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Deutschsprachige Erstaufführung

Doktor Schiwago

Die Welt ist geteilt in zwei


© Kirsten Nijhof
© Kirsten Nijhof
Zum wiederholten Mal beweist Regisseur Cusch Jung, dass sich auch hinter einem Broadway-Flop ein Rohdiamant verbergen kann, der an der Musikalischen Komödie Leipzig zum Strahlen gebracht wird.

(Text: Claudia Leonhardt)

Premiere:27.01.2018
Rezensierte Vorstellung:28.01.2018
Showlänge:200 Minuten (ggf. inkl. Pause)


Liebe, Krieg, gesellschaftlicher Umsturz, Rache und Verlust – das knapp 700-seitige Drama von Literaturnobelpreisträger Boris Pasternak zieht alle Register eines klassischen Historien-Epos. Um die komplexe Story auf der Bühne anschaulich wiederzugeben, braucht die Musical-Fassung immerhin drei Stunden. Das Ergebnis ist eine gelungene Kombination aus großem Liebesdrama und Gesellschaftsportrait Russlands im Wandel zwischen Erstem Weltkrieg und Oktoberrevolution.

© Kirsten Nijhof
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Im Mittelpunkt steht Jurij Schiwago, Arzt und Dichter aus gutem Hause, den am Tag seiner Hochzeit mit Jugendliebe Tonia die Schicksalsbegegnung mit der impulsiven Lara aus der Bahn wirft. Während sich die Wege der beiden immer wieder kreuzen und ihre Gefühle füreinander mehr und mehr aufflammen, verändert sich die Welt um sie herum radikal: Bürgerkrieg und sozialistische Revolution machen Schiwagos Familie zu Verfolgten und Schiwago findet sich immer wieder im Zwiespalt von Pflichtbewusstsein und innerer Überzeugung.

Die Musik von Lucy Simon ("Der geheime Garten") knüpft nahtlos an die großen historischen Drama-Musicals der letzten beiden Jahrzehnte an. Gerade bei den balladesken, wohlklingenden Soli und Duetten wirkt so manche Melodie ein wenig vertraut und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, ähnliches schon hier oder da gehört zu haben. Mehr Individualität zeigen die dynamisch-kraftvollen Ensemblenummern, bei denen immer wieder traditionelle russische Folklore-Elemente eingebaut werden, was sich wunderbar ins Stück einfügt und Atmosphäre schafft. Trotzdem bleibt wenig davon längerfristig im Ohr und alles in allem fehlt dem Werk über weite Strecken eine eigenständige musikalische Handschrift. Ein geschickter Schachzug war es, die Schiwago-Melodie aus der Verfilmung ("Lara's Theme" / "Somewhere, My Love", im deutschen vertont u.a. von Karel Gott als "Weißt du, wohin") einzubauen: Das melancholische "Einst kommt der Tag", teils in Russisch, teils in Deutsch gesungen, ist der Ohrwurm, den das Musical sonst vermissen lässt.

© Kirsten Nijhof
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Am Broadway war "Doctor Zhivago" 2015 nur eine kurze Laufzeit vergönnt: Nach knapp 50 Vorstellungen blieben die Besucher weg. Darum muss sich die musikalischen Komödie in Leipzig bei der deutschen Erstaufführung keine Sorgen machen: Alle Vorstellungen der ersten Spielzeit sind bereits ausverkauft. Überhaupt steht dem kleinen Haus das große, opulente Drama äußerst gut. MuKo-Chefregisseur Cusch Jung lässt trotz der beachtlichen Spieldauer so gut wie keine Längen aufkommen. Besonders der zweite, stückbedingt temporeichere sowie auch musikalisch abwechslungsreichere Akt vergeht wie im Fluge.

Das statische Bühnenbild ist eher zweckdienlich als opulent, wird aber durch geschickt eingesetztes Lichtdesign, die Nutzung von Requisiten sowie die wunderbar vielfältigen und mit viel Liebe zum Detail gearbeiteten historischen Kostüme von Karin Fritz optimal bereichert. So entstehen immer wieder atmosphärisch dichte Bilder – sei es die prunkvolle Hochzeitsgesellschaft, die bedrohlich mit Taschenlampen durchs Publikum leuchtenden Partisanenkämpfer oder auch das "Les Misérables"-ähnliche Schlussbild des ersten Akts mit unter wehenden Revolutionsfahnen marschierendem Mob. Auch Mirko Mahrs Choreografien tragen dazu bei, dass diese und ähnliche Ensembleszenen stimmig sind und auf der relativ kleinen, nach hinten stark ansteigenden Bühne der MuKo nicht verworren wirken. Passend zu den musikalischen Motiven bedient er sich ebenfalls an einigen Stellen folkloristischer russischer Tanz-Elemente.

© Kirsten Nijhof
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"Doktor Schiwago" hat ein angenehm ausgeglichenes Verhältnis aus Songs und Dialogen. Das macht es zwar einfacher, die Komplexität der Handlung verständlich zu vermitteln, hält aber andererseits auch andere schauspielerische Herausforderungen für die Darsteller bereit als ein durchkomponiertes Musical. Nicht zuletzt deswegen ist es zu einem großen Teil den hervorragenden Darstellern zu verdanken, dass "Doktor Schiwago" in Leipzig so gut funktioniert. Von den Hauptrollen bis zum Ensemble hatte man bei der Besetzung rundum ein goldenes Händchen: Jede Gefühlsregung, jede innere Wandlung der Charaktere, jede Zeile, ob gesprochen oder gesungen, wirkt authentisch. Die Chornummern sind kraftvoll, die Solo-Parts auch der Nebenrollen gesanglich durchgängig auf hohem Niveau.

Der schauspielerische Mammut-Part fällt dabei Titeldarsteller Jan Ammann zu, der nicht nur mit seiner beeindruckenden Stimmgewalt überzeugen kann, sondern auch die innere Zerrissenheit von Schiwago subtil und ganz ohne Hang zu übertriebenen Gesten herausarbeitet. Er zeichnet glaubhaft das Porträt eines Mannes, dessen Leben komplett auf den Kopf gestellt wird – gesellschaftlich wie privat. Das Zusammenspiel mit seinen beiden Mitstreiterinnen Lisa Habermann (Lara) und Hanna Mall (Tonia) gelingt wunderbar, weit abseits von klischeehaften Dreiecksbeziehungen.

Ebenso wie Ammann singen sich sowohl Habermann also auch Mall scheinbar mühelos durch die gesanglich anspruchsvollen Soli und geben ihren Figuren den notwendigen charakterlichen Feinschliff, dass der Zuschauer mit beiden gleichermaßen mitleidet. Einer der emotionalsten sowie musikalisch einprägsamsten Momente des Stücks ist letztendlich nicht etwa eines der zahlreichen Liebesduette, sondern vielmehr das Duett der beiden Hauptdarstellerinnen "Und doch wundert es mich nicht", das im zweiten Akt zu Tränen rührt.

© Kirsten Nijhof
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Der vierte im Bunde der Hauptdarsteller ist Björn Christian Kuhn als Laras im Krieg verschollener Ehemann und Revolutionsführer Pavel. Mit viel Charisma gelingt es ihm, sowohl den Weg seiner Rolle vom naiven jungen Rebellen zum verbitterten Miliz-Kommandanten, als auch seine zwiespältigen Gefühle für Lara schauspielerisch fassbar zu machen, und diesen Wandel auch im Gesang widerzuspiegeln.

Für die musikalische Untermalung sorgt das gut bestückte Orchester der MuKo unter der Führung des musikalischen Leiters Christoph-Johannes Eichhorn, das einen satten Klangteppich zaubert, auf dem sich die Geschichte mit all ihrem Drama und ihrem Pathos entfalten kann. Probleme mit der Abmischung sorgen allerdings dafür, dass bei mehrstimmigen Parts vor allem im zweiten Akt die Textverständlichkeit leidet und die orchestrale Begleitung den Gesang übertönt.

© Kirsten Nijhof
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"Doktor Schiwago" ist sicherlich keine revolutionäre Neuerung des historischen Drama-Musicals. Doch es gelingt dem Stück, die Zuschauer für gut drei Stunden ganz in seine Welt zu entführen und ohne Kitsch und Klischees auch auf einer relativ kleinen Bühne ganz große Gefühle zu schaffen.


(Text: Claudia Leonhardt)






Kreativteam

Buch Michael Weller
Musik Lucy Simon
Gesangstexte Michael Korie
Amy Powers
Übersetzung Gesangstexte Sabine Ruflair
Übersetzung Dialoge Jürgen Hartmann




Musikalische Leitung Christoph-Johannes Eichhorn
Inszenierung Cusch Jung
Choreografie Mirko Mahr
Bühne, Kostüme Karin Fritz
Choreinstudierung Mathias Drechsler
Dramaturgie Elisabeth Kühne


Besetzung

Jurij Schiwago Jan Ammann
Larissa Guichard (Lara) Lisa Habermann
Viktor Komarovskij Patrick Rohbeck
Pavel Antipov (Pasha) Björn Christian Kuhn
Antonia Gromeko (Tonia) Hanna Mall
Anna Gromeko
Olga
Sabine Töpfer
Alexander Gromeko Michael Raschle
Gints
Markel
Milko Milev
Janko Stephen Budd




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Kirsten Nijhof
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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


Prachtvolles, emotionales Historien-Musical mit Gänsehautmelodien

10.02.2018 - Die Musikalische Komödie Leipzig zeigt wie es richtig geht den historischen Stoff der "Russischen Oktoberrevolution" in ein emotionales, ergreifendes und auch erschütterndes Musical umzusetzen! Hatten im Herbst 2017 die Stadttheaterkollegen mit "Rasputin" vollends ins Klo gegriffen und aus dem Thema nichts anderes als eine Lachnummer kreiert ging mir nun bei den zwei komplett ausverkauften Vorstellungen in Leipzigbuchstäblich das Herz auf!

Zum einen liegt das an der ergreifenden Geschichte der einzelnen Schicksale (nichts für schwache Nerven - wir befinden uns sprichwörtlich in einem Totenhaus - hier wird hingemetzelt was das Zeug hält - allerdings muss man ja sagen - das war historisch wirklich so und ist nicht Stoff eines Phantasiefilms a La Hollywood)!

Auch die Kostüme und einfache aber wirksame Bühnenausstattung begeistern - die Tontechnik ist dies mal anders als bei Dracula sehr gut eingestellt und man kann der Geschichte gebannt und ohne Störungen folgen und sich ins Russland um 1903-1930 herum hineinziehen lassen!

Cusch Jung hat den Broadway-Flop stringent, glaubwürdig und niemals langweilig oder zu lang auch nicht "kitschig" inszeniert - die reine Spieldauer beträgt 3 Stunden mit Pause also gute 3 1/2 Stunden und es wird klar warum es den Amerikanern am Broadway nicht gefallen hat - die Realität ist einfach zu hart da bleibt für Spässchen und gute Laune einfach kein Platz!

Der erste Star neben der Geschichte ist die Cast und da muss ich sagen - noch nie waren in einem Stadttheater die Rollen so gut besetzt wie hier - die Darsteller passen alle wie die Faust aufs Auge!

Allen voran natürlich unser großer Musicaltenor Jan Ammann er spielt und singt seinem Film-Ego Omar Sharif von Beginn bis zum Schluss absolut den Rang ab - perfekte Stimmführung, emotionales, berührendes Schauspiel - das ist Ammanns beeindruckende Leistung vor allem. bei seinen zahlreichen Solis und Duetten seiner beiden Frauen!

Seine Ehefrau wird gespielt von Hanna Mall - Musicaldarstellerin aus Heilbronn - perfekt besetzt sie hat den typisch russischen Typ und man nimmt ihr die Liebende und verständliche Ehefrau vollends ab

Lisa Habermann als Geliebte Larissa passt auch total vom Typ her und harmoniert perfekt im Spiel mit Jan Ammann

Aber auch mit Björn Christian Kuhn als ihrem Ehemann Pavel Antipov & Revolutionär Strelnikow dem Widersacher Doktor Schiwagos aber auch mit dem Zwielichtigen Viktor Komarovskij verkörpert von Patrick Rohbeck der hat eine Ausstrahlung und tolle Stimme und man nimmt ihn den Zwielichtes Anwalt von der ersten Minute an ab -

Die 3 Kinderrollen sind ebenfalls sehr gut besetzt (sie können auch singen! aus dem hauseigenen Kinderchor der Oper Leipzig und auch Ballett und Chor sind tänzerisch & stimmlich exzellent drauf

Der wahre Star des ganzen Abends als absolutes i-Tüpfelchen sonst wäre der Stoff doch zu düster, tragisch und ohne Hoffnung ist die wunderschöne Musik von Lucy Simon - absoluter Höhepunkt da muss ich der Kritik der Musicalzentrale recht geben ist das Duett der beiden Frauen "Und doch wundert es mich nicht" aber auch die Liebesduette sind traumhaft und die Soli wie "wer ist Sie" oder "Adges"

Wunderbar berührend und hoffnungsvoll zwei großartige Musicalabende - Prädikat:Unbedingt ansehen und geschichtlich was lernen und mitbekommen!

Großer Applaus für die mehr als gelungene Deutschsprachige Erstaufführung der Musikalischen Komödie Leipzig - Standing Ovations waren der Dank dafür

Maxim (54 Bewertungen, ∅ 4 Sterne)


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Komposition

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Herzschmerz-Drama vor der Kulisse der russischen Oktoberrevolution. Ein Historien-Musical wie es im Buche steht - gekrönt durch eine großartige Darsteller-Riege.

28.01.2018

 Termine
Sa10.03.19:00 Uhr
So11.03.15:00 Uhr
Sa19.05.19:00 Uhr
So20.05.15:00 Uhr
Di26.06.19:30 Uhr
Mi27.06.19:30 Uhr


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