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Drama Musical

Imagine This

Vergangenheit spürbar gemacht


Wenn eine Theateraufführung über vier Stunden dauert, dann ist das definitiv für alle Beteiligten ein Kraftakt – erst recht, wenn sich auf der Bühne Amateure mit einem so aufwühlenden Thema wie der Judenverfolgung im Nationalsozialismus auseinandersetzen.

(Text: mr)

Premiere:28.10.2016
Letzte bekannte Aufführung:20.11.2016


Doch auch für die Zuschauer ist es ein Kraftakt. Es gibt nur wenige Stücke, die das Publikum über so einen langen Zeitraum fesseln können – und um es gleich vorwegzunehmen: "Imagine This" gehört in dieser Fassung nicht dazu. Dass der prägnanteste Eindruck die enorme Länge der Aufführung ist, ist um so bedauerlicher, da in diesen Stunden viel Schönes auf und vor der Bühne zu sehen und zu hören ist. Doch letztendlich ist es ein klassischer Fall von 'zu viel des Guten'.

Im Zentrum der Handlung steht Daniel Warshowsky, ein jüdischer Theatermacher, der sich 1942 nach der Zwangsumsiedlung ins Warschauer Ghetto nicht davon abhalten lassen will, trotz der widrigen Umstände weiter Theater zu spielen, um den Menschen Hoffnung zu geben. Er entschließt sich, die Belagerungsgeschichte der Festung "Masada" in Israel aufzuführen. Dort verschanzte sich ca. 2000 Jahre zuvor eine jüdische Menschenansammlung vor Tyrannei und Gewalt – damals vonseiten der Römer. Im Verlauf des Musicals vermischen sich die beiden Handlungsstränge. Ähnlich wie die Juden vor 2000 Jahren hat zum Ende hin auch die Theatertruppe im Ghetto die Entscheidung zu treffen, ob sie ihr Volk verraten oder aufrecht in den Tod gehen wollen... Eine wahrlich bewegende Geschichte, für die der israelische Komponist Shuki Levy großartige Musik geschrieben hat: wuchtige, fast opernhafte Orchester-Nummern, bewegende Chöre, imposante Arien. Mittendrin immer mal wieder hoffnungsvoll-fröhliche Melodien, die aber doch zumeist einen düsteren Unterton haben. Über das Orchester des Freien Musical-Ensembles kann man kaum genug schwärmen. Mehr als 40 Musiker haben sich hier zusammengetan und sorgen für einen satten, nuancierten Klang, der schlichtweg begeistert.

Die an sich spannende Handlung wird allerdings durch die zu ausführliche Erzählweise regelrecht zerfasert. Es hat schon seinen Grund, warum Mel Brooks dem Stück-im-Stück "Frühling für Hitler" in "The Producers" keine 60 Minuten oder mehr gewidmet hat... Autor Glenn Berenbeim versucht jedoch in "Imagine This" jede Wendung auf beiden Spielebenen deutlich und nachvollziehbar zu machen, so dass dem "Masada"-Thema viel zu viel Platz gegeben wird. Auch für die Handlung völlig unwichtige Figuren wie z.B. Julius Cäsar oder seine Sklavin Salome bekommen ihre großen Szenen. So zieht sich die Handlung ausgesprochen zäh durch die Stunden.

Ein bisschen mehr Vertrauen in die Vorstellungskraft der Zuschauer hätte dem Stück wahrlich gut getan. In der letzten halben Stunde gibt es mehr als zehn Momente, die sich prima als Schlusspunkt geeignet hätten. Doch die Handlung geht immer weiter, um auch ja jeden Konflikt vollständig zu Ende zu bringen. Damit wird dem Zuschauer die Möglichkeit zur eigenen inneren Mitarbeit zunehmend genommen - obwohl die Zusammenhänge eigentlich klar auf der Hand liegen.

Der Inszenierung ist anzumerken, wie sehr sich die Co-Regisseure Ingo Budweg und Canan Toksoy darum bemüht haben, Bewegung in die Szenen zu bringen, wo es nur irgend möglich ist. Da wird dem Liebespaar ein Tänzerpaar zur Seite gestellt oder die Soldaten zum "Schwerttanz" drapiert. Doch oft steht das gesamte große Ensemble auf der Bühne und so gibt es immer wieder lange, statische Szenen.

Gesanglich schlägt sich das Ensemble wirklich gut: Alle Hauptdarsteller haben angenehme Amateur-Stimmen und das Ensemble ergibt einen beeindruckenden Chor. Besonders aufhorchen lässt Sönke Westrup als jugendlicher Held Adam, der mit viel Pathos in der Stimme seine Lieder schmettert, als würde er sich um den Heldentenor in einer Wagneroper bewerben. Christoph Bürgstein als Daniel Warshowsky gelingt der Spagat zwischen bewusst aufrecht erhaltenem Optimismus und nackter Existenzangst sehr gut. Die meisten seiner Mitstreiter kommen in der emotional fordernden Handlung dann doch deutlich an ihre Grenzen. Einen starken Eindruck hinterlässt Melvin Schulz-Menningmann als SS-Hauptsturmführer Blick. Gerade die Szenen, in denen die SS-Truppe die Juden bedrängt und bedroht, sind ausgesprochen intensiv gelungen und Schulz-Menningmanns Darstellung lässt den Zuschauern geradezu das Blut in den Adern gefrieren. Doch auch hier gilt: Die eigentlich gut umgesetzte Idee läuft sich tot. Immer wieder kommt es zu solchen Auftritten der SS-Truppen und spätestens beim fünften Mal lässt die Intensität einfach nach.

Es wäre wirklich schade, wenn dieses Stück mit seinem bewegenden Thema und den wunderschönen Melodien nun wieder in der Versenkung verschwindet, doch in der vorliegenden Form schreit es geradezu nach einem Dramaturgen mit beherztem Griff zum Rotstift. Manchmal – und das gilt für viele Aspekte des Abends – ist weniger einfach mehr.



Buch: Glenn Berenbeim
Musik: Suki Levy
Text: David Goldsmith

(Text: Michael Rieper)






Kreativteam

Künstler. Gesamtleitung / Musikal. LeitungIngo Budweg
RegieIngo Budweg
Canan Toksoy
ChoreografieKathrin Wegener
Johanna Lammert
BühnenbildChristoph Bürgstein
Sonja Roeske
KostümeMatthias Betke
Constanze Winkler
Deutsche TextfassungIngo Budweg


Besetzung

Solisten "Unter dayne vayse Sthern" Noemi Wicher
Rebecca Rieder
Daniel Warshowsky (Eleazar) Christoph Bürgstein
Rebecca Warshowsky (Tamar) Sarah Hartmann
Lea Warshowsky (Miriam) Melisa Altay
Alina Remmers
Sarah Warshowsky (Naomi) Lisa Wenzel
Max Warshowsky (Jeremiah) Matthias Jockheck
Adolph Warshowsky (Ceasar) Carsten Jaehner
Adam (Silva) Sönke Westrup
Otto (Rufus) Ricardo Santos
Lola (Salomé) Katharina Datan
Jan (Aaron) Jonas Buchholz
Izzy (Pompey) Jonathan Kaas
Jacob Simon Linke
Schlomo Christian Fürst
Esther Henrike Schilling
SS-Hauptsturmführer Blick Melvin Schulz-Menningmann
Hannah Warshowsky Canan Toksoy
sowieAlexandra Achterkamp
Ariane Bauer
Kira Bobrowski
Amelie Bürgstein
Marleen Bürgstein
Franziska Eickholt
Gunnar Friebe
Jonas Hilbert
Hannah Hillermann
Aileen Hölscher
Frank Janßen
Ivy Kastaun
Katharina Kleber
Judith Krieger
Jutta Lahrmann
Chris Lammert
Mareike Linnemann
Svenja Lobmeyer
Peter Lyko
Fabian Müller
Vincent Musial
Philip Nuyken
Lisa Övermöhle
Alexander Rauschenberg
Sonja Roeske
Lukas Rojahn
Simona Schmedemann
Hannah Schmillenkamp
Viktoria Schmitz
Vera Schultka
Marie Strock
Andreas Strothmann
Katinka Teckhaus
Alicia Tillack
Laura Volk
Christina Walther
Lena Wasmuth
Dana Winkler
Jaqueline Zipfel



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


Imposant, bedrückend, beeindruckend

07.02.2017 - Jedes Jahr sehe ich sehr viele Musicals und "Imagine This" war definitiv mein Highlight 2016. Großartige Leistung von allen - die Darsteller und Musiker haben mich sehr berührt, ich habe geweint und teilweise starr vor Schock auf meinem Stuhl gesessen. Der einzige Kritikpunkt ist das etwas zu langatmige Buch. Aber da der Abend insgesamt so imposant, bedrückend, beeindruckend war, ist das zu vernachlässigen. Ich bin schwer begeistert. Es ist definitiv kein Stück, das ich ein zweites Mal sehen muss, weil es zu traurig ist. Aber ich danke dem FME von Herzen für den Mut, dieses Stück auf die Bühne zu bringen. In keinem anderen Stück habe ich das FME als so perfekte homogene Einheit erlebt. Ob Darsteller oder Musiker, alle lebten dieses Stück. Mehr Meinung dazu auch auf kulturfeder.de

kulturfeder (9 Bewertungen, ∅ 3.7 Sterne)


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Buch

Komposition

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Das Amateur-Ensemble und das großartige Orchester geben alles, doch die Aufführung leidet unter einem viel zu ausführlichen und damit langatmigen Buch

30.10.2016

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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