Jo Fester (Jack), Katie Brayben (Bakers Wife), Gracie McGonigal (Little Red Ridinghood), Chumisa Dornford-May (Cinderella), Jamie Parker (Baker) © Johan Persson
Jo Fester (Jack), Katie Brayben (Bakers Wife), Gracie McGonigal (Little Red Ridinghood), Chumisa Dornford-May (Cinderella), Jamie Parker (Baker) © Johan Persson

Into the Woods (seit 12/2025)
Bridge Theatre, London

Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
 

Fünfzehn Jahre nach der mit einem Olivier Award ausgezeichneten Regent’s-Park-Inszenierung und einer späteren, deutlich kleineren Produktion in der Menier Chocolate Factory kehrt „Into the Woods“ nach London zurück und beschert dem Publikum kurz vor Weihnachten ein herrlich komisches Wiedersehen mit jenem Figurenensemble, das Märchenwelten üblicherweise fein säuberlich voneinander trennt – hier aber Seite an Seite durch denselben Wald stolpert. Wer nach der enorm innovativen „Guys and Dolls“-Produktion im selben Haus darauf gehofft hat, dass dieses Revival ebenfalls die Grenzen des Gewohnten sprengt, erlebt eine spürbar traditionellere Herangehensweise. Auch räumlich setzt die Produktion einen anderen Akzent: Nach mehreren Manege-Bühnen kehrt das Haus hier zur klassischen Guckkastenform zurück. Bühne, Kostüme und Ensemble hinterlassen dennoch vom ersten Moment an einen starken Eindruck und tragen den Abend zuverlässig durch die verschlungenen Pfade dieser Märchenversammlung.

Jamie Parker (Baker), Kathie Brayben (Bakers Wife)
© Johan Persson

Die Produktion beginnt mit einer komplett schwarzen Bühne – ein bewusster, fast strenger Auftakt. Im Zentrum erhebt sich ein großer Block aus dem Bühnenboden, der in den frühen Szenen als vielseitig nutzbarer Raum dient: mal als Backstube des Bäckers, mal als Küche im Haus von Jack und seiner Mutter, mal als Zimmer im Haushalt von Cinderellas Stiefmutter. Bereits hier fällt die enorme Detailverliebtheit der Ausstattung auf. Wenn Cinderella die Vögel bittet, ihr beim Sortieren der Linsen zu helfen, flattern diese immer wieder sichtbar aus dem Aschepot hervor – ein kleiner, aber wirkungsvoller Trick, der den Märchenton früh etabliert.

Sobald der Weg in den Wald führt, fährt der Block wieder nach unten. Die Rückwand öffnet sich und gibt den Blick auf einen Bühnenwald frei, dessen massive Baumstämme, dichtes Unterholz und warme Seitenlichter ein verblüffend natürliches Waldbild erzeugen. Der Raum gewinnt dadurch sofort an Tiefe und trägt die Inszenierung atmosphärisch durch ihre verschiedenen Stationen..

Chumisa Dornford-May (CInderella) © Johan Persson

Bühnenbild und Kostüme stammen von Tom Scutt, der beide Bereiche so gestaltet, dass sie sich gegenseitig ergänzen: der Wald als dunkler, schwerer Raum, die Figuren hingegen in farbenfroher Fantasie verankert. Die Kostüme sind farbenfroh, verspielt und mit großer Liebe zum Detail gestaltet. Rapunzels Haar erscheint als geflochtene Leiter, die sie – ganz der Märchenlogik folgend – tatsächlich vom Turm herablässt. Jacks Huhn, das er den Riesen stiehlt, sitzt überdimensioniert in seinem Rucksack und wirkt mit seinen Bewegungen, als begleite es kommentierend das Bühnengeschehen. Die Hexe wiederum tritt vor ihrer Verwandlung als bewusst überzeichnete Gestalt auf, ästhetisch irgendwo zwischen Horrorfilm und Groteske. Bei näherem Hinsehen entdeckt man kleine, humorvoll gesetzte Details mit deutlich übersteigerten Proportionen, die erst beim zweiten Blick ihren komischen Effekt entfalten und die Figur zugleich brechen.

Jordan Fein wählt für dieses Revival eine Inszenierung, die sich spürbar auf die Stärken der übrigen Gewerke stützt und nur selten eigene interpretatorische Impulse setzt. Vieles bleibt nah an vertrauten Mustern: Die Riesin wird – wie in vielen Produktionen – lediglich akustisch und über Licht angedeutet, das Theater erbebt bei ihren Schritten, Blitze zucken im Takt, doch darüber hinaus bleibt der Umgang mit dieser Figur konventionell. Eine der wenigen markanteren Entscheidungen findet sich im zweiten Akt bei Jack. Nachdem er und seine Mutter zu Reichtum gekommen sind, zeichnet die Regie ihn als flamboyante, fast bewusst überzeichnete Gestalt: lange Frauenfrisur, betont feminine Kleidung, verspielte Gestik. Da diese Ausgestaltung jedoch ohne dramaturgischen Kontext bleibt und weder im Text noch in der Figur angelegt ist, wirkt sie weniger wie eine interpretatorische Zuspitzung als vielmehr wie ein Versuch, dem Abend mit einem modernen Anstrich zusätzliche Aktualität zu verleihen. Die Szene bleibt dadurch eher ein loses Stilmittel als ein erzählerischer Kommentar.

Trotz der insgesamt zurückhaltenden konzeptionellen Handschrift funktionieren Timing und Humor durchweg präzise. Die Abläufe sind klar geführt, Pointen zuverlässig gesetzt, und das Ensemble findet fast durchweg ein stimmiges Miteinander.

Die herausragende Leistung des Abends gehört eindeutig Kate Fleetwood als Hexe. Sie verbindet die komischen Momente ihrer Figur mühelos mit echtem Grauen und prägt mit dieser Doppelspannung die gesamte Produktion. Nach ihrer Verwandlung steht tatsächlich scheinbar eine andere Person auf der Bühne – leichter, eleganter, aber ebenso präzise in Ausdruck und Timing. Ihr „Last Midnight“ wird zu einem musikalischen und darstellerischen Höhepunkt des Abends: kraftvoll, dunkel glühend und mit einer Intensität vorgetragen, die den Raum für einen Moment völlig still macht.

Bella Brown (Rapunzel), Kate Fleetwood (The Witch)
© Johan Persson

Katie Brayben und Jamie Parker als Bäckerin und Bäcker bilden das emotionale Zentrum der Inszenierung. Beide harmonieren ausgezeichnet, treffen das komödiantische Timing genau und tragen ihre Szenen mit einer Wärme, die nie ins Sentimentale kippt. Stimmlich bewegen sie sich souverän durch Sondheims anspruchsvolle Partitur und geben dem Abend Kontur und Erdung. Jo Foster gestaltet Jack im ersten Akt mit einer charmanten Mischung aus Naivität, Aufrichtigkeit und jugendlichem Übermut, sodass sofort Sympathien entstehen. Stimmlich präsentiert er sich klar und sicher. Die überzeichnete Wendung im zweiten Akt fügt er sauber ein.

Gracie McGonigal holt als Rotkäppchen jeden möglichen Witz aus ihrer Rolle heraus. Chumisa Dornford-May als Cinderella und Bella Brown als Rapunzel überzeugen mit klar geführten Stimmen und verleihen ihren Figuren jene feinen charakterlichen Konturen, die sie im Ensemble sichtbar werden lassen. Cinderellas Prinz und der Wolf (Oliver Savile) sowie Rapunzels Prinz (Rhys Whitfield) zeigen ein sehr präzises Zusammenspiel und starke stimmliche Präsenz. Ihr „Agony“ trifft den satirischen Kern des Songs genau: zwei Männer, die ihre angeblichen Qualen mit sichtbarem Vergnügen gegeneinander ausspielen und sich in ihrer Theatralik überbieten. Der Erzähler Michael Gould führt mit trockenem Witz durch die Handlung, stolpert immer wieder charmant in die Szenen hinein und wirkt bisweilen selbst ein wenig überrascht von den Wendungen, die er kommentiert.

Das Orchester besteht in dieser Produktion aus lediglich zwölf Musikerinnen und Musikern, die in den oberen Seitenlogen links und rechts neben der Bühne platziert sind – eine eher kleine Besetzung für „Into the Woods“. Die musikalische Leitung liegt bei Mark Aspinall, der das Ensemble präzise führt und die Sängerinnen und Sänger sicher durch Sondheims anspruchsvolle Partitur trägt. Die Mischung zwischen Stimmen und Orchester wirkt insgesamt gut ausbalanciert. Dennoch macht sich die reduzierte Orchestergröße an einigen Stellen bemerkbar: Passagen, die in volleren Besetzungen mehr klangliche Tiefe entfalten, klingen hier gelegentlich etwas schmaler. Insgesamt bleibt die musikalische Umsetzung solide, wenn auch im Vergleich zu größeren Produktionen hörbar kompakter.

Gracie MacGonigal (Little Red Ridinghood) © Johan Persson

So führt diese Produktion durch ihren Wald: ohne große Umwege, ohne radikale Neuentdeckungen, dafür getragen von präzisem Spiel und einem Ensemble, das sowohl den Humor als auch die Abgründe des Stücks klar herausarbeitet. Kein revolutionärer Ansatz – aber ein Abend, der seine eigenen Stärken kennt und einlöst und damit eine sorgfältige, konzentrierte Umsetzung bietet, die vor allem durch ihr Ensemble und die visuelle Gestaltung überzeugt.

 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
KREATIVTEAM
InszenierungJordan Fein
Bühne / KostümeTom Scutt
Musikal. LeitungMark Aspinall
SoundAdam Fisher
LichtAideen Malone
Video DesignRoland Horvath
MovementJenny Ogilvie
 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
CAST (AKTUELL)
Grandmother / GiantValda Aviks
Cinderellas FatherGeoffreiy Aymer
Bakers WifeKatie Brayben
RapunzelBella Brown
CinderellaChumisa Dornford-May
WitchKate Fleetwood
JackJo Foster
Narrator / Mysterious ManMichael Gould
Cinderellas StepmotherJennifer Hepburn
LucindaHana Ichijo
Jacks MotherJulie Jupp
FlorindaGabrielle Lewis-Dodson
Little Red RidinghoodGracie McGonigal
StewardHughie O'Donnell
BakerJamie Parker
Cinderellas Prince / WolfOliver Savile
Rapunzels PrinceRhys Whitfield
StandbiesTaite-Elliot Brew
Jacob Fowler
Sophie Linder-Lee
Chloe Saracco
  
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
TERMINE
Do, 05.02.2026 14:30Bridge Theatre, London
Do, 05.02.2026 19:30Bridge Theatre, London
Fr, 06.02.2026 19:30Bridge Theatre, London
Sa, 07.02.2026 14:30Bridge Theatre, London
Sa, 07.02.2026 19:30Bridge Theatre, London
Mo, 09.02.2026 19:30Bridge Theatre, London
Di, 10.02.2026 19:30Bridge Theatre, London
Mi, 11.02.2026 19:30Bridge Theatre, London
Do, 12.02.2026 14:30Bridge Theatre, London
Do, 12.02.2026 19:30Bridge Theatre, London
▼ 122 weitere Termine einblenden (bis 30.05.2026) ▼
 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neTermi­ne (Archiv)
TERMINE (HISTORY)
Di, 02.12.2025 19:30Bridge Theatre, LondonPreview
Mi, 03.12.2025 19:30Bridge Theatre, LondonPreview
Do, 04.12.2025 19:30Bridge Theatre, LondonPreview
▼ 67 weitere Termine einblenden (bis 04.02.2026) ▼
Zur Zeit steht die Funktion 'Leserbewertung' noch nicht (wieder) zur Verfügung. Wir arbeiten daran, dass das bald wieder möglich wird.
Overlay