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Sechs Dekaden Show-, Mode-, TV- und Musikgeschichte: Cher ist ein Phänomen. Das der „Göttin des Pop“ geweihte Musical stellt ihre Ausnahmekarriere in den Fokus. Mit Kostümen von Bob Mackie, dynamischen Choreographien und einem großartig agierenden Ensemble besticht die Inszenierung visuell wie musikalisch. Dabei gelingt ein Spagat zwischen Konzertfeeling und subtil gezeichneter Biographie, der kurzweilige Unterhaltung und gute Laune verspricht.
Das Musical mit Rick Elices Buch wurde von Cher höchstselbst beaufsichtigt und bereits in den USA und im Vereinigten Königreich erfolgreich aufgeführt. Der Clou des Buchs: Die Rolle der Pop-Ikone ist in drei Alter Egos aufgeteilt, die miteinander interagieren und in Symbiose durch die Story führen: Baby, Lady und Star heißen sie und bilden unterschiedliche Lebensphasen und Geisteshaltungen von Cher ab. Während Baby vor allem die Anfänge als Sängerin und den Aufstieg des Duos Sonny und Cher reflektiert, zeigt Lady die Höhen und Tiefen der Ehe mit Sonny und den steinigen Weg in die Solo-Karriere. Star präsentiert als profilierte Showmasterin mit zahlreichen Erfolgen die Rahmenhandlung und hält ihre beiden anderen Inkarnationen bei Laune, aber durchlebt auch die weniger glamourösen Seiten ihrer Karriere.
Das Buch und die darauf fußende Inszenierung von Christopher Tölle sind recht leichtfüßig und heiter gehalten und touchieren das dramatische Potenzial von Chers Leben nur subtil – die auf Meta-Ebene interagierenden Chers, die sich gegenseitig stützen, foppen, beratschlagen, alte Verhaltensmuster besiegen und Diskrepanzen aus dem Weg räumen, machen die Story dennoch unterhaltsam und zuweilen psychologisch interessant. Die Männer in Chers Leben werden schlaglichtartig beleuchtet: Von der Vaterfigur über den ersten Musikchef über ihre Mentoren in Mode und Schauspiel und zwei ihrer kürzeren Liebschaften bis zu ihrer großen, am Ende platonischen Liebe Sonny spielen im Buch alle eher garnierende Rollen – trotzdem gelingt es, jeder Figur ein eigenes Grundprofil zu verleihen und den individuellen Einfluss auf Chers Leben nachvollziehbar zu gestalten. Am Ende wird das Publikum mit einem bombastischen Konzert-Megamix aus der vergleichsweise undramatisch gezeichneten Story entlassen: Große Skandale um Cher, ihre Affären und die Misshandlung durch ihre Männer werden im Dunklen gelassen.
Katharina Carl und Dominik Hafner liefern eine authentische, deutschsprachige Dialogversion, die erahnen lässt, wie eine Cher sich wohl hierzulande artikulieren würde. Die auf Englisch belassenen Songs werden zum Teil performativ im Konzertkontext der Pop-Diva, zum Teil im Narrativ ihres Lebens verwurzelt dargeboten. Interessant sind die eingängigen und zum Teil überraschend balladenhaften Arrangements der bekannten Lieder, die gewinnbringend genutzt werden, um die Emotionalität der Hauptfiguren greifbar zu machen. So werden nicht nur „Believe“ und „Strong Enough“ vom Upbeat-Pop zu ergreifenden, dreistimmigen Hymnen. Letzteres ist auch dank der astreinen, stimmgewaltigen Harmonien aller drei Chers der musikalische Höhepunkt des Stücks. Die hervorragend agierenden Band unter Patrik Pietschmann und Alex Melnik sowie das wuchtige Sounddesign sorgen für ordentlich Bass und Druck, was vielen Songs – allen voran „Bang Bang“ – sehr gut zu Gesicht steht, ohne die Vocals akustisch zu überdecken.
Das Tour-Bühnenbild und Lichtdesign von Andrew Exeter wirkt wertig und hell: Während die bisherigen Produktionen vor allem einen gewissen Las-Vegas-Revue-Charme versprühten, ist hier alles aufs Thema ‚Popkonzert‘ hin ausgerichtet: „Cher“-Schriftzüge dominieren die Bühne, die im unteren Bereich mit LED-Wänden ausgestattet ist und im oberen Stockwerk sowohl die Band beherbergt als auch eine balkonartige Plattform bereithält, von der aus die Chers ihr Leben beobachten und kommentieren können. Die LED-Flächen helfen bei der Erzählung, indem sie Settings wie Las Vegas oder ein Tonstudio abbilden, Jahreszahlen der Handlung anzeigen, als Live-Bildschirm für gemimte Studio-Kameraaufnahmen fungieren, Lyrics abbilden oder dramatisches Backlight in Rot oder gleißendem Weiß erzeugen. Viele Strobo-Effekte prägen das weitere Lichtdesign; es wird mit Gegenlicht und Spotlight-Flackern gearbeitet und es entstehen volumetrische Lichteffekte durch zusätzlichen Bühnennebel. Mit Decken-Spotlights, die für Beam-Effekte und Lichtfächer zum Einsatz kommen, entstehen sowohl große Konzertmomente als auch dramatische Story-Episoden. Chers einzigartige Kostüme sind für die Originalproduktion von Bob Mackie designt worden, der auch als sehr unterhaltsame Figur im Musical vorkommt. Durch Mackie und Heike Seidler entstehen für die Tourinszenierung ebenfalls herausragende Kostüme zwischen classy, camp und frivol, die natürlich vor allem bei den drei Chers die größten Hingucker generieren. Biographisch und modisch sind sie immer auf den Punkt. Das Ensemble wird in zum jeweiligen Show-Setting passende Einheitsgarderobe gewandet, die Cher und ihre Weggefährten optisch im Zentrum belässt.
Christopher Tölles und Nigel Watsons Choreographien suchen ihresgleichen: Das Ensemble ist nahezu durchgängig – ganz im Konzertmodus – am Tanzen und beeindruckt von Anfang bis Ende der Show: Zwischen Contemporary, Revue und Pop-Moves bewegt sich die ganze Truppe und schlüpft zudem immer wieder in andere Nebenrollen. Ein besonderes Tanz-Highlight ist die Sequenz zu „Dark Lady“, wo eine vierte Cher – hervorragend von Jessica Falceri bzw. Gaia Cometto dargeboten – verführerisch zwischen Sonny und Gregg Allman sowie mit dem männlichen Ensemble tänzerisch wie akrobatisch agiert.
Simon Rusch interpretiert gleich zwei von Chers Partnern: Den Country-Rocker Greg Allman und den aufstrebenden Schauspiel-Schönling Rob Camiletti, die er so grundverschieden anlegt, dass man Rusch in den jeweiligen Rollen kaum wieder erkennt. Stimmstark singt er seine Duette mit Cher „Just Like Jesse James“ und „I Found Someone“. Maximilian Vogel gibt den flamboyanten Designer Bob Mackie mit unterhaltsamer Attitüde, tollen Tanzeinlagen und großartiger Schauspiel-Artikulation – seine Shownummer „Ain’t Nobody’s Business If You Do“ ist ein Stimmungs-Höhepunkt der Inszenierung. Chers fast schon legendäre Mutter Georgia Holt wird süffisant von Hanna Kastner gegeben und kann einige Lacher abräumen, fungiert aber auch als Dreh- und Angelpunkt für die drei Chers und ihre psychologische Entwicklung: Die Aussöhnung mit ihrem inneren Kind und die Erfüllung der von ihrer Mutter geförderten Träume geschehen zusammen mit Kastners Georgia.
Jan Rogler verkörpert Sonny Bono so, wie man ihn von früher kennt: Der ulkige Showman mit heller Stimme, dem alle an den Lippen hängen. Doch auch Sonnys geschäftsmännische und zuweilen abgebrühte Seite spielt Rogler überzeugend aus. Trotz seiner Spannungen mit Cher mutiert er zu keinem Zeitpunkt zum Antagonisten, sondern stellt einen präsenten Weggefährten und eine Art zweite (oder vierte) Hauptfigur dar.
Während in den Ur-Produktionen großer Wert darauf gelegt wurde, dass alle Cher-Darstellerinnen die unverkennbare, tiefe und fast schon androgyne Stimme gut imitieren (z.B. Stephanie J. Block und Debbie Kurup), ist das bei der deutschsprachigen Tour kein Schwerpunkt. Pamina Lenn interpretiert Baby Cher jedoch mit großer Cher-Treue. Ihr gelingt es, den typischen Cher-Sound zu treffen, ohne gekünstelt zu klingen. Ihre junge, unsichere und unbedarfte Cher begeistert auch schauspielerisch und auch nachdem die frühen Episoden der Pop-Göttin zu Ende erzählt sind, kann die Darstellerin ihr Momentum halten: Die Oscar-Jagd zu „The Beat Goes On“ verbindet Lenns Talente mit makelloser Choreographie und kurzweiliger Monolog-Dynamik zu einem szenischen Höhepunkt. Die selbstsichere Lady Cher wird von Hannah Leser gespielt: Sexy, frech und Sonny immer überlegen – außer, wenn es ums Geschäftliche geht. Schauspielerisch brilliert Leser vor allem in der großen Streitszene, die zum Zerwürfnis mit Chers Bühnenpartner führt. In der Rolle der Star Cher können sowohl Clara Marie Hendel als auch Natscha C. Hill überzeugen. In den zwei besuchten Shows sprangen die beiden für die erkrankte Sophie Berner ein. Während Hendels Version der Diva besonders in den tragischen Momenten einer zu zerbrechen drohenden Cher begeistert, bringt Hill die mit allen Wassern gewaschene Show-Virtuosin ausgesprochen pointiert auf die Bühne. Beide brillieren in Spiel, Ausstrahlung und Gesang und bilden gemeinsam mit Lenn und Leser eine stimmungsvolle, zuweilen anrührende Symbiose.
Für Fans von guter Popmusik und der vielleicht größten Musik-Ikone unserer Zeit ist dieses Musical ein Muss!
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| KREATIVTEAM | |||||||||
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| Buch | Rick Elice |
| Regie | Christoper Tölle |
| Kostüme | Heike Seidler |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
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| Star Cher | Sophie Berner |
| Lady Cher | Hannah Leser |
| Babe Cher | Pamina Lenn |
| Sonny Bono | Jan Rogler |
| Georgia Holt | Hanna Kastner |
| Gregg Allman / Rob Camiletti u. a. | Simon Rusch |
| Bobbie Mackie u. a. | Maximilian Vogel |
| Ensemble | Shania Ochsner Clara Marie Hendel Gaia Cometto Sarah Julia Evertz Stefan Preuth Jelle Wijgergangs Louis Parkins Leo Wennerstrand Lukas Schwedeck |
| Swing | Perry Beenen Alice Veronese Jessica Falceri |
| Principal Swing | Natascha C. Hill |
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| GALERIE | |||||||||
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