Norden Westen Osten SŘden
Termine aus DeutschlandÍsterreichSchweizNiederlandeLondonTirolLinksSuchen nach JobsRedaktionDatenschutzImpressum
HintergrundFilm-Rezension von Markus Zeller
"Cats" auf der gro├čen Leinwand
 
Es ist ein bisschen so wie bei dem Spiderman-Musical "Turn Off the Dark", das von einer Who-is-Who-Crew aus dem Business veritabel und laut krachend an die Wand gefahren wurde. Auch für die Erschaffung der Leinwand-Adaption von Andrew Lloyd Webbers Klassiker hat sich eine Künstler- und Kreativenliste zusammengetan, die im Minimum das Versprechen eines tollen Musicalfilms in sich trug, insgeheim jedoch die Hoffnung auf ein Meisterwerk schürte. Dass am Ende all der ambitionierten und ernsthaften Bemühungen, die man dem Film durchaus ansieht, jedoch nur ein Ärgernis steht, ist Regisseur Tom Hooper anzulasten, der allem Anschein nach nicht verstanden hat, wie "Cats" funktioniert.
Film-Rezension von Markus Zeller

Das wird relativ schnell und beispielhaft in der Szene mit der Gumbie-Katze deutlich, die so plump und derma├čen geschmacklos geraten ist, dass sie tats├Ąchlich jeder Beschreibung spottet ÔÇô das muss man selbst gesehen haben, oder eben nicht. H├Ątten die Eltern der Darstellerkinder, die die dressierten M├Ąuse geben, geahnt, was aus dem gedrehten Rohmaterial in der finalen Fassung wird, h├Ątten sie ihren karriereorientierten Nachwuchs sicherlich schleunigst wieder vom Set abgezogen. Was auf der B├╝hne so charmant und erfrischend leicht in einem wilden Fluss r├╝berkommt, verkommt hier zu einer Peinlichkeit und zu einem einzigen verkrampften CGI-Murks: Die Kakerlaken sind ein auf Miniaturformat geschrumpftes Tanzensemble in digital vervielfachter Armadagr├Â├če, ohne dass sich Regie oder Kamera dazu entscheiden k├Ânnten, ob die Gesichter des Ensembles nun in Szene gesetzt werden sollen oder nicht. Das wirkt so erschreckend hilflos, dass die tumbe Personenregie f├╝r die bedauernswerte Rebel Wilson, die als Jennyfleckenreich die "dicke Tollpatschige" zu geben hat, gar nicht mehr negativ ins Gewicht f├Ąllt, weil an dieser Stelle schon ein trauriger Tiefpunkt erreicht worden ist.

Bild: Universal Pictures (Rebel Wilson als Jenny Fleckenreich)

Bild: Universal Pictures (Mitte: Taylor Swift als Bombalurina)

Erschreckend einfallslos und unoriginell pr├Ąsentieren sich auch die Tanznummern von Star-Choreograf Andy Blankenbuehler, der es nun wahrlich besser kann. Gef├╝hlt wartet man den ganzen Film ├╝ber auf die t├Ąnzerischen Highlights, die da sicher noch kommen w├╝rden, um dann auf einmal erschreckt festzustellen, dass man schon im letzten Drittel bei Skimble angekommen ist. Showacts wie die von Rum Tum Tugger oder Mungojerrie und Rumpleteazer sind da schon ereignis- und vor allem eindruckslos vor├╝bergezogen. Das Intro des Eisenbahn-Katers verspricht jedoch einiges: Mit Metallplatten beschlagene Tanzschuhe in Gro├čaufnahme, ein stampfender Rhythmus ÔÇô dem Stepp-Spektakel auf eisernen Eisenbahnschienen steht somit nichts mehr im Wege. Doch auch hierentwickelt sich keine mitrei├čende Tanzszene, sondern wieder einmal ein beliebiges Irgendetwas. Dass computer-animierte Bewegungen ein wesentliches Element der Choreografie sind, irritiert zwar, stellt aber nicht das Problem dar, da sich diese konsequent im Rahmen des k├╝nstlerischen Gesamtkonzepts bewegen. Entt├Ąuschend sind vielmehr deren konkrete Ausgestaltung und die tricktechnische Umsetzung. W├Ąhrend der 110 Minuten wird zwar getanzt bis die Datenspeicher gl├╝hen, auf eine besondere t├Ąnzerische Idee, wie sie Blankenbuehler in "Hamilton" nahezu min├╝tlich abgeliefert hat, wartet man hier jedoch vergebens.

Leider k├Ânnen es die allesamt hochkar├Ątigen Darsteller auch nicht richten: Ian McKellen (Gus, der Theater-Kater) wirkt uninspiriert, James Corden (Bustopher Jones) ist nicht lustig, Taylor Swift (Bombalurina) hat trotz "Moulin-Rouge"-Ged├Ąchtnis-Luftnummer die Strahlkraft einer Kellerfunzel und auch Idris Elba als Antagonist Macavity zeigt sich nur wenig eindr├╝cklich. Einzig Judi Dench scheint resistent genug, um solch eine missratene Unternehmung unbeschadet ├╝berstehen zu k├Ânnen, denn ihr Alt Deuteronimus verursacht zumindest kein nennenswertes St├Ârempfinden. Es gibt einige Szenen auf einem Schiff auf der Themse, auf dem Macavity seine Mitstreiter im Kampf um die Reise in den Sph├Ąrischen Raum unter der Aufsicht von Growltiger gefangenh├Ąlt. Dort offenbart sich in einigen h├Âchst albernen Momenten das ganze Dilemma dieser Produktion, die anscheinend zwischendurch auch immer wieder selbst den Glauben an sich verloren hat, denn anders l├Ąsst sich so viel desorientiertes und hilfloses Agieren von Darstellern mit so viel Potential nicht erkl├Ąren.

Bild: Universal Pictures (Judi Dench als Alt Deuteronimus)

Bild: Universal Pictures (Francesca Hayward als Victoria)

Dieser Nebenstrang um die Entf├╝hrung der Solistenkatzen ist das Ergebnis einer ├ťberarbeitung des Buches, die der revueartigen Show eine narrative Struktur angedeihen lassen soll. Das funktioniert im ├ťbrigen sogar recht ordentlich: Die Handlung spielt nicht mehr in der Neuzeit, sondern ist im Londoner Soho der Drei├čigerjahre angesiedelt. Die Geschichte um den Jellicle Ball wird nun um das Schicksal von Victoria erweitert, die, eingesperrt in einen verbundenen Sack, in einer trostlosen Ecke des Viertels ausgesetzt und sich selbst ├╝berlassen wird. Der Zuschauer lernt nun die sich vor ihr auftuende Katzenwelt aus ihrer Sicht kennen. Es soll nicht verschwiegen werden, dass der Film auch seine tollen Momente hat, die von Victoria geh├Âren sicherlich dazu. So etwa auch der von Andrew Lloyd Webber und Taylor Swift geschriebene neue Song "Beautiful Ghosts", eine wundersch├Âne dunkle Ballade voller Schwermut und Gef├╝hl. Francesca Hayward ist zudem eine Victoria aus dem Bilderbuch: zuckers├╝├č, elegant und mit einer geh├Ârigen Portion an schauspielerischem Talent ausgestattet. F├╝r sie d├╝rfte sich die Mitwirkung an diesem Film tats├Ąchlich gelohnt haben. Auch Laurie Davidson in der Rolle des Mr. Mistoffelees vermag einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Dabei profitiert er von der Vertiefung seines Charakters im Film, denn Victoria und der in seiner Magie noch sehr unsichere Zauberkater verfallen in eine anr├╝hrend unschuldige Liebe zueinander. Eine wirklich bezaubernde Erz├Ąhllinie.

Die deutsche Fassung, f├╝r die Michael Kunzes ├ťbersetzung teilweise ├╝berarbeitet worden ist, kann leider auch nicht ├╝berzeugen. So bringt etwa Patrick Stanke einen Munkustrap zu Geh├Âr, der an gesanglicher Fragilit├Ąt und Zartheit kaum zu ├╝berbieten ist. Im wirklichen Katzenleben w├╝rde ein solcher Kater nie und nimmer zum Anf├╝hrer eines Stra├čenkatzen-Tribes auserkoren werden. Auch Patricia Meedens "Memory" schreit nicht unbedingt nach einer CD-Ver├Âffentlichung. Es bleibt zu konstatieren, dass bei dieser Produktion nahezu alles schiefgelaufen ist, was schieflaufen kann.

Bild: Universal Pictures (Jennifer Hudson als Grizabella)

Bild: Universal Pictures (Francesca Hayward als Victoria, Robert Fairchild als Munkustrap)

Wenn der Abspann mit dem Song "Beautiful Ghosts" l├Ąuft, diesmal in der Interpretation von Autorin Taylor Swift, dr├Ąngt sich in der R├╝ckschau keine einzige Szene auf, die man unbedingt nochmal sehen m├Âchte. F├╝r ein Filmmusical ist das der definitive Offenbarungseid. Die B├╝hnenfassung von "Cats" war charmant, wild, mitrei├čend und trotz fehlender Story durchweg unterhaltsam. Trotz ein wenig Story hat diese leider v├Âllig missgl├╝ckte Filmadaption von all dem nichts zu bieten.
 
 


© musicalzentrale 2020. Alle Angaben ohne Gew├Ąhr.

   ZAV-K├ťNSTLERVERMITTLUNG

   Wir suchen Dich!

   SOFTWAREBILLIGER.DE

   Ein Platz f├╝r Ihre Werbung?

MUSICAL-THEATER


Testen Sie Ihr Wissen! Was l├Ąuft aktuell in diesen Musicalh├Ąusern?
Basel: Musical-Theater +++ Berlin: Theater des Westens +++ Berlin: Friedrichstadt-Palast +++ Berlin: Theater am Potsdamer Platz +++ Essen: Colosseum +++ D├╝sseldorf: Capitol +++ Hamburg: Neue Flora +++ Hamburg: Operettenhaus +++ Hamburg: Theater im Hafen +++ M├╝nchen: Deutsches Theater +++ Oberhausen: Metronom +++ Stuttgart: Apollo-Theater +++ Stuttgart: Palladium-Theater +++ Wien: Raimund-Theater +++ Wien: Ronacher
Alle Theater, alle Spielpl├Ąne: Deutschland-Nord, -West, -Ost, -S├╝d, ├ľsterreich, Schweiz, Niederlande, London.


Unsere Seite verwendet Cookies & Google Maps, um Ihnen ein bestm├Âgliches Besuchserlebnis zu bieten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie beiden Nutzungen zu. [ X ]
;