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Literatur-Adaption

Hamlet - Die Rockoper

To Be Or Not to Be


Shakespeares blutrünstiges Schauer-Drama, aktualisiert als Weltraum-Epos und untermalt mit rockigen Gitarrenklängen. Ein ambitioniertes Projekt mit Schwächen in Inszenierung und Besetzung, das Hamlet dem Zuschauer eher ver- als erschließt.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:19.02.2016
Rezensierte Vorstellung:19.02.2016
Letzte bekannte Aufführung:17.11.2016


Hamlet und Laertes duellieren sich. Doch nicht wie im Shakespeare-Text mit Schwertern, sondern per nostalgisch anmutendem Tennis-Telespiel aus Zeiten, als elektronische Wettkämpfe entwicklungstechnisch noch in den Kinderschuhen steckten. Der Zuschauer kann das Computerduell auf der rückwärtigen LED-Wand verfolgen. In Runde zwei gehen beide Kämpfer dann Mann gegen Mann brutal aufeinander los – immer noch virtuell: Mit drahtlosen Spiel-Pads steuern sie jetzt ihre animierten Kämpfer in einem Fantasy Fight-Game. Schließlich stirbt Hamlet in der Rockoper-Version von Dr. Rudolf Volz (Libretto und Musik) ganz real an dem Giftcocktail, an dem bereits zuvor seine Mutter Gertrud genippt hat und der auch sie ins Jenseits befördert.


2016 wird der 400. Todestag des großen englischen Schriftstellers gefeiert. Pünktlich zum Shakespeare-Jahr hat Michael Manthey (Gesamtleitung) die blutrünstige Tragödie um den dänischen Prinzen szenisch in den Weltraum gebeamt und in eine an die Optik von "Star Wars" angelehnte Sci-Fi-Robenwelt (Kostüme: Team Manthey Event GmbH) gekleidet. Auch wenn auf der bereits erwähnten Projektionsfläche unentwegt animierte Raumschiffe in eine futuristische Basisstation gleiten, Hamlet sein leuchtendes Laserschwert vor dahinziehenden Planetenformationen schwenkt und Ophelia sich mit einer Miniatur-Roboterfigur die Zeit vertreibt: Mantheys Modernisierung wirkt sehr bemüht und macht nur in wenigen Sequenzen wirklich Sinn. Sie scheitert vor allem, weil Shakespeares Texte im englischen Original gesungen werden und nur wenige Sprechszenen in deutscher Übertragung die 26 Songs miteinander verbinden. Trotz der Handlungs-Kurzeinführung, die im Prolog von einem Sprecher aus dem Off (Peter Wieland) vorgetragenen wird, fällt es schwer, den zahlreichen tragischen Wendungen zu folgen. Weder die gut gemeinten, am Eingang kostenlos verteilten Zettel mit den Songtexten (Wer liest während einer Vorstellung im Dunkeln?), noch die auf der LED-Wand eingeblendeten Übersetzungen der Titelzeilen helfen weiter. Bedauerlich für ein solch ambitioniertes Projekt, das ein Shakespeare-Original dem Publikum zeitgemäß zugänglich machen möchte.


Hinzu kommt, dass die Handelnden eigenartig blutleer und distanziert wirken. Der Hauptaugenmerk der Inszenierung liegt dabei auf dem Hinein- und Hinauslaufen der Figuren und ihrem geschickten Arrangement vor der ebenfalls auf der Bühne sitzenden Rockband. So bleibt noch ein wenig Platz für die vier Tänzerinnen, die auf engem Raum ihre eher an eine Aerobicstunde erinnernden Choreografien (Jessica Illing, Olga Nikitina) unterbringen müssen. Immerhin kommt so etwas Bewegung in das oft bunt ausgeleuchtete Rumstehtheater. Allerdings irritiert die um wenige Zehntelsekunden verzögerte Übertragung des Bühnengeschehens auf die LED-Wand. Die Tanzbewegungen wirken so immer asynchron, und auch die Lippenbewegungen der Sänger hinken immer hinter dem Gehörten hinterher.


Absolut verschenkt ist die zentrale Szene des Stücks: die Geister-Erscheinung von Hamlets Vater. Wie zu einer Salzsäule erstarrt steht der Sohn mit dem Rücken zum Publikum und starrt auf die Leinwand, auf der ein blauer Asteroiden-Nebelwirbel zu sehen ist. Dazu intoniert eine Männerstimme aus dem Off (den Namen des Sängers verschweigt der Besetzungszettel) den Song "Thy Father’s Spirit". Gespenstisch-gruselig ist das auf jeden Fall nicht.


Auch die zweite Vater-Figur des Stücks, Polonius, wirkt überflüssig. Darf Hartmut Hecht zunächst wie ein Geheimdienstchef in Uniform mit einer Handkamera seine Mitstreiter und das Publikum filmen (dieser Ansatz verschwindet so schnell wie er gekommen ist), verkommt er mit seinem harten Stakkato-Sprechgesang später nur noch zur Staffage. Ähnliche Schicksale haben auch Hamlets Freunde Güldenstern und Rosenkranz, deren ungenannte Darsteller so hölzern agieren und sprechen, als würden sie mit dieser Vorstellung ihr Bühnendebüt geben.


In der Titelrolle müht sich Tomasz Dziecielski redlich durch Hamlets viele Gesangsaufgaben. Mit seinem etwas matt klingenden, recht hohen Bariton gefällt er als tragischer Held zwischen Rachegelüsten und Wahn, geht aber auch immer wieder – wie bei "To Be Or Not To Be" – in einem eigenartig diffusen Klangbrei unter, in den irgendwelche unterfütternden Stimmen eingespielt werden. Unterm Strich liefert Dziecielski jedoch eine achtbare Leistung ab.


Gesanglich sticht Manuela Markewitz in der Rolle der unglücklichen Ophelia aus dem Ensemble heraus. Mit schönem Sopran, bei dem ganz besonders die glasklaren Spitzentöne perfekt sitzen, ist sie die einzige Sängerin, die sich mit ihrer Stimme mühelos über den Ensemble-Gesang durchsetzen kann. Auch Diana-Maria Krieger, eigentlich die alternierende Ophelia, ist am Premierenabend mit von der Partie. Um die Vorstellung zu retten, hat sie kurzfristig die Gesangsaufgaben von der indisponierten Leticia Thate übernommen, die die Königin auf der Bühne nur mimt. Krieger singt mit kraftvoller Powerstimme und verdient sich durch ihren Mut berechtigterweise einen umjubelten Sonderapplaus.


Stückgerecht ist die Partie des fiesen Königs Claudius mit Falko Illing passend besetzt. Ob seine röhrende, rauh-kehlige Punkrock-Stimme gefällt, ist allerdings absolute Geschmackssache: Wenn er seine Songs wie "A Brother’s Murder" intoniert, dann pendelt er zwischen Gröhlen und Röcheln, was immerhin zu einem intriganten Meuchelmörder passt.

Ein Glücksfall für die Produktion ist auf jeden Fall ihre Vier-Mann-Band. Dr. Rudolf Volz’ Partitur – ein Mischung aus Popklängen, Lounge-Musik, Punk und vorallem melodiösem Gitarrenrock – kommt zwar ohne einen ausgesprochenen Ohrwurm aus, fügt sich aber gut in das Stück ein. Die Musiker intonieren sie mit Hingabe und viel Feingefühl als Begleitung des Sänger-Ensembles. So richtig rund geht es kurz vor der Pause, wenn sie wie entfesselt Gas geben.


Alles in allem bleibt ein eher unbefriedigender Abend, der unter der Last des Shakespeare-Originaltextes, seiner unausgereiften Regie und einer nicht homogen zusammengesetzten Darsteller-Riege zusammenbricht. Sagen wir es doch mit Shakespeare: Etwas ist faul im Staate Dänemark – auch wenn der in diesem Fall in den Weiten des Alls liegt.

(Text: kw)






Kreativteam

Libretto, Musik Dr. Rudolf Volz
Mitkomposition, Arrangement Michael Wagner
Herb Bucher
Falko Illing
GesamtleitungMichael Manthey
ChoreografieJessica Illing
Olga Nikitina
Kostüme, RequisiteTeam Manthey Event GmbH


Besetzung

Prinz HamletTomasz Dziecielski
König ClaudiusFalko Illing
Königin GertrudLeticia Thate
OpheliaDiana-Maria Krieger
Manuela Markewitz
LaertesChristoph Mangel
Polonius, TotengräberHartmut Hecht
HoratioPit Granowski
ButlerSteve Heilemann
TänzerinnenJessica Illing
Olga Nikitina
Simona Bacigalupo
Linda Scholz
Die Band

GitarreFelix Bodner
BassManfred Hecht
KeyboardDaniel Trutschek
DrumsLucas Schneider



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Inszenierung

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Besetzung

Ausstattung

Hamlet verpackt in "Star Wars"-Optik. Schwere Kost untermalt mit melodiösem Rock. Der Rest ist Schweigen...

19.02.2016

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