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Koen Schoots: Meisterwerke brauchen keine Änderungen
(11.08.2012)
[Drei Fragen an ...] Koen Schoots ist musikalischer Leiter der Wiederaufnahme von "Elisabeth" im Raimund Theater in Wien und zudem Experte in Sachen Frank Wildhorn im deutschsprachigen Sektor. Zum Anlass der anstehenden "Elisabeth"-Premiere am 5. September spricht er ├╝ber die Erfolgsstory des Musicals und au├čerdem ├╝ber die Broadway-Flops der j├╝ngsten Wildhorn-Musicals.

Herr Schoots, Sie zeichnen verantwortlich f├╝r die musikalische Leitung bei der Wiederaufnahme von "Elisabeth" in Wien. "Elisabeth" ist das am h├Ąufigsten auf CD eingespielte deutschsprachige Musical. Gibt es bei der neuen Wiener Fassung ├änderungen gegen├╝ber vorangegangenen Produktionen?
Bei Elisabeth kann man mittlerweile von einem Meisterwerk der Musicalliteratur sprechen. Und Meisterwerke brauchen keine ├änderungen, wohl aber einen sorgf├Ąltigen Umgang mit dem Material. Niemand w├╝rde ernsthaft ├╝ber ├änderungen bei etwa West Side Story nachdenken. Und obwohl die Werke nicht unmittelbar vergleichbar sind, so ist auch "Elisabeth" ein Gesamtkunstwerk von Musik, Dramaturgie, Regie, Choreographie, B├╝hne und Licht. Ich lege gro├čen Wert darauf, dass die Musik so interpretiert wird wie sie geschrieben wurde: die Melodief├╝hrung, der musikalische Bogen eines Songs oder einer Szene und vor allem auch die Rhythmik. In den 20 Jahren seit der Urauff├╝hrung haben sich gewisse Traditionen etabliert. Manche davon machen Sinn und sind in die Partitur eingeflossen. Einige sind aber beliebig und nach meinem musikalischen Verst├Ąndnis unmotiviert. In enger Absprache mit Sylvester Levay und Harry Kupfer gehe ich mit dem Ensemble und den Solisten wieder frisch an die Sache heran, als h├Ątte niemand die Show je gespielt. Es ist gerade auch f├╝r die Veteranen ein tolles Erlebnis, die Show neu zu entdecken.
Die einzige ├änderung, wenn man so will, ist die Wiederherstellung des 1992-er Prologs, also mit den Solos├Ątzen von Sophie, Ludovika, Franz-Joseph, Max, Rudolf als Kind und Erwachsener.

Welche ist die f├╝r Sie pers├Ânlich gelungenste Einspielung des Musicals?
Ich habe nicht unbedingt eine Lieblingsaufnahme. Jede Aufnahme ist durch die Interpretation der Hauptrollen gepr├Ągt und jede Elisabeth, jeder Tod, jeder Lucheni und jeder Rudolf haben ihre Pers├Ânlichkeiten mit eingebracht. Wenn ich unbedingt eine Aufnahme w├Ąhlen m├╝sste, w├Ąre es das erste Cast-Album aus 1992 mit Pia, Uwe, Ethan und Andy. Gro├čartige K├╝nstler und S├Ąnger!

Sie sind als Spezialist f├╝r die Musicals von Frank Wildhorn bekannt und haben einige seiner St├╝cke musikalisch inszeniert. Was denken Sie ├╝ber die j├╝ngsten Broadway-Flops von Wildhorn? Ist die Kritik berechtigt, dass Wildhorns Stil ├╝berholt ist?
Ich habe noch nicht geh├Ârt, dass der Stil von Frank Wildhorn ├╝berholt sein soll. Gerade Frank l├Ąsst sich auch nicht auf einen Stil festlegen. Nat├╝rlich ist er bekannt f├╝r seine Powerballaden. Das mag man, oder eben auch nicht. Aber wenn man sein j├╝ngstes Werk "Bonnie & Clyde" anh├Ârt, so ist das ein Stil, den man von Frank bisher nicht kannte. Mir ist es ein absolutes R├Ątsel wie diese Show floppen konnte. Ich habe sie von der ersten Preview in San Diego bis zur zweiten Serie in Sarasota, Flora und dem Final Workshop in New York begleitet und war ├╝berzeugt davon, dass die Show ein Erfolg werden w├╝rde. Alles hat gepasst: das Buch, die Lyrics, die Musik, die selten so atmosph├Ąrisch dicht war, und die Umsetzung. Die Hauptdarsteller waren sensationell. Ich bin nach wie vor erstaunt und kann es mir nicht erkl├Ąren.
Obwohl ich pers├Ânlich die Musik von "Wonderland" sehr gerne mag - es gibt wirklich tolle Nummern - so war ich vom Floppen dieser Show weniger ├╝berrascht. "Alice in Wonderland" ist eine schwierige Geschichte, es sind ja eigentlich nur Einzelstationen und es ist nicht unbedingt geeignet f├╝r ein B├╝hnenst├╝ck. Die beste Version war eigentlich die erste "Out-Of-Town"-Produktion in Tampa. Da war es frisch und hatte Pep. Aber zu viele K├Âche haben den Brei dann verdorben - es haben zu viele Leute mitgeredet und es wurde herumgedoktert und "verschlimmbessert". Die Broadway Produktion hatte keine pers├Ânliche Handschrift mehr, sondern war das ├╝berfrachtete Ergebnis der (zu) vielen Zutaten.
Wer "Frank Wildhorn und Friends" in Wien geh├Ârt hat oder sich die CD besorgt hat, wei├č, dass Frank eine enorme Bandbreite hat. Vielleicht ist es deswegen so schwierig f├╝r die Kritiker, ihn einzuordnen. Der Mann kann zu viel. Und auch wenn man den Broadway gerne als Zentrum der Welt sieht, Frank ist ├Ąu├čerst erfolgreich in Europa und Asien. Das kommt auch nicht von alleine.... (jal)
Produktion: Elisabeth (Raimund Theater Wien)
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