Musical-Amateur-Projekt Osnabrück (map) © Fenna Truschinsky & Simon Grotemeier
Musical-Amateur-Projekt Osnabrück (map) © Fenna Truschinsky & Simon Grotemeier

NEUE REZENSION
Come From Away - Die von woanders (seit 09/2026)
Haus der Jugend, Osnabrück

Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neSpielorte
 

Das Musical-Amateur-Projekt Osnabrück (MAP), hat sich als diesjähriges Projekt für die erste deutschsprachige Vereinsproduktion des preisgekrönten Musicals „Come from away – Die von woanders“ entschieden. Die Inszenierung besticht nicht nur durch den Zusammenhalt, den das Ensemble mit großer Herzlichkeit ausstrahlt. In sämtlichen Abteilungen wird sehr professionell gearbeitet und vor allem musikalisch überzeugen die Mitglieder des Vereins.

Das Musical von Irene Sankoff und David Hein beruht auf wahren Begebenheiten, die sich infolge der Anschläge vom 11. September 2001 ereignet haben: Nachdem der US-amerikanische Luftraum auf unbestimmte Zeit gesperrt wurde, wurden 38 Flugzeuge auf den Flughafen von Gander in Neufundland, Kanada umgeleitet. Ungewiss, ob von den Passagieren eine Gefahr ausgehen könnte, brachten die Einwohner Ganders ihnen dennoch mit großer Selbstverständlichkeit eine herzerwärmende Gastfreundschaft entgegen, die auch heute noch besonders berührend wirkt: Krisen lassen zwar immer betrauern, was verloren gegangen ist, legen aber gleichzeitig frei, was es neu zu entdecken und zu feiern gilt.

Das wuselige Treiben auf der Bühne, das von der Aufregung, den Unsicherheiten und Ängsten sowie der Überforderung der Figuren erzählt, verlangt eine präzise Regie von Anna-Lena Handt sowie eine besondere Klarheit in der Figurenzeichnung und dem Auftreten des Ensembles als eine Einheit. Buchbedingt haben immer wieder einzelne Charaktere starke Solo-Momente wie die Pilotin Beverly (gespielt von Paula R.), wenn sie über ihren wahrgewordenen Traum vom Fliegen singt („Der Himmel geht auf“). Jedoch tritt der Einzelne vor allem als Teil des großen Ganzen auf und vermittelt somit, dass Menschlichkeit gerade dann gelingt, wenn sich niemand allzu wichtig nimmt und seinen Platz in der Gemeinschaft anerkennt. Das Ensemble wird diesem Leitgedanken der Story mehr als gerecht.

Momente der Ausgrenzung des Reisenden Ali (gespielt von Justin J.) machen das Publikum sehr betroffen. Es gelingt, Verständnis und Mitgefühl für beide Seiten – die Demütigungen Alis und die Unsicherheit und Angst der Mitreisenden – nachzuempfinden. Spätestens die eigene Beschämung über das Verständnis für die dargestellten Vorurteile macht die entsprechenden Szenen zu einem starken Plädoyer für Menschlichkeit und Toleranz. Wenn Hannah (Alina P.) im Weiteren verzweifelt auf Nachricht von ihrem Sohn, einem Feuerwehrmann aus New York, hofft, gelingen dramatische Momente. Die Mitglieder des Musical-Amateur-Projekts schaffen hier weitaus mehr als nur gut zu unterhalten. Hier gelingt Theaterkunst auf einem hohen künstlerischen Niveau, das immer wieder vergessen lässt, dass hier keine offiziellen Profis am Werke sind.

Ineinander verschachtelte Türen, die sich „denen von woanders“ öffnen, beherrschen  das Bühnenbild. Hinter jenen Türen und Fenstern tun sich immer wieder neue Ebenen auf, wie beispielsweise der Passagier- und Frachtraum eines Flugzeuges. Die Einheimischen Ganders bitten durch jene Türen die Fremden zu sich herein. Warme Farben setzen Akzente in der Kulisse, die die herzliche Atmosphäre unterstreichen. Die Einwohner Ganders sind ebenfalls in warmen Farben gekleidet. Als sie den gestrandeten Passagieren Wechselkleidung anbieten, verwischt zunehmend die eingangs optische Abgrenzung zwischen Fremden und Einheimischen.

Die weitere Ausstattung von Stella Ruhe ist auf ein Minimum beschränkt: Mittlerweile aus der Zeit gefallene Nokia-Handys, einige Stühle und zwei Tische sind die wichtigsten Requisiten. Schnelle Ortswechsel werden durch rasches Möbelrücken vollzogen. So chaotisch und hektisch das Treiben auf der Bühne zeitweise wirkt, ist doch schnell eine Ordnung wiederhergestellt, in der die „Insulaner“ mit Ruhe auf die nervösen „Flugzeugmenschen“ – wie es auf der Besetzungsliste heißt – zugehen. 

Die Choreographien von Mareike Dieluweit wirken wie sämtliche anderen dramaturgischen Gestaltungselemente herrlich lebensbejahend. Auch hier vermischen sich nach anfänglicher Zurückhaltung immer mehr die Figuren der einheimischen Charaktere mit denen, die ungewollt in Gander gelandet sind. Dass hier Menschen aus aller Welt zusammenkommen und oft niemand anderes ihre Sprache spricht, gestaltet sich im sprachlichen Dialog schwierig. Körpersprache wird zum besonderen Medium, das auch in der Krisensituation eine Verständigung und sogar ein ausgelassenes Miteinander möglich macht, soweit es die kleine Bühne im Haus der Jugend in Osnabrück erlaubt. So tanzen beim inszenierten Grillfest schließlich alle gemeinsam zu den Folklore-Klängen, die die achtköpfige Band unter der Leitung von Dennis Brause mit viel Leidenschaft präzise aufspielt.

Die Castliste versieht die Besetzung der einzelnen Rollen jeweils lediglich mit den Vornamen der entsprechenden Vereinsmitglieder. Dies verstärkt den Eindruck, dass hier vor allem die Gemeinschaft trägt – die des Vereins ebenso wie die der Einwohner Ganders im September 2001.

Mit seiner elften Produktion ist dem Verein ein richtiger Coup gelungen, der in der Landschaft der Musical-Vereinsproduktionen eigene Maßstäbe setzt. Voller Leidenschaft und Spielfreude überzeugen die Osnabrücker Amateure auch musikalisch auf ganzer Linie.

Buch / Musik / Text – Irene Sankoff, David Hein

 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neSpielorte
KREATIVTEAM
Gesamtleitung / InszenierungAnna-Lena Handt
Musikal. LeitungDennis Brause
ChoreografieMareike Dieluweit
AusstattungStella Ruhe
GesangscoachingFarina Ruhe
 
Kurz­bewertungRezen­sionKreativ­teamCastTer­mi­neSpielorte
CAST (AKTUELL)
Insulaner*innen
AnnetteKristin B.
Soona I.
BeulahAnnika S.
Elena H.
BonnieKatharina M.
Lenja S.
BrendaJana A.
Katja L.
ClaudeJan K.
Silas B.
CrystalCarolin B.
Cornelia S.
DougHenry S.
Lennart S.
GarthJesse T.
Olaf C.
JaniceJuna S.
Lisa T.
MarthaLaureen M.
Mona M.
MickyBritt S.
Theresa S.
OzFelix H.
Mehmet B.
TerryLaura K.
Maike W.
Flugzeugmenschen
AliJustin J.
Omar E.
BeverleyHannah T.
Paula R.
BobBenedikt G.
Hanno L.
DeloresLeonie K.
Wiebke B.
DianeAnna L.
Stella R.
ÉlodieMayra S.
Nicole R.
HannahAlina P.
Joana K.
JoeyAnna S.
Gesa N.
Kevin J.Alwin H.
Camp S.
Kevin T.Finn E.
Marius B.
LisaJette L.
Sophie D.
MuhumuzaJoshua K. n.n.
NickHannes N.
Niklas G.
SelinaJolina K.
Juna S.
  
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TERMINE
Do, 05.11.2026 19:30Haus der Jugend, Osnabrück
Fr, 06.11.2026 19:30Haus der Jugend, Osnabrück
Sa, 07.11.2026 14:30Haus der Jugend, Osnabrück
Sa, 07.11.2026 19:30Haus der Jugend, Osnabrück
So, 08.11.2026 17:00Haus der Jugend, Osnabrück
Fr, 12.02.2027 19:30Haus der Jugend, Osnabrück
Sa, 13.02.2027 14:30Haus der Jugend, Osnabrück
Sa, 13.02.2027 19:30Haus der Jugend, Osnabrück
So, 14.02.2027 17:00Haus der Jugend, Osnabrück
Do, 18.02.2027 19:30Haus der Jugend, Osnabrück
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SPIELORTE
19.09.2026 - 07.03.2027Haus der Jugend, Osnabrück24 x
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