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Klassiker

Anatevka

Sunrise, Sunset


© Hans-Jürgen Brehm-Seufert
© Hans-Jürgen Brehm-Seufert
"Anatevka" auf den Spielplan zu setzen ist wahrlich keine kreative Entscheidung, aber in Kaiserslautern gibt es nun ein angenehmes Wiedersehen mit den Bewohnern des ukrainischen Dorfes. Angenehm auch deshalb, weil der Regisseur daraus keine 'One Man Show für Tevje' macht.

(Text: ig)

Premiere:11.03.2017
Rezensierte Vorstellung:25.03.2017


Anatol Preissler inszeniert ein Ensemblestück. Tevje bleibt natürlich im Zentrum der Geschichte, doch seine drei älteren Töchter Zeitel (sehr lebendig und selbstbewusst: Adrienn Cunka), Hodel (erst zögernd, dann willensstark: Dagmar Bernhard) und Chava (verträumt und emotional: Anja Rüger), brillieren nicht nur stimmlich, sondern werden in präzise geführten Szenen jeweils in den Mittelpunkt gerückt.

Prägnant auch Denis M. Rudisch als schüchterner Schneider Mottel mit jungenhaftem Charme und toller Tanzeinlage (Choreographie: Kerstin Ried), sowie Daniel Böhm, der aus dem Studenten Perchik keinen verbissenen Weltverbesserer, sondern einen Mann mit sozialem Anliegen macht.
Die vielen Nebenfiguren haben nur wenig Zeit, ihre Charaktere zu entwickeln, trotzdem werden sie liebevoll dargestellt und nicht funktional heruntergespielt.

Bei Tevje muss man sich von ein paar Sehgewohnheiten verabschieden. Henning Kohne entspricht zwar optisch dem Bild, das man von dem Milchmann hat, ist aber etwas jünger als die Rolle normalerweise besetzt wird und eher der sympathisch-gemütliche Bär als das gewitzte Schlitzohr. Der Bruch der Figur, wenn Tevje zwar seinen ersten beiden Töchter gutmütig eine Liebesheirat gewährt, seiner dritten Tochter die Ehe mit einem Christen aber verweigert und sie verstößt, gelingt ihm glaubhaft. Sehr harmonisch auch das Zusammenspiel mit der stimmlich wie darstellerisch großartigen Astrid Vosberg als seine ruppig-herzliche Ehefrau Golde. Weniger überzeugend ist die gesangliche Leistung des Schauspielers. Seine Stimme ist heller, als man es bei dieser Bariton-Rolle gewohnt ist, womit man sich abfinden könnte, aber sie besitzt wenig Durchschlagskraft und wird in den höheren Lagen sehr dünn.

Das Orchester des Pfalztheaters, dem Dirigent Johannes Köhler die kleinen Feinheiten der Partitur entlocken kann, bietet ein solides Fundament für die Darsteller.

© Hans-Jürgen Brehm-Seufert
© Hans-Jürgen Brehm-Seufert


Preissler spart sich eine überdeutliche Aktualisierung der Geschichte. Er verbindet herzliche Komik mit emotionaler Dramatik, entgeht aber durch die formale Gestaltung der Gefahr, das Stück zu jiddischem Volkstheater zu degradieren.
Während die Kostüme von Marrit van der Burgt die Geschichte in ihrer Originalzeit verorten, schafft das abstrakte, kahle Bühnenbild von Heiko Mönnich eine gewisse Distanz. Im Zentrum dieses zeitlosen Raums steht eine schräge Spielfläche, die durch die gut gesetzte Ausleuchtung von Harald Zideck vielfältig genutzt werden kann. Mit wenigen Requisiten werden die Handlungsorte angedeutet. Es ist genug Platz für die Massenszenen, aber auch intime Momente gehen dank fokussierter Spots nicht verloren. Die Plattform ist Gasthaus oder Dorfplatz, auf dem das Leben in warmes Licht getaucht brodelt – aber auch ein kalter, unwirtlicher Ort, wenn Tevje von Hodel Abschied nimmt, die ihrem Perchik nach Sibirien folgt. Ein guter Effekt: Die russischen Soldaten erscheinen bei dem Pogrom gegen die Juden als bedrohliche Schattenrisse.

"Anatevka" in Kaiserslautern ist ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten, den man eigentlich zu gut zu kennen glaubte, an dem man aber neue interessante Charakterzüge entdeckt.

(Text: Ingo Göllner)






Kreativteam

Musikalische Leitung Johannes Köhler
Inszenierung Anatol Preissler
Bühne Heiko Mönnich
Kostüme Marrit van der Burgt
Dramaturgie Andreas Bronkalla


Besetzung

Tevje, ein Milchmann Henning Kohne
Golde, seine Frau Astrid Vosberg
Zeitel, Tevje und Goldes erste Tochter Adrienn Cunka
Hodel, Tevje und Goldes zweite Tochter Dagmar Bernhard
Monika Hügel
Chava, Tevje und Goldes dritte Tochter Anja Rüger
Sprintze, Tevje und Goldes vierte Tochter Rowena Lang
Sophie Kersting
Bielke, Tevje und Goldes fünfte Tochter Tabea Floch
Emma Glöckner
Jente, eine Heiratsvermittlerin Geertje Nissen
Mottel Kamzoil, ein Schneider Denis M. Rudisch
Schandel, seine Mutter Andrea Wehrle-Zabold
Perchik, ein Student Daniel Böhm
Lazar Wolf, ein Metzger Thomas Kollhoff
Mordcha, ein Gastwirt Bernhard Schreurs
Rabbi Peter Floch
Mendel, sein Sohn Daniel Ewald
Avram, ein Buchhändler Radoslaw Wielgus
Nachum, ein Bettler Ralph Jaarsma
Oma Zeitel, Goldes Großmutter Dominique Engler
Fruma Sara, Lazar Wolfs erste Frau Christina-Mirl Rehm
Ein Wachtmeister Günther Fingerle
Fedja, ein junger Mann Joshua Endreß
Ein Russe Alexandru Popescu



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Handlung
Milchmann Tevje wohnt mit fünf Töchtern und seiner resoluten Ehefrau in dem kleinen jüdischen "Schtetel" Anatevka, einem ukrainisches Dorf im Jahr 1905. mehr

Weitere Infos
Aufführungsrechte: Verlag Musik und Bühne.

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(ig)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Empfehlenswerte Inszenierung des Klassikers mit sehr gut gesetzten Lichteffekten, einer Regie, die die Nebenfiguren stärkt, aber einem Tevje mit stimmlichen Einschränkungen.

26.03.2017

 Termine
Sa29.04.19:30 Uhr
Fr12.05.19:30 Uhr
So21.05.15:00 Uhr
Sa27.05.19:30 Uhr
Sa24.06.19:30 Uhr
Mi28.06.19:30 Uhr
Fr07.07.19:30 Uhr
So09.07.15:00 Uhr


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