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Das Theater unter den Kuppeln lässt mit „Chess“ wieder die Grenzen zwischen Amateur- und Profibühne im Hinblick auf etliche Gewerke verschwimmen: Bühne, Chorgesang, Kostüme, Choreographie und allen voran das hervorragende Orchester rahmen den Musicalklassiker stimmig ein.
Das Musical „Chess“ gilt aufgrund seiner Buchvorlage als dramaturgisch herausfordernd und verlangt von jeder Inszenierung eine Portion Wagemut und kreative Regiearbeit, um daraus ein fesselndes Theatererlebnis mit rotem Faden zu machen: absolut kein leichter Stoff, umso weniger für ein Laientheater. Im Theater unter den Kuppeln präsentieren David Kovacs und Sascha Zulott eine lebendige und mitreißende Interpretation, die sowohl den nach wie vor aktuellen Ost-West-Konflikt als auch die emotionalen Facetten der Figuren in den Mittelpunkt rückt. Die Hauptrollen erhalten genug Raum, um sich in ihrer Persönlichkeit zu entfalten und markante Konturen zu gewinnen – und das fast ohne dramaturgische Längen. Dem Regie-Duo gelingt diese Balance auf beeindruckende Weise.
Das Team um Aylin Mössner, Friederike Ortlieb, Harald Rehm und Andrea Werthwein hat ein beeindruckendes, massiv-wuchtiges und trotzdem (mit viel roher Menschenkraft) um 360° drehbares Bühnenbild geschaffen, das auch mit den Requisiten von Dieter Wolf und Lukas Ringel zusammen ein immer harmonisches wie symbiotisches Bild abgibt. Vorderseitig ist die Front eines großen Gebäudes mit Arkadengang zu sehen, das im zweiten Akt zu einem thailändischen Tempel umgestaltet wird. Einmal gedreht gibt die Bühne den Blick auf den Innenraum des Gebäudes inklusive weiter Empore mit Treppen und Zwischenpodesten frei, der für die meisten Szenen der Inszenierung genutzt wird. Hier finden auf einem großen Schachbrett die Turniere von „Chess“ statt und werden Intrigen gesponnen und Herzen gebrochen. Rechter Hand befindet sich ein liebevoll kreiertes Hotel für die privateren Szenen der Schachweltmeister und Florence, die zwischen den Stühlen steht, während sich links in die Naturseite der Freilichtbühne eingefügt mal ein pittoreskes Café und mal ein fernöstlicher Verkaufsstand findet.
Linda Dambacher und Nikolas Rotschedl haben im Kostümbereich Großes geleistet. Fantasievoll und plakativ zugleich sind die Kostüme: Der liberale Westen und der kommunistische Osten sowie die Bevölkerung zwischen Alpenländern und Fernost werden erkennbar in der Kleidung gespiegelt, während die kunstvolle Seite dieses Gewerks vor allem bei den Gewandungen der Schachfiguren und des Referees zutage tritt. Verspielt, teils märchenhaft ausgestaltet, gewagt und sogar dramatisch, aber immer schick gekleidet wabern und tanzen die Bühnenakteure während der Schachspiele über das große Brett in der Bühnenmitte – wahre Hingucker und Highlights der Inszenierung!
Ebenso hervorragend sind die Choreographien von Nina Oelmann und Sara Crouch Rymer. Während an Profibühnen immer mehr das elaborierte Tanzen gescheut zu werden scheint und gerade „Chess“ in den einschlägigen Szenen an Stadt- und Staatstheatern aktuell eher ohne Tänze auskommen muss, wird hier aus dem Vollen geschöpft. Ballett, Contemporary, Voguing und Elemente von Ausdruckstanz verschmelzen mit Folklore zwischen russischem Kasatschok, thailändischem Khon und tiroler Schuhpattler. Dramatisch, stark und bildgewaltig erschafft die Choreographie ein großes Bild nach dem anderen, das in Erinnerung bleibt. Das hervorragende Tanzensemble erstrahlt und bewegt sich auf absolutem Profi-Niveau.
Dies gilt auch für das grandiose, wuchtige Orchester unter Angela Wiedemers musikalischer Gesamtleitung und Peter Pfeiffers herrlich stimmungsvollem Dirigat. Das zwischen klassischem Abba-Sound, großer Ballade und herausfordernden Klangkomplexitäten wechselnde, nahezu durchkomponierte Stück wird extrem nuanciert und klangintensiv vertont, sodass immer wieder wohlige Gänsehaut entsteht. Dave Prikryls Sounddesign tut sein übriges, um den tollen Klang von Orchester und dem unter Wiedemers Leitung erstrahlendem Chor zu potenzieren. Letzterer ist für ein Laienensemble geradezu verblüffend stimmstark, differenziert und symbiotisch, sodass die großen musikalischen (wie visuellen) Momente stets entstehen, wenn die Stimmen des gesamten Ensembles verschmelzen.
Das Buch und die komplexen Texte von Tim Rice, die von Kevin Schroeder nicht immer einfach oder rhythmisch stimmig übersetzt werden konnten, sind genau so eine Herausforderung wie die durch die Stile huschenden Melodien von Benny Andersson und Björn Ulvaeus. Für die Hauptbesetzung ist dies eine nicht zu unterschätzende Großaufgabe, der sich das Ensemble mutig und extrovertiert stellt. Alle AkteurInnen auf der Bühne zeigen einen bemerkenswerten Fokus und eine Dedikation für den Stoff, den sie erzählen. Nikolas Rotschedl und Gregor Prust als Duellanten Anatoly Sergievsky und Frederick Trumper sind gegensätzliche Pole: Während Rotschedl eher ruhig und besonnen spielt, geht Prust auf Konfrontation, ist polternd, impulsiv, launisch. Als Showmaster dominiert er seine Szenen und legt außerdem zum großen Opener des zweiten Aktes „Tauch‘ ein in Bangkok“ / „One Night in Bangkok“ eine flotte Sohle aufs Parkett. Joël Jetters Charme und Gesang ziehen das Publikum direkt am Anfang des Stücks mit in die Geschichte hinein, und zudem tut er sich als begnadeter Tänzer in den Schachchoreographien hervor. Im ersten Akt vor Energie als Tänzerin sprühend, schlägt Miriam Hernandez Blazquez rührende Töne als Svetlana an, im selten gesungenen Solo „Im Leben einer And’ren“ und im Duett „Ich kenn‘ ihn so gut“. Lena Schaal gefällt als Referee mit bestimmender Präsenz und herrischer Attitüde. Giacoma Minoia spielt und singt auf Profi-Niveau: In ihrer Rolle der durchtriebenen TV-Mogulin Hillary De Courcey ist sie der geheime Star des Abends. Aber auch Amelie Brückner in der Hauptrolle der immer emotional zwiegespaltenen Florence Vassy kann mit differenziertem, anrührendem und authentischem Schauspiel glänzen. Ihre Soli „Jeder ist allein“ und „Hab‘ ich eine Wahl“ gehören zu den stärksten Momenten der Inszenierung.
Wenn Choreographie, Chor, Orchester und Kostümbild mit Bühne und Ensemble eine Symbiose eingehen, wie bei „Die Geschichte des Schachs“, „Merano“, „Budapest erhebt sich“ oder dem Gassenhauer „Tauch‘ ein in Bangkok“, entfaltet die Truppe des Theaters unter den Kuppeln ihr volles Potenzial. Hier wird großes Entertainment geboten, das mit den Profis mithalten kann!
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Inszenierung | David Kovacs Sascha Zulott |
| Musikalische Leitung | Angela Wiedemer |
| Orchesterleitung | Peter Pfeiffer Felix Klapproth |
| Choreografie | Nina Oelmann Sara Crouch Rymer |
| Kostüme | Linda Dambacher Nikolas Rotschedl |
| Bühnenbild | Aylin Mössner Friederike Ortlieb |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| keine aktuellen Termine |
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 06.06.2025 - 09.08.2025 | Freilichtbühne, Leinfelden-Echterdingen OT Stetten | 18 x |
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