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musicalzentrale - Forum
Themen / Hamlet - und raus ....
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chess
Benutzer
1665 Beiträge
09.06.18 16:39

Streng genommen geht es hier in diesem Thread nicht um einen Musicalbesuch, aber ich finde, dass wir das angeprochene Thema hier durchaus diskutieren k├Ânnen, da es eben mit Theater im Allgemeinen zu tun hat.

Bei meinem Aufenthalt in London habe ich mir letzte Woche auch eine Auff├╝hrung in Shakespeare┬┤s Globe angeschaut. "Hamlet" z├Ąhlt mit zu meinen absoluten Lieblingsst├╝cken und wahrscheinlich gibt es kaum ein St├╝ck, welches ich bislang ├Âfters im Theater gesehen habe (in verschiedenen Produktionen und an verschiedenen Spielorten) als Hamlet.

Jedes Mal bei meinen Musicalreisen gehe ich auch gerne in das Globe in London, weil dort bislang Inszenierungen in sehr klassischer Form aufgef├╝hrt wurden. Nun hat das Globe mit Michelle Terry eine neue Chefin, die neue Ideen umsetzen will.

Ihr Hamlet bestand aus einer 12-k├Âpfigen Cast mit vielen neuen Ideen. In den ersten Minuten musste ich mich erst einmal zurechtfinden, denn viele m├Ąnnliche Rollen wurden von Frauen gespielt (jedoch nicht ausschlie├člich). So wurde Hamlet von Michelle Terry selber gespielt, die Rollen von Laertes und Polonius waren ebenfalls von Frauen besetzt, die Rolle der Ophelia wurde von einem m├Ąnnlichen indischen Schauspieler gespielt.

Ganz verwirrend war es bei der Besetzung der Beiden, die Hamlet nach England bringen sollten. Rosencrantz und G├╝ldenstern wurden einmal von einer Frau und einmal von einem Mann gespielt. Hinzu kam, dass die Rolle des m├Ąnnlichen Dieners G├╝ldenstern von einer schwerh├Ârigen Inderin gespielt wurde, die zum Teil dann in Zeichensprache auf der B├╝hne kommunizierte, was viele Zuschauer (mich eingeschlossen) eben weder an den Fingern ablesen k├Ânnen, noch auf den ersten Blick erkannt haben.

Als ich dann irgendwann gegangen war, weil ich mir phasenweise vorkam wie in einer schlecht gemachten englischen Christmas Pantomime, habe ich im Bus nach Kritiken zu dieser Hamletauff├╝hrung gegoogelt und viele professionellen wie privaten Kritiker gaben dieser Inszenierung genau aus den aufgef├╝hrten Gr├╝nden schlechte bis sehr schlechte Bewertungen. Schlimmstes deutsches Regiertheater in Reinform ist fast nichts dagegen.

Um es einmal vorsichtig zu formulieren: Ich h├Ątte kein Problem damit gehabt, wenn es eine reine "male cast" gewesen w├Ąre (so wie zu Shakespeares Zeiten) oder von mir aus auch eine reine female cast (wenn es vorher bekannt gegeben worden w├Ąre), aber diese Mischung hat mich irgendwie genervt und ich fand sie unausgegoren.

Au├čerdem m├Âchte ich wenn in Shakespeares Globe bin,dann doch eher eine Frau als Ophelia sehen und nicht einen m├Ąnnlichen Inder in einem Kleid. Da passt weder das Geschlecht, noch die Ethnie.

Michelle Terry nennt dieses neue Konzept "Gender blind Casting" und sie gab in einem Interview bekannt, dass sie damit ausdr├╝cken m├Âchte, dass man ihre Schauspieler "beyond gender" sind.

Weshalb wird eine weibliche d├Ąnische Adelige in einem St├╝ck aus dem fr├╝hen 17. Jahrhundert von einem m├Ąnnlichen Inder dargestellt?

├ähnlich ging es mir auch bei meinem Besuch von Chess in der ENO, als der Chef der russischen Delegation, Molokov, oder die Ehefrau des russischen Schachmeisters jeweils von schwarzen Schaupielern gesungen wurden. Bei der Rolle des Arbiters war es ├Ąhnlich, aber hier fand ich es nicht so st├Ârend, au├čer dass er seine Songs ein wenig R&B-lastiger vorgetragen hat als Bj├Ârn Skifs in der Originalfassung. Au├čerdem ist die Rolle ja nicht festgeschrieben. Ich kann mir hingegen nicht vorstellen, dass in den 1980ern der Chef einer russischen Delegation ein Schwarzer gewesen w├Ąre.

Auch bei meinem Besuch von "An ideal husband" im Vaudeville Theater in London wurden mehrere weibliche Rollen der h├Âheren Gesellschaft Londons von schwarzen Schauspielerinnen gespielt, was zur Handlungszeit des St├╝cks mit Sicherheit nie der Fall gewesen ist.

Es w├╝rde doch auch niemand auf die Idee kommen, Rollen, die f├╝r Schwarze oder Asiaten geschrieben sind mit wei├čen Mitteleurop├Ąern zu besetzen. Oder kann sich jemand die Wanderarbeiter aus Scottsboro` Boys als Wei├če vorstellen, Othello als Wei├čen oder die junge indische Fu├čballspielerin aus "Bend it like Beckham" als wei├če Mitteleurop├Ąerin?

Weshalb wird es anders herum mehr und mehr gemacht? So etwas w├╝rde ich auch nicht sehen wollen, denn gerade "Bend it like Beckham" lebt ja nun einmal davon, dass sich die junge Inderin gegen ihre eher traditionell orientierte Familie durchsetzen will. Da w├╝rde ich auch keine wei├če Europaerin in der Rolle sehen wollen.

Ohne den entsprechenden Schauspielern zu Nahe treten zu wollen (die meisten haben ihren Job durchaus einigerma├čen ansprechend gemacht), aber irgendwie kam es mir doch eher seltsam vor. Es sollte doch heute gar kein Problem sein, ausreichend Schauspieler des richtigen Geschlechts und auch der Ethnie, die sie verk├Ârpern sollen, zu bekommen. Vor 50 Jahren mag das vielleicht noch anders ausgesehen haben, aber heutzutage d├╝rfte das in einer Weltstadt wie London wirklich kein Problem mehr sein.

Und vor allem weil bei der besuchten Hamletvorf├╝hrung so ein geschlechter- und ethniem├Ą├čiges Kuddelmuddel auf der B├╝hne war, bin ich dann irgendwann mehr als entt├Ąuscht gegangen.

Denke ich da zu konservativ oder sehen das andere hier im Forum genauso? Und bitte kommt mir keiner auf die Idee, mich in die rechte Ecke stellen zu wollen, denn damit habe ich schon rein gar nichts am Hut (und wie schon geschrieben, m├Âchthe ich diesen Besetzungstrend auch nicht anders herum haben).

In einem anderen Thread wurde geschrieben, dass solche eine Diskussion meist mit Scheuklappen gef├╝hrt wird. Ich w├╝rde mich freuen, wenn das hier nicht der Fall w├Ąre.

Sollte sich die Moderation entscheiden, diesen Thread zu schlie├čen, dann kann ich dagegen nichts macahen, aber ich f├Ąnde es sch├Ân, hier auch mal die Meinungen der anderen User aus dem Forum zu erfahren.

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Mariana
Benutzer
630 Beiträge
09.06.18 17:47

Ich muss gestehen, ich sehe das ein bisschen anders. Vielleicht kommt es daher, dass ich auch ein gro├čer Opernfan bin und dazu eher den Draht hatte als zum Musical, das sp├Ąter als Leidenschaft dazu kam. Ich bin damit aufgewachsen, dass Rollen, wie in der Oper ├╝blich, mit Menschen besetzt wurden und werden, die sie am besten singen k├Ânnen. Das bedeutet, dass einer der besten Wotane, die ich je gesehen habe, ein Schwarzer war (Simon Estes), ebenso, wie ich eine wunderbare schwarze Butterfly gesehen habe (Michele Crider), eine koreanischen Don Carlos (Yosep Kang) usw. Was Otello betrifft, also den von Verdi, habe ich meines Wissens fast nur Wei├če in dieser Rolle gesehen - es gibt leider kaum schwarze italienische Ten├Âre von Weltrang, im Gegensatz zu Baritonen und B├Ąssen. Daher st├Ârt mich das im Musical auch nicht. Es ist Theater. Es gibt Make up, und vor allem hat Theater, auch Musiktheater etwas mit Schauspiel zu tun. Wenn ein Darsteller eine Rolle glaubw├╝rdig verk├Ârpert und das auszudr├╝cken vermag, was mir in der Rolle wichtig ist, ist mir das Aussehen ziemlich egal, solange er oder sie gut singt und spielt. Ich finde es eigentlich gut, dass man Rollen nach K├Ânnen und nicht nach Hautfarbe besetzt. Allerdings habe ich irgendwie auch Probleme, wenn man M├Ąnnerrollen mit Frauen und umgekehrt besetzt (au├čer das ist ausdr├╝cklich so angek├╝ndigt als Besonderheit) , aber da ich haupts├Ąchlich im Musiktheater unterwegs bin, passiert das Gott sein Dank eher selten.

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chess
Benutzer
1665 Beiträge
10.06.18 21:50

Danke mal f├╝r deine R├╝ckmeldung.

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Der schwarze Prinz
Benutzer
3321 Beiträge
11.06.18 12:26

Also ich bin ein gro├čer Freund davon, bei Besetzungen weniger auf Hauptfarben bzw. Ethnien zu achten (gibt nat├╝rlich St├╝cke, bei denen die Ethnie eine besondere Rolle spielt, da ist es etwas anderes).

Gender-blind h├Ârt sich in der Art, wie du sie beschreibst anstrengend an. Wobei ich grunds├Ątzlich schon finde, dass man bei Hamlet auch mal die Geschlechter tauschen kann (also die Hamlet-Rolle weiblich wird und Ophelia m├Ąnnlich) oder sie auch ein gleichgeschlechtliches Paar sein k├Ânnten etc. Rosenkranz und G├╝ldenstern habe ich schon ├Âfters weiblich gesehen.

Allerdings geht es in dem St├╝ck nicht um diese Thematiken, daher muss es eben wirklich "blind" sein. Bei dir h├Ârt es sich ja aber so an, als ob diese Tatsache extra betont wird. Das ist dann eben nicht "gender-blind", sondern man setzt diese Wechsel ganz bewusst ein. Als Stil- und Kunstmittel. Als Regiemittel. Um etwas auszudr├╝cken. Das ist ja dann fast das Gegenteil von "blind" casten.

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Hughie
Benutzer
520 Beiträge
11.06.18 12:27

Ich tue mir mit Colorblind Casting auch manchmal schwer. Es gibt Rollen, da ist es v├Âllig unerheblich, wie die Person aussieht, die sie spielt.
An manche, ich nenne es mal "historisch falsche" Besetzungsentscheidung habe ich mich mittlerweile (vor allem dank Les Mis) gew├Âhnt - seit so vielen Jahren stehen dort die unterschiedlichsten Ethnien auf der B├╝hne, die mit dem Frankreich jener Zeit herzlich wenig zu tun haben. Auch eine schwarze Baronin von Waldstetten f├Ąllt f├╝r mich in diese Kategorie.

Was mich irritiert ist, wenn Familienzugeh├Ârigkeiten durch die Besetzung nicht mehr erkennbar sind - es ist f├╝r mich einfach verwirrend, wenn der Vater Asiate, die Tochter schwarz und der Sohn Kaukasier ist. Es fiele mir da deutlich leichter, wenn dann alle drei z.B. schwarz w├Ąren.
Aber das ist tats├Ąchlich eine Frage meiner "Seh-Bequemlichkeit" und im Verlauf des St├╝cks tritt die anf├Ąngliche "Orientierungslosigkeit" dann in der Regel auch in den Hintergrund.

Was ich an der Diskussion - wie Chess oben - als seltsam wahrnehme, ist, dass sie in der Regel nur in eine Richtung gef├╝hrt wird. Die ├ľffnung f├╝r eine "Farbenblinde" Besetzung wird auch in meiner Wahrnehmung eher so praktiziert, dass klassische Kaukasier-Rollen mit Personen anderer Ethnie besetzt werden, aber es eher undenkbar scheint das umgekehrt zu tun.
Ich habe meine Vermutungen, was da die Gr├╝nde sein k├Ânnten - weniger klassische Rollen f├╝r andere Ethnien beispielsweise, daher eher der "Bedarf".

Die Umbesetzung von M├Ąnner- zu Frauenrollen und umgekehrt kann funktionieren, aber es kommt sehr auf das St├╝ck bzw. dann die Umsetzung an. Dazu die R├╝ckfrage an dich, Chess: wie haben die Darsteller agiert? Gab es eine Art von Umdeutung oder haben einfach Frauen M├Ąnner gespielt und vice-versa?


Die von dir oben geschilderte Hamlet Inszenierung h├Ątte mich jedenfalls vermutlich (ohne Vorwarnung) ebenso irritiert und wahrscheinlich entt├Ąuscht.

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TazMA
Benutzer
3332 Beiträge
11.06.18 12:53

Dreht man es um oder handhabt man es wie bisher, gibt es einen shitstorm. Das macht es am Ende absurd und tut der Sache - auch mal Rollen anders zu besetzen - nicht gut.

Ich verweise da nochmal auf die Turbulenzen bei der West Side Story am 11.08.18 in der RAH. Demnach k├Ânnen nur noch Latinas gecastet werden. Das Bernstein zudem kein Latino war und man keine Biographie erz├Ąhlt wird zudem ganz au├čer Acht gelassen.

Geht man ins Globe rechnet man nicht mit zu gro├čen Abweichungen. Zumindest w├╝rde ich nicht damit rechnen.

Prinzipiell habe ich nichts gegen f├╝r mich konkruente ├änderungen. Aber wenn ich dann gefragt werde, wer das denn nun sei, wenn die kleine hellh├Ąutige Eponine pl├Âtzlich erwachsen und dunkelh├Ąutig um die Ecke kommt, dann hat das schon einen Hauch von Albernheit.

Auch hab ich keine Probleme mit dunkelh├Ąutigen Svetlanas. Wundere mich jedoch dann, ob man keine bessere als die Burke fand.

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Charlotte
Benutzer
5927 Beiträge
11.06.18 12:54

Ich muss zugeben, dass mich eine "blinde" Besetzung, egal in welche Richtung immer irritiert. Ich bin ja nicht blind und selbstverstaendlich spielt also auch das Aussehen des Darstellers eine Rolle.
Nicht im Sinne von Schoenheit, sondern im Sinne, ob es zur Rolle passt. Wenn man jetzt also bewusst die Ethnien mischt, verstehe ich das natuerlich, aber ich habe noch nie eine Kaukasierin/Asiatin z.B Bess spielen sehen. Allerdings fand ich z.B. Norm Lewis auch als Javert gut. Fuer mich kommt es also darauf an, ob die Rolle entsprechend glaubwuerdig und nachvollziehbar gestaltet wird.

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Charlotte
Benutzer
5927 Beiträge
11.06.18 12:57

Bei Les Mis fand ich z.B. eine der letzten Eponines wirklich schrecklich, aber nicht wegen der Hautfarbe, sondern wegen der Singstimme.

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chess
Benutzer
1665 Beiträge
11.06.18 22:22

Hughie, wie ich dir gesagt habe, ich hatte das Gef├╝hl in einer Panto zu sein und daher hat es mir nicht gefallen, auch wenn manche andere Leute im Publikum meinten, dass der indische Mann im Kleid gut agiert h├Ątte. Und vom Globe, dass sich gerade wegen der traditionellen Inszenierungen einen guten Namen erspielt hat, m├Âchte ich eben solche "Experimente" nicht sehen.

Bei M├Ąnnern in Frauenkleidung kommt mir zuerst "La cage aux folles", "Kinky boots" oder aktuell auch gerne bei "ETAJ". Da passt es ja auch und ist auch so gewollt, aber ansonsten ist das echt nicht so mein Fall, wenn M├Ąnner auf der B├╝hne Kleider oder generell Frauenkleidung tragen (also zumindest wenn es die Rolle nicht vorschreibt).

Die "Seh-Bequemlichkeit", die Hughie schon angesprochen hat, sehe ich ├Ąhnlich. Ich m├Âchte eben schnell einen ├ťberblick haben, wer in einem St├╝ck wen darstellt.

Auch sehe ich es wie Hughie, dass ich es auff├Ąllig finde, dass es eben nur in eine Richtung geht und auch den von ihm angef├╝hrten Grund kann ich nachvollziehen. Trotzdem ist colour-blind casting wohl ein Trend, der immer ├Âfter kommen wird (und mir trotzdem nicht sonderlich gef├Ąllt).

Ich erinnere mich, dass bei "Who┬┤s afraid of Virginia Woolf"? mal die Auff├╝hrungsrechte verweigert wurden, weil eben ein Intendant ein color-blind casting haben wollte und die Rechteinhaber das nicht wollten. Wei├č aber nicht mehr wo das war.

Und ich gehe auch mit TazMA d┬┤accord, dass ich Alexandra Burke lieber nicht in Chess gesehen h├Ątte.

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MyMusical
Benutzer
8998 Beiträge
12.06.18 06:30

Vielleicht nur ganz, ganz kurz meine Gedanken dazu. Grunds├Ątzlich ist mir die Besetzung egal, solange es dem eigentlichen St├╝ck nicht schadet. Mir ist v├Âllig egal ob Billy Elliot nun asiatisch oder dunkelh├Ąutig ist, etwas schwieriger wird es f├╝r mich dann in der Tat wenn es nicht zu den Eltern passt. Das sind f├╝r mich Logikbr├╝che in einer ansonsten klassischen Inszenierung. Bei einigen Rollen, z. B. Martin Luther King hat man zudem schon irgendwie ein gewisses Bild vor sich. "Genderblind" ist f├╝r mich wie hier berichtet auch nicht das, was ich mir unter einem sch├Ânen Theaterabend vorstelle. Wenn es innerhalb einer Inszenierung an gewissen Stellen Sinn macht und dies vern├╝nftig und logisch begr├╝ndet wird, habe ich gar kein Problem damit, wenn es aber einfach "nur so" aus rein k├╝nstlerischen Gesichtspunkten gewollt ist, tue ich mich damit schwerer. Und der hier angesprochene Aspekt einfach mal alles gleich zu setzen mag ja von der Idee durchaus lobenswert sein, nur sind solche Aktionen eben f├╝r mich auf Dauer zum Scheitern verurteilt. Es ist eben nun mal nicht alles gleich in der Welt und das sollte man auch bitte so akzeptieren und nicht immer krampfhaft alles gleich machen zu wollen, das kann und wird nicht klappen. Wichtig ist mir wie gesagt immer, egal ob nun bei dem Thema oder der Regie, dass es als Gesamtwerk Sinn f├╝r mich als Zuschauer ergibt, gerne auch mal nicht auf den ersten Blick aber doch wenn man sich mit Programm oder Einf├╝hrung mal etwas mehr auf eine Inszenierung einl├Ąsst. Dies beherrschen f├╝r mich sehr viele Regisseure sehr gut und einige meiner liebsten Inszenierungen sind zeitlich etwas anders verordnete Opern, da braucht es kein historisches "Nachspielen". Auch im Musical gibt es da St├╝cke die per Se besser geeignet sind und einige wo es nur sehr schwer vorstellbar ist.

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