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Kämpferische Bauern, raffgierige Äbte, hartherzige Richter und eine geheimnisvolle Diebesbande, die mit dem Teufel paktiert: Aus dem regional sehr bekannten Mythos der Bockreiter zaubert die Toneelgroep Maastricht ein mitreißendes Open-Air-Spektakel, das sich mit Zusatzvorstellungen schon jetzt zum Hit der Sommersaison entwickelt hat.
In Limburg, der südlichsten Provinz der Niederlanden, haben sich Produzent / Regisseur Servé Hermanns und Toneelgroep Maastricht in den letzten Jahren auf die Entwicklung neuer großer Musicals mit Regionalbezug konzentriert: „Dagboek van een Herdershond“, basierend auf der gleichnamigen Fernsehserie, in der es den jungen Kaplan Erik Odekerke 1914 nach Limburg verschlägt, „Het was Zondag in het Zuiden“ über die Hochwasserkatastrophe 1993 und „Het Geluk van Limburg“ über den Aufstieg und Fall des südlimburgischen Steinkohlereviers im 20. Jahrhundert.
In diesem Sommer geht es nun weiter in die limburgische Geschichte zurück: Die neue Produktion, die Open Air im Fußballstadion De Geusselt des MVV Maastricht aufgeführt wird, widmet sich den legendären Bockreitern („Bokkenrijders“ auf Niederländisch), die im 18. Jahrhundert im damals von den österreichischen Habsburgern regierten Land van Rode (heute das niederländisch-deutsche Grenzgebiet zwischen Valkenburg, Herzogenrath und Aachen) ihr Unwesen trieben. In einer Zeit großer Armut unter der einfachen Landbevölkerung schlossen sich Räuberbanden zusammen, die aus purer Not wohlhabende Landgüter, Abteien und Pastorate überfielen. Der Volksglaube wollte jedoch schon bald wissen, dass ihre Mitglieder einen Pakt mit dem Teufel eingegangen waren und auf riesigen Ziegenböcken durch die Luft ritten. In umfangreichen Prozessen, deren Fanatismus an den der europäischen Hexenverfolgungen erinnerte, wurden mehrere hundert Menschen nach durch Folter erzwungenen Geständnissen als Bockreiter zum Tode verurteilt.
Schon ein Jahrhundert später wurden die Bockreiter zu einer romantischen Volkssage, in denen sie wie Robin Hood und seine Männer die Reichen bestahlen, um den Armen zu geben. Der niederländische Autor Ton van Reen wurde in den 1980er Jahren mit seiner vierbändigen Jugendbuchreihe um die Bockreiter berühmt, die auch als 13-teilige Fernsehserie adaptiert und in Deutschland im ZDF ausgestrahlt wurde. Nun folgte ein Musical, das schon in der ersten Ankündigung ein beeindruckendes Spektakel mit einem über 100-köpfigen Ensemble, 600 Drohnen, zehn Pferden und einem Ziegenbock versprach.
André Breedland schrieb dafür ein erfreulich progressives Buch: Hier leiden die Frauen nicht nur im Schatten starker Männer, hier dürfen sie selbst stark sein. Dazu wirkt die Geschichte in einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen geschröpft fühlen und missliebige Gruppen mittels geschicktem Framing unschädlich gemacht werden, überraschend aktuell.
In Rückblenden erzählt die junge Catharina Franssen, die als Bockreiterin verhaftet wurde, im Verhör die Geschichte: Ihre Eltern müssen die jüngste ihrer drei Töchter beerdigen, die vor Hunger gestorben war, und ihr Vater wird unschuldig als Bockreiter verurteilt und gehängt. Trost findet Catharina nur bei Alewijn, dem jungen Assistenten des angesehenen Doktor Kirchhoffs, der mit seinem Vater auf Kriegsfuß steht: Dieser ist als örtlicher Schultheiß für das Eintreiben der Steuern und die Verfolgung der Bockreiter verantwortlich.
Um sich für den Tod von Ehemann und Vater zu rächen, schließen sich Catharina und ihre Mutter Anna tatsächlich den Bockreitern an, werden aber später verhaftet. Unter Folter gibt Anna den mysteriösen Anführer der Bockreiter preis: Doktor Kirchhoffs höchstselbst führt ein Doppelleben, das nun am Galgen endet. Und während Anna als Hexe auf dem Scheiterhaufen endet, kann Catharina mit Alewijns Hilfe aus dem Gefängnis fliehen. Dass sich beide zum Schluss mit Bockreiter-Masken zeigen, sorgt nach der doch recht düsteren Geschichte zumindest für eine positive Endnote: Der Kampf gegen die Obrigkeit geht weiter.
Die Musik, die von philharmonischen Orchester PhilZuid eingespielt wurde und bei den Vorstellungen vom Band kommt, liefert der beliebte niederländische Komponist Ad van Dijk etwas ungleich verteilt: Am Anfang kommt das Stück nur schwer in Gang, ehe sich später mitreißende Songs aneinanderreihen. Im Ohr blieb vor allem die große Ballade „Waar de hemel de aarde kust“ der inhaftierten Catharina, die ganz stark von Danique Dusée (zuletzt als junge Elisabeth in der niederländischen Tournee des Levay/Kunze-Klassikers zu sehen), gesungen und gespielt wird.
Ein alter Bekannter in Deutschland ist Milan van Waardenburg, der als gebürtiger Limburger prädestiniert für die Rolle des enigmatischen Doktor Kirchhoffs ist. Mit seinem großem Abschiedslied „Tussen hel en hemel“ vor der Hinrichtung zeigt der ehemalige Valjean- und Tod-Darsteller einmal mehr, warum er zu den Top-Stars der niederländischen Musicalszene gehört.
Herz des Stücks ist jedoch die grandiose Suzan Seegers als kämpferische Bauersfrau Anna, die mit „Kijk naar boven“ auch das letzte Wort bekommt, ehe sie auf dem Scheiterhaufen als Hexe verbrannt wird. Wie schön ist es, eine historische weibliche Figur zu sehen, die die Sache in die eigenen Hände nimmt und voller Wut kämpft, statt nur passiv zu leiden!
Xander van Vledder hat als Schultheiß mit wehendem Mantel sichtlich Freude an der Rolle des Bösewichtes, während Buddy Vedder als Alewijn ein wenig zu nett und kantenlos angelegt ist. Der beliebte Limburger Musiker Bart Storcken gibt sein Musicaldebüt als Kirchhoffs Bruder Baltus, in dessen Kneipe sich die Bockreiter treffen. Beim schmissigen „Bier! Bier!“ lösen sich dann auch die letzten Sprachbarrieren in Hopfen und Malz auf.
Der einzige Fehlgriff, der jedoch nicht Darsteller Martijn van der Veen angelastet werden kann, ist der als Comic Relief angelegte Henker und Folterknecht. Das mag in einer überdrehten Komödie wie dem „Kleinen Horrorladen“ mit dem Zahnarzt funktionieren, hier wirkt es geschmacklos, ihn seine Marterwerkzeuge freudig mit den Worten „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“ präsentieren zu lassen, wenn die Geschichte auf wahren Begebenheiten basiert und tatsächlich so viele unschuldige Menschen unter der Folter gelitten hatten.
Regisseur Servé Hermanns hat eine kompakte Inszenierung geschaffen, die in knapp zwei Stunden ohne Pause über die Bühne geht. Die Sprünge zwischen den beiden Erzählebenen sind allerdings etwas mühsam und erforderten mehrere „Einen Monat früher/später…“-Einblendungen. Eine chronologische Erzählung wäre womöglich noch eindringlicher gewesen.
Für das Spektakel im ‚Spektakelmusical‘ zeichnen gleich ein halbes Dutzend Menschen verantwortlich. Auf der Habenseite steht die große Hauptbühne (mit integrierter Drehbühne), um die eine weitere Bühne mit weichem Boden für die Pferde angelegt wurde. Wenn maskierte Bockreiter durch die Szenerie galoppieren oder der Schultheiß in der Kutsche vorgefahren kommt, fügt dies einer im Jahr 1772 spielenden Geschichte eine wunderbar authentische Note hinzu.
Das eigentliche Bühnenbild von Uri Rapaport, Mark Thewessen und Michiel van der Zijde begeistert mit wunderschönen Hintergrundbildern, die das südlimburgische Hügelland und die Dörfer in zarten Wasserfarben oder kräftigen Holzschnitten darstellen. Häuser werden dagegen nur mit einigen Stangen angedeutet, damit sie später besser brennen können. In den Ensembleszenen, an denen zahlreiche Statisten des Meestreechs Volleks Tejaters beteiligt sind, kann die riesige Bühne ihre volle Wirkung entfalten; den intimen Szenen im Gefängnis fehlt es dagegen an beklemmender Atmosphäre. So wie dem Stück überhaupt ein wenig das mystisch-düstere fehlt, dass die Legende der Bockreiter ausmacht. Da wäre mehr drin gewesen als Zorro-Augenmasken aus dem Karnevalsgeschäft.
Wenn es dann später wirklich brennt, liefert das Stück eine Pyro-Show, die man sonst eher bei Arena-Konzerten erwarten würde – Feuerspucker inklusive. Das wärmt zwar an einem nasskalten Abend, führt aber auch dazu, dass es in den vorderen Reihen später lange nach Tankstelle riecht. Auch die vielgerühmte Dronenshow am Ende bleibt dann eher ein Gimmick mit einen sagenhaft kitschigen roten Herz und einem animierten Bockreiter im wolkenverhangenen Maastrichter Himmel.
Ds Musical als solches ist stark genug, um auch ohne Spektakel aufgeführt zu werden. Da die Bockreiterlegende auch im deutschen Grenzgebiet sehr bekannt ist – Herzogenrath, der Heimatort des historischen Doktor Kirchhoffs, gehört heute zu Deutschland –, wäre es wünschenswert, das Stück auch hierzulande zu sehen. Bis dahin lohnt es sich auf jeden Fall, den Weg nach Maastricht anzutreten. Mittlerweile wurden über 80.000 Karten für die kurze Spielzeit verkauft und bis Ende Juni noch mehrere Zusatzvorstellungen angesetzt.
| Kurzbewertung | Rezension | Kreativteam | Cast | Galerie | Termine | Spielorte | |||
| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Regie | Servé Hermans Peter Noten |
| Produzent | Servé Hermans Frans Hendrickx |
| Buch, Songtexte | André Breedland |
| Musik | Ad Van Dijk |
| Staging, Choreografie | Martin Michel Floris Devooght |
| Musikalische Leitung | Rob Mennen |
| Arrangements | Marco Braam |
| Dramaturgie | Ludo Costongs |
| Regie-Assistent | Margot Van Deursen |
| Bühnenbild | Uri Rapaport Servé Hermans |
| Licht | Uri Rapaport |
| Kostüme | Mette Van Der Zwaan Mieke Arts |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Anna Franssen | Suzan Seegers |
| Joseph Kirchhoffs | Milan Van Waardenburg |
| Alewijn Verbruggen | Buddy Vedder |
| Catharina | Danique Dusée |
| Schout | Xander Van Vledder |
| Baltus Kirchhoffs | Bart Storcken |
| Franske Franssen | Floris Devooght |
| Beul | Martijn Van Der Veen |
| Abt | Jan Janssen |
| Sjele Willem | Eric Jaspers |
| Zus Van De Abt | Marie-Ange Castermans |
| Johanna | Linde Rieu Belle Noten |
| Maria, Dance Captain | Melia Loi |
| Rechter 1, Vocal Coach | Tim Stuart |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| Mi, 10.06.2026 21:00 | Stadion de Geusselt, Maastricht | ||||||||
| Do, 11.06.2026 21:00 | Stadion de Geusselt, Maastricht | ||||||||
| Fr, 12.06.2026 21:00 | Stadion de Geusselt, Maastricht | ||||||||
| Sa, 13.06.2026 21:00 | Stadion de Geusselt, Maastricht | ||||||||
| So, 14.06.2026 21:00 | Stadion de Geusselt, Maastricht | ||||||||
| Mi, 17.06.2026 21:00 | Stadion de Geusselt, Maastricht | ||||||||
| Do, 18.06.2026 21:00 | Stadion de Geusselt, Maastricht | ||||||||
| Fr, 19.06.2026 21:00 | Stadion de Geusselt, Maastricht | ||||||||
| Sa, 20.06.2026 21:00 | Stadion de Geusselt, Maastricht | ||||||||
| So, 21.06.2026 21:00 | Stadion de Geusselt, Maastricht | ||||||||
| ▼ 5 weitere Termine einblenden (bis 28.06.2026) ▼ | |||||||||
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| Mi, 24.06.2026 21:00 | Stadion de Geusselt, Maastricht | ||||||||
| Do, 25.06.2026 21:00 | Stadion de Geusselt, Maastricht | ||||||||
| Fr, 26.06.2026 21:00 | Stadion de Geusselt, Maastricht | ||||||||
| Sa, 27.06.2026 21:00 | Stadion de Geusselt, Maastricht | ||||||||
| So, 28.06.2026 21:00 | Stadion de Geusselt, Maastricht | ||||||||
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 03.06.2026 - 28.06.2026 | Stadion de Geusselt, Maastricht | 20 x |
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