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In der eindrucksvollen Kulisse der alten Burgruine Wilhelmstein in Würselen bringt Regisseur Tom Hirtz das preisgekrönte Pop-Rock-Musical „Frühlings Erwachen“ als intensives Freilichttheater auf die Bühne.
Eine deutsche Kleinstadt der 1950er Jahre dient als Schauplatz der Coming-of-Age-Geschichte einer Gruppe Jugendlicher, geprägt von Neugier, Rebellion, Unsicherheit und der Suche nach Identität. Als Kriegskinder leiden sie unter den Traumata der Elterngeneration – einer (weiteren) Generation, die verschweigt, anstatt aufzuklären. Die liebevoll und vielschichtig gezeichneten Jugendlichen sind sich in vielem selbst überlassen, besonders darin, sich gegenseitig über Liebe und Sexualität aufzuklären, weil ihnen diese Erfahrungen im familiären Umfeld oft nur unter harten Bedingungen oder gar nicht zuteilwurden. Ihre Reise ins Erwachsenwerden ist von tiefgreifenden Erfahrungen geprägt, die man ihnen als mitfühlender Zuschauer gerne ersparen würde.
Das 2006 uraufgeführte, mit acht Tony Awards und einem Grammy ausgezeichnete Musical basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Frank Wedekind aus dem Jahr 1891. Der kraftvolle Kontrast zwischen moderner Pop-Rock-Musik und dem Zündstoff, den jeder Generationskonflikt mit sich bringt, unterstreicht die zeitlose Relevanz des Stücks. Da es u.a. Themen wie emotionale Gewalt, sexuelle Übergriffe im Elternhaus und Suizid behandelt, spricht das DasDa-Theater in seiner Ankündigung verantwortungsvoll entsprechende Triggerwarnungen aus.
Tom Hirtz schreckt nicht davor zurück, belastende Szenen wie die Vergewaltigungen durch den Vater eindrucksvoll – als Schattenspiel hinter geschlossenen Vorhängen – darzustellen. Die Jugendlichen fügen sich viel zu lange den Forderungen der Erwachsenenfiguren, die mit erschreckender Kälte auftreten. Gleichzeitig gelingt es der Inszenierung, aktuelle gesellschaftliche Diskurse um sexuelle Vielfalt und Identität sensibel aufzugreifen: Die aufkeimende Liebe zwischen Ernst und Hänschen, dargestellt von Maciej Bittner und Niklas Schinke, wird ebenso zart und selbstverständlich erzählt wie die zwischen Wendla und Melchior.
Für den kraftvollen Sound sorgt eine siebenköpfige Live-Band unter der musikalischen Leitung von Christoph Eisenburger. Besonders hervorzuheben sind die drei Streicher, die dem Ensemble Tiefe und klangliche Vielfalt verleihen. Die ausdrucksstarken Choreografien von Eveline Gorter, allen voran die zu „Im Arsch“, lassen innere Konflikte körperlich spürbar werden und verleihen der Inszenierung Wucht und Dringlichkeit.
Das Bühnenbild von Frank Rommerskirchen und Judith Meyer nutzt die Ruine eindrucksvoll. Es entstehen symbolträchtige Räume zwischen Enge, Aufbruch und Zerbrechlichkeit. 29 Kruzifixe dominieren die Szenerie als Friedhofskulisse, die ein düsteres Vorzeichen setzt. Ein riesiges, liegendes Kreuz dient je nach Szene als Podium, Schülerpult oder Laufsteg. Die ständigen Perspektivwechsel spiegeln Machtverhältnisse und Ohnmacht. Grüne Tücher verwandeln das Kreuzfeld in einen romantischen Wald – Schauplatz von Wendlas und Melchiors tragischer Begegnung. Die allgegenwärtigen Kreuze stehen sinnbildlich für die rigide sexuelle Moral, die die Jugendlichen in ihrer Entwicklung beschneidet. Die rebellischen Impulse führen bei vielen von ihnen zu einer atheistischen Haltung, geboren aus dem Schweigen und den harten Gesetzen einer Kirche, die auch nichts Liebevolles oder Verständnis kennt.
Die Kostümidee von Rebekka Rück verortet das Stück visuell klar in den 1950er-Jahren: Die jungen Herren sind alle mit kurzen Hosen und Hemden mit Kniestrümpfen ausgestattet. Die jungen Frauen tragen hochgeschlossene Kleider und brave Flechtfrisuren. Besonders die Figur der Ilse hebt sich durch ihre auf Selbstfindung und Emanzipation zielenden, teils sehr fraulichen Outfits ab.
Die Hauptrollen sind hervorragend besetzt: Tobias Steffen verkörpert den nachdenklichen Melchior, dessen Intellekt und vermeintlich aufgeklärte Haltung ihn auszeichnet, ohne ihn unnahbar zu machen. Carina Krämer gelingt es, Wendlas Entwicklung vom neugierigen Mädchen zur jungen Frau stimmlich und schauspielerisch eindrucksvoll nachzuzeichnen. Timo Aust überzeugt als zerrissener Moritz, dessen Charme dem Drama leise Heiterkeit entgegensetzt. Alle drei zeigen mit enormer emotionaler Tiefe die Entwicklung ihrer Figuren und überzeugen gesanglich auf ganzer Linie.
Sarah Artley als Ilse wirkt von Beginn an kraftvoll und impulsiv. Sie bleibt emotional ein wenig abgerückt von der Clique – ein Ausdruck ihrer augenscheinlichen Reife, die sie durch frühzeitige Überforderung erlangen musste. Ihre Figur verdeutlicht, wie sehr ein Kind Schaden nehmen kann, wenn es in Rollen gedrängt wird, die es nicht tragen kann.
Dennis Papst übernimmt mehrere Erwachsenenrollen – vom Schuldirektor bis zum Vater von Moritz – und verleiht jeder Figur ein eigenes Profil. Sammy-Jo Wooley und Anja Mathar sind in Mutterrollen zu sehen, die von Hilflosigkeit geprägt sind. In weiteren Rollen glänzen Kate Lucas als Martha, Celina Höbel als Thea und Johanna Kuhlmann als Anna.
Trotz aller Schwere eröffnet das Finale einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft: In „Das Lied vom Wind des Sommers“ treten alle Darsteller mit einem Kind an der Hand auf – ein starkes Bild für den generationsübergreifenden Wunsch nach Veränderung und Heilung.
„Frühlings Erwachen“ in Würselen ist ein einnehmendes, nachhallendes Theatererlebnis. Es erinnert eindringlich daran, wie viel Verantwortung darin liegt, jungen Menschen Orientierung, Offenheit und bedingungslose Zuneigung mitzugeben.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Inszenierung | Tom Hirtz |
| Musikalische Leitung | Christoph Eisenburger |
| Choreografie | Eveline Gorter |
| Bühnenbild | Frank Rommerskirchen Judith Meyer |
| Kostüme, Ausstattung | Rebekka Rück |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Melchior | Tobias Steffen |
| Wendla | Carina Krämer |
| Moritz | Timo Aust |
| Ilse | Sarah Artley |
| Martha | Kate Lucas |
| Thea | Celina Höbel |
| Anna | Johanna Kuhlmann |
| Ernst | Maciej Bittner |
| Hänschen | Niklas Schinke |
| Schuldirektor / Herr Schmidt / Vater von Melchior / Vater von Moritz | Dennis Papst |
| Mutter von Wendla / Lehrerin | Sammy-Jo Wooley |
| Mutter von Melchior | Anja Mathar |
| Band | Christoph Eisenburger Tom Schreyer Martin Löhrer Lukas Dahle Marion Mattke Nina Leonards Valentin Reischert |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| keine aktuellen Termine |
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| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
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| Do, 05.06.2025 20:00 | Burg Wilhelmstein, Würselen | Premiere | |||||||
| Fr, 06.06.2025 20:00 | Burg Wilhelmstein, Würselen | ||||||||
| Sa, 07.06.2025 20:00 | Burg Wilhelmstein, Würselen | ||||||||
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| So, 08.06.2025 20:00 | Burg Wilhelmstein, Würselen | ||||||||
| Fr, 13.06.2025 20:00 | Burg Wilhelmstein, Würselen | ||||||||
| Sa, 14.06.2025 20:00 | Burg Wilhelmstein, Würselen | ||||||||
| So, 15.06.2025 20:00 | Burg Wilhelmstein, Würselen | ||||||||
| Fr, 20.06.2025 20:00 | Burg Wilhelmstein, Würselen | ||||||||
| Sa, 21.06.2025 20:00 | Burg Wilhelmstein, Würselen | ||||||||
| So, 22.06.2025 20:00 | Burg Wilhelmstein, Würselen | ||||||||
| Fr, 27.06.2025 20:00 | Burg Wilhelmstein, Würselen | ||||||||
| Sa, 28.06.2025 20:00 | Burg Wilhelmstein, Würselen | ||||||||
| So, 29.06.2025 20:00 | Burg Wilhelmstein, Würselen | Dernière | |||||||
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