Rumi Sutton (Kaori Miyazono) © Mark Senior
Rumi Sutton (Kaori Miyazono) © Mark Senior

NEUE REZENSION
Your Lie in April (2024)
Theatre Royal Drury Lane, London

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Bereits zum zweiten Mal nimmt Frank Wildhorn sehr erfolgreich Anlauf, mit einem auf einem Manga basierenden Musical das Londoner West End zu erobern. Nach “Death Note” im vergangenen Jahr versammelt er nun eine hochtalentierte, junge Cast und sein bewährtes Kreativ-Team für drei Vorstellungen im Theatre Royal Drury Lane, um mit dem ursprünglich als Auftragswerk für die berühmte japanische TOHO Company geschriebenen “Your Lie in April” ein wunderbares modernes Märchen zu erzählen.

Im Interview mit der musicalzentrale Ende vergangenen Jahres erzählte Frank Wildhorn, dass er sich in der Erarbeitung des Stückes den Anime angesehen, geweint und sich anschließend ans Klavier gesetzt habe und gleich die gesamte Partitur geschrieben hätte. Tatsächlich klingt die Musik zu “Your Lie in April” auch sehr wie aus einem Guss. Stilistisch hatte er – auch stoffbedingt – sicherlich ein jüngeres Publikum im Auge. So erinnert die Musik stark an “Death Note”, ohne dass sich Wildhorn selbst kopiert hätte. Das Besondere an der musikalischen Umsetzung des Mangas ist, dass sich erstmals in einem Musical von Frank Wildhorn eigene Kompositionen mit klassischen Musikstücken mischen, um die Geschichte des jungen Pianisten Kōsei Arima zu erzählen, der sein Talent verloren glaubt, bis er auf die Violinistin Kaori Miyazono trifft. Dabei dürfen natürlich weder die eingängigen Solosongs fehlen, noch einer der großen ’11 O’Clock Songs’, für die Frank Wildhorn bekannt ist.

Sowohl die Regie von Nick Winston als auch das Bühnenbild von Justin Williams gehen weit über eine konzertante Fassung hinaus. Zwar sitzt das Orchester in der Mitte der Bühne und ist die ganze Show über zu sehen, allerdings sind die Musiker von einem schlichten, aber sehr eleganten und stimmungsvollen Bühnenbild umgeben. Auf mehreren Ebenen agieren die Figuren der Geschichte. Handlungsorte werden angedeutet durch wenige Requisiten (wie beispielsweise Spinde, die den Gang einer Schule andeuten) sowie eine Videowand auf der linken Seite der Bühne, auf der beispielsweise ein Fußballfeld oder ein Krankenzimmer zu sehen ist. Die beiden zentralen Elemente des Bühnenbilds sind allerdings ein Konzertflügel in der Mitte der Bühne und ein ausladend blühender Kirschbaum, unter dem sich Kōsei und Kaori immer wieder treffen. Durch das pastellfarbene Lichtdesign von Simon Sherriff und die Kostüme von Kimie Nakano entsteht so ein sehr stimmiges “Manga-Feeling”.

Bei der Erzählung der Geschichte haben sich der Manga-Autor Riko Sakaguchi und der für das englische Buch zuständige Rinne B. Groff überwiegend auf die vier Hauptfiguren konzentriert und alle Nebenstränge der Geschichte gekappt. Die Nebenrollen werden damit eher zu Stichwortgebern der Hauptfiguren. Diese Straffung der Story ermöglicht es, die Motive und Emotionen der einzelnen Figuren sehr schön herauszuarbeiten. Neu hinzugekommen sind Kōseis Mutter, die gleich zum Anfang der Geschichte stirbt und dann nur noch in den Erinnerungen Kōseis auftaucht, sowie sein jüngeres Ich, mit denen sich Kōsei zum Ende der Geschichte hin versöhnt und somit optimistisch in die Zukunft blicken kann.

Die beiden Hauptrollen werden von Zheng Xi Yong (Kōsei) und Rumi Sutton (Karori) übernommen. Zheng Xi Yong gelingt eine glaubhafte Darstellung des etwas nerdigen Musterschülers. Neben seinen gesanglichen und schauspielerischen Talenten überzeugt er mit virtuosem Klavierspiel. Rumi Sutton gibt ihre oberflächlich von sich selbst überzeugte Kaori mit einer wunderschönen souligen Stimme, die wie geschaffen ist für Wildhorns gefühlvolle Partitur. Ihr großes Duett “A Hundred Thousand Million Stars” ist einer der Musical-Songs, der sich in den Pop-Charts wiederfinden könnte.

Die aus der letztjährigen “Death Note”-Inszenierung bekannten Dean John-Wilson und Rachel Clare Chan übernehmen die Rollen von Kōseis Freunden Ryota und Tsubaki. Dean John-Wilson ist für die witzigen Momente der Show zuständig und sorgt mit seiner überzogenen Darstellung des Ryota dafür, dass die Geschichte nicht zu rührselig gerät. Rachel Clare Chan bekommt mit “Where’s My Superhero” einen verdienten Showstopper. Lediglich die Besetzung von Kōseis Mutter mit Joanna Ampil wirft einige Fragen auf. Sie darf die gesamte Show über nur einige Zeilen singen – und diese dann stets mit den anderen Figuren gemeinsam. Bei der Ankündigung einer Darstellerin vom Kaliber Joanna Ampils wäre doch auch der ein oder andere größere gesangliche Part zu erwarten gewesen.

Die zwölfköpfige Band unter der Leitung von Chris Poon spielt energisch und schwungvoll. Es macht viel Spaß, den Musikern und ihrem Dirigenten nicht nur zuzuhören, sondern sie in einer Show, die – wie Frank Wildhorn im Interview sagte – eine Liebeserklärung an die Musik ist, auch im Einsatz zu beobachten. Mit “Your Lie in April” etabliert sich Frank Wildhorn nach “Bonnie and Clyde” und “Death Note” immer mehr im Londoner West End. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Ankündigung einer nächsten Londoner Erstaufführung folgen wird. Auch den deutschsprachigen Musical-Markt könnte “Your Lie in April” bereichern. Die Londoner Inszenierung zeigt zumindest, wie ein gut gemachtes und mit einfachen Mitteln stimmungsvoll inszeniertes Musical junge Leute ins Theater bringt, wenn das Thema und die Umsetzung sie ansprechen.

 
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KREATIVTEAM
MusikFrank Wildhorn
BuchRiko Sakaguchi
Englischsprachiges BuchRinne B Groff
TexteCarly Robyn Green
Tracy Miller
Regie und ChoreographieNick Winston
BühnenbildJustin Williams
KostümeKimie Nakano
OrchestrationJason Howland
Musikalische LeitungChristopher Poon
Licht DesignSimon Sherriff
Sound DesignAdam Fisher
 
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CAST (AKTUELL)
Kōsei ArimaZheng Xi Young
Kaori MiyazonoRumi Sutton
Tsubaki SawabeRachel Clare Chan
Ryota WatariDean John Wilson
Kōsei's MotherJoanna Ampil
Young KōseiNicholas Teixeira
Harrison Lui
EnsembleEu Jin Hwang
Julie Yammanee
Jade Albertsen
Lauren Chia
Hannah Yun Chamberlain
Imogen Rose Hart
Yuki Abe
Chris Fung
Ernest Stroud
JoJo Meridith
Michael Lin
Samuel How
Jason Wang-Westland
  
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TERMINE
keine aktuellen Termine
 
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TERMINE (HISTORY)
Mo, 08.04.2024 19:30Theatre Royal Drury Lane, LondonPremiere
Di, 09.04.2024 14:30Theatre Royal Drury Lane, London
Di, 09.04.2024 19:30Theatre Royal Drury Lane, London
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