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Drama

Spring Awakening

Frühlings Erwachen


© Thomas Frank M42
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Einem progressiven Musical wie "Spring Awakening" am Stadttheater den passenden Rahmen zu geben, geht nicht? Geht schon, wie das Theater Heilbronn auf ganzer Linie beweist. Die pfiffige Inszenierung, das kreative Bühnenbild und ein junges Ensemble machen es möglich.

(Text: Dominic Konrad)

Premiere:22.03.2014
Rezensierte Vorstellung:22.03.2014
Letzte bekannte Aufführung:05.07.2014


Versagensängste, häusliche Gewalt, Kindesmissbrauch, Selbstmordgedanken, sexuelle Begierde und ein weiter Mantel des Schweigens. Die Tabus, die Frank Wedekind in seiner Kindertragödie "Frühlings Erwachen" thematisierte, sind heute noch so aktuell wie bei der Veröffentlichung des Stücks 1891. Während die Jugendlichen bei Wedekind immer tiefer im Strom der Hilflosigkeit versinken, geben Komponist Duncan Sheik und Texter Steven Sater ihnen in der Musicalfassung "Spring Awakening" in Form der Rockmusik ein Ventil für die aufgestauten Emotionen.

© Thomas Frank M42
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Regisseur Christian Doll inszeniert das Musical am Theater Heilbronn in einer Einöde aus hölzernen Schulbänken. Schule ist für die Jugendlichen in "Spring Awakening" der alles beherrschende Lebensmittelpunkt. Der Wert eines Menschen wird an Lernleistung und an moralischer Doktrin gemessen. Riesengroß überragt ein Pult die gesamte, von Fabian Lüdicke grandios entworfene Bühne. Weitere Schulbänke in allen Größen türmen sich zu einem kafkaesken Ungetüm auf. Sie schaffen Plateaus und Schlupfwinkel.

Christian Dolls Inszenierung bleibt über große Strecken der Sachlichkeit der wedekind'schen Vorlage treu. Die Szenen sind nüchtern, fast sogar steril, inszeniert. Pulte und Stühle sind akkurat ausgerichtet, unnötige Requisiten vermeidet der Regisseur. Der einzige Weg aus dem Grau-in-Grau der wilhelminischen Gesellschaftsnormen ist die Musik. Doll macht dies szenisch erlebbar, indem er das Orchester als schwarzbefrackte Schattengestalten in das Spiel integriert. Dank Hebebühne erscheint das elfköpfige Orchester unter der Leitung von Heiko Lippmann an Klavier und Harmonium immer wieder in der Szene, mit vollem, warmem Streicherklang und pulsierendem, treibendem Schlagzeug.

© Thomas Frank M42
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Seine besondere Wirkung entfaltet "Spring Awakening" in Heilbronn nicht zuletzt auch durch sein junges Ensemble. In Spiel und Gesang fangen die Schauspieler die Verletzlichkeit, Verwirrtheit und Wut der Pubertät ein.

Anna Preckeler spielt die Rolle der Wendla mit einem Mix aus kindlicher Naivität, Neugier und Lebenslust. Man nimmt ihr sowohl das verschämte Drängen nach Körperlichkeit als auch die kindliche Überforderung mit der Tragweite ihres Tuns ab. Mit ihrem klaren und kräftigen Sopran weiß Preckeler an den richtigen Stellen die Unschuld Wendlas oder die fordernde Wut ihrer Generation auszudrücken.

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Joachim Foerster liefert mit seiner Darstellung des Schulversagers Moritz Stiefel eine gekonnte Charakterstudie. Sowohl schauspielerisch wie gesanglich macht Foerster greifbar, wie Moritz durch seine Versagensängste und die Unmöglichkeit seiner aufkeimenden Triebe zugrunde geht. Die rockigen Gesangsparts stemmt der 25-jährige Darsteller problemlos. Gänsehaut liefern ebenfalls Julia Apfelthaler (Martha) und Luise Schubert (Ilse), wenn sie von häuslichem Missbrauch und Vergewaltigung singen.

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Verstockt kommt hingegen Ferdinand Seebacher als freigeistiger Melchior Gabor daher. Vor allem zu Beginn gelingt es Seebacher nur bedingt, die gesellschaftsphilosophischen Thesen seiner Figur glaubwürdig zu transportieren. Auch gesanglich findet er nicht immer die richtige Balance zwischen lyrischen und rockigen Passagen. Ein bisschen mehr komödiantisches Timing und Freude an süffisanten Zwischentönen würde man sich auch von Gabriel Kemmether (Hänschen) wünschen, wenn er seinen Klassenkameraden Ernst (Fabian Schiffkorn) verführt oder wenn sein Vater (ein wandlungsfähiger Tobias B. Weber in allen erwachsenen Männerrollen) ihn wiederholt beim Onanieren stört.

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Trotz kleiner spielerischer Schwächen: "Spring Awakening" in Heilbronn ist intelligentes, anspruchsvolles – aber keinesfalls gefälliges – Musical, wie man es nur selten an deutschen Theatern zu sehen bekommt. Die Reaktionen des Premierenpublikums reichten von angestrengt verständig bei den älteren Semestern bis begeistert diskutierend bei den Jugendlichen. Wedekind hätte daran sicherlich seine Freude.

(Text: Dominic Konrad)






Kreativteam

Regie Christian Doll
Musikalische Leitung Heiko Lippmann
Choreographie Eric Rentmeister
Bühnenbild Fabian Lüdicke
Kostüme Kati Kolb


Besetzung

Wendla Anna Preckeler
Melchior Ferdinand Seebacher
Moritz Joachim Foerster
Ilse Luise Schubert
Martha Julia Apfelthaler
Thea Sandra Pangl
Hänschen Gabriel Kemmether
Georg Guido Schikore
Ernst Fabian Schiffkorn
Otto Sebastian Weiss
Erwachsene Frau Sylvia Bretschneider
Erwachsener Mann Tobias D. Weber




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

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(krd)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Spring Awakening in einer intelligenten Inszenierung mit spannendem Bühnenbild und ambitioniertem, jungem Ensemble.

23.03.2014

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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