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Komödie

Hochzeit mit Hindernissen

The Drowsy Chaperone


© Felix Grünschloß
© Felix Grünschloß
Irgendwann sind sie von den Spielplänen verschwunden, die frühen Stücke der Musical-Geschichte von George Gershwin oder Cole Porter. Aus heutiger Sicht verstaubte Komödien, aus denen sich aber viele Songs als Evergreens gehalten haben. Diesen Stücken setzt “Hochzeit mit Hindernissen“ als sachkundige und überaus witzige Parodie ein Denkmal. Der Spaß ist auch in Baden-Baden groß. Doch er ergibt sich mehr aus der guten Vorlage, der sichtlichen Spielfreude und den darstellerischen Leistungen, denn bei Gesang und Tanz muss man Abstriche machen.

(Text: ig)

Premiere:07.02.2020
Rezensierte Vorstellung:29.02.2020
Letzte bekannte Aufführung:22.05.2020
Showlänge:140 Minuten (ggf. inkl. Pause)


Gute Parodien sind versteckte Hommagen. Man veralbert Klischees, die man eigentlich mag, oder mokiert sich über Schwächen, die man liebevoll belächelt. Eine zweite Ebene kommt dazu, wenn sich glühende Fans auch über sich selbst lustig machen können. Hier haben wir den “Mann im Sessel“, einen Fan-Nerd par excellence, der sich, von der Außenwelt abgeschottet, zur Aufhellung der Stimmung die Aufnahme eines vergessenen Musicals gönnt - selbstverständlich eine gute alte, knisternde Vinyl-Schallplatte. Das Publikum wird mit ihm Teil von “Die beschwipste Anstandsdame“, einem fiktiven Musical von 1928. “Der Mann“ zeigt mit seinen Kommentaren Stärken und Schwächen des Stücks, gibt Infos zu den oft wenig glorreichen Karrieren der Darstellerinnen und Darsteller und gleichzeitig wird deutlich, dass er sich in eine heile Theaterwelt flüchtet. Durch nebensächliche Bemerkungen wird aus dem namenlosen Mann ein Charakter.

“Die beschwipste Anstandsdame“ erzählt eine hanebüchene Geschichte: Theaterproduzent Feldzieg will die geplante Hochzeit des Broadway-Stars Janet van de Graaff mit Robert Martin, dem Sohn eines Öl-Magnaten, unbedingt verhindern, um sein Zugpferd nicht zu verlieren. Es gibt noch ein talentloses, aber ambitioniertes Showgirl, verkleidete Gangster, die tattrige Gastgeberin nebst versnobtem Butler, den überforderten Trauzeugen, den feurigen Südländer Aldolpho und natürlich Janets Tante, die als Anstandsdame fungieren soll, sich aber lieber den Tag mit Alkohol versüßt. Zur Freude des Publikums knirscht es also ziemlich im überkonstruierten Handlungsgebälk.

© Felix Grünschloß
© Felix Grünschloß


Doch das Autorenduo Bob Martin und Don McKellar beschränkt sich nicht auf die “altes Musical“- und “Fan erklärt das Stück“-Ebenen, sie gehen noch einen Schritt weiter. Denn das Ensemble der “beschwipsten Anstandsdame“ besteht aus einer Horde mehr oder weniger talentierter Knallchargen. Der Hauptdarsteller ist ein populäres Zahnpasta-Model, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit seine perfekten Zähne zeigt, der Aldolpho-Darsteller ein Ex-Kinderstar, der sich in seiner Karriere von einer Fake-Akzent-Rolle zur nächsten hangelt. Die Hauptdarstellerin ist ein It-Girl, das mit einer Mischung aus Unsicherheit und überambitioniertem Spiel eine Broadway-Karriere starten will. Und bei der Anstandsdame handelt es sich um einen in die Jahre gekommenen Theaterstar, die mit selbstverständlicher Arroganz davon ausgeht, dass die Bühne ihr gehört, und sich mit Gesichter der Mitspieler verdeckenden Gesten immer in die erste Reihe drängt.
Die Ensemblemitglieder stellen also nicht nur die Figuren im Stück dar, sondern auch noch deren Darsteller. Schauspielerisch eine reizvolle Herausforderung, die mit Bravour gemeistert wird. Das sieht bei Gesang und Tanz leider anders aus.

© Felix Grünschloß
© Felix Grünschloß


Das Theater Baden-Baden nimmt zwar regelmäßig Musicals auf den Spielplan, ist aber primär ein Schauspielhaus. Den Gesangsstimmen der meisten Darstellerinnen und Darstellern sind enge Grenzen gesetzt.
Stimmlich stark präsentiert sich Sonja Dengler, die als Janet die anspruchsvollste Gesangspartie übernommen hat. Nadine Kettler als Anstandsdame fehlt trotz guter Grundlage und Diven-Präsenz bei ihrem Showstopper “Strauchelnd geht es voran“ der nötige Belt-Wumms. Manuel Dengler überzeugt als Aldolpho besonders durch seine ausgeprägte Körpersprache. Benjamin Rufin glänzt als Robert Martin in “Kalte Füße“ mit einer Stepp-Nummer. Original ist “Kalte Füße“ ein Stepp-Duett für Robert und seinen Trauzeugen George, doch dessen Darsteller Oliver Jacobs wird nach ein paar recht passablen Schritten von Choreograph Markus Buehlmann erlöst, der ihn seinen Stepp-Rhythmus auf den Rahmen eines Spiegels trommeln lässt. Generell fehlt der Ausführung der Tänze Leichtigkeit, es herrscht verkrampfte Konzentration.

© Felix Grünschloß
© Felix Grünschloß


Bei Gesang und Tanz ist Michael Laricchia als “Mann im Sessel“ außen vor, obwohl er sich in einigen Szenen unter die Figuren des Musicals mischt. Wenn er in die Spielszenen eintritt, in seine Musical-Traumwelt, bekommt er große Augen wie ein Kind vorm Weihnachtsbaum. Mit verzogener Wollweste und ausgebeulter Cordhose wirkt er unbeholfen und weltfremd. Doch wehe, jemand stört seine magischen Theatermomente, lässt im Zuschauerraum sein Handy klingeln oder ähnliches. Dann fährt der scheinbar sanfte Mann aus der Haut. In Nebensätzen erfährt man von seiner Einsamkeit, seiner unterdrückten Homosexualität und seiner Familiengeschichte. Laricchia setzt in diesem lustigen, oft albernen Stück unerwartet ernste Momente, findet aber ohne Bruch zurück zur nächsten Pointe. Eine tragikomische Glanzleistung!

© Felix Grünschloß
© Felix Grünschloß


Regisseurin Nicole Felden verlässt sich auf die Stärken des Stücks und hält die Geschichte munter am Laufen. Der geschmeidige Fluss ist auch ein Verdienst von Steven Koops variablem Bühnenbild, das die schmuddelige Wohnung des Mannes mit verschiebbaren Elementen in ein herrschaftliches Landhaus verwandelt. Die ebenfalls von Koop entworfenen Kostüme verorten farbenfroh in der prächtigen High Society der 1920er Jahre.

Lisa Lambert und Greg Morrison haben Songs mit Anleihen bei Gershwin und Porter komponiert; fröhlich, abwechslungsreich und bühnenwirksam. Die musikalische Umsetzung unter der Leitung von Hans-Georg Wilhelm könnte etwas luftiger sein.
Ursprünglich als Gag für einen Junggesellenabschied konzipiert, wurde “The Drowsy Chaperone“ zum abendfüllenden Stück, das den Sprung von Toronto an den Broadway schaffte und 2006 mit fünf Tony Awards ausgezeichnet wurde. Schade, dass die deutsche Übersetzung den platten Titel “Hochzeit mit Hindernissen“ trägt. “Die beschwipste Anstandsdame“ hat deutlich mehr Charme.

Trotz Einschränkungen ist die Baden-Badener Liebeserklärung an das Musical ein temporeicher Spaß. Und nach dem Besuch hat man Lust bekommen, Musicals von George Gershwin und Cole Porter neu zu entdecken.

(Text: Ingo Göllner)






Kreativteam

Musikalische LeitungHans-Georg Wilhelm
InszenierungNicole Felden
Bühne und KostümeSteven Koop
ChoreografieMarkus Buehlmann


Besetzung

Mann im SesselMichael Laricchia
Mrs. TottendaleRosalinde Renn
UnderlingMattes Herre
Robert MartinBenjamin Rufin
GeorgeOliver Jacobs
FeldziegBerth Wesselmann
KittyMaria Thomas
Gangster 1
Trix, die Fliegerin
Constanze Weinig
Gangster 2Jonathan Bruckmeier
AldolphoManuel Dengler
Janet van de GraaffSonja Dengler
Die beschwipste AnstandsdameNadine Kettler
Mitarbeiterin der StadtwerkeKatrin Westphal
MusikerMario Fadani
Jutta Fischer
Jean-Michel Heiby
Pirmin Ullrich
Wolfram Wagner
Bernd Wiedamann
Matthias Zippel
Otto Zwecker



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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

In puncto Gesang und Tanz alles andere als perfekt, aber das pointierte Buch und das spielfreudige Ensemble gleichen die Schwächen aus. Hervorragend: Michael Laricchia als “Mann im Sessel“.

01.03.2020

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