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Satire

The Producers

Frühling für Hitler


© Jochen Quast
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Die Schatzi-Spatzi-Nazis halten Einzug ins Stadttheater Regensburg. Damit traut sich ein weiteres Haus an die international erfolgreiche Satire um den "Frühling für Hitler" heran. Die Produktion hat Stärken und Schwächen - unter dem Strich kann sie überzeugen.

(Text: Hardy Heise)

Premiere:10.12.2016
Rezensierte Vorstellung:18.12.2016


Wie weit darf Satire gehen? Diese Frage wurde 2016 durch Jan Böhmermanns Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Erdogan viel diskutiert. Bei "The Producers" aus dem Jahr 2001 lässt Mel Brooks in seiner bewährten Manier nichts aus und veralbert neben Broadway-Produzenten, Nazis, Blondinen und Schwulen eben auch Hitler. Sich über den zweiten Weltkrieg im allgemeinen und Hitler im speziellen lustig zu machen, war hierzulande lange Zeit tabu und somit ist das Stadttheater Regensburg auch erst das zweite deutsche Stadttheater, das das am Broadway vielfach preisgekrönte Stück in Deutschland aufführt.

© Jochen Quast
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Bei der musikalischen Umsetzung schöpft das Haus dabei mit dem 37-köpfigen Philharmonischen Orchester Regensburg unter der Leitung von Alistair Lilley aus den Vollen. Damit erklingen die schmissigen Songs üppig und werden zu einem wahren Musikgenuss. Schon bei der Ouvertüre erfüllt der volle Sound den Saal.

Darstellerisch verlässt man sich in Regensburg auf das Hausensemble aus Schauspielern und Chorsängern, was bezogen auf die anspruchsvolle Partitur des Stückes beim Gesang mit Qualitätseinbußen einhergeht. Die Songs sind dynamisch und schwungvoll; spätestens am Ende verlangen sie von den Solisten sichere und kraftvolle Gesangsstimmen, die das Ensemble übertönen können. Doch damit können die Hauptdarsteller hier nicht aufwarten. Es zeigt sich einmal mehr, dass sich das Musical als eine eigene Theater-Form etabliert hat und meist nur von Darstellern beherrscht wird, die in allen drei Teilbereichen – Gesang, Schauspiel und Tanz – ausgebildet sind.

© Jochen Quast
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In der tragenden Rolle des Max Bialystock ist der 34-jährige Sebastian M. Winkler zu sehen. Im Gegensatz zu den Originalbesetzungen kommt Winkler jung, groß und schlaksig daher. Er spielt und singt solide, kann sich jedoch nur schwer in den Vordergrund platzieren, hält damit die Fäden schwerlich überzeugend in der Hand und beherrscht die Bühne kaum. Die Selbstverliebtheit und das Selbstbewusstsein eines Max Bialystocks als lebenserfahrener, schmieriger und abgehalfterter Broadway-Produzent verlieren sich in der laschen und gekrümmten Körperhaltung. In der Gefängnisszene am Ende des zweiten Aktes, in der Max die Geschichte selbstkritisch Revue passieren lässt, ist die rasende Wut in ihm nur vereinzelt zu erkennen.

Benno Schulz stiehlt ihm als wunderbar verklemmter Leo Bloom so manches Mal die Show. Mit hervorragender schauspielerischer Leistung stellt er den zurückhaltenden Charakter dar. So stolpert er gekonnt und herrlich übertrieben tollpatschig über das Sofa in Maxs Büro oder schnüffelt mit X-Beinen und überzeugender Mimik immer wieder an seinem Schmusetuch. Die Entwicklung der Rolle, sein Leben nach und nach selbst in die Hand zu nehmen und Selbstbewusstsein zu erlangen, gelingt Schulz ausgezeichnet. Auch tänzerisch ist er eine Bank und sogar sein zurückhaltender Gesang ist für seinen Charakter glaubhaft. Damit avanciert er zum Star des Abends.

© Jochen Quast
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In Bezug auf Figur, Größe und Charme gibt daneben Martina Fender eine großartige Ulla. Sie hat viele witzige Momente, die sie vollends auskostet. Wenn sie davon singt, jetzt loszubelten, hört man als Zuschauer allerdings keinen Unterschied zu ihrem Gesang vorher. Bei Christian Schossigs eingängiger Darstellung der Nazi-Allüren des Franz Liebkind mit seinen Lobgesängen auf den Führer läuft einem das eine oder andere Mal ein kalter Schauer über den Rücken. Kein Wunder, dass Leo sich anfangs vor ihm fürchtet!

Mit Matthias Laferi und Tamás Mester stehen als Roger de Bries und Carmen Ghia zwei Akteure auf der Bühne, die gesanglich überzeugen. Besonders Laferi kann dazu mit seiner differenzierten Darstellung des schwulen Hitlers seine große schauspielerische Bandbreite zeigen und seinen weichen Tenor einsetzen. Sie nutzen beide die diversen Möglichkeiten des Overactings, die ihnen ihre schrillen Rollen bieten, herrlich aus. Unterstützt werden sie dabei von Claudia Doderers schillernden Kostümen, wie Rogers mit silbernen Pailletten bestücktes Kleid. Ansonsten bleiben die Roben eher unauffällig.

© Jochen Quast
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Das schlichte Bühnenbild von Peter Engel zeigt ein gelungen schäbiges Büro von Max Bialystock, das hier zu Beginn des zweiten Aktes von Ulla in quietschigem Rosa bemalt wird. Dazu wird der Witz des Stückes bei manchen Hintergrundbildern passend aufgenommen. Durch die doppelte Drehbühne, deren Elemente entgegengesetzt drehbar sind, werden schnelle Szenenwechsel möglich. Auf die Idee, die Tür bei Roger de Bries einer Vagina nachzuempfinden, muss man erst einmal kommen. Die Kulissen aus Pappmaché zeigen immer wieder Blicke hinter die Theaterwelt.

Dominik Wilgenbus‘ Inszenierung bleibt nah am Original von Susan Stroman; allerdings erweitert er sie immer wieder um religiöse Aspekte. So erscheint eine auf einem Rad fahrende Nonne oder gar ein brasilianischer Tänzer mit einer bischöflichen Mitra. Dazu wirkt Sebastian M. Winkler mit seinen langen, dunklen Haaren und dem Vollbart nahezu wie ein Rabbi. Diese Andeutungen erscheinen erzwungen und sind unwichtig für die Handlung. Insgesamt werden - abweichend vom Original - manche sexuelle Anspielungen sehr deutlich dargestellt und angesprochen. Dazu trägt auch die neue Übersetzung von Nina Schneider bei, die bereits in Schwerin zum Einsatz kam. Das effektvollere Andeuten bleibt aus. Wilgenbus hält das Tempo hoch und schafft es immer wieder, die Solisten, den Opernchor und das Ballett in Einklang zu bringen. Den Darstellern entlockt er tolle komödiantische Szenen auf und hinter dem Sofa. Die Choreografien von Yuki Mori sind einfach gehalten und bieten so dem gesamten Ensemble die Möglichkeit, sie souverän zu meistern. Sie transportieren damit auch wirkungsvoll den klassischen und schwungvollen alten Broadway-Stil des Werkes.

© Jochen Quast
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"The Producers" ist und bleibt ein Meisterwerk im Musicalbereich und fordert alle Beteiligten auf der Bühne in den drei Sparten Musik, Schauspiel und Tanz heraus. Daher ist es erfreulich, dass sich Regensburg als zweites Stadttheater in Deutschland dieser Mammutaufgabe gestellt hat. Die Umsetzung ist unterhaltend und amüsant. Die Stärke liegt dabei in der musikalischen Umsetzung, die Schwäche im Gesang.

(Text: Hardy Heise)






Kreativteam

Deutsche Übersetzung Nina Schneider
Musikalische Leitung Alistair Lilley
Inszenierung Dominik Wilgenbus
ChoreographieYuki Mori
SteppchoreographieTamàs Mester
BühnePeter Engel
KostümeClaudia Doderer
LichtMartin Stevens
DramaturgieChristina Schmidt


Besetzung

Max BialystockSebastian M. Winkler
Leo BloomBenno Schulz
Franz LiebkindChristian Schossig
Roger DeBrisMatthias Laferi
Carmen GhiaTamás Mester
Ulla Inga Hansen Benson Yonsen Tallen-Hallen Svaden-SvansonMartina Fender
PlatzanweiserinnenElena Lin
Christiana Knaus
Premierengast
Buchhalter
Mert Öztaner
BryanSehoon Ha
KevinRae-Joo Kim
JackHarald Mück
JasonThomas Lackinger
SturmtruppmannArpad Vulkan
StalinMikhail Kuldyaev
ChurchillThomas Lackinger
HäftlingeRae-Joo Kim
Sehoon Ha
Harald Mück
Arpad Vulkan



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


Tolle Produktion - dieser Mut wird belohnt!

15.02.2017 - Meine Familie und ich haben die Vorstellung am 12.02.2017 besucht. Das Theater war sehr gut wenn nicht sogar ausverkauft und wir hatten alle Erstbesetzungen. Ich kannte das Stück bis jetzt nur vom hören der Wiener Cast CD aus dem Jahre 2009 und bin ein echter Fan davon, deshalb hatte ich auch große Erwartungen und war überzeugt, dass mich die Produktion nicht überzeugen kann. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich mich geirrt habe. Es war ein herrlicher, amüsanter und kurzweiliger Abend. Die Stimmung im Saal war sehr gut, was vor allem an den guten Hauptdarstellern lag. Sie wussten es zu überzeugen, mit Komik umzugehen und das Publikum zum lachen zu bringen. Einzig allein die gesanglichen Qualitäten hätten noch besser sein können, aber es waren ja auch Schauspieler die hier gesungen haben und keine ausgebildeten Musical-Darsteller und für das haben sie es wirklich großartik gemacht. Einzig allein die Verständlichkeit in den Ensemble-Nummern war schlecht, die Musik war oft lauter als der Gesang und übertönte alles - deshalb auch einen Stern Abzug. Wo wir auch gleich bei einem großen Plus-Punkt sind: die Musik und das Orchester. Das Orchester spielte klar, vollbesetzt und mit viel Kraft die ohrwurmtauglichen Hits des Musicals. Es war ein echter Genuss für die Ohren diesem Orchester zu folgen. Hier ein ganz großes Lob an alle Musiker! Das Bühnenbild war in Ordnung und erfüllte seinen Zweck. Die Kostüme waren der Zeit (Ende der 50er Jahre) angepasst. Die Choreographie war teilweise sehr gut, teilweise wirkte es aber leider auch wie gewollt und nicht gekonnt (zumindest in manchen Ensemble-Nummern) - es waren einfach zum Teil zu viele Leute auf der Bühne. Die Komik, die dieses Stück mit sich bringt kam voll und ganz beim Publikum an! Es wurde gelacht, geklatscht - der Funke sprang einfach über, was bei diesem Musical nicht selbstverständlich ist. Insgesamt kann man das Stück vollends empfehlen und das Theater loben für den Mut sich für dieses Stück entschieden zu haben. Für die Zukunft wünsche ich mir weiterhin eine so gute Stückauswahl für Regensburg, wenn auch vielleicht mit 1 oder 2 ausgebildeten externen Musical-Darstellern für die Hauptrollen. Das würde das Ganze noch mehr abrunden. Ich denke das Theater Regensburg hat mit dieser Produktion einen Schritt in die richtige Richtung gewagt, weg von den Klassikern, die an jedem zweiten Stadttheater fast todtgespielt werden und hin zum modernen Musiktheater!

MrDuncan (6 Bewertungen, ∅ 4.7 Sterne)


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Weitere Infos
Vom 15. Mai 2009 an war die Produktion des Ronachers im Berliner Admiralspalast zu sehen.

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(hh)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Eine insgesamt gelungene Umsetzung von Mel Brooks‘ Satire - musikalisch opulent, aber mit Abstrichen beim Gesang.

01.01.2017

 Termine
Sa01.04.19:30 Uhr
Mi05.04.19:30 Uhr
Fr07.04.19:30 Uhr
Do13.04.19:30 Uhr
Sa15.04.19:30 Uhr
Fr21.04.19:30 Uhr
Do01.06.19:30 Uhr
Sa08.07.19:30 Uhr


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