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Das Musical von den „South-Park“-Machern ist auch in London ein Riesenhit, der das Publikum mit all seinem herrlich bösen Humor zum Toben bringt. An der Stufe zur Geschmacklosigkeit wird dabei regelmäßig gekratzt.
Wenn man sich die Geschichte zur Entwicklung der Mormonen durchliest, dann bedarf es eigentlich keines satirischen Musicals, um die religiöse Gruppierung zu hinterfragen. „South-Park“-Schöpfer Trey Parker und Matt Stone ziehen gemeinsam mit Robert Lopez („Avenue Q“) die Geschichte und das Selbstbild der Sekte/religiösen Gruppierung in ihrem Musical perfekt durch den Kakao.
Die Geschichte handelt von Elder Price und Elder Cunningham, zwei jungen Missionaren, die in Afrika neue Mitglieder „rekrutieren“ sollen. Das stellt sich allerdings schwieriger heraus als gedacht, denn die Afrikaner wurden bereits von missionierenden Katholiken über Gott aufgeklärt, und doch hat sich an ihrem üblen Leben nichts geändert. So stehen sie Gott eher skeptisch gegenüber, um es mal gemäßigt auszudrücken. Erst als Elder Cunningham, der selbst das Buch der Mormonen noch nicht gelesen hat, weil es so langweilig ist, kreativ wird und das ganze Buch umdichtet und Einflüsse der Popkultur (Star Trek, Star Wars, Herr der Ringe) in seine Erzählungen einfließen lässt, werden die Afrikaner hellhörig.
Die Inszenierung von Trey Parker und Casey Nicholaw ist so herrlich unverschämt, dass es eine wahre Freude ist, Gag für Gag aufzusaugen. Dabei gelingt das Kunststück, dass Themen wie Selbstzweifel am eigenen Glauben, Aids, gewalttätige Warlords, Armut, die Beschneidung von Frauen bis hin zu der Vergewaltigung von Babys aufgrund seltsamer afrikanischer Riten, so perfekt integriert und gleichzeitig gebrochen und persifliert werden, dass der Grad der Geschmacklosigkeit nur touchiert, aber nie unterschritten wird.
Wenn beispielsweise die Afrikaner in „Hasa Diga Eebowai“ (was so viel heißt wie „Fick dich Gott“) in einer musikalischen gute Laune Nummer über all ihre Sorgen singen und in ihrer Choreografie (Casey Nicholaw nutzt klassische Bewegungsabläufe und persifliert sie mit Gesten und übertriebenen Bewegungen) voller Lebensfreude beide Mittelfinger gen Himmel strecken, dann bricht sich Ausdruck der musikalischen Seite mit Inhalt dermaßen, dass es einfach zum Schreien komisch ist.
Dazu kommt das pointierte Spiel der gesamten Cast. Gavin Creel als Elder Price gibt den gutaussehenden smarten Typen, mit dem jeder befreundet sein will, mit starker Stimme. Er erinnert in seinen zackigen, ja manchmal übertriebenen Bewegungen an das Spiel der Puppen aus Avenue Q. Seine bewusst eingesetzte, künstliche Freundlichkeit, die sich auch in dem stetigen Lächeln aller Mormonen widerspiegelt, wird durch bestimmte Aktionen immer wieder gebrochen.
An seiner Seite spielt in der besuchten Vorstellung Daniel Buckley den freakigen Elder Cunningham. Er ist der kleine dicke, nicht sehr gut aussehende Junge, der immer einen Freund wie Elder Price haben wollte und dessen Wunsch schließlich in Erfüllung geht. Buckley spielt pointiert alle Gags aus, singt äußerst souverän und gibt den kleinen Außenseiter charmant und komisch. Herausragend ist u.a. die Nummer „Baptize Me“, in der er Nabulungi taufen will. Der ganze Song ist als Liebesduett aufgebaut und eigentlich erwartet man ständig, dass sich die beiden küssen, aber schließlich geht es nur um die allererste Taufe (er als Täufer, sie als Anwärterin), die im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fällt. Ein weiterer Beweis, dass die Doppeldeutigkeit von Songaufbau und Inhalt für unheimlich viel Humor sorgen kann. Eben die andere Art des ersten Mals.
Die leicht zurückgebliebene Nabulungi gibt Alexia Khadime sehr sympathisch, mit starker Stimme und künstlich aufgesetztem Dialekt. Herrlich wenn sie, naiv wie ein kleines Kind, auf einer alten Schreibmaschine Textnachrichten (SMS) versenden möchte.
Auch der Rest der Cast ist mit Elan, Spielfreude und dem richtigen Timing für Komik dabei. Man merkt ihr den Spaß an dem durchaus grotesken Stück an. Jedes Ensemblemitglied kostet die Möglichkeit aus, Pointen zu versenken, und so werden Running Gags wie der „Fuckfrog“, die ständige Persiflage von „Disneys Lion King“ oder aber auch die „Maden im Hodensack“ vom Publikum dankend und mit Gelächter angenommen.
Zusammenfassend ist „The Book of Mormon“ ein durchweg sehenswertes Stück, das mit derber Sprache („Fuck“ kommt in unzähligen Variationen vor), einer äußerst witzigen, ideenreichen Inszenierung und einer durchweg überzeugenden Cast das Humorzentrum von all den Menschen trifft, die sich auf solch eine Art von Humor einlassen können. Unbedingt anschauen!
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Musikalische Leitung | Colm O'Regan |
| Regie | Casey Nicholaw Trey Parker |
| Choreografie | Casey Nicholaw |
| Bühne | Scott Pask |
| Kostüme | Ann Roth |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Elder Price | Declan Egan |
| Elder Cunningham | Connor Peirson Ross McKenna |
| Nabulungi | Regan-Bailey Walker |
| Elder McKinley / Moroni | Tom Bales |
| Mafala Hatimbi | Kirk Patterson |
| Prices Dad etc. | Will Barratt |
| General / Satan | Matthew Elliot-Campbell |
| Ensemble | Tolu Ayanbadejo Alfie Blackwell Charlie Booker Daniel David Griffith Savannah Hall Callum Henderson Savanna Jeffrey Harry Lake Aaron Levi Zachary Loonie Paige Miller Matty Molyneux Jack Reynolds Kayode Salina Carys Alyse Thomson Maddison Tyson |
| Swings | Josh Barnett Will Carey Nadia Harper Michael Lewis Sean Parkins Rory Shafford Elliot Swann Harry Winchester |
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| CAST (HISTORY) | |||||||||
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 26.02.2013 - 03.10.2026 | Prince of Wales Theatre, London | 5173 x |
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