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Mit „Next to Normal“ bringen Florian Hinxlage und das Teo-Otto-Theater in Remscheid zum „Mental Awareness Day“ am 10. Oktober ein preisgekröntes Meisterwerk seines Genres auf die Bühne. Die Produktion setzt sich deutlich für die Enttabuisierung psychischer Erkrankungen ein und zeigt mit großer Selbstverständlichkeit deren gesellschaftliche Relevanz auf.
Diana lebt seit 16 Jahren mit der Diagnose einer bipolaren Störung. Ihre Erkrankung treibt auch Dianas Ehemann Dan und die gemeinsame Tochter Natalie an ihre Grenzen und darüber hinaus. Die Geschichte zeigt auf, wie verdrängte Themen und Gefühle im Verborgenen weiterwirken und ein „normales“ Leben vereiteln können. Dabei geht es nicht um Schuldzuweisungen. Die Story zeigt auf, dass die Grenzen zwischen mentaler Gesundheit und Krankheit fließend sind. Die perspektivische Erzählweise von „Next to Normal“ fördert Toleranz, Mitgefühl und vielleicht sogar Verbundenheit. Unweigerlich sieht sich das Publikum mit Fragen konfrontiert, auf die es keine einfachen Antworten gibt.
Die Inszenierung von Iris Limbarth bleibt behutsam im Umgang mit sensiblen Themen, verschweigt jedoch nichts. Limbarth konzentriert sich auf die Innenschau der Figuren und zeigt auf, wie diese miteinander verstrickt sind. Das gesamte Ensemble füllt die vielschichtig gezeichneten Charaktere mit Hingabe und Leidenschaft aus:
Femke Soetenga versteht sich meisterhaft auf die Darstellung großer Gefühle und hält durchgehend die Sympathie des Publikums für ihre Figur aufrecht, indem sie Dianas Emotionen authentisch und nachvollziehbar zum Ausdruck bringt. Ihre Mimik und Körpersprache sprechen Bände über das, was kaum in Worte zu fassen ist. Auch gesanglich bedient Soetenga die Bandbreite der großen Emotionen und macht die Sehnsucht ihrer Figur nach Normalität damit umso greifbarer („Mir fehl´n die Berge“).
Florian Hinxlage gibt einen verzweifelten Ehemann und Familienvater, der sich seinem eigenen Schmerz nie wirklich gestellt hat. Für seine Frau vermeintlich stark zu sein, scheint einfacher, als sich den eigenen schweren Gefühlen zu stellen. Hinxlage vermittelt authentisch in Spiel und Gesang die innere Zerrissenheit seiner Figur („Wohin soll das führen?“).
Svea Harder bewegt als Natalie, die im Schatten ihres verstorbenen Bruders aufgewachsen ist und sich wenig willkommen in der Welt fühlt. Die Tragik ihrer Figur zeigt Harder besonders im Duett mit Soetenga, als Natalie ihre Mutter zum Arzt bringt und die Tochter die Starke in der Familie geben muss („Fast Normal“).
Henry (Niklas Schinke) gibt sein Bestes, das Herz der jungen Frau zu erobern. Schinke verleiht Henry eine große Verletzlichkeit im Ringen um seine Gefühle für Natalie, was er vor allem in seinen Gesangspassagen ausdrückt („Richtig für dich“). Gemeinsam zeigen Harder und Schinke als verliebtes Pärchen immer wieder Parallelen zur Geschichte der Eltern Natalies auf.
Hannes Staffler gibt den Figuren der beiden Psychiater mit verschiedenen Behandlungsansätzen ganz eigene Profile. Mit sichtlicher Spielfreude verkörpert er sowohl Dr. Fine, der vor allem auf eine medikamentöse Behandlung setzt, als auch den „Rockstar“ Dr. Madden. Mit warmer Stimmfarbe hier und rockiger Note dort zeigt Staffler seine verschiedenen Facetten als Sänger.
Die Rolle des Gabe fordert schauspielerisch eine große Bandbreite und scheint Raphael Binde wie auf den Leib geschrieben: Mit enormer Spielfreude und Leichtigkeit zeugt Bindes Spiel von jugendlichem Übermut. Mal verletzlich, mal mit ausgeprägten Showman-Qualitäten beherrscht Binde das Geschehen („Ich lebe“). Das Lichtdesign von Maik Lichtmann verleiht Gabes Auftritt durch das Spiel mit Licht und Schatten etwas Sphärisches.
Christoph Spengler leitet die sechsköpfige Band durch den stilistisch vielseitigen Score. Die Band treibt die musikalische Erzählebene der Story mit Präzision voran und verbindet zarte Leitmotive, Balladen und rockige Klänge bewusst zu einem oft unruhigen Klangbild, das vor allem das Innenleben Dianas widerspiegelt. Schlägt die Partitur sanftere Töne an, werden diese schon kurz darauf wieder von aufgewühlten Klängen abgelöst.
Das Bühnenbild von Jens Janke erinnert mit der Silhouette des Hauses der Familie Goodman an die Kulisse, die bei der Broadway-Inszenierung genutzt wurde. Der im Hintergrund liegende gekippte Umriss des Hauses deutet auf eine Schieflage innerhalb des Familienlebens hin. Mehrere Ebenen werden oft zeitgleich bespielt. Dies ermöglicht eine parallele Szenenführung, etwa bei den Begegnungen zwischen Diana und Dan im Inneren des Hauses und zwischen Natalie und Henry außerhalb. Der Bühnenraum verleiht der familiären Dynamik einen zusätzlichen visuellen Ausdruck: Requisiten werden nach und nach eingeführt und immer wieder im offen gestalteten Haus verstaut, verschwinden jedoch nie vollständig aus dem Blickfeld.
Lara Regula setzt auf Kostüme, die einer zeitgemäßen Alltagskleidung entsprechen und die verschiedenen Generationen voneinander unterscheiden: Die erwachsenen Figuren wirken schlicht und funktional gekleidet, um nicht zu sagen angepasst. Im Gegensatz dazu steht der Emo-Look von Natalie und Henry sowie der Auftritt Gabes in stets hellen Farben, die an die Reinheit eines kleinen Kindes erinnern.
„Next to Normal“ ist modernes, gesellschaftsrelevantes Musiktheater, das hier auf hohem Niveau umgesetzt wird. Die Regie ist sensibel im Umgang mit brisanten Themen, aber vielleicht etwas zurückhaltend mit eigenen Ideen.
Musik von Tom Kitt
Buch und Gesangstexte von Brian Yorkey
Deutsch von Titus Hoffmann
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Inszenierung | Iris Limbarth |
| Musikalische Leitung | Christoph Spengler |
| Bühnenbild | Jens Janke |
| Kostüme, Maske | Lara Regula |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Diana Goodman | Femke Soetenga |
| Dan Goodman | Florian Hinxlage |
| Natalie Goodman | Svea Harder |
| Gabe Goodman | Raphael Binde |
| Henry | Niklas Schinke |
| Dr. Madden / Dr. Fine | Hannes Staffler |
| Band | Christoph Spengler Anke Pan (Jannick Müller) Patrick Sühl Matthias Plewka Christian Niehues Alwin Moser Lars Franke |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| Fr, 20.11.2026 20:00 | Stadttheater, Lippstadt | verlegt auf 2.4.2027 |
| Sa, 16.01.2027 19:30 | Theater, Itzehoe | |
| Fr, 02.04.2027 20:00 | Stadttheater, Lippstadt |
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| SPIELORTE | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 09.10.2026 - 10.10.2026 | Teo Otto Theater, Remscheid | 2 x |
| 20.11.2026 | Stadttheater, Lippstadt | 1 x |
| 16.01.2027 | Theater, Itzehoe | 1 x |
| 02.04.2027 | Stadttheater, Lippstadt | 1 x |
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