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In seinem Regiedebüt an der Oper Dortmund versucht Jörn-Felix Alt, Paul Abrahams Jazz-Operette „Märchen im Grand-Hotel“ in ein modernes Musicalgewand zu kleiden. Visuell und inszenatorisch gelingt dies mit Bravour, während große Teile der Besetzung dem Operetten-Stil vor allem darstellerisch wie gesanglich treu bleiben – so entsteht eine sehenswerte Mélange, die allerdings trotz opulenter Ausstattung und außergewöhnlicher Choreografien die buchbedingten Längen nur bedingt kaschiert.
Hollywood trifft auf Hochadel im High-Society-Hotel: der perfekte Stoff für eine Komödie oder Persiflage, dessen sich Paul Abraham schon vor über 90 Jahren annahm. Nach seiner Uraufführung in Wien galt das Werk des Jazz-Operetten-Komponisten, der zur NS-Zeit ins Exil flüchtete und dessen vorwärts gerichteter Stil sich auf Weg zum moderne Musicalgenre bewegte, lange als nahezu begraben. Erst 2018 kam es zur deutschen Erstaufführung als Vollinszenierung. Für die aktuelle Produktion der Oper Dortmund wurde der musikalische Stil an die Gegebenheiten vor Ort angepasst. Unter anderem wurde die für ein kleineres Orchester konzipierte Partitur für eine größere Besetzung erweitert – etwas, das bei einem Blick in die vielerorts spärlich besetzten Orchestergräben heutzutage eher eine gegenteilige Tendenz aufweist und beim Lesen des Programmheftes verblüfft. Koji Ishizaka leitet das opulent ausgestattete Dortmunder Orchester mit Meisterhand. Die überwiegend klassischen Melodien werden durch Elemente aus Jazz, Tango, Charleston und Foxtrott aufgelockert, galten in den 1930ern als Populärmusik und haben durchaus Ähnlichkeiten mit George Gershwins Musikstil: eine kontrastreiche Partitur zwischen historischem Zeitgeist und zeitlosen Melodien, die das Orchester brillant zum Klingen bringt. Mit einem Wechsel aus Schwung, Verträumtheit und Bombast spielen sich die MusikerInnen zum großen Highlight der Inszenierung. Klug werden die etlichen Reminiszenzen (oder einfach Reprisen) für die Charakterisierung und Motivführung der Figuren genutzt, die durch das Spiel des Orchesters klar unterstrichen werden, sodass die musikalische Begleitung hier maßgeblichen Anteil am Narrativ besitzt.
Wäre die Tontechnik doch nur auf Seiten der Bühnenakteure und des Orchestergrabens ebenso überzeugend! Leider erweist sich die Akustik als maximal anstrengend. Mikrofone sind zwar ersichtlich, scheinen aber kaum der Tonverstärkung zu dienen. Im Hall des großen Auditoriums klingt alles weit entfernt und fordert starke Konzentration, wenn der Anspruch besteht, dem Gesprochenen, Gesungenen und Gespielten zu folgen. So kann das Sich-Fallenlassen in den Fluss des Stücks nur schwer gelingen.
Alexandre Corazzola erschafft ein opulentes Bühnenbild, das einen großen Teil der bestechenden Visualität der Inszenierung ausmacht. Die 360° drehbare Bühne wird optimal genutzt, um ganz verschiedene Räumlichkeiten des Grand-Hotels einseh- und begehbar zu machen. Dabei ist jedes Set pompös und übergroß, was zum Protz der Côte d’Azur vortrefflich passt: Die große Hotellobby, eine Lounge für den Adel und die Privatgemächer der Infantin entführen in die Welt der High Society. Durch das Drehen der Bühne wird oftmals eine besondere Dynamik erzeugt, die dem zeitweise recht träge verlaufenden Stück eine gute Portion Pepp verleiht und das Publikum einlädt, durch die Räumlichkeiten der Edelherberge zu wandeln – und sei es nur mit dem Blick. Ebenso gefallen die exzentrischen und knalligen Kostüme von Vanessa Rust sowie das Lichtdesign von Florian Franzen, die die Inszenierung visuell spannend gestalten.
Große Highlights sind die Choreografien von Jörn-Felix Alt. Seine Expertise als virtuoser Tänzer setzt er offenkundig ein. Viele der Tanzabläufe sind zwar leider nur kurz, dafür aber durchaus knackig. Die musikalische Sprache wird hervorragend in die dazugehörigen Tanzstile übertragen und gehörig mit Tempo, Show-Elementen und Requisiten gespickt. Eine atemberaubende Rope-Skipping-Choreografie, Stepptanz auf Serviertabletts, Charleston-Elemente mit Feudeln an den Schuhen und wabernde Revue-Tänze mit riesigen Fächern – jede Choreografie ist einzigartig und begeistert das Publikum. Das ist nicht nur Alt, sondern auch dem grandiosen neunköpfigen Tanzensemble zu verdanken, das direkt am Anfang des ersten Aktes für frenetischen – und verdienten – Szenenapplaus sorgt, der sich im Verlauf des Abends wiederholt.
Alfred Grünwalds und Fritz Löhner-Bedas Libretto und Buch sind zwar durch den Regisseur großzügig entstaubt worden, haben aber nach wie vor, gerade im zweiten Akt, Längen und enttäuschen mit einer sehr flotten Auflösung – typisch für frühe Musicals und genreüberschreitende Operetten. Der Versuch, das Buch aufzulockern, ist auf vielen Ebenen spürbar: Die erwähnten Choreografien schaffen dies am besten. Von Alt eingebaute kleine Albernheiten, Slapstick-Elemente und absichtlich skurril gestellte Szenen durchziehen die Inszenierung und liefern zusätzliche Lichtmomente, die durchweg gefallen.. Trotz allem liefert das Buch einen so laschen Konflikt in Verbindung mit zu seichtem Humor, sodass das Stück immer wieder ins Dahinplätschern gerät. Da trösten weder Funkenregen noch Konfettibomben über das dramaturgisch schwache Ende hinweg.
Das als Gag-Gimmick eingesetzte Sängerquartett, das an die Comedian Harmonists erinnert, ist anfangs mit seinen ulkigen Bühnenauftritten durchaus erheiternd und klingt im Background-Gesang auch gut. Allerdings verlieren Mario Ahlborn, Min Lee, Daegyun Jeong und Shinyoung Hwang immer wieder ihr Momentum und verschenken die Chance auf ein spritziges Finale des ersten Aktes. Christian Pienaar als Matard gefällt mit der Ausstrahlung des unterwürfigen, jedoch pikfeinen Hoteldirektors, und Fritz Steinbacher liefert in Schauspiel und Duktus das perfekte Habsburger-Klischee als Großfürst Paul. Johanna Schoppa als flamboyante Hofdame Gräfin Inez de Ramirez sorgt durch ihr expressives und zum Teil schräges Auftreten für zahlreiche Lacher; ihr Zusammenspiel mit der Infantin gehört zu den komödiantischen Höhepunkten der Inszenierung. Gesanglich überzeugt ihr theatralisches Solo „Am schönsten war es in Sevilla“ im Whirlpool – bei dem sie besonders mit tiefem Timbre punktet. Morgan Moody überzeugt in der Doppelrolle des Hotelbesitzers und Vaters von Albert einerseits sowie des Hollywood-Moguls und Vaters von Marylou andererseits; seine Songs „Wir brauchen was Pikantes“ und „Mon Ami“ gefallen gesanglich auf ganzer Linie. Matthias Störmer verkörpert die Rolle des Albert, des Protagonisten, dessen Perspektive das Publikum über lange Strecken der Geschichte einnimmt: Als Erbe des Hotelimperiums soll er „undercover“ als Hotelkellner arbeiten, um sich seines Vaters als würdig zu erweisen.. Sein klassisch geprägter Gesang lässt die zahlreichen Lieder seiner Figur traumvoll schwelgend klingen, während er sie schauspielerisch kitschig-schmachtend anlegt, jedoch lange braucht, bis das Publikum sich auf seine Perspektive fokussiert. Das liegt auch daran, dass die anderen Hauptfiguren mit größerer Bühnenpräsenz und mehr Charisma ausgestattet sind: Rob Pelzer als leicht schrulliger, aber liebenswerter Prinz Andreas Stephan begeistert gesanglich, schauspielerisch und auch beim haarsträubend flotten Seiltanz zu „Ich geh so gern spazieren“ auf ganzer Linie. Dies gilt auch für Nina Weiß als Hollywood-Erbin Marylou, die mit starker Stimme, bestechendem Bühnencharme und hervorragenden tänzerischen Fähigkeiten zu „Jonny, brauchst du Money?“ zum Highlight wird. Tanja Christine Kuhn verkörpert die Infantin mit glockenklarem Sopran und Grandezza als perfekte Bilderbuch-Diva – eine Mischung aus herrischer Adeliger und theatralischer Telenovela-Verführerin.
Pompös in „Ich wär so gerne Königin“ oder sehnsüchtig-melancholisch in „Ein Märchen in traumschöner Nacht“ sowie in den zahlreichen überspitzten Wortgefechten und Comedy-Momenten mit ihren BühnenpartnerInnen – bei Kuhn ist jeder Auftritt großes Kino..
Nicht nur für Operetten-Connaisseurs und LiebhaberInnen des vielfältigen Weimarer Stils, sondern auch für Fans des klassischen Musicalgenres ist ein Besuch von Paul Abrahams „Märchen im Grand-Hotel“ in der Dortmunder Inszenierung in jedem Fall lohnenswert.
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Musikalische Leitung | Koji Ishizaka Carlos Vázquez |
| Inszenierung | Jörn-Felix Alt |
| Bühne | Alexandre Corazzola |
| Kostüme | Vanessa Rust |
| Choreografie | Jörn-Felix Alt |
| Licht | Florian Franzen |
| Dramaturgie | Dr. Daniel C. Schindler |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Die Infantin Isabella | Tanja Christine Kuhn |
| Großfürst Paul | Fritz Steinbacher Merlin Wagner |
| Prinz Andreas Stephan | Rob Pelzer |
| Gräfin Inez de Ramirez | Johanna Schoppa |
| Albert | Matthias Störmer |
| Sam Makintosh / Präsident Chamoix | Morgan Moody |
| Marylou | Nina Weiß |
| Matard | Christian Pienaar |
| Quartett | Mario Ahlborn Min Lee Daegyun Jeong Shinyoung Hwang |
| Tanzensemble | Celine Adamczak Elisabeth Bohaumilitzky Madeline Ferricks-Rosevear Nathalie Meusel Nicolas Köhler Christian Meusel Wiktor Milczarek Thomas Riess |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| So, 10.05.2026 18:00 | Opernhaus, Dortmund | |
| So, 17.05.2026 16:00 | Opernhaus, Dortmund | |
| Fr, 29.05.2026 19:30 | Opernhaus, Dortmund | |
| So, 31.05.2026 16:00 | Opernhaus, Dortmund | |
| Sa, 27.06.2026 19:30 | Opernhaus, Dortmund |
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| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Sa, 24.01.2026 19:30 | Opernhaus, Dortmund | Premiere | |||||||
| So, 01.02.2026 16:00 | Opernhaus, Dortmund | ||||||||
| Mi, 18.02.2026 19:30 | Opernhaus, Dortmund | ||||||||
| ▼ 6 weitere Termine einblenden (bis 19.04.2026) ▼ | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Fr, 27.02.2026 19:30 | Opernhaus, Dortmund | ||||||||
| Fr, 06.03.2026 19:30 | Opernhaus, Dortmund | ||||||||
| Fr, 20.03.2026 19:30 | Opernhaus, Dortmund | ||||||||
| Sa, 11.04.2026 19:30 | Opernhaus, Dortmund | ||||||||
| Do, 16.04.2026 19:30 | Opernhaus, Dortmund | ||||||||
| So, 19.04.2026 16:00 | Opernhaus, Dortmund | ||||||||
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