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Hollywood ist eine Welt des schönen Scheins. Am Staatstheater Karlsruhe wird diese Illusion zum szenischen Prinzip: Projektionen und optische Täuschungen verbergen ihre Künstlichkeit nicht. Selbst Norma Desmonds Limousine entpuppt sich als Pappaufsteller. Hier ist nichts real – am wenigsten Normas morbide Traumwelt, an der sie verzweifelt festhält. Vasiliki Roussi lotet die Zerrissenheit der einstigen Filmdiva zwischen manischer Pose und zarter Verletzlichkeit eindrucksvoll aus. Eine Darstellung, für die sich die Anreise lohnt.
Doch die besuchte Vorstellung startet erst einmal verhalten. Alle Beteiligten, besonders die Mitarbeiter am Ton, scheinen an diesem Abend erst noch ankommen zu müssen. Das spielt sich zwar ein, erschwert jedoch den Einstieg ins Stück. Wer mit der Handlung nicht vertraut ist, steht auf verlorenem Posten. Viele Informationen im Text gehen in einem flachen Klangbrei unter.

Optisch gelingt der Auftakt mit der Projektion des im Pool versinkenden Joe recht gut. Das Bühnenbild von Stefan Rieckhoff und das Lichtdesign von Stefan Woinke bilden die Säulen, auf denen Tobias Ribitzkis Inszenierung ruht. Sie spielen mit Licht und Schatten und kreieren „Träume aus Licht“. Auf klassische Kulissen wird ebenso verzichtet wie auf einen allzu ausgiebigen Einsatz von Möbeln und Requisiten. Projektionen auf Vorhänge und unterschiedliche Lichtstimmungen deuten die jeweiligen Schauplätze an. In Normas versponnener Villa entstehen so atmosphärische, plastische Bilder, während in der „Realität“ eindimensional ausgeleuchtete Vorhänge genügen müssen. Der Kontrast ist reizvoll, doch die ansonsten leere, mit Stoffbahnen abgehängte Bühne wirkt in den realen Szenen arg nüchtern und provisorisch. Faszinierend: das Fliesenboden-Quadrat in Normas Villa, das auf einem beweglichen schwarzen Podest und durch geschickte Ausleuchtung so wirkt, als hinge es schwerelos in der Luft.
Vielleicht nicht direkt Schwerelosigkeit, aber etwas mehr Natürlichkeit hätte den Darstellerinnen und Darstellern der vielen kleinen Rollen gutgetan. Die Mitglieder des Opernchors haben offensichtlich Spaß dabei, agieren aber ziemlich ungelenk. So wirkt Ribitzkis Personenführung steifer als sie müsste. In den wenigen Stellen, in denen die Choristen wirklich als Chor eingesetzt werden, klingen sie aber fantastisch.
Die auf der Bühne fehlende Beweglichkeit kommt dagegen aus dem Orchestergraben. Andreas Kowalewitz lässt die Badische Staatskapelle lässig swingen, sinfonisch schmelzen und unheilvoll drängen. Die Feinheiten der Instrumentierung können durchschimmern, auch wenn es die Tonabmischung sehr schwer macht. Im ersten Akt wird das Orchester seines Bass-Fundaments beraubt, im zweiten Akt klingt es um einiges besser, richtig gut allerdings nie.

Joe Gillis ist zwar die größere Rolle, „Sunset Boulevard“ steht und fällt jedoch mit Norma Desmond. Vasiliki Roussi steigert sich nach einem darstellerisch und stimmlich verhaltenen Start zu einer differenzierten, packenden Charakterstudie. Der überhöhte Pathos, der zu dieser Rolle gehört, klingt nicht hohl, sondern ist emotional grundiert; der eingestreute trockene Humor bricht die Figur angenehm auf und macht sie menschlicher. Außerdem beherrscht Roussi die hohe Kunst, bei „Als hätten wir uns nie Goodbye gesagt“ einfach nur singend auf der Bühne zu sitzen und den Saal mit ihrer Präsenz auszufüllen.
Auch die zweite Frau im Quartett der zentralen Figuren kann überzeugen. Die Rolle der Betty Schaefer bietet nicht die Ausdrucksmöglichkeiten einer Norma Desmond. Sie ist die realste und vernünftigste Figur im Stück und droht gegen die schillernden Charaktere etwas ins Hintertreffen zu geraten. Sara de Franco spielt sie natürlich und ihr Opernsopran, den sie für die hohen Töne nutzt, klingt entsprechend leicht.
Mit seinem profunden klassischen Bariton setzt Ben Connor als Max von Mayerling stimmlich einen Akzent. Doch die eingefrorene Mimik und die betont langsamen Bewegungen lassen die emotionale Seite der Figur kaum zur Geltung kommen.
Das Sich-in-die-Rolle-Werfen von Vasiliki Roussi fehlt leider Filippo Strocchi als Joe Gillis. Er lotet die Möglichkeiten seiner Rolle nicht aus. Trotz seines mitreißenden „Sunset Boulevard“-Solos und eines glaubhaft dramatischen Ausbruchs am Ende bleibt er konturlos.
Die Karlsruher Produktion kann trotz einiger starker Momente nicht vollends überzeugen. Aber Vasiliki Roussi ist den Besuch allemal wert.

Buch und Gesangstexte von Don Black und Christopher Hampton
Nach dem Film von Billy Wilder
Deutsch von Michael Kunze
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| KREATIVTEAM | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Musikalische Leitung | Andreas Kowalewitz Ulrich Wagner Katharina Morin |
| Regie | Tobias Ribitzki |
| Bühne & Kostüme | Stefan Rieckhoff |
| Licht | Stefan Woinke |
| Chor | Ulrich Wagner |
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| CAST (AKTUELL) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Norma Desmond | Vasiliki Roussi |
| Joe Gillis | Filippo Strocchi |
| Betty Schaefer | lrina Simmes Sara De Franco |
| Max von Mayerling | Ben Connor |
| Cecil B. DeMille | Luiz Molz |
| Artie Green | Dylan Glenn |
| Sheldrake | Harrie van der Plas André Post |
| Manfred / 1. Schuldeneintreiber | Shichao Cheng Wei Liu |
| Mary / 1. Kosmetikerin | Maike Etzold Helena Wegner |
| Joanna / 3. Kosmetikerin | Uta Hoffmann Oleksandra Khomenko |
| Katherine / Larissa / Sandy / Analytikerin | Cornelia Gutsche Elena Korenzwit |
| Lisa / Danielle / 2. Kosmetikerin | Nicole Hans Camelia Tarlea |
| Anita / Down / Frau 1 / Ärztin | Gilda Cepreaga Ursula Hamm-Keller |
| John / 1. Masseuse | He Mi Kwoun Unzu Lee-Park |
| 1. Girl / Kellnerin / Heather / 2. Masseuse | Ulrike Gruber Ilka Kern |
| 2. Girl / Jane / Jean / Astrologin | Evelyn Hauck Pia Waterman |
| 3. Girl / Frau 2 | Kerstin Gorny Sang Hee-Kim |
| Sammy / 4. Verkäufer | Edgars Skarbulis Sean Webster |
| Myron / 6. Verkäufer / Hogeye | Arno Deparade César del Río Fuentes |
| Jones / 1. Verkäufer | Andreas von Rüden Peter Herrmann Jong-Won Lee |
| Morino / Glenn / Mann 2 | Alexander Huck Andrey Netzner |
| Wunderkind / Down / Adam / Schauspieler / Mann 1 / Der junge Pförtner / 5. Verkäufer | Manuel Oswald Alexander Papandrea |
| Cliff / John / Barmann / 7. Verkäufer / Mann 3 | Jin-Soo Kim Samuel Kim |
| 2. Schuldeneintreiber / Sandy / 2. Verkäufer | Dimitrijus Polesciukas Lukasz Ziolkiewicz |
| 3. Verkäufer / Mann 4 | Kwang-Hee Choi Jounggil Kim |
| Chor | Badischer Staatsopernchor |
| Orchester | Badische Staatskapelle |
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| GALERIE | |||||||||
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| TERMINE | |||||||||
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| So, 08.11.2026 19:00 | Badisches Staatstheater, Karlsruhe | ||||||||
| So, 22.11.2026 18:30 | Badisches Staatstheater, Karlsruhe | ||||||||
| Do, 03.12.2026 19:30 | Badisches Staatstheater, Karlsruhe | ||||||||
| Mi, 16.12.2026 19:30 | Badisches Staatstheater, Karlsruhe | ||||||||
| Do, 31.12.2026 15:00 | Badisches Staatstheater, Karlsruhe | ||||||||
| Do, 31.12.2026 19:30 | Badisches Staatstheater, Karlsruhe | ||||||||
| Sa, 23.01.2027 16:00 | Badisches Staatstheater, Karlsruhe | ||||||||
| Sa, 17.04.2027 19:00 | Badisches Staatstheater, Karlsruhe | ||||||||
| Do, 06.05.2027 18:30 | Badisches Staatstheater, Karlsruhe | ||||||||
| Fr, 21.05.2027 19:30 | Badisches Staatstheater, Karlsruhe | ||||||||
| ▼ 4 weitere Termine einblenden (bis 04.07.2027) ▼ | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Mi, 26.05.2027 19:30 | Badisches Staatstheater, Karlsruhe | ||||||||
| Di, 15.06.2027 19:30 | Badisches Staatstheater, Karlsruhe | ||||||||
| Sa, 26.06.2027 19:00 | Badisches Staatstheater, Karlsruhe | ||||||||
| So, 04.07.2027 18:30 | Badisches Staatstheater, Karlsruhe | ||||||||
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| SPIELORTE | |||||||||
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| 04.10.2026 - 04.07.2027 | Badisches Staatstheater, Karlsruhe | 17 x |
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