Levi van Kempen (Shakespeare), Anne (Linda Verstraten) © Matt Crockett
Levi van Kempen (Shakespeare), Anne (Linda Verstraten) © Matt Crockett

NEUE REZENSION
& Juliet (seit 10/2026)
Beatrix Theater, Utrecht

Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neSpielorte
 

Dass Julia auch ohne Romeo gut auskommt, hat das Musical „& Julia“ bereits im West End, am Broadway und nach Hamburg kürzlich auch in Stuttgart unter Beweis gestellt. Nun setzt die Replica-Produktion des Powerpop-Musicals mit der Musik von Max Martin ihren Eroberungsfeldzug auf den großen Bühnen dieser Welt fort: Die niederländische Erstaufführung des Stücks überzeugt in Utrecht auf ganzer Linie, auch wenn Julia hier, wie im englischen Original, Juliet heißt.

Schon vor Beginn der Show begrüßt das Ensemble, die ‚Players‘, das Publikum und interagiert miteinander, wie es dem Publikum aus anderen Inszenierungen vertraut ist. Das Durchbrechen der Vierten Wand impliziert, dass Juliets Geschichte sehr heutig ist und zieht die Zuschauenden direkt in die Story hinein.

Das vielschichtige Bühnenbild der Utrechter Inszenierung ist eine direkte Übernahme aus der Hamburger Spielzeit und basiert auf dem der aufwendigen Originalproduktion, die 2019 in Manchester uraufgeführt wurde. Die detailreiche Kulissenarchitektur von Soutra Gilmour ist geprägt von Set-Elementen, die durch das Herabschweben vom Bühnenhimmel schnelle Standortwechsel zwischen Verona, London und Paris ermöglichen.

Ein akustisches Feuerwerk lässt im Publikum die Hosenbeine flattern: Das High-End-Sounddesign nach Gareth Owen lässt Bässe kicken, Klangteppiche ihre Wirkung entfalten und gleichzeitig solistischen Gesang und Ensemblechöre glasklar erklingen. Hinter dem musikalischen Kraftpaket lassen sich tatsächlich deutlich mehr als sechs Musiker:innen vermuten. Unter der Leitung von Marco Braam erzeugt die Band eine heiße Club-Atmosphäre mit den Songs, die vor allem in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren zu Welthits wurden.

Die Kostüme von Paloma Young folgen der Linie der Renaissance und sind mit modernen Elementen verknüpft, die mit Stereotypen der Geschlechter spielen: Junge Frauen tragen beispielsweise hochgesteckte Kleider, unter denen Hosen sichtbar werden. Männliche Figuren tragen Röcke und Korsagen über Hosen und Hemden. Eine eindeutige Lesbarkeit der Geschlechter wird oft bewusst vermieden. Knallige Farben und Muster zeugen von Lebendigkeit.

Die Choreographien von Jennifer Weber verleihen der Inszenierung von Luke Sheppard eine enorme Dynamik. Das Ensemble unterstreicht mit viel Power und knalligen Dance Moves die großen Gefühle, die vor allem Juliet durchlebt. In intimen Momenten zwischen François (Dave Rijnders) und May (Bram Tahamata) wird eine bewusst zarte Bewegungssprache angewandt. Polarisierend und frech ist hingegen die Körpersprache bei der Begegnung zwischen Lance (Eddy Zoëy) und Angélique (Gitty Pregers).

Teddy Vermeer als Juliet ist ein absolutes Rollenmatch, wie sie alternierend in Hamburg schon unter Beweis stellte. Äußerst energetisch beschreibt Vermeer die Entwicklung der jungen Frau zu einer eigenständigen, selbstbewussten Persönlichkeit mit voller emotionalen Bandbreite. Ihre Interpretationen der bekannten Songs bestechen in den gefühlvollen Passagen von „Baby, One More Time“ ebenso wie mit kraftvollem Gesang bei Songs wie „Stronger“ oder „Roar“.

Mit Linda Verstraten ist Vermeers Juliet eine beinahe mütterliche Freundin April an die Seite gestellt, die sie in ihrer Emanzipation liebevoll vorantreibt. Als Anne wickelt Verstraten ihren Gatten Shakespeare, gespielt vom charismatischen Levi van Kempen, mit Leichtigkeit um den Finger („I Want It That Way“).

Die West-End-erfahrene Gitty Pregers beeindruckt durch die gesangliche und darstellerische Interpretation der Amme Angélique, die gemeinsam mit Lance, gespielt von Eddy Zoëy, ihren zweiten Frühling erlebt („Teenage Dream“). Beide harmonieren während der beschwingten Darstellung des Bühnenpaares und bewegen das Publikum vor allem durch Humor und Herzlichkeit.

Tristan van der Lingen überzeugt mit seiner Bühnenpräsenz und flirtet als Romeo buchbedingt dennoch nur mit mäßigem Erfolg mit Juliet und dem Publikum. Die rockigen Töne des Bon-Jovi-Klassikers „It’s My Life“ liegen van der Lingen besonders gut.

Die vielleicht berührendste Nebenhandlung, die Annäherung zwischen François und May, bringen Dave Rijnders und Bram Tahamata mit einer besonderen Zartheit auf die Bühne. So wirkt die queere Liebesgeschichte im Vergleich zu den parallel geführten weiteren Lovestorys am natürlichsten. Dave Rijnders spielt glaubhaft den teils mit seinen eigenen Gefühlen überforderten jungen Mann und besticht durch die Vielseitigkeit seiner Interpretationen verschiedenster Popnummern wie „Overprotected“, „As Long As You Love Me“ und „Everybody“. Tahamata hat einen großen solistischen Moment mit Mays Solo „I’m Not A Girl, Not Yet A Woman“, in dem der non-binäre Charakter mit sich selbst ringt. Bereits in der Hamburger Inszenierung prägte Tahamata diese Rolle und verkörpert sie nun in der eigenen Muttersprache noch authentischer.

Gesungen werden die Songs auf Englisch, die Dialoge dagegen werden auf Niederländisch geführt. Wer die Sprachbarriere nicht scheut, darf auf die ausgelassene Stimmungsgarantie bauen, für die das Stück so bekannt ist. Eine absolute Empfehlung – nicht nur, weil die Tickets in den Niederlanden in etwa um die Hälfte günstiger sind als in der aktuellen deutschen Produktion ohne dass hier an Qualität eingebüßt wird.

 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neSpielorte
KREATIVTEAM
BuchDavid West Read
MusikMax Martin
RegieLuke Sheppard
Musikalische LeitungMarco Braam
ChoreographieJennifer Weber
Set-DesignSoutra Gilmour
KostümePaloma Young
 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neSpielorte
CAST (AKTUELL)
JulietTeddy Vermeer
Anne/ AprilLinda Verstraten
ShakespeareLevi van Kempen
AngéliqueGitty Pregers
LanceEddy Zoëy
RomeoTristan van der Lingen
FrançoisDave Rijnders
MayBram Tahamata
The PlayersTydo Korver
Mabel Emilia Lamers
Massimo Savans
Rick Verbraak
Rochelle Ramos
Valentina Dekker
Inge Teeuwen
Jermaine Faber
Tamar Floor
Gino Korsèl
  
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TERMINE
Sa, 07.11.2026 15:00Beatrix Theater, Utrecht
Sa, 07.11.2026 20:00Beatrix Theater, Utrecht
So, 08.11.2026 15:00Beatrix Theater, Utrecht
So, 08.11.2026 19:00Beatrix Theater, Utrecht
Di, 10.11.2026 19:30Beatrix Theater, Utrecht
Do, 12.11.2026 20:00Beatrix Theater, Utrecht
Fr, 13.11.2026 20:00Beatrix Theater, Utrecht
Sa, 14.11.2026 15:00Beatrix Theater, Utrecht
Sa, 14.11.2026 20:00Beatrix Theater, Utrecht
So, 15.11.2026 19:00Beatrix Theater, Utrecht
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SPIELORTE
07.10.2026 - 28.02.2027Beatrix Theater, Utrecht134 x
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