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Komödie

City of Angels

Macht und Ohnmacht eines Autors


Cy Colemans "City of Angels" lädt dazu ein, mit der Grenze zwischen Realität und Fiktion zu spielen. Wie man das besonders effektiv, originell und mit Liebe zum Detail auf der Bühne umsetzen kann, zeigt die Inszenierung von Donmar-Intendantin Josie Rourke.

(Text: Claudia Leonhardt)

Premiere:10.12.2014
Dernière:07.02.2015


Autor Stine (Hadley Fraser) schreibt seinen Detektiv-Roman zum Drehbuch um. Die Story um Erpressung, Mord und Verführung hätte das Zeug zum ganz großen Hollywood-Erfolg – doch Produzent Buddy hat immer neue Änderungswünsche. Während sich Stine dem Druck beugt, fängt seine Hauptfigur, Privatschnüffler Stone (Tam Mutu), an zu rebellieren....

Das Bühnengeschehen wechselt immer wieder zwischen Stines Realität und fiktionaler Drehbuchhandlung, wobei bis auf die beiden männlichen Hauptcharaktere jeder Akteur eine Doppelrolle spielt. Stines bodenständige Ehefrau Gabby etwa wird in seinem Buch zur verführerischen Nachtclubsängerin Bobbi, Buddys Sekretärin Donna (Rebecca Trehearn) zu Stones verliebter Vorzimmerdame Oolie. Dafür, dass der Zuschauer zu keinem Zeitpunkt den Überblick verliert, welche der beiden Parallelhandlungen gerade zu sehen ist, sorgt die großartige optische Umsetzung. Die Drehbuch-Szenen sind ganz im typischen Film-Noir-Stil komplett in stimmungsvoll-mysteriösem Schwarz-Weiß gehalten. Nicht nur Robert Jones' Kostüme und Bühnenbild leisten hier ganze Arbeit, sondern auch und vor allem das Lichtdesign von Howard Harrison. Ihm gelingt es, Requisiten, die in Stines Szenen eben noch bunt waren, nur durch den gekonnten Einsatz von Scheinwerfern monochrom aussehen zu lassen.

Besonders spannend wird es, wenn sich beide Erzählebenen in einer Szene treffen. Ist die Bühne beim Duett von Gabby und Oolie "What You Don't Know About Women" noch einer unbeweglichen farblichen Zweiteilung unterworfen, so wird diese am Ende des ersten Akts eindrucksvoll durcheinandergewirbelt: Wenn Stone bei "You're Nothing Without Me" aus dem Drehbuch ausbricht und seinen Schöpfer Stine konfrontiert, schieben die beiden die optisch klare Lichtgrenze zwischen schwarz-weißer Fiktion und bunter Realität mit sichtlichem Genuss zwischen sich hin- und her.

Obwohl die Bühne des Donmars winzig ist, geizt Josie Rourkes Inszenierung nicht mit Requisiten, die zwischen den Szenen durch die Zuschauergänge auf die Bühne geschoben werden. Schon der Hintergrund – eine raumhohe Aufstapelung von Drehbüchern, auf der Stine mehr als einmal ein Stück nach oben klettert – wirkt imposant und setzt das Thema auf originelle Weise bildlich um. Ebenfalls ein äußerst gekonnter Einfall: der szenische (und akustische) "Rückspul-Effekt", wenn Stine eine Stelle seines Drehbuchs umschreibt. Wenn man überhaupt etwas an Rourkes Inszenierung aussetzen kann, dann dass sie nicht wie im Donmar sonst üblich so konzipiert ist, alle drei Seiten des Zuschauerraums gleichermaßen am Stück teilhaben zu lassen. Die Zuschauer auf den Seitentribünen werden – etwa bei der anfänglichen Vorstellung der Charaktere – etwas stiefmütterlich bedacht, was vor allem bei Donmar-Veteranen in der Pause zu leichtem Unmut führte.

Über jegliche Kritik erhaben sind die beiden Hauptdarsteller. Hadley Frasers Stine ist nicht uncharismatisch – dafür ist seine stimmliche Leistung viel zu imposant. Trotzdem gelingt es ihm, den Charakter als Leisetreter anzulegen, der nur allzu gerne so sein möchte wie sein fiktionales Alter Ego Stone: ein hartgesottener Held, dem die Frauenherzen nur so zufliegen und der weder Mühe noch Schläge scheut, um den Fall um die verschwundene Mallory (Samantha Barks) zu lösen. Tam Mutu in der Rolle des Privatdetektivs orientiert sich ganz an den stoischen, abgebrühten Hollywood-Helden der Film-Noir-Zeit. Gemeinsam laufen die beiden bei "You're Nothing Without Me" zur Höchstform auf, das sich damit in jeder Hinsicht als Highlight des Abends erweist.

Die Damen an ihrer Seite müssen allesamt zwei oft völlig gegensätzliche Charaktere verkörpern. Vor allem Rosalie Craig und Rebecca Trehearn brillieren in ihren Doppelrollen und haben neben dem Showstopper-Duett "What You Don't Know About Women" jeweils auch starke Solo-Nummern, die im Gedächtnis bleiben. Samantha Barks gibt als Mallory bei "Lost and Found" eine hinreißende Marilyn-Monroe-Kopie, hat aber auch rollenbedingt recht wenig Gelegenheit, ihr beträchtliches stimmliches Können unter Beweis zu stellen. Einzig Katherine Kelly als Stones durchtriebene Klientin Alaura überzeichnet ihre Rolle gnadenlos bis zur Parodie und fällt damit negativ aus dem Ensemble heraus.

Für ein Live-Orchester ist im Saal kein Platz – also wurde die 10-köpfige Jazz-Band kurzerhand unter der Bühne platziert. Der Sound ist dennoch so klar, als ob man die Musiker direkt vor der Nase hätte.

Die überaus gelungene Inszenierung gastierte leider nur neun Wochen im schon Monate zuvor komplett ausverkauften Donmar Warehouse. Man kann nur hoffen, dass der Erfolg vielleicht die Weichen für einen West-End-Transfer stellt und diese Produktion einem größeren Publikum zugänglich gemacht wird.

(Text: Claudia Leonhardt)




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Kreativteam

InszenierungJosie Rourke
DesignRobert Jones
LichtHoward Harrison
Musikal. LeitungGareth Valentine
ChoreographieStephen Mear


Besetzung

StineHadley Fraser
StoneTam Mutu
Gabby
Bobbi
Rosalie Craig
Carla
Alaura
Katherine Kelly
Donna
Oolie
Rebecca Trehearn
Buddy
Irwin
Peter Polycarpou
Avril
Mallory
Samantha Barks
sowieNick Cavaliere
Cameron Cuffe
Marc Elliott
Adam Fogerty
Kadiff Kirwan
Sandra Marvin
Mark Penfold
Jennifer Saayeng
Jo Servi
Tim Walton



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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Viel besser kann man es nicht machen: das selten gespielte Cy Coleman-Musical in einer rundum gelungenen Inszenierung voller origineller Einfälle.

11.02.2015

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