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Biografical

Hamilton

Wait for It


© Matthew Murphy
© Matthew Murphy
Der Hype, den Lin-Manuel Mirandas Broadway-Smash-Hit 'Hamilton' ausgelöst hat, ist zumindest in der jüngeren Musicalgeschichte beispiellos. Ein phänomenaler Erfolg bei Kritik und Publikum. Seit Ende Dezember läuft die mit viel Spannung erwartete erste nicht-amerikanische Aufführung des "amerikanischen Musicals" (so der Untertitel des Stückes) im von Grund auf renovierten Londoner Victoria Palace Theatre.

(Text: zel)

Premiere:21.12.2017
Rezensierte Vorstellung:27.03.2018


Tatsächlich ist 'Hamilton' in vielerlei Hinsicht eine Offenbarung. Die Leidenschaft und die handwerkliche Perfektion, mit der dieses Werk geschrieben ist und präsentiert wird, setzen neue Maßstäbe, an denen sich zukünftige Produktionen messen lassen werden müssen. Das Stück erzählt die Lebensgeschichte eines nahezu vergessenen Gründervaters der Vereinigten Staaten. Während sich der erste Akt hierfür vor allem der Geschehnisse um den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg bis zur vorentscheidenden Schlacht von Yorktown als Hintergrund bedient, schildert der zweite Akt die innerpolitischen Weichenstellungen in einem neugegründeten republikanischen Staat, der sich in einer Welt voller Monarchien behaupten muss.

© Matthew Murphy
© Matthew Murphy

Dabei verknüpft das Werk auf dramatische Weise das Schicksal von Alexander Hamilton mit dem von Aaron Burr, dem Antagonisten des Stückes. Diese beiden Figuren sind die gegensätzlichen Pole in der Geschichte: Auf der einen Seite die radikale Bereitschaft Hamiltons, ohne Rücksicht auf eigene Verluste für die Idee der Unabhängigkeit von der britischen Krone einzustehen. Demgegenüber steht Burr, der wie ein Raubtier aus der Deckung heraus auf seine Chance lauert. Inmitten der jungen Rebellen verfolgt er eine nach allen Seiten abgesicherte wohlbedachte Karriereplanung, die einzig und alleine auf Eigennutz ausgerichtet ist. Im Gegensatz zu dem aus privilegierten Familienverhältnissen stammenden Burr hat Hamilton etwas zu beweisen und vor allem nichts zu verlieren. Was aufgrund dieser unterschiedlichen Ausgangslagen mit gegenseitigem Unverständnis beginnt, kulminiert in dem komplexen Beziehungsgeflecht schließlich in der finalen Showdown-Szene, in der sich die beiden Kontrahenten im todbringenden Duell gegenüberstehen.

"I’m the damn fool that shot him" ist eine der Rap-Zeilen von Burr in der Eröffnungsnummer, in der er als Erzähler auftritt. Was 'Hamilton' auf den allerersten Blick kennzeichnet, ist die verwendete Hip-Hop- und Rap-Musik, die in dem Stück für die Idee der Revolution steht und auf der Bühne eine berauschende Sogwirkung entfaltet. Damit ist seit langer Zeit wieder einmal im Theater die Musik zu hören, die auch auf der Straße den Takt angibt. Mirandas musikalisches Konzept geht jedoch noch weiter, es charakterisiert Figuren über die Musikgattung und verwendet daher noch weitere Stile: geschmeidigen R&B für die Schuyler-Sisters, gefälligen Britpop für den ewiggestrigen King George III sowie swingende Show-Tunes für Thomas Jefferson, der wesentliche Entwicklungen des amerikanischen Selbstfindungsprozesses verpasst hat und daher musikalisch nicht den jungen Wilden zuzurechnen ist. Ein wahrhafter Geniestreich ist jedoch die Charakterisierung des Antagonisten: Der Song "Wait for It", Aaron Burrs große Hymne, ist eine eingängige und mainstreamtaugliche Pop-Ballade. Massenkompatibilität als Ausdruck des Bösen – viel politischer und aktueller geht es kaum.
Auch Mirandas Lyrik ist atemberaubend und die dabei angewandte Sprachkunst liefert Stoff für Linguistikseminare: Die Songtexte, die aufgrund der herausragenden Soundtechnik im Victoria Palace Theatre allesamt glasklar verständlich über die Rampe kommen, sind scharfsinnig, maßlos und frech, voller Fantasie, arbeiten mit Doppel- und Mehrdeutigkeiten, schlagen verspielte Kapriolen, variieren permanent ihr Tempo und ihren Fluss und halten unendlich viele Details bereits, die es zu entdecken gilt. Als Beispiel erwähnt sei hier nur die Anspielung auf die Spekulationen um Hamiltons Bisexualität und die letztlich nicht historisch verbürgte Affäre mit John Laurens während der Kriegszeit.

© Matthew Murphy
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Das Verdienst von Regisseur Thomas Kail liegt vor allem darin, dass er die einzelnen Juwelen in ein funktionierendes Arrangement aufgehen lässt. Diese Aufgabe erledigt er in einer regelrecht magischen Art und Weise und mit behutsamer Zurückhaltung. Seine Inszenierung strebt nicht nach eigenen kräftigen Bildern, sondern dient stets dem Gesamtkunstwerk. Viel Raum zum Glänzen erhält hingegen Andy Blankenbuehler, dessen zutiefst wirkungsvolle Choreografie sich als nicht versiegender Quell an Ideen erweist. Sein Umgang mit der Drehbühne ist virtuos und die Moves des Ensembles sind von explosiver Dynamik – wie Kanonenkugeln schlagen die Tänzer beispielsweise um George Washington herum ein, der sich in New York einer Übermacht von 32.000 britischen Soldaten gegenübersieht. Die Aufführung besticht vor allem durch ihre Präzision, mit der Tanz, Bewegungschoreografie und Inszenierung ineinandergreifen. Hinzu kommt ein feinabgestimmtes Lichtdesign von bestechender Schönheit – wie ein Gedicht schafft es mit immer wechselnden Fokussierungen und Farbgebungen neue Bühnenräume im gleichen Set.

© Matthew Murphy
© Matthew Murphy

Den schwierigsten Part innerhalb der multiethnischen Besetzung hat zweifelsohne Jamael Westman übernommen, der die Bürde zu schultern hat, in der Rolle auf der Bühne zu stehen, die Lin-Manuel Miranda persönlich kreiert hat. Obgleich noch ein völlig unbeschriebenes Blatt, meistert er diese Aufgabe mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein und starker Präsenz. Allerdings verwundert es, dass ihm, obwohl er weitaus lebensjünger als Miranda ist, der Hamilton aus dem zweiten Akt besser zu Gesicht steht als der junge, lebenshungrige Rebell aus dem ersten Akt. Westmans Hamilton zeichnet sich von Anfang an durch stolze Eitelkeit und Arroganz aus, die er jedoch charmant zu verkaufen weiß, wenn es ihm zum Vorteil gereicht. Die Verbissenheit des Emporkömmlings dringt in seiner Darstellung jedoch nicht durch.
Die Rolle des Aaron Burr ist noch feinsinniger und komplexer als die des Salieri aus Peter Shaffers "Amadeus", mit dem ihn eine enge Wesensverwandtschaft verbindet. Giles Terera gibt den verbitterten Erzähler mit schleimiger Eleganz und kaltem Kalkül. In den intimen Momenten aber wie bei dem Song "Dear Theodosia" lässt er immer wieder die Maske fallen, was ihn für den Zuschauer sympathisch und die Figur noch faszinierender und spannender macht. Terera ist ein großartiger Schauspieler, es ist eine große Freude, ihn dabei zu beobachten, wie aus Burrs anfänglicher Verachtung gegenüber Hamilton zunächst Verunsicherung, dann Angst und später schließlich offene Feindseligkeit wird.

© Matthew Murphy
© Matthew Murphy

Obioma Ugoala ist stimmlich und in seiner Bühnenpräsenz eine Urgewalt, was ihn die übermächtige Autorität George Washingtons glaubhaft vermitteln lässt. Jason Pennycooke agiert mit geschmeidiger Beweglichkeit und zielt sein Spiel auf Lacher ab. Für die politischen Ränkespiele des Thomas Jefferson im zweiten Akt funktioniert das sehr gut, für den mit militärischem Tatendrang in den Unabhängigkeitskrieg ziehenden Marquis de Lafayette, den er im ersten Akt spielt, ist das bisweilen ein wenig unpassend. Als Eliza vollzieht Rachelle Ann Go mit großer Spielfreude, manchmal vielleicht zu großer, nachvollziehbar den Wandel vom unbekümmerten Mädchen aus gutem Elternhause zur leidgeprüften betrogenen Ehefrau. Ihr lupenreiner äußerst sicherer Sopran ist von ebenso großer Qualität wie die kraftvolle R&B-Stimme von Rachel John, die als Angelica jedoch ein wenig mehr bedeutungsschwere Tiefe in ihr Spiel legen könnte. Die Performance von Michael Jibson als King George III hingegen ist ein Ereignis. Mit großem komödiantischem Gespür für die Wirkung seiner reichen Mimik und mit köstlich herablassender Herrscher-Attitüde hat er das Publikum, bei dem es sich nach seinem Verständnis selbstredend um seine Untertanen handelt, fest im Griff. Eine Sternstunde.

© Matthew Murphy
© Matthew Murphy

Dieser West-End-Transfer des Hit-Musicals hat einen ersten Aufschluss darüber gegeben, inwieweit das Stück dazu geeignet ist, auch außerhalb des angestammten amerikanischen Raumes aufführbar zu sein. Zumindest in London funktioniert es extrem gut – alles andere wäre jedoch auch eine Überraschung gewesen. Der nächste große Meilenstein in der internationalen Vermarktung wäre eine erste nicht-englischsprachige Produktion. Es bleiben jedoch Zweifel an den Erfolgsaussichten einer solchen Aufführung, denn vieles spricht immer noch dagegen: Nicht nur die Hürde der Übertragung der Texte in eine andere Sprache, auch fehlende Detailkenntnisse über die Geschichte der Vereinigten Staaten machen es woanders schwierig, ein großes Publikum anzuziehen. Für den deutschsprachigen Raum wäre es allerdings mehr als schade, wenn es das Stück nicht hierher schaffen würde, denn dann wäre der deutsche Markt endgültig von der internationalen Entwicklung des Genres abgekoppelt. Aber so oder so: Dieses Musical wird Auswirkungen haben, soviel steht fest …

(Text: Markus Zeller)






Kreativteam

Musik / Buch / TextLin-Manuel Miranda
InszenierungThomas Kail
ChoreografieAndy Blankenbuehler
BühneDavid Korins
KostümePaul Tazewell
Licht-DesignHowell Binkley
Sound-DesignNevin Steinberg
OrchestrierungAlex Lacamoire


Besetzung

Alexander HamiltonJamael Westman
Ash Hunter
Aaron BurrGiles Terera
Eliza Schuyler HamiltonRachelle Ann Go
Angelica SchuylerRachel John
Marquis de Lafayette
Thomas Jefferson
Jason Pennycooke
George WashingtonObioma Ugoala
King George IIIMichael Jibson
John Laurens
Philip Hamilton
Cleve September
Peggy Schuyler
Maria Reynolds
Christine Allado
Hercules Mulligan
James Madison
Tarinn Callender
Ensemble Courtney-Mae Briggs
Jack Butterworth
Marsha Songcome
Jon-Scott Clark
Miriam-Teak Lee
Alexzandra Sarmiento
Jade Albertsen
Curtis Angus
Jonathan Bishop
Kelly Downing
Leslie Garcia Bowman
Lia Given
Greg Haney
Leah Hill
Barney Hudson
Waylon Jacobs
Phoebe Liberty
Christopher Tendai
Lindsey Tierney




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Matthew Murphy
© Matthew Murphy
© Matthew Murphy
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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


Believe the hype!

23.02.2018 - Alles, was man so über das Stück hört, ist wahr.
Das war tatsächlich das Beste, was ich jemals auf einer Bühne gesehen habe.
Ich bin maßlos überwältigt und mir fehlen die Worte.
Wer Theater liebt, muss Hamilton gesehen haben.

AdamPascal (52 Bewertungen, ∅ 4.2 Sterne)


Sehenswert aber overrated

28.01.2018 - Eins vorab: hätte ich nicht einen Geschenkgutschein für Ticketmaster bekommen, hätte ich die 250 GBP für die Karte nicht ausgegeben. Der Hype um dieses Musical ist mir unverständlich.

Ja, es wird toll gespielt, hervorragend gesungen und herausragend getanzt. DA gibt es nichts zu meckern.
Die Rap-Einlagen sind eine willkommene Abwechslung der üblichen Musical-Scores durch die auch Hamilton einen Querschnitt liefert. Die Darsteller soweit auf höchstem Broadway-Niveau.

Möglicherweise habe ich aufgrund mangelnder Englishkenntniss nicht jede Anspielung oder Finesse des Textes erkannt.

Das Bühnenbild ist sehr einfach, anders als das von beispielsweise Les Miserables, ist die Bühnentechnik aber auch nicht innovativ eingesetzt.

Alles in allem kann ich sagen: eine der besseren West End Shows. Aber den Hype dahinter kann ich nicht verstehen.

MCramer (2 Bewertungen, ∅ 3.5 Sterne)


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‚Hamilton‘ ist zweifelsohne bereits jetzt ein Klassiker und das aktuelle Synonym für ein Five-Star-Musical – derzeit das Nonplusultra der Branche.

15.04.2018

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