spielen, sondern zu verkörpern scheint. Er füllt den von jugendlicher Energie bestimmten Charakter mit Akzenten von Melancholie und beweist so ein eindrückliches Schauspieltalent. Gesanglich gefallen vor allem sein Duett „Stark“ mit Gina Boesebeck sowie seine Songs „Verlor’n!“ und „Sohn von Poseidon“, die er gemeinsam mit Hardt-Mitidieri und Klink singt. Der heimliche Star des Abends kommt in Gestalt von Gina Boesebeck daher, die mit Profi-Gesangsstimme die musikalischen Highlights des Abends darbietet. Als Mutter Sally beweist sie anrührendes Schauspiel. In der Rolle von Charon reißt sie zudem mit „Todgeweiht“ nahezu die Hütte ab und erschafft einen wahren Showstopper. Beeindruckend! Wer in der Region wohnt, sollte sich dieses Kleinod nicht entgehen lassen.
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) | |||
| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Produktionsleitung | Marina Hardt-Mitidieri Marius Tritschler |
| Regie | Marina Hardt-Mitidieri Marius Tritschler |
| Choreografie | Rebecca Göbel |
| Musikalische Leitung | Patrik Keufen |
| Produktionsassistenz | Xenia Vaas |
| Regiesassistenz | Robert Bruns |
| Kostümbild | Rae Rähse Petra Reddig |
| Licht | Maximilian Kannapinn |
| Tontechnik | Jessica Flügel Patrik Keufen |
| Maskenbild | Xenia Vaas Gina Boesebeck |
| Projektionen, Videos, Zeichnungen | Lorena Müller Roman Richter Marina Hardt-Mitidieri |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Percy Jackson | Patrik Keufen |
| Annabeth Chase | Marina Hardt-Mitidieri |
| Grover Underwood | Valentin Klink |
| Luke / Ares | Marius Tritschler |
| Sally Jackson / Katie / Charon | Gina Boesebeck |
| Mr D / Silena / Medusa | Rae Rähse |
| Clarisse / Orakel / Thalia | Charlotte Paulsen |
| Chiron / Hades | Tim Haubert |
| Will / Mrs Dodds | Lucy Hessler |
| Poseidon / Gabe | Robert Bruns |
| Kronos (Stimme) | Alexander Keil |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| keine aktuellen Termine |
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| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
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| Fr, 02.05.2025 20:00 | TU Darmstadt (Wilhelm-Köhler-Saal), Darmstadt | Premiere | |||||||
| Sa, 03.05.2025 20:00 | TU Darmstadt (Wilhelm-Köhler-Saal), Darmstadt | ||||||||
| Fr, 09.05.2025 20:00 | TU Darmstadt (Wilhelm-Köhler-Saal), Darmstadt | ||||||||
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| Sa, 10.05.2025 20:00 | TU Darmstadt (Wilhelm-Köhler-Saal), Darmstadt | ||||||||
| So, 11.05.2025 20:00 | TU Darmstadt (Wilhelm-Köhler-Saal), Darmstadt | ||||||||
| Fr, 16.05.2025 20:00 | TU Darmstadt (Wilhelm-Köhler-Saal), Darmstadt | ||||||||
| Sa, 17.05.2025 20:00 | TU Darmstadt (Wilhelm-Köhler-Saal), Darmstadt | ||||||||
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