| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) |
Das Musical „Dear Evan Hansen“ setzt wichtige Impulse für eine gesündere gesellschaftliche Entwicklung. In der Niederländischen Übersetzung von Danny Westerweel tourt das Stück durch unser Nachbarland. Die Regie Daan Wijnands setzt auf eine schlichte Optik und schafft zusammen mit einer hervorragenden Cast enormen emotionalen Tiefgang, der trotz Sprachbarriere nichts von seiner Wirkung einbüßt.
Im Zentrum des Buchs von Steven Levenson, das bisher nur einmal im deutschsprachigen Raum – beim Musical Frühling in Gmunden – inszeniert wurde, steht der Teenager Evan Hansen. Er leidet unter sozialen Ängsten und findet kaum Anschluss. Als sich sein Mitschüler Connor Murphy das Leben nimmt, wird ein von Evan selbst verfasster Brief fälschlicherweise als Connors Abschiedsgruß interpretiert: Connors Familie glaubt, die beiden wären gute Freunde gewesen. Die unerwartete Aufmerksamkeit lässt Evan aufblühen, doch je weiter er sich der Lüge hingibt, desto schwerer wird es für ihn, sich der Wahrheit zu stellen.
Das 2015 in Washington uraufgeführte Dramatical erhielt sechs Tonys. Kluge Regieideen Wijnands schaffen Raum für Verständnis im Umgang mit seelischen Erkrankungen ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu belehren. Zugleich zeigt die Produktion auf, weshalb vielen Menschen, die sich für psychisch stabil halten, oft das Verständnis fehlt, wenn andere intensiver fühlen oder ausdrücken, dass ihre Emotionen entgleisen oder sie steckenbleiben. Gerade in den sozialen Medien besteht die Gefahr, sich mit der scheinbar perfekten Lebensführung anderer zu vergleichen und sich selbst infrage zu stellen. Auch Evan verstrickt sich in eine verfälschte Selbstdarstellung, auch im Internet. Mit der Akzeptanz der eigenen Wahrheit kann für Evan Heilung erst beginnen: Eine der emotionalsten Szenen des Abends ist der Moment zwischen Evan und seiner Mutter, in dem sie ihm versichert, ihn niemals zu verlassen („Zo Groot, Zo Klein“). Evan war mittlerweile selbst so labil, dass auch er hätte in die Katastrophe kippen können. Tim van’t Hof lässt die Darsteller hier in nur einem Lichtkegel zueinander finden. Evan (Ward van Klinken) kauert zu den Füßen seiner Mutter (Marlijn Weerdenburg). Optisch passiert fast nichts, doch emotional wirkt diese Szene durch die großartige Darstellung und völlige Reduktion von Effekten besonders immersiv.
Unter der musikalischen Leitung von Mark van den Beemt spielt das musikalische Ensemble die meist poppige Partitur von Benj Pasek und Justin Paul mit spürbarer Intensität. Auch die leisen Töne gelingen hervorragend. Die Sichtbarkeit der Musiker:innen im Bühnenhintergrund rückt nicht nur die Musik als weiteren Ausdruck von Emotionalität in den Mittelpunkt der Inszenierung: Sie vermittelt rein optisch den Eindruck, die Geschichte spiele inmitten der Gesellschaft.
Das schlichte Bühnenbild von Roos Veenkamp besteht aus mehreren großflächigen Stufen, die flexibel genutzt werden: Links ist das Zuhause der Hansens, rechts das der Murphys. Ausziehbare Elemente dienen als Sitzgelegenheiten, kleine Schubladen lassen Requisiten wie den Laptop rasch verschwinden. Würfelartige Podeste werden geschickt in die bewusst reduzierten Choreografien von Daan Wijnands integriert.
Die Kostüme von Daphne de Winkel zeigen die Figuren der Erwachsenen in zeitloser Alltagskleidung, während die Jugendlichen jeweils ihren individuellen Stil tragen: Zoe trägt zunächst ein leichtes Sommerkleid, das sie sehr mädchenhaft erscheinen lässt. Später, nach Evans Offenbarung, wirkt Zoe nach einem Kleidungswechsel mit langer Hose viel erwachsener und ebenfalls gereift.
Beeindruckend ist das Projektionsdesign von Arjen Klerkx, das die Social-Media-Welt und Evans digitale Kommunikation visualisiert. Schlagworte wie „niemand“ und Kommentare erscheinen großflächig, teils auf herabgelassenen Projektionsflächen, die zeitweise sogar Evan selbst verdecken – ein starkes Bild für seine Überforderung.
Die Besetzung des Ensembles ist für jede Rolle ein absoluter Volltreffer: Ward van Klinken überzeugt in der Titelrolle Evan Hansen mit starkem Ausdruck in Gestik und Mimik sowie seinem gefühlvollen Timbre. Van Klinken macht seine Figur mit seiner Natürlichkeit zum absoluten Sympathieträger und bietet dem Publikum seinen Evan zur Identifikation an.
Marlijn Weerdenburg gestaltet Evans Mutter vielschichtig und leidenschaftlich im Gesang. Durch die Tiefe ihrer Darstellung fühlt sich das Publikum, wie die Figur des Evan, von ihr ertappt, aber auch gesehen und angenommen. Weerdenburgs Heidi Hansen ist jedoch keine Heilige: Auch sie ringt sichtbar mehrfach mit der Situation und stellt ihre Überforderung als Mutter zur Schau.
Pepijn van den Berg wirkt als Connor zugleich roh und verletzlich. In den Szenen, in denen er Evan als innere Stimme erscheint, stellt er einen starken körperlichen Ausdruck unter Beweis. Van den Bergs Connor will gar nicht gefallen und tut es umso mehr durch das künstlerische Niveau und die authentische Darstellung des tief verletzten Teenagers.
Cystine Carreon und Alex van Bergen zeigen ein berührendes Bild der Trauerbewältigung, die beide getrennt voneinander nur für sich allein vollziehen können, auch wenn das Bühnenpaar sichtlich harmoniert. Mit leidenschaftlichem Spiel lassen sie ihre Figuren füreinander und um ihre Ehe kämpfen.
Lisa Schol trägt als Connors Schwester Zoe die Zerrissenheit ihrer Figur authentisch vor. Sowohl in ihrem zunächst naiv anmutendem Spiel als auch in ihrer starken gesanglichen Interpretation schwingen Verletzlichkeit und Kraft mit.
Voller Würde und Respekt vor Menschen mit psychischen Leiden zeigt die Inszenierung ihr Erleben auf, ohne zu verschweigen oder zu beschönigen. Betroffene fühlen sich gesehen, weniger Betroffene ohne moralische Belehrung aufgeklärt und berührt. Das Ensemble trägt die Dramatik der Geschichte gesanglich und schauspielerisch auf enorm hohem Niveau vor. Selbst wer des Niederländischen kaum mächtig ist, kann jeden Bogen nachvollziehen, was von hoher Theaterkunst zeugt.
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) | |||
| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Produktion | Antoine Uitdehaag |
| Inszenierung & Choreografie | Daan Wijnands |
| Musikalische Leitung | Mark van den Beemt |
| Bühnenbild | Roos Veenkamp |
| Kostüme | Daphne de Winkel |
| Projektionsdesign | Arjen Klerkx |
| Licht | Tim van 't Hof |
| Sounddesign | Maarten Houdijk |
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) | |||
| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Evan Hansen | Ward van Klinken |
| Heidi Hansen | Marlijn Weerdenburg |
| Cynthia Murphy | Cystin-Carreon (Nyncke Beekhuyzen) |
| Larry Murphy | Alex van Bergen |
| Connor Murphy | Pepijn van den Berg |
| Zoe Murphy | Lisa Schol |
| Jared Kleinman | Dave Rijnders |
| Alana Beck | Naima Bayo |
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) | |||
| GALERIE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|





| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) | |||
| TERMINE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| keine aktuellen Termine |
|---|
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Termine (Archiv) | |||
| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Mo, 16.06.2025 20:00 | DeLaMar Theater, Amsterdam |
Tausch Dich mit anderen Musicalfans in unserem Forum aus.

