Die Absolventen der fünf Hochschulen © Ansgar Bovet
Die Absolventen der fünf Hochschulen © Ansgar Bovet

NEUES FEATURE
Startschuss zur Musicalkarriere - Die MUZ auf der MAP

„Heute beginnt der Rest uns’res Lebens“. Mit diesem Song aus dem Musical „Ich war noch niemals in New York“ beenden die Musicalstudenten der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien ihren fast einstündigen Beitrag bei der diesjährigen MAP (Musical-Absolvent*innen-Präsentation) im UNI.T-Theater der Berliner Universität der Künste. Eine sehr passende Textzeile, denn dieser Auftritt auf der nicht nur in Fachkreisen geschätzten Veranstaltung ist ein ganz großer Schritt in Richtung ihrer Bühnenlaufbahn. Die Musicalzentrale war vergangen Samstag auf der MAP und hat sich umgeschaut.

Seit über 20 Jahren gibt die MAP den Abschlussjahrgängen der deutschsprachigen Musical-Hochschulen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen eine Bühne, damit sie ihr Können in Schauspiel, Gesang und Tanz einem Fachpublikum zeigen können. Dies geschieht pro Uni nacheinander in einem knapp einstündigen Programmblock mit Klavierbegleitung. Jährlich ist eine der fünf Hochschulen im festen Rhythmus Berlin-München-Osnabrück-Essen-Wien Gastgeber der Veranstaltung.

Die Musical-Experten der ZAV-Künstlervermittlung: James de Groot (links), Vanessa Riechmann und Marc Lamberty © muz/kw

Organisatoren des Nachwuchs-Events, das 2004 erstmals in München stattfand und aus einem Essener Pilotprojekt im Jahr davor entstanden ist, sind die Musical-Experten der ZAV-Künstlervermittlung der Bundesagentur für Arbeit. Vanessa Riechmann, Marc Lamberty und James de Groot, die selbst viele Jahre in Musicals auf der Bühne zu sehen waren, merkt man im Gespräch an, mit wie viel Herzblut sie ihrer Vermittlungstätigkeit nachgehen und wie stolz sie sind, dass ihre MAP für potenzielle Arbeitgeber zu einem festen Termin, aber auch zu einem Branchen- und Szene-Treff geworden ist. Selbst in der Corona-Hochphase ist sie nicht ausgefallen: Die MAP fand 2021 als Stream und im Folgejahr in München wegen verschärfter Hygiene-Bedingungen mit nur 42 zugelassenen Besuchern statt.

Bei der diesjährigen Veranstaltung am 16. und 17. Januar war der Theatersaal mit knapp 400 Plätzen an beiden Tagen sehr gut besucht. Gekommen waren als potenzielle Arbeitgeber nicht nur zahlreiche Intendanten und Dramaturgen von kommunal finanzierten Theatern, sondern auch kommerzielle Musical-Veranstalter und Vertreter von Sommerfestspielen. Ergänzt wurde das Auditorium durch Musicalschaffende, wie Regisseure, Choreografen und Darsteller, sowie die von Vanessa Riechmann in ihrer Begrüßung als „Family und Friends“ bezeichneten Unterstützer der vierzig Absolventen.

Der Absolventenjahrgang aus Wien beim Schlussapplaus © muz/kw

Mit ihren Präsentationen unterstrichen alle fünf Hochschulen das hohe Niveau ihrer Ausbildung. Ihre Studenten brillierten in kurzen Monologen sowie in Gesang und Tanz solistisch und in Ensemble-Nummern. Auf dem Programm standen dabei Songs quer durch das gesamte Genre – von „Hamilton“ bis „Jesus Christ Superstar“.

Auf der MAP feierte in diesem Jahr nach Abschluss aller fünf Hochschul-Präsentationen eine Art Speed-Dating Premiere. Auf der so genannten „SpeedCon“ stellten sich in einem einminütigen Dialog Absolventen und potenzielle Arbeitgeber gegenseitig vor. Ein Format, das den ersten Kontakt erleichtern und Hemmschwellen absenken sollte und in optimierter Form auch im kommenden Jahr in München wieder angeboten wird.

Nach Angaben vom Vermittlungs-Team Vanessa, Marc und James haben aus dem aktuellen Absolventen-Jahrgang bereits 100 Prozent der Männer und etwa 60 bis 70 Prozent der Frauen für die Zeit nach ihrem Studium mindestens ein Vertragsverhältnis unterzeichnet. Das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern rührt nach ihren Angaben insbesondere aus dem „Männer-Mangel auf dem Markt“.

Der Absolventenjahrgang der UdK Berlin © Patrick Reu

Und wie erleben diejenigen, die im Fokus der MAP stehen, die Präsentation? Nach dem Zufallsprinzip haben wir mit Teresa Hank Gomez (im Foto links neben dem Text gemeinsam mit den anderen Absolventinnen der UdK bei ihrer Performance) eine Vertreterin aus dem rein weiblichen, vierten Jahrgang des Studiengangs Musical/Show an der Berliner Universität der Künste angesprochen. Zum Zeitpunkt unseres Gespräches hatte sie noch kein Engagement, ist allerdings zu Auditions eingeladen und will zukünftig „viel an kleinen und großen Bühnen ausprobieren“. Dafür sieht sie die MAP als große Chance. Insgesamt hat sie beide Tage „voller Euphorie“ erlebt, auf die sich allerdings auch ein bittersüßes Gefühl gelegt hat: Teresa ist traurig, dass sich zum Studienende die Wege mit ihren liebgewonnenen Kommilitoninnen, die sie alle bewundert, trennen werden. Sie lobt den Zusammenhalt und die Leistungsfähigkeit des Jahrgangs, der einen tollen Auftritt hingelegt habe, der unter schwierigen Bedingungen entstanden sei. Noch in der Vorwoche sei die Hälfte der Studentinnen krank gewesen und Melissa King als szenische Leiterin und Choreografin hatte für den Notfall bereits einen Umstellungsplan geschmiedet. Wer das Programm von Teresa und ihren Kolleginnen live sehen möchte, dem sei Ende Februar der Besuch von „ZEHN!“ im UNI.T ans Herz gelegt.

Abschließend soll nicht unerwähnt bleiben, dass die MAP seit 2009 eine ebenfalls von der ZAV-Künstlervermittlung organisierte Schwesternveranstaltung mit dem Namen EuMAP hat, die jährlich in Hamburg stattfindet. Hier präsentiert der Musical-Nachwuchs aus Belgien, Schweden, den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland sein Können. Die nächste EuMAP findet am 28. April im Hamburger First Stage Theater statt. Auch dort beginnt dann für viele angehende Darsteller wieder der Rest ihres Lebens.

 
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