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Musikalische Komödie

Cheer Out Loud!

Down-Syndrom und Cheerleading - funktioniert das?


© David Baltzer/bildbuehne.de
© David Baltzer/bildbuehne.de
Down-Syndrom und Cheerleading, lässt sich das miteinander in Einklang bringen? Wenn es nach der 17-jährigen Leonie geht, dann ja, schließlich ist sie nicht nur ein Mensch mit Down-Syndrom, sondern auch ein riesengroßer Fan der Cheerleader des örtlichen Basketballvereins. Wie gerne würde sie selbst Teil des von ihr bewunderten Teams sein!

(Text: Katharina Klasen)

Premiere:17.01.2019
Letzte bekannte Aufführung:13.05.2019
Showlänge:90 Minuten (ggf. inkl. Pause)


Eine ähnliche Frage ließe sich auch so formulieren: Down-Syndrom und Theater spielen, passt das zueinander? Die klare Antwort hierauf lautet: Ja! Regisseur Robert Neumann bringt mit "Cheer Out Loud!" im wahrsten Sinne des Wortes ein inklusives Theaterstück auf die Bühne. Als Ensemble stehen ihm nicht nur Schauspieler des GRIPS Theaters zur Verfügung, sondern auch Akteure des Theater Thiwka, das mit Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeitet.

Dabei ist Neumann eine einfühlsame, mit sehr viel Wortwitz und Situationskomik gespickte Inszenierung gelungen. Eine Stärke der Geschichte von Autorin Susanne Lipp ist, dass es sich nicht um eine unglaubwürdige Cinderella-Story handelt, bei der Leonie am Ende als Star des Cheerleading-Teams gefeiert wird. Stattdessen ist die Komödie aus dem Leben gegriffen und lässt die Zuschauer dafür umso mehr am Schicksal der Figuren mitfiebern.

Da wäre die liebenswerte Leonie, die sich wünscht, akzeptiert zu werden und die gleichen Chancen wie alle anderen zu bekommen. Hut ab vor Carina Kühne, die eine starke Figur auf die Bühne bringt: eine Figur, die sowohl kindlich-verträumt ihrem Wunsch vom Cheerleader-Dasein anhängt als auch sehr erwachsen und selbstbestimmt für Gleichbehandlung und Gleichberechtigung eintritt!

Mindestens genauso sympathisch (und geradezu als Publikumsliebling vorprogrammiert) ist Lorris Andre Blazejewksi als Leonies älterer Bruder Dominik, der zu seiner Schwester steht, aber auch bereit ist, unangenehme Wahrheiten laut auszusprechen. In den absichtlich übertrieben kitschigen Liebesszenen mit Cheerleaderin Jana (Lisa Klabunde) beweist er sein komödiantisches Talent. Erfrischend ist, dass die beiden sich selbst nicht ganz ernst nehmen und dadurch das Klischee des Basketballspielers, der mit der schönen Cheerleaderin anbandelt, gekonnt durch den Kakao ziehen.

Große Wandelbarkeit beweist Luise Charlotte Schulz in den Rollen der Veronika, Erika und Maria. Insbesondere die gutherzige, ältere Maria vom Vereinsvorstand des SV Grünow und die toughe Cheerleaderin Erika mit ihrem Ghetto-Slang unterscheiden sich stark voneinander. Umso eindrucksvoller ist es, dass Luise Charlotte Schulz beide Rollen glaubwürdig verkörpert.

Zum Vereinsvorstand zählt auch der gerissene Kassenwart Alex, der die Einbeziehung von Menschen mit Behinderung aufgrund der damit verbundenen Fördergelder für den bankrotten Verein vehement forciert. Für ihn ist Inklusion das Zauberwort zum schnellen Geld. Frederic Phung ist aalglatt und wunderbar berechenbar in dieser Rolle.

Konsequent gegen "Behinderte" in ihrem Team ist Coach Ricarda (Regine Seidler). Sie vertritt diese Haltung jedoch nicht aus einem bösen Willen heraus, sondern weil sie sich und ihren geliebten Sport mit Vorurteilen konfrontiert sieht: "Cheerleading ist nicht Puschelschwenken mit nackten Mädchen im Glitzermini!" Stattdessen sei Cheerleading ein "knallharter hochkomplexer" und vor allem "optischer Sport". In den Rollen der Martina und des Klaus verstärken Rachel Rosen und Max Edgar Freitag vom Theater Thiwka das Ensemble. Allen Beteiligten merkt man ihre Spielfreude deutlich an.

Für besonderes Amüsement sorgen die politisch inkorrekten Vorstandssitzungen mit Klaus, Maria und Alex, in denen die Vor- und Nachteile von Inklusion erörtert werden – aus der Sicht profitorientierter und einfältiger Kleinbürger ("Wir sind kein Auffangbecken für Sozialfälle!"). Grandios ist die Szene, in der die Mitglieder des Cheerleading-Teams darüber diskutieren, welche Bezeichnung für "die anderen" nun eigentlich die richtige sei (Menschen mit Behinderung, mit besonderen Fähigkeiten, mit Beeinträchtigungen, mit Besonderheiten, ...). Leonie stellt unmissverständlich klar: "Meine Behinderung ist doch nichts Besonderes! Is ja auch nichts Besonderes, dass du so viele Locken hast."

In eine ähnliche Richtung gehen auch die Szenen mit Leonies Eltern, in denen sie aus Sorge um ihre Tochter eine Behinderung für diese darstellen: sie hindern sie daran, selbstständig zu sein und ihre eigenen Pläne zu verfolgen. Es wird deutlich, dass das Problem oft die Unfähigkeit oder der Unwille "normaler" Menschen ist, mit Menschen mit Behinderung "normal" umzugehen.

Um falschen Erwartungen vorzubeugen: Es handelt sich bei "Cheer Out Loud!" um ein Theaterstück mit musikalischer Untermalung und Begleitung, nicht um ein Musical. Die Musik, die von Alexander Maulwurf und Sonny Thet dargebracht wird, verdient jedoch eine besondere Erwähnung. Während Sonny Thet mit seinem Cello atmosphärisch einzelne Szenen untermalt, beatboxt Alexander Maulwurf, der auch für das Sounddesign verantwortlich zeichnet, was das Zeug hält: Die lustigen Szenen des Stücks sind meist durchchoreografiert, sodass die Bewegungen der Darsteller in Slapstick-Manier von Musik und Beatbox-Geräuschen begleitet werden, was einen zusätzlich komischen Effekt hat (Mickey-Mousing). Die beiden in Sportklamotten gekleideten Musiker sitzen erhöht und jederzeit sichtbar am rechten Bühnenrand.

Zum Bühnenbild gehört ein riesiger, aus vier Traversen bestehender Kubus, der (anfangs weiß beleint) sowohl als Projektionsfläche dient als auch innen bespielt werden kann. Der Zuschauer erlebt Live-Kamera-Aufnahmen sowie diverse Videos, z.B. von Ricardas Youtube-Channel oder Alex’ Promotionfilm über die Rascher-Rampe.

Cheer out loud – jubelt laut auf! Genau das tun Darsteller und Publikum am Ende des Stückes. "Cheer Out Loud!" ist ein Plädoyer für Selbstvertrauen und die Anerkennung anderer Menschen. Um Leonie zu zitieren: "Ich möchte normal behandelt werden!" Die Inszenierung im GRIPS Theater beweist, dass genau dies möglich ist, wenn eine Annäherung offen und vorbehaltlos geschieht. Teilhabe, Vielfalt und Respekt sind keine abstrakten Begriffe, sondern müssen miteinander gelebt werden!

(Text: kk)






Kreativteam

Komödie von Susanne Lipp in einer Fassung des GRIPS Theaters in Kooperation mit dem Theater Thikwa

BuchSusanne Lipp
MusikAlexander Maulwurf
Sonny Thet
InszenierungRobert Neumann
BühnenbildGeorg Burger
KostümeVanessa Vaineanu
Florence Klotz
ChoreografieNadja Raszewski


Besetzung

Dominik/KimLorris Andre Blazejewski
Klaus, Vater von JanaMax Edgar Freitag
Henning, Vater von Leonie/DankwartChristian Giese
JanaLisa Klabunde
LeonieCarina Kühne
Alex/Costa/PaulFrederic Phung
Martina/Ramona RascherRachel Rosen
Veronika, Mutter von Leonie/Erika/MariaLuisa Charlotte Schulz
RicardaRegine Seidler
MusikerAlexander Maulwurf
(Beatboxing)
(Sonny Thet)
(Cello)




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 Theater / Veranstalter
GRIPS Theater
Altonaer Strasse 22
D-10557 Berlin
030/39747477
Homepage
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(kk)

Buch

Komposition

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Regisseur Norbert Neumann bringt im wahrsten Sinne des Wortes ein inklusives Stück auf die Bühne. Die Darsteller haben sichtlich Spaß und vermitteln eine wichtige Botschaft: Normalität ist eine Frage der Definition.

18.01.2019

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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