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SOMMER-MUSICAL-TIPP:
Wie jedes Jahr eine Märchen-Uraufführung mit bekannten Darstellern, 2017 u.a. Anna Montanaro und Anna Thorén
Märchenmusical

Vom Fischer und seiner Frau

Uraufführung


© Brüder Grimm Festspiele - Hendrik Nix
© Brüder Grimm Festspiele - Hendrik Nix
Das neue Musical der Brüder-Grimm-Festspiele in Hanau verzaubert mit Songs von Marc Schubring und glanzvollen Kostümen und Masken aus der Hand der Preisträgerinnen des Deutschen Musical Theaterpreises 2016 - Ulla Röhrs und Wiebke Quenzel. Auch in diesem Jahr wird mit dem Musical eine Uraufführung präsentiert, die bekannte Namen aus der Musicalszene bereithält.

(Text: jal)

Premiere:12.05.2017








Kreativteam

Buch, Liedtexte Kevin Schroeder
Regie Holger Hauer
Musik Marc Schubring
Musikalische Leitung Markus Syperek
Choreografie Bart de Clercq
Bühnenbild Tobias Schunck
Kostüme Ulla Röhrs
Maske Wiebke Quenzel


Besetzung

Ilsebill Anna Montanaro
Munk, der Fischer Ron Holzschuh
Stig, der Butt Janko Danailow
Ran, die Meeresgöttin Sophia Euskirchen
Asta von Rangholt Anna Thorén
Ole von Rangholt Ben Zimmermann
Harald Blatant Holger Hauer
Pinn Oliver Morschel
Meta Jessica Rühle
Ensemble Mirjam Wolf
Saskia Allers
Fabian Böhle




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Brüder Grimm Festspiele - Hendrik Nix
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© Brüder Grimm Festspiele - Hendrik Nix
© Brüder Grimm Festspiele - Hendrik Nix
© Brüder Grimm Festspiele
© Brüder Grimm Festspiele

Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


Wofür Würdest Du Sterben?

18.06.2017 - Seit einigen Jahren sind die Grimm Festspiele fester Bestandteil in meinem Theaterjahr, aber in der Vergangenheit konnte keines der Musicals wirklich begeistern.
Das hat sich mit „Vom Fischer Und Seiner Frau“ geändert, nach dem ich mit einem derartig ergriffenen Gefühl nach Hause ging.

Die Märchengeschichte, die zwar einige Andeutungen zu mehr hat, wie die, dass der Butt ein verwunschener Prinz ist, hat emotionale Tiefe und Schärfe bekommen, die Charaktere haben dreidimensionale Persönlichkeiten und Vergangenheiten erhalten, um ihre Handlungen besser zu verstehen und nachvollziehen zu können, egal, ob man Verständnis dafür hat, was sie tun.

Besonders interessant ist die Vermischung der ursprünglichen Geschichte von Philipp Otto Runge mit der Sage der in der Ostsee versunkenen Stadt Vineta, die einst im Großraum Usedom/Rügen existiert haben soll.
Diese sei aber in einem Sturm untergegangen, woran die Bürger und ihre Hochmut, Verschwendung und moralischen Abgründe Schuld gewesen sein sollen, woraus sich der Kreis zum Fischer Munk und seiner Frau Ilsebill schließt.

Der Butt Stig ist hier wirklich ein verwunschener Prinz, der aus dieser Stadt Vineta stammt.
In dieser wird alles durch seinen Vater, den König diktiert, aber bis auf den Butt scheint keiner der Bewohner ein Problem damit zu haben und leben glücklich und zufrieden.
So wagt der Butt es, die Stadt hinter sich zu lassen und das Meer zu erkunden, wobei er dem Fischer begegnet und das Unheil bzw. die bekannte Geschichte seinen/ihren Lauf nimmt.

Das gesamte Buch von Kevin Schroeder strotzt nur vor intelligenten Dialogen und Liedtexten. So ernst und dunkel das Thema ist, (Grimms Märchen sind ja generell eher dunkel und definitiv in den Originalversionen meist nichts für Kinder) gibt es aber auch immer wieder humorvolle Momente vor allem durch die Freunde des Butts.

Überhaupt hat das kreative Team um Regisseur Holger Hauer herum bildkräftige einfallsreiche Szenen kreiert, die flüssig hintereinander weg erzählt werden. Nur selten habe ich in all den Jahrzehnten, die ich ins Theater gehe, ein derartig Dynamik auf einer Bühne erlebt, jede Szene bringt seine besonderen Momente, dass man gar nicht seinen Blick von der Bühne wenden will, denn man müsste befürchten, etwas zu verpassen.

Seien es die unterhaltsamen Szenen wie die Eröffnungsszene im zweiten Akt, wo die Bourgeoisie etwas auf die Schippe genommen wird, die melancholischen Szenen, wenn der Fischer über sein Leben reflektiert oder die Szenen voller Verzweiflung, wenn sich Ilsebill und Munk den Geschehnissen der Vergangenheit stellen am Ende des Stückes, jede ist mit so viel Genius umgesetzt.
Die stimmige passende Choreografie von Bart De Clercq unterstreicht immer wieder die Bilder eindrucksvoll, nichts wirkt hier, wie oftmals der Fall in Musicals albern und fehl am Platz.

Das hölzerne Bühnenbild, das grundlegend mit Anpassungen ja immer für alle Stücke der Festspiele genutzt wird, passt perfekt in die geografische Landschaft des Stückes, das genau wie die Ostsee einen gewissen spröden Charme verströmt und durch wenige Handgriffe und weiteres Holz wie ein halbes Boot, das für die Meerszenen immer wieder unter einem Steg auftaucht (das auch für eines der anderen Stücke bei den Festspielen genutzt wird), werden die unterschiedlichen Orte darstellt und das Regiekonzept perfekt ausleben lässt. Besonders beeindruckend ist mit wie wenig Materialeinsatz wie blauen Tüchern und den richtigen Bewegungen durch das Ensemble die erste Begegnung des Fischers mit dem Butt beim Fischen auf der offenen See überwältigend umgesetzt worden ist. Manchmal ist weniger eindeutig mehr.

Mehr sind auch die Kostüme des Ensembles von Ulla Röhrs designt. Jeder in einem maritim angehauchten Kostüm, Männer generell Shirt und Chino ähnlichen Hosen, Damen klassischer Rock und Bluse/Shirt, werden diese durch Westen, Mäntel etc. variiert bzw. teilweise verdeckt, wenn diese Unterwassergestalten darstellen mit Überwürfen bestickt mit Texturen, die wie Fische, Algen, Muscheln aussehen, die im Laufe der Geschichte, wenn die Ereignisse fortschreiten, sich auch noch verändern.
Einige, insbesondere das vom Butt im 2. Akt erinnert etwas an Fluch der Karibik, aber das ist generell nichts schlimmes.

Musikalisch, von Marc Schubring komponiert, bietet das Stück eine fantastische Mischung aus gefühlvollen Balladen um die emotionalen Zwiespalte zu umterstreichen und extrem kraftvollen rhythmischen Melodien, die immer mal wieder an keltische (Folk-)Musik erinnern und ins Ohr gehen, wunderbar durch die fünfköpfige Band unter der Leitung von Markus Syperek umgesetzt und vom Ensemble mit Cajons, die gleichzeitig als Requisit genutzt werden, unterstützt.

Anna Montanaro konnte mich im ersten Akt nicht immer begeistern, mir war das gelegentlich einfach zu viel, das macht sie aber im zweiten Akt, insbesondere in der finalen Szene wett, wenn sie voller Seelenschmerz nach immer mehr giert, um endlich emotional befreit zu werden. So groß ist ihr Schmerz, was man ihr mit jeder Silbe abnimmt.

Ron Holzschuhs Munk hat sehr was von einem einsiedlerischen kurz angebundenen Seewolf, der einfach nur seine Ruhe haben will, aber im Laufe des Stückes erkennt man, das es in ihm brodelt bis er dann endlich explodiert. Diese Entwicklung geschieht mit so einer Detailliertheit, die einfach begeistert.

Ebenso begeistert das restliche Ensemble.
Sophia Euskirchen als Meeresgöttin Ran, die nicht nur in ihren zwei Solonummern, wie ihr \"Wofür Würdest Du Sterben?\" eine Kraft und Spielfreude zeigt, ist, wie der Schlussapplaus zeigt, zumindest habe ich es so empfunden, der heimliche Star der Inszenierung.
Janko Danailow als Butt Stig gelingt es großartig, die Zwiespälte, in denen sich sein Charakter befindet, aufzuzeigen, die sich insbesondere in seiner sublimen Mimik widerspiegelt. Seine zweite Solonummer im zweiten Akt ist eine emotionale Achterbahn und rührt mich zu Tränen.

Oliver Morschel und Jessica Rühle als Butts Freunde sind entzückend mit ihrem Esprit, Anna Thoren als leicht frustrierte Asta, eine Freundin von Ilsebill, und die anderen tragen zu diesem besonderen Theatererlebnis bei, der mir sicherlich lange in Erinnerung bleiben wird.

Eine Antwort auf \"Wofür Würdest Du Sterben?\" habe ich für mich aber noch nicht gefunden.

MH2404 (19 Bewertungen, ∅ 3.2 Sterne)


Märchenhaft?

15.06.2017 - Normalerweise meide ich diese sommerlichen (fast) Open Air-Veranstaltungen wie der Teufel das Weihwasser. Schlechtgekleidete Menschen in Flip-Flops, bewaffnet mit Sitzkissen und Kaltgetränken stehen vor Dixi-Klos Schlange. Nein Danke!
Eigentlich! Weshalb ich dieses Jahr eine Ausnahme gemacht habe, hat zwei Gründe:
1. Anna Montanaro
2. Marc Schubring

Um das Fazit vorwegzunehmen: Begeisterung pur!

Die Umsetzung des Märchens VOM FISCHER UND SEINER FRAU ist in allen kreativen und künstlerischen Belangen herausragend gut gelungen.

Diese filigrane doppeldeutige Parabel, die sich so angenehm von den sonstigen Monster-Mörder-Massaker-Stoffen aus dem Grimm-Kosmos abhebt, ist von ihrer intelligenten Grundsubstanz her schon bestens für eine theatralische Adaption geeignet.
Literarisch hat man sich die eine oder andere Freiheit genommen. So hat der Butt z.B. eine sehr komplexe Vor- und Lebensgeschichte, die einen nennenswerten Anteil einnimmt. Das Ganze ist jedoch durchaus stimmig und ohne Längen.

Marc Schubring beweist (nicht zuletzt nach den grandiosen GEFÄHRLICHEN LIEBSCHAFTEN), dass er kompositorisch alles beherrscht.
Komplexe, anspruchsvolle Klanggebilde ebenso, wie eingängige, emotionale Musical-Melodien.

Auch die optische Umsetzung ist perfekt: Aus zunächst spröde und schlicht wirkenden Holzaufbauten auf der Bühne, werden durch eine erstaunlich Vielzahl von unsichtbaren Öffnungen Zugangsmöglichkeiten für Darsteller und Kulissenteile möglich. Dieses Ambiente passt perfekt und lässt reibungslosen, schnellen Szenenwechsel zu.

Die stimmigen Kostüme sind auch eine Meisterleistung. Die \"Grundkostüme\" werden, teilweise auf der Bühne, mit Applikationen und Accessoires in sekundenschnelle verändert und lassen so einen komplett neuen Charakter glaubhaft entstehen.
Insbesondere die Unterwasserwesen sind großartig gelungen und Lichtjahre von schrillbuntem Disney-Kitsch entfernt.

Die Regie von Holger Hauer müsste man eigentlich stundenlang loben. Da stimmt einfach alles: Treffende Personzeichnung, dramaturgischer Aufbau, Dynamik und Tempo, originelle Ideen ohne Ende. Chapeau!

Die Besetzung? Auch hier müsste man eigentlich sehr weit ausholen und jedem einzelnen der Darsteller für seine Professionalität und ansteckende Spielfreude danken.
Ron Holzschuh, Sophia Euskirchen, Anna Thoren, Janko Danailow, ....Top!
Als Krönung gibt Anna Montanaro (mal wieder, muss man fast sagen) eine schauspielerische Leistung der Sonderklasse. Die Vielschichtigkeit mit der sie die Ilse zeichnet, ist virtuose Schauspielkunst. Hochemotional (manchmal nahezu schmerzhaft) ist es für das Publikum mitzuerleben, wie sich diese unzufriedene Frau aus ihrem bescheidenen Alltagsleben verabschiedet, sich in Größenwahn und Machtgier verliert und letztendlich doch noch eine Katharsis durchlebt.

Ich bin mir überhaupt nicht so sicher, ob VOM FISCHER UND SEINER FRAU besonders gut für Kinder geeignet ist. Insbesondere der zweite Akt ist dunkel und dramatisch und die Doppeldeutigkeit überlagert den Märchencharakter der Vorlage.

Ich bin bestens und intelligent unterhalten worden bei den Hanauer Grimm-Festspielen.
Das Musical ist in dieser Form ein kleines Juwel.
Oder, um im maritimen Umfeld zu bleiben: eine Perle!

kevin (121 Bewertungen, ∅ 3.4 Sterne)


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