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HintergrundInterview mit Ralph Morgenstern
Zum Heulen sch├Ân
 
TV-Entertainer Ralph Morgenstern ├╝ber die Proben zu "Hairspray", seine Traumrolle und Erinnerungen an die Stella-Pleite.
Interview von Andreas Haider
Der TV-Moderator und Schauspieler Ralph Morgenstern ("Kaffeeklatsch", "Blond am Freitag") schl├╝pft ab 15. M├Ąrz in die Rolle der ├╝bergewichtigen Hausfrau Edna Turnbald in "Hairspray".

Herr Morgenstern, wie sind Sie die erste deutschsprachige Edna Turnblad in "Hairspray" geworden?

Ich bekam eine Anfrage der Produktion, was mich allerdings nicht vom Vorsprechen befreit hat. Also bin ich zwischen T├╝r und Angel zum Recall nach Berlin geflogen. Dort habe ich zusammen mit Ilse La Monaca, die die Tracy spielt, vorgesungen, -getanzt und -gespielt. Das war sehr aufregend, weil es eines der wenigen Vorsprechen in meinem Leben war.

Wieso wollten Sie "Hairspray" machen?

Ich fand immer schon den Original-Film von John Waters toll und war auch ein gro├čer Fan von der Film-Edna Divine als Schauspielerin und damals ja auch Disco-Star. Au├čerdem habe ich selbst fr├╝her in dieser Richtung gearbeitet. Die Projekte mit Walter Bockmayer und der Film "Im Himmel ist die H├Âlle los" gingen auch in diese Trash-Ecke. Den Film haben wir 1983 gedreht und interessanterweise gibt es darin sehr viele Parallelen zu "Hairspray", der erst 1988 in die Kinos kam. Besonders interessant f├╝r mich ist nat├╝rlich auch die Tatsache, dass Matthias Davids das St├╝ck neu inszeniert. Die B├╝hnenversionen von "Hairspray" in New York und London sind ja so gut wie identisch. Dort h├Ątte ich nicht die M├Âglichkeit gehabt, meine Rolle ein wenig mitzukreieren.

Ralph Morgenstern als Moderator (Foto: ZDF-Autogrammkarte)

Als Edna Turnblad in "Hairspray" mit B├╝hnen-Gatte Walter Andreas M├╝ller als Wilbur (Bild: Toni K├╝ng)
Wie haben Sie sich nach der Zusage auf Ihre Rolle vorbereitet?

Mein Lebensgef├Ąhrte und ich sind erstmal nach London geflogen und haben uns Michael Ball als Edna angeschaut. Er macht das richtig zauberhaft! Und ├╝berhaupt hat mir alles an der B├╝hnenversion sehr gut gefallen. Die neue Verfilmung mit John Travolta als Edna habe ich mir allerdings extra nicht angeschaut, weil mir schon kurze Ausschnitte daraus gar nicht gefallen haben. Die Edna wirkt durch die Maske v├Âllig k├╝nstlich. In dem Film lebt sie ├╝berhaupt nicht, sie bewegt sich nur und ist dick. John Travolta ist eigentlich kein schlechter Schauspieler, aber da findet in seinem Gesicht gar nichts statt.

Wie laufen die Proben bisher?

Sehr gut, aber es ist nat├╝rlich Knochenarbeit f├╝r mich! Das Problem ist nicht der Fatsuit, durch den ich ja doch ein paar Kilos mehr als sonst mit mir herumtrage. Wenn ich den einmal anhabe, merke ich das nicht mehr. Aber ich habe keine Tanzausbildung, daher bereiten mir die Tanzszenen manchmal arge Kopfschmerzen und ziemlich starken Muskelkater. Die meisten Kollegen sind ausgebildete T├Ąnzer, die k├Ânnen die Schrittfolgen komplett ohne Musik tanzen und es stimmt auf den Takt. Ich muss mir in meinem Kopf immer erst die T├Âne und den Takt vorstellen und dann gleichzeitig singen. Aber es ist eine wunderbare Arbeit ÔÇô die Kollegen singen so toll, dass ich alleine schon bei den ersten musikalischen Proben, als wir im Kreis gesessen und die Lieder gesungen haben, heulen musste, weil ich die Lieder so sch├Ân finde.

Welche Ver├Ąnderungen im Vergleich zur Originalproduktion gibt es in St. Gallen?

Die Songs und das Buch sind so gut und wasserdicht, dass sie gar keine gravierenden Ver├Ąnderungen zulassen. Neben den deutschen Dialogen wurden f├╝r uns auch ein paar Lieder ins Deutsche ├╝bersetzt. Mein B├╝hnen-Gatte und ich singen unser Duett "Timeless" zum Beispiel auf Deutsch. Auch "Miss Baltimore Crabs" - ├╝brigens eines meiner Lieblingslieder - wird auf Deutsch gesungen. Die meisten Songs bleiben aber im englischen Original, wobei die Zwischentexte, die auf der Musik liegen, auf Deutsch gesprochen werden. Das B├╝hnenbild und die Kost├╝me sind bunt und witzig, aber anders als in der englischsprachigen Inszenierung. Au├čerdem hat unsere B├╝hne mehrere Spielebenen, zum Beispiel in der Gef├Ąngnisszene. In London und New York tragen die Schauspieler da Gitterst├Ąbe mit sich herum. Bei uns ist das Gef├Ąngnis nach oben gebaut. Wir tanzen in einem Gitterger├╝st ├╝bereinander, so ├Ąhnlich wie im "Jailhouse Rock"-Video von Elvis Presley.
Haben Sie Lampenfieber, wenn Sie an die Premiere denken?

Jetzt noch nicht. Das kommt erst mit den Durchl├Ąufen, wenn ich von der B├╝hne schaue und wei├č, dass da nachher die Menschen sitzen. Ich m├Âchte jetzt noch nicht an die Gef├╝hle denken, die ich am Tag der Premiere haben werde. Das kann man nicht mit Geld bezahlen, was man da durchmacht! Es ist viel schlimmer als bei einer Fernsehaufzeichnung, wo man meistens die Chance hat, einen verpatzten Moment zu wiederholen ÔÇô auch wenn ich das normalerweise nicht mache, denn einen Fehler zuzugeben macht das Fernsehen ein bisschen sympathischer und menschlicher. Im Theater kann man aber nichts wiederholen. Da muss man dann damit fertig werden. Sch├Ân ist aber, dass man mehr mit dem Publikum zusammen arbeiten kann. Das ist eine tolle Chance beim Theater und das wiegt die Aufregung von vorher wieder auf.

Was reizt Sie als bekannter TV-Entertainer daran, Theaterrollen zu ├╝bernehmen?

Ich habe immer schon versucht, das zu mischen und meinen Beruf voll auszusch├Âpfen. Neben Moderationen, Film und Fernsehen habe ich auch etwa alle zwei Jahre eine gro├če Theaterproduktion gemacht. Zurzeit spiele ich noch den Ersten Ganoven in Kiss me, Kate in Leipzig, jetzt noch vier Vorstellungen im Juli. Die Abwechslung macht mir Spa├č und man lernt dadurch auch sehr viel. "Hairspray" ist f├╝r mich wirklich eine sehr, sehr gro├če Herausforderung, weil ich all die Jahre ├╝berhaupt keine Hauptrolle mehr gespielt habe. Ich hatte in den vergangenen zw├Âlf Jahren immer eine w├Âchentliche Sendung beim Fernsehen. Da konnte ich beim Theater immer nur Nebenrollen spielen, weil die Zeit es nicht anders zulie├č.

Ist Musical f├╝r Sie Kunst oder Entertainment?

Musical ist auf jeden Fall eine Kunst, weil da einfach viele au├čergew├Âhnlich talentierte Menschen zusammenarbeiten, die es durch ihre Talente schaffen, so viele andere Menschen zu begeistern und zu unterhalten. Ein Musicaldarsteller dr├╝ckt seine Talente in Gesang, Tanz und Schauspiel aus, ebenso wie ein Maler seine Talente in Gem├Ąlden ausdr├╝ckt und ein klassischer S├Ąnger in Arien. Unterhaltung ist Kunst. Umgekehrt unterh├Ąlt es mich auch, wenn ich mir ein Bild von Picasso ansehe. F├╝r mich sind die Grenzen da flie├čend. Generell ist es eine Kunst, etwas aus seinem Talent zu machen, egal ob es in Richtung Klassik oder Entertainment geht. Und es ist auch eine Kunst, das dann ├╝ber Jahrzehnte durchzuhalten, was lange nicht jeder schafft.

Morgenstern als Ganove in "Kiss me, Kate" (Foto: Oper Leipzig/Andreas Birkigt )

Mit Dirk Bach und Gayle Tufts als Wasserspeier in Disneys "Der Gl├Âckner von Notre Dame" (Foto: Stella-Flyer)
Was halten Sie davon, die Hauptdarsteller f├╝r Musicals in TV-Casting-Shows zu besetzen?

In der deutschen Musicalszene gibt es so viele tolle Talente, dass ich es erstmal richtig finde, dass sie irgendwo die Gelegenheit bekommen, in der ├ľffentlichkeit zu singen. Ich habe die Musical-Casting-Shows noch nicht gesehen, daher kann ich jetzt nur von Formaten wie "Deutschland sucht den Superstar" ausgehen. Solche Sendungen zeigen, dass es ein sehr gro├čes stimmliches Potenzial gibt. Wie das in den Sendungen aufbereitet wird und wer da in der Jury sitzt, sei jetzt mal dahingestellt. Aber als ├Âffentliches Forum f├╝r junge Leute mit wirklich dollen Stimmen finde ich es von der Idee her gut. Ich hoffe nur, dass den jungen Leuten inzwischen klar ist, dass sie durch die Teilnahme daran nicht automatisch zum Star werden. So etwas dauert normalerweise Jahre. Man muss ├╝ber einen langen Zeitraum beweisen, was man kann, und das ist auch richtig so.

2002 haben Sie f├╝r einige Vorstellungen zusammen mit Dirk Bach und Gayle Tufts die Wasserspeier in Disneys "Der Gl├Âckner von Notre Dame" gespielt. Wie war das f├╝r Sie?

Das war eine sehr sch├Âne, interessante Erfahrung. Ich fand es toll, dass es eine europ├Ąische Produktion war. Ansonsten w├Ąre sie mit Sicherheit nicht so d├╝ster ausgefallen. Das B├╝hnenbild war spektakul├Ąr mit den vielen Projektionen und diesen B├╝hnenteilen, die rauf und runter fuhren. Du musstest zum richtigen Wort an der vorgesehenen Stelle sein, sonst fuhr dieses Ding pl├Âtzlich in den Keller oder schoss unter die Decke und du warst tot. Die Dinger wackelten auch noch beim Tanzen und man konnte durch die Gitterplattform bis nach unten auf den beleuchteten Boden gucken. Aber da ich keine H├Âhenangst habe, bin ich damit ganz gut klar gekommen.

Konnten Sie dort auch Ihre Pers├Ânlichkeit in die Rolle einbringen?

Wir sind da in die laufende Produktion hinein engagiert worden und bei internationalen Gro├čproduktionen bleibt ohnehin wenig Spielraum f├╝r eigene Ideen. Als hinzu engagierte G├Ąste hatten wir etwas mehr Freiraum als die Kollegen aus dem Ensemble, aber den mussten wir uns erk├Ąmpfen. Gayle Tufts sollte zum Beispiel Phonetik-Unterricht nehmen, um sich ihr bekanntes "Denglisch" abzutrainieren. Aber dann h├Ątte es genausogut weiterhin die Kollegin aus dem Ensemble spielen k├Ânnen. Aber wenn du solche Rollen ├╝bernimmst, ist das Korsett schon ziemlich eng.
Haben Sie damals etwas von der Stella-Pleite mitbekommen?

Ja, ich habe einen Teil der Gage noch nicht bekommen. Ich glaube, die meisten Kollegen haben zum Gl├╝ck ihr Geld, aber bei uns G├Ąsten fehlte dann doch am Ende ziemlich viel. Dass die Firma pleite ist, wurde relativ lange geheim gehalten. Es brodelte hinter der B├╝hne, auf der B├╝hne hat man nichts davon gemerkt. Man kann es ja nicht am Zuschauer auslassen und eine schlechte Vorstellung abliefern.

Welche anderen Musicalrollen w├╝rden Sie gerne einmal spielen?

Da gibt es einige, zum Beispiel Roger DeBris in "The Producers" w├Ąre eine interessante Rolle f├╝r mich. Warten wir mal die Premiere der deutschsprachigen Version in Wien ab. Aber mit "Hairspray" bin ich erstmal vollauf besch├Ąftigt und schaue nicht nach Rollen nebenbei. Ich w├╝rde auch gerne im Sommer 2009 die geplante Deutschland-Tournee mit "Hairspray" machen. Das h├Ąngt jetzt nat├╝rlich alles von der Premiere in St. Gallen ab. Insofern lastet schon ein Druck auf mir und meinen Kollegen, die sich alle darum gerissen haben, "Hairspray" zu machen und teilweise mit ihren anderen Engagements arge Doppelbelastungen auf sich nehmen.
 
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