CD Cover "This is the Greatest Show 2026" © HitSquad Records
CD Cover "This is the Greatest Show 2026" © HitSquad Records

NEUE REZENSION
This is the Greatest Show 2026
Live Aufnahme / 2026

Musical-Konzerte leben von der unmittelbaren Wirkung des Abends: wechselnde Solistinnen und Solisten, große Ensemble-Nummern und der schnelle Sprung von einem Stück zum nächsten. Auf CD reduziert sich dieses Konzept zwangsläufig auf seinen musikalischen Kern – und muss damit auch ohne Bühnenshow und Konzertatmosphäre bestehen. Die Live-Doppel-CD der 2026er-Tour von „This Is The Greatest Show!“ stellt sich dieser Herausforderung mit einem ausgesprochen breit gefächerten Programm. Zwischen häufig gehörten Musical-Klassikern finden sich dabei überraschende Repertoireentscheidungen und neue Interpretationsansätze, die der Compilation einen eigenen Reiz verleihen. Allerdings zeigt sich ebenso schnell, dass nicht jede Partitur gleichermaßen davon profitiert, für eine sechsköpfige Band aufbereitet zu werden. 

Besonders deutlich wird das beim „Titanic“-Block. Maury Yestons Partitur bezieht einen wesentlichen Teil ihrer Wirkung aus der Größe und den Klangfarben des Orchesters. In der für das Konzertformat eingerichteten Fassung wirkt die Musik deutlich schlanker und verliert damit etwas von jener Dimension, die dem Score seinen besonderen Charakter verleiht. Etwas anders liegt der Fall etwa bei „Ich gehör nur mir“ aus „Elisabeth“: Als Terzett von Verena Mackenberg, Michaela Schober und Roberta Valentini erhält der vielfach gehörte Klassiker eine reizvolle neue Perspektive und überzeugt durch das Zusammenspiel der drei Stimmen. Auch hier kann die Bandbegleitung zwar nicht die orchestrale Farbigkeit eines großen Musicalorchesters ersetzen, die interpretatorische Idee besitzt jedoch genügend Eigenständigkeit, um die Nummer aus dem vertrauten Gala-Repertoire herauszuheben. Gerade auf CD fallen solche Unterschiede stärker ins Gewicht, weil die visuelle Ebene der Konzertshow als zusätzlicher Reiz vollständig entfällt. 

Umso interessanter wird die Zusammenstellung dort, wo Repertoire und Bandbesetzung unmittelbar zusammenfinden oder die Songauswahl abseits der üblichen Standards liegt. Patrick Stanke ist mit „The Hurricane“ aus Frank Wildhorns „Death Note“ zu hören, dessen poppig-rockiger Sound sich für die kompakte musikalische Umsetzung besonders gut eignet. Einen noch ungewöhnlicheren Akzent setzt der mehrteilige Block aus John Kanders und Fred Ebbs „Der Kuss der Spinnenfrau“, in dem unter anderem Filippo Strocchi und Friedrich Rau mit „Marta / Aurora“ sowie Verena Mackenberg mit „Das Lied der Spinnenfrau“ zu hören sind. Trotz der jüngsten Filmadaption gehört das Musical hierzulande keineswegs zum selbstverständlichen Repertoire von Musical-Konzertformate. Gerade solche Ausflüge abseits der bekannten Dauerbrenner des Genres machen die Doppel-CD interessant. 

Das durchgehend hohe gesangliche Niveau gehört zu den großen Stärken der Aufnahme. Verena Mackenberg, Friedrich Rau, Michaela Schober, Patrick Stanke, Filippo Strocchi und Roberta Valentini bringen reichlich Musicalerfahrung mit und bewegen sich souverän durch die sehr unterschiedlichen Stilrichtungen des Programms. Auch Prince Damien fügt sich als Special Guest selbstverständlich in die Besetzung ein. Dabei profitiert die Aufnahme davon, dass nicht ausschließlich einzelne Solonummern aneinandergereiht werden: Immer wieder finden die Stimmen in unterschiedlichen Konstellationen zusammen, unterstützt von den Showman Singers, die dem Programm als Ensemble zusätzliche Geschlossenheit verleihen. Die sechsköpfige Band unter Florian Bölkers musikalischer Leitung erweist sich dabei als ebenso verlässliche Konstante und setzt die stilistisch weit auseinanderliegenden Arrangements präzise um. 

Aufnahmetechnisch präsentiert sich die Doppel-CD auf dem gewohnt hohen Niveau von HitSquad. Stimmen und Instrumente sind ausgesprochen sauber und transparent abgemischt, sodass während der Songs kaum der Eindruck eines Live-Mitschnitts entsteht. Über weite Strecken könnte die Aufnahme ebenso unter kontrollierten Studiobedingungen entstanden sein. Umso überraschender wirkt es mitunter, wenn Friedrich Raus Moderationen den Konzertsaal akustisch wieder ins Spiel bringen oder am Ende einer Nummer plötzlich der Applaus einsetzt. Gerade für eine Veröffentlichung, die unabhängig vom besuchten Konzert funktionieren soll, erweist sich diese klangliche Präzision als großer Vorteil. 

Auch die Ausstattung kann sich sehen lassen: Die beiden CDs stecken in einem klassischen Jewel Case, dem ein umfangreich gestaltetes Booklet mit Informationen zur Show und zahlreichen Szenenfotos beiliegt. Den Solistinnen und Solisten ist jeweils eine Doppelseite mit Biografie und großformatigem Porträt gewidmet, auch die Showman Singers werden mit Foto und namentlicher Zuordnung vorgestellt. So hält der Hörer neben den Live-Aufnahmen gleichzeitig auch eine hochwertig aufbereitete Dokumentation der Tournee in der Hand. 

HitSquad setzt damit auch bei „This Is The Greatest Show! 2026“ den hohen Standard fort, den das Label bei seinen Musical-Veröffentlichungen etabliert hat. Klangbild und Aufmachung lassen erkennen, mit welchem Anspruch die Bühnenproduktion für den Tonträger aufbereitet wurde. So entsteht eine Veröffentlichung, die die Tournee musikalisch wie dokumentarisch überzeugend festhält.  

 
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