Norden Westen Osten Süden
Termine aus DeutschlandÖsterreichSchweizNiederlandeLondonTirolLinksSuchen nach JobsRedaktionDatenschutzImpressum
Aktuelle Shows ( Nord )Shows A-Z ( Nord )Premieren ( Nord )Die Räuber. Eine Rockoper


Rockoper

Die Räuber. Eine Rockoper

Showdown unter Brüdern


© Olaf Struck
© Olaf Struck
Nach der Sommerproduktion "Romeo & Julia" 2014 wollte das Kieler Schauspielhaus 2016 Jahr eine andere Atmosphäre auf die Bühne bringen: Düsterer sollte es sein, weg von der verklärten Romantik. So sind sie bei "Die Räuber" gelandet, mit neu erstellter Textfassung als Rockoper. Die Produktion wird 2018 im Schauspielhaus wiederaufgenommen.

(Text: Michael Rieper)

Premiere:01.07.2016
Letzte bekannte Aufführung:16.06.2018


"In einer nicht allzu fernen Vergangenheit..." spielt diese Variante von Schillers Drama, wie die Zuschauer zum Beginn des Theaterabends informiert werden. Eine recht allgemein gehaltene Angabe, doch die Ausstattung lässt von Anfang an keinen Zweifel daran, dass das Drama um die zwei Moor-Brüder in heutiger Zeit spielt. Karl, der Gute der beiden, lässt sich aus Enttäuschung über die ungerechtfertigte Zurückweisung durch seinen Vater mit einer Räuberbande ein. Die machen natürlich nicht mehr die Wälder unsicher, wie es zur Uraufführung des Originaltextes 1782 wohl noch üblich war – auch wenn ein einzelner gefällter Baum auf der Bühne noch diesen Ort andeutet, so ist der Wald hier als Synonym für den Untergrund zu verstehen. Karl will mit seinen Kompagnons die Reichen und Mächtigen zur Ader lassen, nur sterben soll dabei niemand. Dass sich das auf Dauer nicht durchhalten lässt, ist sein Konflikt. Franz, der Böse der beiden Brüder, hat die Intrige, die den alten Moor mit Karl entzweit hat, eingefädelt, um endlich in die Position des anerkannten (weil dann einzigen) Sohnes zu gelangen. Doch irgendwann kommt die Wahrheit ans Tageslicht und beim Showdown zwischen den Brüdern muss Franz einsehen, dass auch der Weg über Intrigen nicht an das gewünschte Ziel führt.

© Olaf Struck
© Olaf Struck

Angesichts des momentan allgegenwärtigen Terror-Themas ein hochmoderner Stoff, den Schiller vor fast einem Vierteljahrtausend niederschrieb. Und so beauftragte das Theater Kiel die Musiker Reimer Bustorff und Marcus Wiebusch von der Band "Kettcar" damit, Songs zu dem Stück zu komponieren und zu texten. Heraus kamen ruppig-rauhe Lieder, die die düster-bedrohliche Atmosphäre des Dramas hervorragend einfangen. So bekommt Amalia, die als Karls Verlobte und Franz' Objekt des Begehrens zwischen den beiden Brüdern steht, traurig-sehnsuchtsvolle Balladen, während es für die Bande deftige Schlachtgesänge gibt und die beiden Brüder ihre jeweilige Weltanschauung zu rockig-poppigen Beats kundtun dürfen. Leider nimmt die Musik zeitlich gesehen nur weniger als die Hälfte des Abends ein. Es gibt immer wieder lange Dialogpassagen, die das Ensemble des Schauspielhauses hervorragend spielt und die im Grunde genommen auch packend von Daniel Karasek inszeniert sind. Trotzdem zieht sich gerade der erste Akt sehr in die Länge, so dass bei einem circa dreistündigen Theaterabend die eine oder andere Streichung durchaus sinnvoll gewesen wäre.

© Olaf Struck
© Olaf Struck

Geradezu sensationell ist das Bühnenbild von Lars Peter: Links die beeindruckende mehrstöckige Villa der Moors, rechts der Versammlungsplatz der Räuberbande. Dazwischen eine große Videowall, auf der während der Songs extra dafür hergestelltes Filmmaterial läuft. Zu Franz' Lied "Wolf unter Wölfen" wird – nicht wirklich kreativ, aber definitiv faszinierend – ein Wolf, der die unterschiedlichsten Emotionen präsentiert, gezeigt. Wenn Amalia singt, ist sie beim Flanieren durch den Park oder die Villa mit sehnsuchtsvollem Blick zu sehen. Manchmal hat es sich das Kreativteam mit diesen Filmchen jedoch fast ein bisschen leicht gemacht. Im zweiten Akt gibt es z.B. eine Szene, in der die Räuberbande eine wüste Party feiert. Dazu singen bzw. grölen die Darsteller mit Flaschen in der Hand hin- und herhüpfend über die Bühne, die Hauptaktion findet aber als Film auf der Videowand statt: Hier sind die Räuber zu sehen, wie sie so richtig tabulos in einer Kneipe die Sau rauslassen. In der Intensität wäre es wohl kaum auf der Bühne darzustellen gewesen – trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack, weil in dieser und auch anderen Szenen mehr Kino als Theater geboten wird.

© Olaf Struck
© Olaf Struck

Formidable Schauspieler sind es, die hier auf der Bühne stehen. Allen voran Marko Gebbert, der als Franz seinem Vater schleimig-unterwürfig gegenüber tritt und erst im Selbstgespräch seinen Hass auf alles und jeden absolut überzeugend zum Ausdruck bringt. Oliver E. Schönfeld strahlt als Karl die natürliche Autorität aus, die ihn zum Anführer der Räuberbande macht, ohne dass er seine Mitstreiter überzeugen muss. Es ist faszinierend zu beobachten, wie er im ersten Akt Feuer und Flamme für die Idee der Räuberbande ist, im weiteren Verlauf aber immer mehr Zweifel aufgrund des moralischen Dilemmas seine Aktionen beeinflussen. Die Rolle der Amalia gibt in diesem sehr männerlastigen Stück ausgesprochen wenig her. Sie wartet sehnsüchtig auf ihren Karl, und hat dabei einige Szenen, in denen sie Franz' Avancen energisch abwehren muss. Das macht Magdalena Neuhaus tadellos, auch ihre Balladen singt sie mit angenehmer Pop-Stimme und sticht damit gesanglich aus dem Ensemble heraus – ansonsten herrscht an diesem Abend viel Sprechgesang vor. Dennoch wünscht man ihrer Rolle ein bisschen mehr Biss. Immerhin bleibt ihr das extrem unterwürfige Ende aus Schillers Originaltext erspart.

Ein interessantes Experiment, das wieder einmal zeigt, wie aktuell einige der mehrere Jahrhunderte alten Dramen mit ein paar kleinen Änderungen und dem richtigen Regieansatz immer noch sein können. Bleibt zu hoffen, dass wir uns auch 2018 auf eine spannende Uraufführung freuen dürfen.


Nach Friedrich Schiller mit Songs von Marcus Wiebusch / Reimer Bustorff (Kettcar)
Textfassung: Daniel Karasek / Jens Paulsen

(Text: Michael Rieper)






Kreativteam

RegieDaniel Karasek
MusikMarcus Wiebusch
Reimer Bustorff
BühneLars Peter
KostümeClaudia Spielmann


Besetzung

=14.04.18-=

Franz MoorMarko Gebbert
Karl MoorOliver E. Schönfeld
AmaliaMagdalena Neuhaus
Der alte MoorZacharias Preen
SpiegelbergRudi Hindenburg
SchweizerChristian Kämpfer
RazmannJasper Diedrichsen
Schufterle
Hermann
Marius Borghoff
RollerClaudia Friebel
SchwarzEirik Behrendt
KosinskyJennifer Böhm
Pater
Pastor Moser
Imanuel Humm
DanielWerner Klockow


Frühere Besetzungen? Hier klicken



Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck
© Olaf Struck


Bitte melden Sie sich an, wenn Sie einen Leserkommentar abgeben wollen.
Neu registrieren | Logon

 
Details können Sie hier nachlesen: Leserkommentare - das ist neu
 
 

 Theater / Veranstalter
Schauspielhaus
Holtenauer Straße 103
D-24105 Kiel
+49 431 95095
Email
Homepage
Hotels in Theaternähe

 So fand ich die Show
Jetzt eigene
Bewertung schreiben!
 Kurzbewertung [ i ]
(mr)

Buch

Komposition

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Moderne Fassung des Klassikers mit rauhen, stimmungsvollen Songs; zumeist packend inszeniert, trotzdem nicht ohne Längen

03.07.2016

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


© musicalzentrale 2018. Alle Angaben ohne Gewähr.

   Wir suchen Dich!

   SOFTWAREBILLIGER.DE

Ein Platz für Ihre Werbung?




   HOTEL.DE

LESETIPPS


Service-Stücke aus der muz-Redaktion:
Tipps für Musicalreisen nach London
Tipps für Musicalreisen an den Broadway
Tipps für Hobbysänger (von Eberhard Storz)
Alle Musical-Open-Airs im Überblick
Partnerseite: Musical-World


Unsere Seite verwendet Cookies & Google Maps, um Ihnen ein bestmögliches Besuchserlebnis zu bieten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie beiden Nutzungen zu. [ X ]
;