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Die Premiere von „Stolz und Vorurteil* (*oder so)“ im TiC-Theater in Wuppertal zeigt einmal mehr, dass die Intendanten Ralf Budde und Stefan Hüfner ein gutes Gespür für die Auswahl ihrer Stücke haben. Die weiblichen Semi-Profis überzeugen durch ihr starkes, pointiertes Schauspiel, das von viel Witz und bemerkenswerter Wandlungsfähigkeit zeugt. Schließlich übernehmen die fünf Darstellerinnen zusammen fast 20 verschiedene Rollen. Die Inszenierung entführt das Publikum nicht zuletzt dank der detailreichen Ausstattung in die Welt der gehobenen englischen Gesellschaft des späten 18. Jahrhunderts.
Anne, Tillie, Clara, Flo und Effie sind Dienstmädchen im Hause der aus Jane Austens Romanvorlage bekannten Familie Bennet. Sie treten augenzwinkernd mit der emanzipierten Ansage an Publikum heran, dass ohne sie nichts laufen würde: Wie käme denn auch sonst ein feines Schäferstündchen zustande, wenn die Betten nicht vorher frisch gemacht sein! Familie Bennet hat fünf Töchter zu verheiraten, damit das Familienerbe nicht an einen entfernten männlichen Verwandten geht und die Damen des Hauses mittellos dastehen. Stolz und Vorurteil scheinen zunächst unüberwindbar – sowohl bei den Töchtern wie auch potenziellen Heiratskandidaten.
Die musikalische Komödie von Isobel McArthur nach Jane Austens Klassiker kommt in der Übersetzung von Silke Pfeiffer temporeich mit viel Wortwitz in einer modernen, teils derben Alltagssprache daher. Bei aller Albernheit bewegt sich die Umsetzung auf einem enorm hohen künstlerischen Niveau, das durchweg Theaterprofis vor und hinter der Bühne vermuten ließe. Das zum Teil erfahrene, semiprofessionelle Ensemble meistert die Königsdisziplin des darstellenden Theaters – die Komödie – unter der Regie von Ralf Budde ganz bravourös!
Szenenwechsel finden durch rasche Umbauten im Halbdunkel durch das Ensemble statt, während gleichzeitig Auf- und Abgänge der Figuren durch den Zuschauerraum oder über die Seitenbühnen erfolgen. Bewegliche Kulissen wie Paravents, bedruckte Vorhänge und Versatzstücke sowie Möbel verschwinden in den Gassen während auf der anderen Seite der Bühne bereits eine neue Kulisse, oft in mehreren Ebenen, entsteht. Das Bühnenbild von Stefan Böhmer und Frank Fischer ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet, sodass zahlreiche Spielorte ihr eigenes Gesicht erhalten wie beispielsweise durch hüfthohe Kerzenleuchter, Récamiere oder Sitzgruppe.
Die meisten Wechsel finden gleichzeitig in Bühnenbild, Kostüm und Rolle für die Darstellenden statt. Dies lässt auf einen hohen logistischen Aufwand in der Vorbereitung und im Off während der Vorstellung schließen. Im Prolog treten die Darstellerinnen mit Kitteln und Schürzen über ihren teils hochgesteckten Kleidern und Röcken und mit Spitzenhäubchen auf. Schürzen und Hauben verschwinden nach der Einführung. Die Kostüme und Accessoires von Noëlle Magali-Wörheide geben einiges her, um den Wechsel von einer zur anderen Figur schnellstmöglich zu vollziehen. Überwürfe, Kopfbedeckungen, Perücken und Brillen sorgen teils durch überzeichnete Formen und Stile für eindeutige Wiedererkennung und Unterscheidung der jeweiligen Charaktere und deuten auf ein Mehr-Schein-Als-Sein-Prinzip der Figuren hin: Die Persiflage der Lady de Bourgh gelingt durch den Einsatz riesiger Kunstblumen, die in ihr Kostüm und ihre Perücke integriert sind, sodass ihre herabwürdigen Aussagen inhaltlich jede Relevanz verlieren.
Die Figuren bedienen augenscheinlich eine Jukebox auf der Seitenbühne, wenn wieder eine der Bennet-Töchter dazu genötigt wird, ein Lied zu singen, obwohl sie gar nicht will .
Stefan Hüfner zeichnet für musikalische Leitung und die Produktion verantwortlich. Die musikalische Umsetzung umfasst weit mehr als das Abspielen von vorgefertigter Musik. Die originellen Arrangements der Pop-Nummern entfalten nicht zuletzt durch das Spiel mit musikalischen Genres eine besondere Wirkung: Zunächst als gefühlvolle Ballade angelegt, bleibt der Kiss-Klassiker „I Was Made For Lovin’ You“ zunächst schwer zu identifizieren. Erst mit dem Einsetzen von E-Gitarre und Schlagzeug erfolgt die musikalische Auflösung, die für einen sofortigen Stimmungswechsel sorgt.
Vielfältige Geräuschkulissen und die akustische Begleitung einzelner Szenen verstärken nicht nur die Immersion, sondern lassen durch bewusste Übertreibung Situationskomik entstehen – wie etwa die matschenden Fußtritte von Elisabeth, als diese nach einem Wolkenbruch schließlich das Anwesen Charles Bingleys erreicht.
Es zeigt sich deutlich, wie stimmig hier alle Abteilungen ineinandergreifen und auch das fünfköpfige Ensemble ist hervorragend aufeinander eingespielt: Ganze fünf Rollen bedient Anna Färber und glänzt vor allem in der humorigen Darstellung der frechen Göre Lydia sowie des Geistlichen Mr. Collins. Gesanglich glänzt sie mit ihrer Interpretation von „I Am What I Am“.
Tanisha Meis bedient mit den ihr zugeschriebenen Rollen ebenfalls eine enorme Bandbreite zwischen dem bewusst linkisch gezeichneten Charles Bingley, seiner energisch auftretenden Schwester sowie Charlotte, die mit ihrer langjährigen Freundin Elisabeth nicht nur rein platonisch verbunden scheint.
Mit überzeugendem Spiel zeigt sich Anja Bielefeld als Jane sehr leidenschaftlich und verletzlich sowie tief mit Elisabeth verbunden. Mit ausdrucksstarker Mine zeichnet sie eine bewusst arrogante Lady de Bourgh und einen kauzigen George Wickham. Bei „I Love You, Baby“ geht Bielefeld gesanglich in die Vollen und reißt das Publikum mit.
Zwei prägende, gegensätzliche Figuren werden von Nelly Haller überzeugend verkörpert: eine herrlich polarisierende, hysterische Mrs. Bennet und ein zunächst arroganter Fitzwilliam Darcy. Während Haller Darcys Entwicklung subtil hinter einem bewusst starren Minenspiel versteckt, zeichnet sie ihre Mrs. Bennet laut und vorsätzlich unangenehm schrill.
Elisabeth ist die facettenreichste Figur mit der größten Entwicklung. Auch steht sie mit nahezu allen Figuren in Beziehung, die es fein auszugestalten gilt. Leonie Hackländer zeigt Elisabeth mit überzeichnetem Stolz und zugleich großer Verletzlichkeit. Im Umgang mit Darcy überspielt sie ihre Gefühle zunächst mit Unverschämtheiten, bis sie nach ihrer Läuterung sichtbar gelöst wirkt. Hackländer gestaltet all diese Facetten überzeugend und zeigt gesanglich, dass sie weit mehr als nur „ein bisschen singen kann“ („Lady in Red“).
Mit dieser gelungenen Inszenierung der urkomischen musikalischen Komödie „Stolz und Vorurteil* (*oder so)“ gelingt dem TiC-Theater Wuppertal erneut ein echter Coup mit hohem Unterhaltungswert. Absolut sehenswert!
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Adaption | Isobel McArthur |
| Deutsche Fassung | Silke Pfeiffer |
| Inszenierung | Ralf Budde |
| Musikalische Leitung, Arrangements, Musikproduktion | Stefan Hüfner |
| Bühnenbild | Stefan Böhmer Frank Fischer |
| Kostümbild | Noëlle Magali-Wörheide |
| Maske | Michaela Döpper |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Anne, Mary Bennet, Lydia Bennet, Mr. Collins, Mrs. Gardiner | Kim Brinkhoff Anna Färber |
| Tillie, Charlotte Lucas, Charles Bingley, Miss Bingley | Tanisha Meis Aurélie Wolf |
| Clara, Jane Bennet, George Wickham, Lady de Bourgh | Anja Bielefeld Kerstin Trant |
| Flo, Mrs. Bennet, Fitzwilliam Darcy | Franziska Erbe Nelly Haller |
| Effie, Elisabeth | Lara Erlach Leonie Hackländer |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| TERMINE (HISTORY) | |||||||||
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| Fr, 24.04.2026 20:00 | TiC-Theater Atelier Unterkirchen, Wuppertal | Premiere |
| Sa, 25.04.2026 20:00 | TiC-Theater Atelier Unterkirchen, Wuppertal | |
| So, 26.04.2026 19:00 | TiC-Theater Atelier Unterkirchen, Wuppertal |
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