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Aktuelles aus der musicalzentraleArchivGil Mehmert: Der Erfolg hat viele Komponenten
Gil Mehmert: Der Erfolg hat viele Komponenten
(06.06.2012)
[Drei Fragen an ...] Am Samstag feiert das Musical "Die Hexen von Eastwick" Deutschlandpremiere in Gelsenkirchen. Das Musical √ľber die drei Hexen, die sich auf einen Pakt mit dem Teufel einlassen, wird dort von Gil Mehmert in Szene gesetzt. Im Interview erl√§utert er kurz vor der Premiere den Unterschied zwischen Buch, Film und Musical und berichtet davon, dass Musical nicht zwingend als "Publikums-K√∂der" fungieren muss, sondern gerade die weniger bekannten Shows einen hohen Unterhaltungswert haben.

Ein Film auf der Musicalb√ľhne - kann funktionieren, muss aber nicht. Was macht das Musical rund um die "Hexen von Eastwick" aus? Worin unterscheidet es sich von der Filmvorlage?
Wichtig ist erstmal, dass der Film nicht das Original-Medium ist, sondern eben der Roman. Nat√ľrlich bedient sich das Musical auch einiger dramaturgischer Entscheidungen der filmischen Verdichtung, aber der Roman bleibt Ausgangspunkt. Jedes Medium erz√§hlt und wirkt anders und insofern hat eine Musical-B√ľhnenfassung wieder ihre eigenen Gesetze. Der Mehrwert einer Musical-Fassung ist sicherlich die weitere Konzentration der Geschichte auf Personage und Handlungsstr√§nge, die emotionale Ebene der Musik und die Wirkung von Choreographien. Aber die wichtigste Komponente ist das Theater an sich! Die Story wird live performt, in Echt-3-D. Das ist immer ein Wagnis, so "ungesch√ľtzt" anzutreten, aber es ist nunmal unser Beruf.
Eine eigentliche Aussage des Materials erscheint mir in der Musical-Fassung viel greifbarer, die Metaphern der Geschichte werden deutlicher. Denn man k√∂nnte die Begegnungen in diesem Plot auch ganz realistisch, ohne √ľberh√∂hte Magie erz√§hlen. Aber so wird klarer, dass Darryl als Sinnbild m√§nnlicher Urkr√§fte einen Kampf mit dem Weiblichen eingeht, welches in seiner Vielschichtigkeit durch gleich drei Frauen vertreten ist. Darryl selber, der "g√∂ttliche Teufelskerl", erf√§hrt schon im Film, sowohl dramaturgisch als auch in der charismatischen Besetzung mit Jack Nicholson, eine Aufwertung gegen√ľber dem Roman, die auf der B√ľhne durch seine Songs noch weiter ausgebaut wird. Andererseits wirkt die B√ľhnenfassung in ihrer Verknappung stellenweiser auch etwas naiver, was den M√§rchen (f√ľr Erwachsene) - Charakter verst√§rkt und zu einer dementsprechenden Ausstattungs√§sthetik einl√§dt.
Die Grund-Konflikte zwischen den Geschlechtern werden im Musical au√üerhalb der bekannten Protagonisten, aber auch noch in einer neuen Konstellation durchgespielt. Felicia Gabriel, die Gegenspielerin der teuflischen Sippe und Sinnbild von Moral und Ordnung, hat hier mit ihrem Mann die Tochter Jennifer, die nun ausgerechnet mit Michael, Sohn der Hexe Alexandra, eine zun√§chst h√∂chst romantische und unschuldige Beziehung f√ľhrt. Damit ist auch ein "richtiges" Liebespaar dabei, das aber ordentlich in den teuflischen Strudel hineingerissen wird, und hier folgt das B√ľhnenwerk wieder dem Roman: Der verlassene Teufel nimmt sich eine wesentlich J√ľngere, um die drei Hexen tief zu verletzen.

Als Regisseur kommen Sie in Deutschland viel herum und haben Einblick in viele verschiedene Häuser. Wo in Deutschland sind, Ihrer Meinung nach, derzeit die engagiertesten und innovativsten Musicalproduktionen zu sehen?
Der erste Teil der Frage ist erstmal eine sehr optimistische Unterstellung. Dieser Satz k√∂nnte auch so weitergehen: "Als Regisseur kommen sie in Deutschland viel rum, ... weil sie w√§hrend ihrer Proben dennoch zu Vorbereitungsgespr√§chen, Besetzungstreffen und Bauproben unterwegs sind - dann noch die Folkwang-Professur und Familie - haben sie da noch Einblick...?" Nat√ľrlich versuche ich viel mitzubekommen und √ľber den Tellerrand zu schauen, aber da gibt es gr√∂√üere Fachleute, die √ľber diese Szene einen viel besseren √úberblick haben. Mein Plus ist aber vielleicht, dass ich gleichzeitig die anderen Genres, eben Schauspiel, Oper und Film auch noch im Visier habe. Das befruchtet hoffentlich meine Arbeit. Grunds√§tzlich finde ich Entwicklungen wie in Hildesheim und Linz gro√üartig, wo allein durch die Gr√ľndung einer eigenen Sparte anderes, neues, ungew√∂hnliches Repertoire auf den Spielpl√§nen erscheint. Danach lechzen ja auch die Darsteller, die Geheimtipps ihrer CD-Sammlungen endlich auf der B√ľhne spielen zu k√∂nnen. Daneben fallen nat√ľrlich H√§user wie St. Gallen, Magdeburg, Salzburg oder das G√§rtnerplatztheater in M√ľnchen auf, die sich jeweils unter ihren aktuellen Intendanzen um das Genre verdient machen. Auch in gr√∂√üere, vermeintlich statischere, Betriebe kommt in letzter Zeit Bewegung, da macht die komische Oper in Berlin eine spektakul√§res "Kiss Me, Kate" oder Hannover eben "Lady in the Dark". Aber auch viele weitere Intendanten entdecken immer mehr die M√∂glichkeiten des Musicals, nicht nur als Publikums-K√∂der, sondern als ein Genre mit ungeheuren und l√§ngst nicht ausgesch√∂pften erz√§hlerischen M√∂glichkeiten zur zuk√ľnftigen Belebung des Theaters.

Sie haben sich an einige Produktionen herangewagt, die in Deutschland bisher weniger bekannt sind, wie z. B. die "Bloodbrothers" oder jetzt die "Hexen von Eastwick". Sehen Sie darin die Zukunft der deutschsprachigen Musicalszene? An welche St√ľcke aus dem Westend oder vom Broadway w√ľrden Sie sich gerne noch "heranwagen"?
Nat√ľrlich gibt es tolles Material aus dem anglo-amerikanischen Raum, aber entweder sind die Produktionen zu erfolgreich (dann kommen sie als Lizenz-Produktion her√ľber, also schon fertig inszeniert) oder sie sind so gut, weil sie ganz nahe an den jeweiligen Verh√§ltnissen entlang erz√§hlen: "Book of Mormon", "Catch Me, If You Can", etc. Die gro√üen Geschichten erz√§hlen eben etwas √ľber die Menschen und ihre Konflikte dort vor Ort. Und so kann doch die Zukunft unseres Musicals nur in unseren eigenen Geschichten liegen. Und da kommt in K√ľrze anscheinend auch einiges auf uns zu. Kann man ja auf musicalzentrale alles verfolgen: "Kein Pardon!", "Timm Thaler", "Alles auf Zucker".
Dennoch gibt es nat√ľrlich immer wieder Perlen, die man dann doch auf der anderen Seite des Teiches fischt. Auff√§lligerweise waren meine letzten drei Musical-Erstauff√ľhrungen dort keine gro√üen Hits, "High Fidelity", "Ein Mann geht durch die Wand" und jetzt "Die Hexen von Eastwick" waren nicht massenkompatibel genug, um das Touristen-Publikum einzufangen, umso interessanter aber manchmal f√ľr einen Regisseur, denn das hei√üt ja nicht, dass die St√ľcke schlecht sind, im Gegenteil. Der Erfolg hat eben viele Komponenten. Absurderweise konnten wir die beiden erstgenannnten Werke sogar als Erstauff√ľhrungen an die Folkwang-Uni holen. Unser Gl√ľck, aber schade, dass die Stadttheater nicht zubei√üen. Beides ist aber ohne viele G√§ste auch schwer zu realisieren.
Um die letzte Frage nun konkret zu beantworten: Bei "Once" dachte ich sofort, als ich den Film im Kino sah, dass man diesen noch ausbauen und mit den sch√∂nen Songs auf die B√ľhne bringen kann. Das haben andere nun auch gedacht. Aber vielleicht darf man hier ja auch mal dran denken, wenn es die Rechte gibt. (jal)
Produktion: Die Hexen von Eastwick (Musiktheater im Revier (MiR) Gelsenkirchen)
Drei Fragen an: Die muz-Kurzinterviews

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