Norden Westen Osten Sden
Termine aus DeutschlandsterreichSchweizNiederlandeLondonTirolLinksSuchen nach JobsRedaktionDatenschutzImpressum
Aktuelle Shows ( Nord )Shows A-Z ( Nord )Premieren ( Nord )My Fair Lady


Klassiker

My Fair Lady

Rotz-Göre wird feine Dame


Trotz witziger Akzente wie über die Bühne sausende Mini-Taxis, singende Ratten oder einem kalauernden Kakadu in Professor Higgins Wohnzimmer, langweilt Regisseur Peter Lund das Publikum über Strecken. Einige beherzte Striche und Straffungen hätten dieser auf drei Stunden reine Spieldauer ausgewalzten Lady ebenso gut getan wie ein richtiges Orchester.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:31.07.2008
Letzte bekannte Aufführung:09.01.2009


Experiment geglückt. Oberst Pickering klopft Henry Higgins anerkennend auf die Schulter, während Hausfaktotum Mrs. Pearce die Dienerschaft einen "Wir gratulieren"-Chorsatz anstimmen lässt. Versuchskaninchen Eliza, eben noch strahlender Mittelpunkt auf dem Diplomaten-Ball des kindlichen Grafen von Transsilvanien, sitzt derweil unbeachtet und wie vergessen auf der riesigen braunen Ledercouch. Sie hat ihre Aufgabe erfüllt, Professor Higgins seine Wette gewonnen. Umso erstaunter ist der Lehrmeister als sein Zögling aufmuckt und ihm die Pantoffeln gegen den Kopf knallt. Peter Lunds recht konventionell geratene Inszenierung kippt in dieser Szene sehr schön ins Dramatische, verliert allerdings noch mehr an Fahrt und zieht sich zäh bis zum wie ein ungeliebtes Anhängsel wirkenden Happyend hin. Wenn Eliza in der Schlussszene reumütig durch die Haustür schleicht und Higgins herrisch nach seinen Pantoffeln verlangt, dann wundert man sich, warum sich die junge, selbstbewusste Frau das antut.

Enttäuschend ist auch die musikalische Umsetzung. Das in der Werbung angekündigte Orchester entpuppt sich als Klangkörper aus sieben Musikern. Unter der Leitung von Adam Benzwi am Flügel klingen Frederick Loewes Melodien wie eine Mischung aus Gesangsprobe, Zirkusmusik und die Interpretation durch ein mittelmäßiges Kurorchester, das in Mini-Besetzung unbedingt einen großen Musical-Klassiker zu Gehör bringen will. Dies allerdings nicht in einer lauschigen Konzertmuschel, sondern seitlich rechts vor einer breiten Bühne in einem großen Theatersaal mit zwei Rängen. Hier verlieren sich das schmissige „Es grünt so grün“ oder die Alfred-Doolittle-Songs „Mit 'nem kleen Stückchen Glück“ und „Bringt mich zum Altar“, deren Melodienführung per Blockflöte untermalt wird. Da ist es dann nicht mehr ganz so schlimm, dass Udo Kroschwald nicht singen kann und sich durch die Rolle von Elizas versoffenem Vater mogelt. Auch Daniel Morgenroth (Henry Higgins) fällt durch falsche Töne auf und rettet sich immer wieder in den Sprechgesang. So gelingt immerhin sein verzweifeltes „Ich bin gewöhnt an ihr Gesicht“ recht gut. Als Higgins schrullige, aber selbstbewusste Mutter gefällt Monika Lennartz.

Pudelwohl in ihrer Rolle als Eliza fühlt sich Franziska Forster. Im mit in Alkohol eingelegten Präparaten und weiteren wissenschaftlichen Skurrilitäten dekorierten Wohnzimmer von Professor Higgins (Bühne: Jürgen Kirner) deklamiert sie unentwegt ihre „A-E-I-O-U“-Übungen und erträgt tapfer den menschenverachtenden Drill ihres Lehrmeisters. Eindrucksvoll nicht nur ihre Wandlung von der vorlauten Kodderschnautze zur emanzipierten Lady, sondern auch ihr klangvoller, makelloser Sopran. Forsters „Ich hab getanzt heut Nacht“ gehört zu den Höhepunkten der Show. Mit nur einem Song avanciert Dennis Jankowiak zum Publikumsliebling, der Freddies „In der Straße, in der du lebst“ mit zackigem hohen Tenor jeglichen schmachtenden Schmalz nimmt. Sehens- und hörenswert auch das spielfreudige wie wendige Tanzensemble, das Andrea Heils Choreografien nicht nur in der Hochzeitsszene um Alfred Doolittle mit sehr viel Temperament umsetzt.

Wenn Mutter Higgins zum Ende des Stücks „Bravo Eliza“ ruft, dann gilt das einzig und allein der jungen beherzten Frau, die mit Sack und Pack das Haus ihres Peinigers verlässt. Für die neue Berliner „My Fair Lady“ gilt es nicht.


(Text: kw)






Kreativteam

Inszenierung Peter Lund
Musikalische Leitung Adam Benzwi
Choreografie Andrea Heil
Bühnenbild Jürgen Kirner
Kostüme Daniela Thomas


Besetzung

Henry Higgins Daniel Morgenroth
Eliza Doolittle Franziska Forster
Colonel Pickering Anton Rattinger
Alfred P. Doolittle Udo Kroschwald
Mrs. Higgins Monika Lennartz
Maria Mallé
Freddie Eynsford Dennis Jankowiak
Mrs. Pearce Dagmar Biener
Karpathy Richard Nagy
Moses Ruge
Justine Rimke
Matti Seidel
Ensemble (ab Dezember 2008) Kathleen Herzer
Cora Wüthrich
Anja Karmanski
Ilka Sehnert
Juliane Maria Wolff
Wolfgang Schwingler
Andreas Röder
Valentin Schmidt
Michel Gerald
Maria Kempken
Maika Beate Wüscher
Martin Kiuntke
Andreas Berg
Tillmann Schnieders
Orchester

Klavier/ Leitung Adam Benzwi
Nikolai Orloff
Geige Anna-Barbara Kastelewicz
Vasile Darnea
Harfe Erdinc Komsu
Oboe Lavinia Whitaker
Schlagwerk Moritz Wolpert
Tuba/ Kontrabaß Otwin Zipp
Posaune Christian Fischer



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


3 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


26980
Neuköllner Oper versucht sich auf grosser Bühne

13.09.2008 - Wenn Herr Lund nicht diese ambitionierte Schar von Darstellern gehabt hätte, wäre es nicht nur langweilig sondern auch ärgerlich gewesen.
Bühnen-und Kostümbild ein Totalausfall!
Sieht alles billig und nach Neuköllner Oper aus. Der Kostümbildner hat es geschafft, dass Elizas Ballkleid sogar nach Quelle-Katalog aussieht.
Mir taten die Darsteller leid.
Ich finde für ein Stück wie "Lady" in einem Haus dieser Größe, ist ein Orchester ein Muß! Mir gehen diese Sparversionen, auf Kosten der Musik auf die Nerven.

SabineHH (2 Bewertungen, ∅ 2.5 Sterne)


26941
Ein Sandmann ist amüsanter!

30.08.2008 - Ich habe im Metropol/Admiralspalast vor über 20 Jahren eine My Fair Lady gesehen und auch Musikalisch gehört!
Warum muß diese My Fair Lady
unnötige Überlänge haben!
Warum gibt es kein Orchester!
Ich hätte mit einer Einspielung leben können!
Selbst in der Premiere waren die Zuschauer schon fast eingeschlafen! Am Ende!

Le Cuisinier (15 Bewertungen, ∅ 3.1 Sterne)


26899
Durchweg gelungen

12.08.2008 - Na toll, 2 Karten für "My fair Lady" im Admiralspalast - meine Freude über dieses Geburtstagsgeschenk hielt sich in Grenzen. Schließlich hatte ich die dortige "Dreigroschenoper" noch in sehr schlechter Erinnerung - und das neue Großprojekt des Hauses verfügt nicht einmal über die Starpower des Brecht-Debakels. Aber, Überraschung: Der Admiralspalast kann anscheinend doch, wenn er die richtigen Leute zur Verfügung hat. So überzeugt die Neubelebung des eigentlich schon etwas angestaubten Klassikers bereits mit einem gewitzten Bühnenbild, das geschickt und visuell überzeugend die Waage zwischen klassisch und modern hält. Die wohlbekannten Melodien erhalten unter der Leitung von Adam Benzwi eine ganz eigene Note. Peter Lund inszeniert mit viel Liebe und Sinn für witzige Details, so dass die über drei Stunden des Abends tatsächlich wie im Fluge vergehen. Ein besonders sicheres Händchen hat man bei der Besetzung bewiesen, was schon beim ausgesprochen spielfreudigen Ensemble bemerkt. Anton Rattinger und Udo Kroschwald wirken, als hätte man ihre Rollen seinerzeit für sie geschrieben, Dennis Jankowiak ist ein wunderbarer Freddy, Dagmar Biener und Monika Lennartz überzeugen als große alte Damen. Daniel Morgenroth ist ein wunderbar fieser Henry Higgins, aber der absolute Clou des Abends ist Franziska Forster als Eliza Doolittle. Nicht der tausendste Versuch, Audrey Hepburn zu imitieren, sondern eine ganz eigene, sehr realistische Eliza Doolittle mit einer Wahnsinnsstimme.
Fazit: So muss eine "My Fair Lady"-Inszenierung im 21. Jahrhundert aussehen. Bitte mehr davon.

rudi68 (erste Bewertung)


Bitte melden Sie sich an, wenn Sie einen Leserkommentar abgeben wollen.
Neu registrieren | Logon

 
Details können Sie hier nachlesen: Leserkommentare - das ist neu
 
 

 Theater / Veranstalter
Admiralspalast
Friedrichstraße 101
D-10117 Berlin
+49 30 2250 7000
Email
Homepage
Hotels in Theaternähe

 So fand ich die Show
Jetzt eigene
Bewertung schreiben!

 Weitere Produktionen
 My Fair Lady (Detmold)
 My Fair Lady (Dresden)
 My Fair Lady (Frankfurt am Main)
 My Fair Lady (Germering)
 My Fair Lady (Götzis)
 My Fair Lady (Karlsruhe)
 My Fair Lady (Kammeroper Köln)
 My Fair Lady (Ulm)
 My Fair Lady (Wien)
weitere Produktionen finden

 Leserbewertung
(3 Leser)


Ø 2.33 Sterne

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


© musicalzentrale 2020. Alle Angaben ohne Gewähr.

   ZAV-KÜNSTLERVERMITTLUNG

   Wir suchen Dich!

   SOFTWAREBILLIGER.DE

   Ein Platz für Ihre Werbung?

MUSICAL-THEATER


Testen Sie Ihr Wissen! Was läuft aktuell in diesen Musicalhäusern?
Basel: Musical-Theater +++ Berlin: Theater des Westens +++ Berlin: Friedrichstadt-Palast +++ Berlin: Theater am Potsdamer Platz +++ Essen: Colosseum +++ Düsseldorf: Capitol +++ Hamburg: Neue Flora +++ Hamburg: Operettenhaus +++ Hamburg: Theater im Hafen +++ München: Deutsches Theater +++ Oberhausen: Metronom +++ Stuttgart: Apollo-Theater +++ Stuttgart: Palladium-Theater +++ Wien: Raimund-Theater +++ Wien: Ronacher
Alle Theater, alle Spielpläne: Deutschland-Nord, -West, -Ost, -Süd, Österreich, Schweiz, Niederlande, London.


Unsere Seite verwendet Cookies & Google Maps, um Ihnen ein bestmögliches Besuchserlebnis zu bieten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie beiden Nutzungen zu. [ X ]
;