Martin Markert © Bernhardt Link
Martin Markert © Bernhardt Link

„Die besonderen Dinge kommen – nur eben zu ihrer Zeit.“ Martin Markert im Interview

Heute hebt sich der Vorhang zum ersten Mal für die Jubiläums-Spielzeit von „Ludwig²“. Vor 20 Jahren feierte die Show am Festspielhaus Neuschwanstein seine Uraufführung. Einer, der von Anfang an dabei war und dem Stück bis heute die Treue hält, ist Martin Markert. Vom jungen Prinz Otto in der Uraufführung bis zur Erstbesetzung des Schattenmanns 2023 – seine Geschichte ist eng mit „Ludwig²“ verwoben. Wir haben uns mit ihm getroffen – aus Anlass des Jubiläums und des erfolgreichen Gastspiels in Shanghai – und mit ihm über bewegte Anfangsjahre, emotionale Rückkehrmomente, große Musik und kleine Träume gesprochen.

Martin, Du warst direkt nach deiner Ausbildung Teil des Uraufführungs-Ensembles von „Ludwig²“ – als Prinz Otto von Bayern. Welche Erinnerungen verbindest du mit dieser Anfangszeit?

Das war natürlich ein absoluter Wahnsinn – mit so einer Uraufführung ins Berufsleben zu starten. Ich war damals im ersten Jahrgang an der Joop van den Ende Academy in Hamburg. Die Stage hat mich zu unzähligen Vorsingen geschickt, ich kam oft in die Endrunde – aber eine Rolle bekam ich nicht.

Jan Amann als Ludwig II in „Ludwig²“ in Shanghai 2024 © Felix Reiser

„Ludwig²“ war dann allerdings keine Stage-Produktion, sondern 2005 eine Eigenproduktion am Festspielhaus Neuschwanstein. Ich war vom ständigen Vorsprechen total ausgelaugt und wollte eigentlich gar nicht hin. Noch dazu riet mir damals Doris Bierett von der ZAV ab – sie meinte, das sei eine große Produktion für erfahrene Leute, da hätte ich keine Chance. Aber meine Mutter hat mich motiviert: „Das klingt doch wie für dich gemacht – probier’s!“ Also bin ich nach Füssen gefahren. Schon am Eingang empfing mich Darlene Fischer – sie war zusammen mit ihrem Mann Gerd die Produzentin des Musicals – und fragte gleich: „Was hast du vorbereitet?“ Ich hatte „Dunkles Schweigen an den Tischen“ aus „Les Misérables“ dabei. Sie war begeistert, weil ich anscheinend der Erste war, der einen Musical-Song dabeihatte.

Das Vorsingen war dann auf der riesigen Bühne, mit einem internationalen Kreativteam: eine Regisseurin aus Los Angeles, ein Regisseur aus Irland. Ich weiß noch, dass Kevin Tarte vor mir dran war, später kam auch Jan Ammann dazu – den kannte damals noch keiner. Ich sang vor, kam sofort in die engere Auswahl – und dann auch ins Callback.

Ein paar Tage später bekam ich den Anruf während meines Ensemblegesangsunterrichts in Hamburg – und sie machten mir das Angebot. Ich war damals 22, einer der Jüngsten im Cast. Da ich eigentlich noch in der Ausbildung war, musste geklärt werden, ob ich früher aufhören darf. Aber da Sabrina Weckerlin schon früher für „3 Musketiere“ ausgestiegen war, durfte ich auch.

Die Proben starteten im Januar 2005 – und es war wie im Wintermärchen: drei Monate blauer Himmel, Sonne und meterhoher Schnee. Ich kannte das Allgäu nicht, auch das Schloss nicht – für mich als Berliner war das wie ein Paradies. Die Musik kam teilweise als Demo aus Los Angeles, von Christopher Franke. Wir hörten die Songs mit englischen Demosängern, später kamen die deutschen Texte dazu – Konstantin Wecker spielte und entwickelte im Probenraum am Klavier seine Musik-Szenen. Wir waren alle total geflasht. Es war einfach eine magische Zeit.

Martin Markert © Bernhardt Link

Zwölf Jahre nach deiner letzten Spielzeit in Füssen kehrtest du 2023 zurück – diesmal als Erstbesetzung des Schattenmanns. Wie war es, diese Rolle zu übernehmen und wieder im Festspielhaus auf der Bühne zu stehen?

Ich habe den Schattenmann tatsächlich schon 2006 gespielt – das war meine erste große alternierende Rolle. Eine echte Herausforderung, aber auch eine, die mich künstlerisch sehr weitergebracht hat. 2011 haben wir dann in Kempten eine neue Version von „Ludwig²“ entwickelt. Die Ursprungsfassung heißt „Der Mythos lebt“, und diese andere Fassung trug den Titel „Der König ist zurück“. 2016 kam dann die Rückkehr nach Füssen

Der Theaterleiter des Festspielhaus Neuschwanstein, Benjamin Sahler, hatte dies durch ein Crowdfunding möglich gemacht und sich die Aufführungsrechte vom Verlag gesichert. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar.

Seit 2017 arbeite ich mit dem Verlag sehr eng zusammen und bin seit einigen Jahren auch Co-Regisseur von Ludwig² im Festspielhaus Neuschwanstein.

Wie war es, nach all den Jahren wieder in Füssen auf der Bühne zu stehen?

Das war irre. Meine letzte Vorstellung dort war im Dezember 2006 – und dann stehe ich 2023 plötzlich wieder auf genau dieser Bühne. Die Premiere war ein voller Erfolg, überall hieß es: „Der Schattenmann ist zurück.“ Ich fühlte mich auf einmal wieder wie mit 23 oder 24 – es kamen so viele Erinnerungen hoch. Ich hatte riesigen Respekt vor der Arie des Schattenmanns, die ist wirklich anspruchsvoll. Und emotional war das eine absolute Achterbahnfahrt. Es war, als wäre ich wieder im Jahr 2005. Ich habe es total genossen, dort zu stehen, die Menschen zu sehen, diese Energie zu spüren. Es war ein Geschenk. Und es fühlte sich an, als hätte sich ein Kreis geschlossen. Ich konnte all meine Erfahrungen aus den Jahren dazwischen – Rollen wie Jesus, Tony und viele andere – in dieses Lied einbringen. Das hat den Schattenmann für mich neu entstehen lassen.

Du hast die Arie des Schattenmanns einmal als eine der schönsten beschrieben, die du je gesungen hast. Was macht sie für dich so besonders – musikalisch oder emotional?

Martin Markert in der Rolle des „Schattenmann“ beim Schlussapplaus von „Ludwig²“ in Shanghai 2024 © privat

Das stimmt. Viele sagen auch immer: „Du hast sonst so große Rollen gespielt – und jetzt singst du nur dieses eine Lied?“ Aber genau das ist das Besondere. Der König hat über das ganze Stück hinweg unglaublich viel zu tun – emotional, stimmlich, schauspielerisch. Und dann komme ich am Ende mit diesem einen Song – und der ist einmalig. Ich liebe dieses Lied. Die Orchestrierung ist großartig. Es ist Filmmusik. Schon das lange Intro holt das Publikum emotional ab, bringt die richtige Energie in den Raum. Die Melodieführung erlaubt mir unglaublich viel stimmlichen Ausdruck – es beginnt tief, beinah im Bass, und steigert sich dann. Ich kann da so viel reinlegen. Und das Finale ist einfach ein Ritt – du fliegst auf der Musik.

Gleichzeitig ist es auch technisch eine Herausforderung. Das Ende ist wirklich schwer – das geht nicht ohne Training, da musst du ganz genau wissen, was du tust. Und dann kommt noch dazu: Man sieht mein Gesicht nicht. Alles läuft über die Stimme, über minimale Bewegungen. Diese Figur allein durch Klang und Präsenz lebendig zu machen, ist eine riesige Aufgabe – aber auch eine großartige. Ich stehe ganz allein auf dieser riesigen Bühne, alles ist auf mich gerichtet – und ich habe diese eine Szene, diese eine Arie. Für einen Sänger ist das ein Geschenk. Und da fließt auch viel von meinem eigenen Erleben mit ein, auch meine Zeit als Tod in „Elisabeth“ hat sich da irgendwie reingemischt. Das macht es noch mal intensiver.

Vielleicht eine etwas ungewöhnliche Frage – aber: Wer ist der Schattenmann für dich eigentlich? Ist er ein realer Mörder im Auftrag oder eher ein Alter Ego von Ludwig – hat Ludwig sich am Ende vielleicht sogar selbst das Leben genommen?

Der Schattenmann steht für den Lauf der Geschichte. Man hat sich damals bewusst entschieden, dem Publikum keine eindeutige Antwort zu geben, wie Ludwig ums Leben kam. Der Schattenmann hat keinen Namen, ist kein konkreter Charakter. Er symbolisiert die namenlose, immerwährende Bedrohung. Es gibt in der Weltgeschichte immer anonyme „ Schattenmänner, die im Auftrag Anderer Unheil verbreiten. Und dann verschwinden… wie Schatten.

Martin Markert als „Schattenmann“ bei „Ludwig²“ in Shanghai 2024 © Felix Reiser

Eigentlich wäre es ganz einfach: Bayern hätte nur den Sarg öffnen müssen und Untersuchungen einleiten können. Aber das ist nie passiert. Viele glauben ohnehin nicht, dass Ludwig im Starnberger See ertrunken ist – er war ein kräftiger Mann, guter Schwimmer und der Starnberger See ist kein Ozean. Es muss also mehr dahinter stecken. Und gerade weil wir es nicht wissen, bleibt der Mythos lebendig. Ohne diesen Mythos gäbe es auch das Musical nicht. Im Stück selbst fällt kein offener, eindeutiger Schuss. Man sieht keine Leichen. Was aber klar ist: Bei uns ist der König unsterblich.  Am Ende, in unser großen Hymne „Kalte Sterne“ steht er gedanklich wieder auf – er ist für immer da. Bis heute! Das ist unser Epilog.

Wir haben deshalb auch das Duett „Fanfaren verklungen“ im ersten Akt eingefügt – da wird deutlich: Der Schattenmann weiß von Anfang an, wie das Ganze ausgeht. Ich sehe ihn nicht als Meuchel-Mörder, nicht als Teufel oder Joker, sondern als einen eleganten, gebildeten Mann. Einer, der Geld und Manieren hat, der einen gut bezahlten Auftrag ausführt. Wie viele in der Geschichte, die im Hintergrund Entscheidungen vollstrecken, die andere getroffen haben. Alle feiern Ludwigs Krönung, bewundern ihn – aber der Schattenmann weiß: Das wird kein gutes Ende nehmen. Und darum geht’s auch in meinem Schlüsselsatz: „Ich verkaufe Unschuld – ihr habt sie bestellt.“ Damit meine ich alle: das Publikum, die Gesellschaft. Ich bin nur der, der es ausführt – aber niemand will die Verantwortung übernehmen.

Die Produktion von „Ludwig²“ war 2024 erstmals in Shanghai zu sehen – wie kam es dazu?

Das Culture Square Theatre in Shanghai, wo ich 2014 mit Elisabeth war, hat uns 2023 einfach kontaktiert – über die Verlags – Homepage. Sie haben geschrieben, dass sie große Lust auf „Ludwig²“ hätten und gefragt, ob wir uns das vorstellen könnten. Wir hatten von unserer Seite aus gar nichts angestoßen, das kam komplett von ihnen.

Im Oktober 2023 kam dann eine ganze Delegation aus China nach Füssen. Wir haben zwei wunderschöne Tage miteinander verbracht, sie haben sich das Stück angeschaut – und es war ziemlich schnell klar: Das wollen sie machen. Wir haben dann lange Gespräche mit Richard Fei geführt, dem Leiter des Culture Square, und wir haben überlegt, wie man dieses Stück nach Shanghai bringen kann – ohne Wasserbühne, ohne Drehscheiben. Und ich habe gesagt: Wir brauchen all das nicht. Der Schlüssel liegt in der Musik – diese Magie trägt das Stück überall hin. Für das chinesische Publikum war es perfekt: der Märchenkönig, die Kaiserin Sisi und Schloss Neuschwanstein– das ist dort ein absoluter Glücksgriff. Der Vorteil war: Wir vom Gold und Silber Verlag sind die alleinigen Rechte-Inhaber. Wir konnten also eine ganz eigene Version entwickeln – speziell für Shanghai.

Du hast dabei nicht nur auf der Bühne gestanden, sondern auch Regie geführt und das Konzept mitentwickelt. Wie war das?

Jan Ammann (Ludwig), Barbara Obermeier (Sisi) in „Ludwig²“ in Shanghai, 2024 © Mr. Wangli

Das Konzept habe ich gemeinsam mit Gerd und Darlene Fischer erarbeitet – den Eigentümern von „Ludwig²“. Im Verlag arbeiten wir alle eng zusammen, jeder bringt seine Stärken ein. Es ist ein kleines, familiäres Team mit viel Vertrauen untereinander. Ich kenne die Fischers, seit ich 21 bin – und sie geben mir viel Raum, mich kreativ einzubringen.

Oft entstehen Ideen auch ganz beiläufig – beim Essen, im Gespräch. Und das funktioniert, weil wir uns gut kennen und alle mit Leidenschaft dabei sind. Meine Erfahrung als Darsteller in vielen Produktionen, auch unter großen Regisseuren wie Harry Kupfer, fließt da natürlich ein. Von ihm habe ich wahnsinnig viel gelernt.

Wie war es, in einer so anderen Kultur aufzutreten? Hat sich deine Arbeit als Darsteller dadurch verändert?

Das chinesische Publikum ist einfach der Wahnsinn. Die feiern dich, als wärst du Lady Gaga oder Taylor Swift. Mit so viel Liebe und Respekt – das ist kaum zu beschreiben. Das war schon 2014 so, und ich konnte kaum glauben, dass zehn Jahre später noch so viele meinen Namen kannten. Das Theater wollte die Originalfassung – auf Deutsch, mit Übertiteln. Wir mussten nichts anpassen, sondern durften es so machen, wie wir es für richtig hielten. Die einzige Vorgabe war: maximal elf Darsteller und ein kleines bisschen kürzen. Das war eine Herausforderung. Wir haben das Buch neu geschrieben, auf elf Figuren reduziert – aber so, dass der Plot erhalten bleibt.

Ich habe meine Rolle nicht grundlegend anders gespielt. Natürlich beeinflusst das reduzierte Ensemble, das neue Bühnenbild, das Live-Orchester die Arbeit – aber ich habe in meiner Rolle  nichts „für China“ verändert. Es wurde sogar intensiver. Jan Ammann zum Beispiel war unglaublich berührend – so emotional habe ich ihn lange nicht erlebt. Und der Arme war erst ganz kurz vor der Show da, musste sich alles in zwei Tagen draufschaffen – und hat das mit einer Offenheit und einer großen Präsenz gemacht, was am Ende unglaublich berührte und absolut ehrlich war. Ganz große Klasse! Und dann: In der zweiten Show hat das ganze Publikum im Culture Square – über 2.000 Menschen – für uns „Kalte Sterne“ auf Deutsch gesungen. Wir standen auf der Bühne und haben geweint.

Ensemble von „Ludwig²“ in Shanghai, 2024 © Mr. Wangli

2025 feiert „Ludwig²“ sein 20-jähriges Jubiläum. Du warst von Anfang an dabei, du bist eng mit der Produktion verbunden – fast so wie Jan Ammann, der ja gefühlt in jeder Spielzeit den König gespielt hat. Was bedeutet dir dieses Jubiläum?

Das ist wirklich emotional – ich merke schon, wie mir da die Stimme bricht. Es gibt zwei Stücke, die mein Herz tief geprägt haben: „Elisabeth“ und „Ludwig²“. Und „Ludwig²“  war mein Anfang. Ich hatte zwar vorher „Jesus Christ Superstar“ in Lüneburg gespielt, aber „Ludwig²“ war die erste große Chance, bei etwas völlig Neuem dabei zu sein – einem Original-Musical, keiner Compilation-Show, nichts Abgekupfertes.

Das begleitet mich jetzt seit 20 Jahren. Und heute darf ich nicht nur auf der Bühne stehen, sondern meine eigenen Ideen einbringen, mit dem Team arbeiten – das ist einfach ein Traum. Dass wir 2025 mit ausverkaufter Premiere in diese Jubiläumsspielzeit starten und über 50 Shows geplant sind, zeigt: Dieses Stück lebt!

Auf Eurer Homepage ludwigland.de habt Ihr angedeutet, dass ihr im Studio wart. Kommt eine neue CD?

Ja, wir haben neue Aufnahmen gemacht – und wenn alles klappt, erscheint die neue CD am 16. Mai. Darauf freue ich mich riesig. Es ist einfach an der Zeit. Jan wird diesmal stärker vertreten sein, auch das lange, gewünschte Freundschaftsduett ist endlich dabei – und natürlich der brandneue Titel „Fanfaren Verklungen“. Ich selbst singe auf der CD den Schattenmann und Prinz Otto. Ich glaube, für alle Ludwig-Liebhaber wird das etwas ganz Besonderes.

Gibt es Pläne abseits von „Ludwig²“ für dich auf der Bühne? Gibt es eine Rolle, die du unbedingt noch spielen möchtest?

Martin Markert (Der Tod) in „Elisabeth“ © Christian Bartz

Das werde ich tatsächlich oft gefragt – und auch wenn’s vielleicht arrogant klingt: Ich durfte fast alle meine Traumrollen schon spielen. Mein größter Wunsch war immer, der Tod in „Elisabeth“ zu sein. Dafür habe ich alles gegeben, das war mein Ziel. Und als ich die Rolle dann wirklich bekommen habe, konnte ich es monatelang nicht glauben. Ich habe Toni in „West Side Story“ gespielt, die Titelrolle in „Jesus Christ Superstar“, den König in „Ludwig²“, den Schattenmann – alles Rollen, die ich geliebt habe. „Ludwig²“ kannte ich während meiner Ausbildung noch gar nicht, und doch wurde es zu einer echten Traumrolle.

Klar, es gibt Figuren, die ich spannend finde – zum Beispiel Elphaba … (lacht) oder auch den Krolock, da war ich mal ganz nah dran. Und ein großer Wunsch von mir wäre, mal in einer größeren Rolle, in einem Stück von Frank Wildhorn mitzuspielen. Ich finde, er schreibt Musik, in der man als Sänger richtig baden kann. Ich durfte damals bei „Dracula“ in Graz dabei sein – das war fantastisch. Ich habe auch mehrfach für seine anderen Stücke vorgesprochen – es hat bisher nicht geklappt, aber wer weiß? Ich glaube, solche Dinge passieren, wenn die Zeit reif ist.

Eine schöne Anekdote: Als ich noch in der Ausbildung war, kam „Elisabeth“ nach Stuttgart. Ich war beim Casting und habe einfach so vorgesungen – da meinte Michael Kunze plötzlich: „Willst du nicht mal Rudolf ausprobieren?“ Ich war total überwältigt. Ich habe dann im Finale „Wenn ich dein Spiegel wär“ gesungen – hab die Rolle nicht bekommen und war sehr enttäuscht.

Fast gleichzeitig hatte ich dann aber die Premiere von „Ludwig²“. Ich war noch traurig über „Elisabeth“, aber das hielt nicht lange an – denn was ich nicht wusste: Zwei Jahre später würde ich „Elisabeth“ in der Originalfassung der VBW spielen, mit Maya, Pia, Uwe – und damit sogar nach Japan, Italien und Shanghai gehen. Deshalb glaube ich: Die besonderen Dinge kommen – nur eben zu ihrer Zeit.

Martin Markert © Bernhardt Link

Wenn Du auf Deine bisherigen Erfahrungen zurückblickst: Gibt es etwas, das Dir besonders am Herzen liegt?

Ich bin einfach unglaublich dankbar. Seit so vielen Jahren begleiten mich viele Menschen, unterstützen meine Produktionen, geben mir Mut. Gerade als Darsteller ist es nicht leicht – bei großen Produktionen gibt es oft Tausende Bewerber, und in den seltensten Fällen bekommt man ein „Ja“. Da hilft es enorm, wenn man weiß, dass da draußen Menschen sind, die an einen glauben, mich unterstützen. Manche davon nenne ich sogar liebe Freunde als Fans. Ich bekomme zum Beispiel wöchentlich Nachrichten, mit der Frage, wann ich endlich wieder den Tod spiele – obwohl meine letzte Vorstellung 2016 war. Das berührt mich sehr und macht mich sprachlos. Ich würde diese Menschen am liebsten alle umarmen oder zu einem großen Picknick einladen. Wenn ich am Ende, einer Show auf der Bühne stehe und in die glücklichen Gesichter im Publikum blicke, denke ich mir oft: Wahnsinn, das ist wirklich mein Leben – Menschen Freude zu bescheren.

Lieber Martin, vielen Dank für den ausführlichen Einblick, den du uns gegeben hast – nicht nur als Stimme auf der Bühne, sondern auch als Herz und Seele von „Ludwig²“. Wir von der Musicalzentrale gratulieren euch herzlich zum Jubiläum und freuen uns jetzt schon auf die neue Cast-Aufnahme

 
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