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Passend zur Weihnachtszeit haben zahlreiche Theater aktuell besinnliche Bühnenwerke auf ihre Spielpläne gesetzt. Neben dem in Deutschland gern gespielten „Vom Geist der Weihnacht“ erzählt auch Alan Menkens und Lynn Ahrens‘ Musical „A Christmas Carol“ Charles Dickens‘ bekannte Geschichte vom garstigen Pfandleiher Ebenezer Scrooge und den drei verheißungsvollen Geistern, die ihn heimsuchen. Während das Stück in den USA seit Jahrzehnten bekannt ist, inszeniert das Theater Pforzheim diesen Winter die deutschsprachige Erstaufführung – und erschafft damit ein kleines Weihnachtswunder auf der Bühne.
Das Musical von den Erfolgsgaranten Alan Menken („Der kleine Horrorladen“, „Der Glöckner von Notre-Dame“, „Hercules“) und Lynn Ahrens („Ragtime“, „Rocky“, „Anastasia“) erzählt Charles Dickens‘ Weihnachtsgeschichte originalgetreu nach. Dieses Werk ist zwar bei weitem nicht das einzige Musical zu der Thematik, das es in den USA zu Bekanntheit geschafft hat (siehe beispielsweise „Scrooge“ oder „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“) – aber wahrscheinlich das, welches sich am hartnäckigsten hält: Das Stück steht seit 1994 in den USA immer wieder auf den Spielplänen der unterschiedlichsten Theater, wurde 2004 verfilmt und über 10 Jahre mit voller Opulenz und Starbesetzung im New Yorker Madison Square Garden aufgeführt. Erstaunlich ist es bei einem Musical von zwei großen Mainstream-AutorInnen, dass es ganze 30 Jahre gedauert hat, bis das Werk seinen Weg nach Deutschland findet. Dankenswerterweise hat das Theater Pforzheim diese Pionieraufgabe übernommen. Lynn Ahrens‘ berührende Texte wurden von Frank Thannhäuser und Iris Schumacher strukturell klar, rhythmisch sauber und inhaltlich wie sprachlich bildreich ins Deutsche übertragen.
Optisch orientiert sich Markus Hertels Inszenierung merklich an den zahlreichen Film-Inkarnationen der viktorianischen Geschichte, was am Bühnenbild und den Kostümen von Erwin Bode deutlich wird. Die die Bühnenseiten flankierenden Häuserfassaden mimen das Londoner Stadtbild überzeugend und das Ensemble wird authentisch und zeitgemäß eingekleidet. Hintergrundprojektionen, ein funkelnder Sternenhimmel und kleinere einfahrbare Sets schaffen es zum Großteil, unterschiedliche Szenen nachvollziehbar und ansprechend zu kreieren. Zuweilen wirken die wenigen Requisiten auf der großen Bühne jedoch etwas verloren; genauso auch einige der Akteure, die nicht selten ihre liebe Mühe zu haben scheinen, die Bühnenfläche für sich einzunehmen und so schlüssige Szenen zu stellen. Allzu oft wabern die Darstellenden von einer Ecke zur anderen in der inszenatorischen Hoffnung, Dynamik oder gar Dramatik zu erzeugen oder Schauplatzwechsel zu mimen – hier spielt aber die restliche Bühnentechnik nicht ganz mit und zeigt sich vor allem seitens des Lichtdesigns zu subtil. Gerade mit der überwältigenden Orchestrierung entstehen so immer wieder Diskrepanzen zwischen Optik und akustischem Genuss.
Trotz einiger Abstriche im inszenatorischen Gesamteindruck gelingen über den Verlauf des Stücks in einzelnen Szenen auch ausgesprochen stimmige Momente, in denen Michael Borowskis Lichtdesign optimal und nahezu cineastisch mit Hertels Inszenierung, dem Ensemble auf der Bühne und dem Orchester zusammenwirkt. Darunter stechen die gesungenen und choreographierten Szenenteile der vier Geister hervor, die Scrooge nacheinander erscheinen. Von diesen symbiotischen Anteilen hätte es gerne mehr geben können.
Große Highlights der Inszenierung sind zum einen Mar Rodríguez Valverdes dynamische Choreographien, die beim schaurigen Kettentanz zu „Glied für Glied“ oder rauschend schön zum Aktfinale „Fezziwigs jährlicher Weihnachsball“ daherkommen und in „Schenk Frohsinn, Menschlichkeit“ kulminieren. Das sechsköpfige Tanzensemble setzt die intensiven Choreographien mit Bravour um und erntet zurecht begeisterten Szenenapplaus. Zum Anderen ist die Badische Philharmonie Pforzheim unter Philipp Haags musikalischer Leitung ein absoluter Hörgenuss, der Menkens sehr dramatisch-opulenten Melodien wuchtig und klangvoll umsetzen. Das rund 30-köpfige Orchester lockt jede noch so kleine instrumentale Nuance aus dem Score heraus und begeistert damit restlos. Der Hörgenuss wird zwar im ersten Akt vor allem durch Störgeräusche und im zweiten Akt durch verpasste Mikrofonschaltungen von tontechnischer Seite etwas eingeschränkt – im Vergleich zu vorigen Musicalinszenierungen in Pforzheim ist der Gesamtton aber glücklicherweise bei „A Christmas Carol“ gut abgemischt und in angenehmer Lautstärke im Auditorium zu vernehmen.
Auch wenn ausgebildete OpernsängerInnen oder reine SchauspielerInnen immer wieder polarisieren, wenn sie in Musicals eingesetzt werden, weil sie entweder stimmlich und phonetisch deplatziert wirken oder gesanglich nicht an die Erwartungen heranreichen können, so funktioniert die Kombination in dieser Inszenierung aufgrund geschickter Besetzungsentscheidungen erfreulich gut. So entsteht ein harmonisches Ensemble, das in weiten Teilen symbiotisch auf der Bühne wirkt und trotz der umfangreichen Statisterie nur wenige Unsicherheiten merkbar macht. Positiv herauszuheben aus dem großen Ensemble sind die Darstellerinnen der Kinderfiguren Tim Cratchit und Grace Smythe, die wunderbar spielen und singen.
Stimmlich bleiben Joanna Lissai und Sophia Klemisch als Geist der vergangenen Weihnacht und Scrooges Schwester Fan in Erinnerung, die mit ihren Musical-Stimmen einen angenehmen Kontrast zu den ansonsten eher klassischen Gesangsstimmen darstellen. Daniel Nicholson und Cecilia Pastawski geben mit ihren großen klassischen Stimmen in den Rollen des jungen Scrooge und seiner Verlobten Emily ein wunderschönes Duett in Form von „Es gibt ein Zuhaus“ zum Besten. Auch Jina Choi und Bernhard Meindl als Geister der zukünftigen und gegenwärtigen Weihnacht füllen ihre Figuren mit Leben und Charme. Nicht nur in ihrer leicht schrulligen Rolle der Mrs. Fezziwig weiß Lilian Huynen die Show zu stehlen: Der Zuschauer spürt die Präsenz dieser ausdrucksstarken Schauspielerin, wann immer sie auf der Bühne erscheint. Ähnlich verhält es sich glücklicherweise auch mit Markus Wessiack, der als Scrooge die Hauptrolle des Abends innehält und mit eingängigem Schauspiel und einer Stimme, die Broadway-Star Patrick Page gleicht, souverän den Wandel vom Fiesling zur Frohnatur zeichnet. Sein großes Selbstfindungssolo „Gestern, heute, morgen, immerdar“ geht unter die Haut.
Wenige Stadttheater setzen auf neue Stoffe, noch weniger auf deutschsprachige Erstaufführungen. Dem Theater Pforzheim ist vor allem für diesen Mut zu danken und all denen, die Menkens gefällige Melodien zu schätzen wissen und vor Heiligabend noch eine berührende Weihnachtsmär erleben möchten, ist der Besuch wärmstens zu empfehlen!
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Musikalische Leitung | Philipp Haag |
| Inszenierung | Markus Hertel |
| Choreografie | Mar Rodriguez Valverde |
| Ausstattung | Erwin Bode |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Scrooge Ebenezer | Markus Wessiack |
| Lampenanzünder / Geist Der Vergangenen Weihnacht | Joanna Lissai |
| Plakatträger / Geist Der Heutigen Weihnacht | Bernhard Meindl |
| Alte Blinde Frau / Geist Der Zukünftigen Weihnacht | Jina Choi |
| Jacob Marley | Santiago Bürgi Steffen Fichtner |
| Fred Anderson / Junger Scrooge | Daniel Nicholson |
| Sally Anderson / Emily | Cecilia Pastawski |
| Mr. Fezziwig | Leopold Bier |
| Mrs. Fezziwig | Lilian Huynen |
| Bob Cratchit | Ingo Wagner |
| Mrs. Cratchit | Franziska Fait |
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| GALERIE | |||||||||
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