Norden Westen Osten Süden
Termine aus DeutschlandÖsterreichSchweizNiederlandeLondonTirolLinksSuchen nach JobsRedaktionDatenschutzImpressum
musicalzentrale - Forum
Themen / Kinderdarsteller / Talentförderung
Seite:
Nicht angemeldet | Neu registrieren | Logon
MusicalJonas
Benutzer
1231 Beiträge
07.08.17 11:24

Im Billy-Elliot-Thread hatte Mosskwa (auf Seite 16 unten) einen Link gepostet, dass es in Stuttgart im Apollo-Theater eine Diskussionsrunde gab, wo (anlässlich der Kinderrollen in Mary Poppins) die strengen Regeln für Kinder im Theater kritisiert wurden und gefordert wurde, es solle da eher eine Talentförderung wie im Sport geben.

Hier nochmal der Link:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.nachwuchsfoerderung-im-musical-kinder-wollen-oefter-auftreten.a06ba3cb-50dd-49a5-acb4-369a6203a0b4.html

Leider war das Thema dann irgendwie untergegangen, aber ich finde, das ist ein interessantes Thema, was einen eigenen Thread verdient hätte und wollte mal Eure Meinungen dazu hören.

Und das ist ja auch nicht nur mal ein einzelnes Musical, sondern es gibt ja relativ viele Musicals mit Kinderrollen: Mary Poppins, Billy Elliot, Oliver, Matilda, Ich war noch niemals in New York, Kinky Boots, Gypsy, Mame, Tarzan, König der Löwen, Schöne und das Biest, Les Miserables, Miss Saigon, Liebe stirbt nie, Joseph and the amazing techicolor dreamcoat, etc. etc. etc.

In manchen dieser Stücke spielen ganz viele Kinder mit (z.B. Billy Elliot, Oliver) in anderen weniger (z.B. Mame, Liebe stirbt nie). In manchen Stücken haben Kinder richtig tragende Rollen mit vielen Auftritten (und teilweise auch richtig anspruchsvollem Gesang und Tanz) wie z.B. bei Billy Elliot und Oliver - anderswo haben sie nur kleine Rollen, wo sie nicht mal singen und tanzen müssen (z.B. Kinky Boots, wo die beiden Jungs nur mal kurz am Anfang und noch kürzer am Ende zu sehen sind, aber dennoch natürlich für die Story wichtig sind).

Und beide Seiten haben gute Argumente:

Pro Lockerung:

Die Seite, die es etwas lockerer sieht, sagt, dass es ja genug Kinder gibt, die wirklich Talent haben und auch Spaß daran haben auf der Musical-Bühne zu stehen. Und dass man dieses Talent eher fördern sollte, statt ihm Steine in den Weg zu legen oder es ganz abzutöten.

Das muss ja nicht heißen, dass die Kinder deswegen ihre schulischen Pflichten vernachlässigen oder keine Freizeit mehr hätten. Man kann (und sollte) ja durchaus z.B. die Anzahl der Shows pro Woche begrenzen, aber dann nicht unbedingt die Gesamtzahl der Shows, also die Zeit, wie lange sie überhaupt mitmachen dürfen. Irgendwann wachsen sie ja eh aus einer Rolle raus oder verlieren von alleine das Interesse.

Und ich meine, mal irgendwo von einer wissenschaftlichen Studie aus England gelesen zu haben, dass theaterspielende Kinder zu den besten Schülern gehören, da sie sehr zufrieden und glücklich sind, was automatisch auch in anderen Bereichen für mehr Motivation sorgt (und da sie auch wissen, dass bei schlechten schulischen Leistungen auch ihr Theater-Hobby auf dem Spiel steht).

Echten Talenten, die auch Freude daran haben, kann man so nicht nur eine schöne Kindheit / Jugend bescheren, wo sie das tun können, was sie gerne machen. Sondern man gibt ihnen auch einen möglichen Karrierestart und die Vorbereitung für eine spätere Karriere.

Ich habe mich mal in Scheveningen mit einem Billy-Elliot-Darsteller unterhalten können und der hat mir erzählt, dass er immer schon gerne getanzt und gesungen hat, aber nie daran dachte, dass man das auch mal beruflich nutzen könne. Aber seitdem er durch das Billy-Training und die Shows durch war, hat ihm das so gut gefallen, dass es sein größter Wunsch ist, das später mal beruflich zu machen. Und ich hatte auch nicht den Eindruck, dass das ein auswendig gelernter Spruch war, dem die Eltern ihn diktiert hatten, sondern er strahlte wirklich als er davon erzählte und seine Augen funkelten. Ich sah da wirklich ein zutiefst glückliches Kind vor mir.

Und selbst, wenn sie sich dann später doch für einen anderen Weg entscheiden, haben sie immer schöne Erinnerungen an eine unvergessliche Zeit, die ihnen niemand mehr nehmen kann.

Außerdem wird ja auch der Vergleich zum Sport gezogen, wo es ja auch eine Talentförderung von Kindern gibt. Und da haben die Kinder in der Regel viel mehr Zeit mit zu tun als mit dem Theater. Ein Freund von mir war mal ein guter Turmspringer und der wurde seit der Grundschulzeit in einem Leistungszentrum gefördert. Und der hat ab der 5. Klasse jeden Tag mehrere Stunden trainiert bei nur 2 freien Tagen pro Woche. Und Sport ist ja auch im Bereich des Leistungssports eine ganz andere Belastung für den Körper und kann da wirklich auch bleibende Schäden hinterlassen. Wieso also nicht die viel geringere Belastung einer Theaterrolle, die man ab und zu spielt? Nur weil beim Sport viel mehr Geld drin steckt als beim Theater?

Und wenn man den Vergleich zu Großbritannien, den USA, o.ä. sieht, wo die Regeln viel lockerer sind, sieht man da ja auch nicht massenweise verkrachte Existenzen oder theaterspielende Kinder, die später alle beim Psychiater landen. Da funktioniert es ja auch mit lockereren Regeln. Und es gibt ja auch immer Begleitung durch Pädagogen, etc., die sehr genau beobachten, ob ein Kind wirklich noch mit Freude bei der Sache ist oder sich (vielleicht auch nach anfänglicher Begeisterung) eher nur noch durchquält und längst die Lust verloren hat (und Eltern merken das ja auch).

Contra Lockerung:

Die Gegner sagen dagegen, dass ein Kind Zeit brauche, um auch Kind zu sein und auch mal Zeit braucht, wo es nichts tut oder einfach mit Freunden "abhängt". Dann wird auch gerne die berühmte "Eislauf-Mutter" angeführt, die ihre eigenen Träume auf das Kind projiziert und es zum Erfolg drillt. Und das gibt es nicht nur im Sport, sondern auch im Showbusiness. Und ganz ehrlich: auch ich habe schon im Fernsehen (z.B. bei Talentshows) Kinder mit ihren Eltern erlebt, wo ich das Gefühl hatte, dass das mehr Wunsch der Eltern als des Kindes ist.

Umgekehrt muss man halt auch dagegen halten, dass auch Kinder, die Theater machen, Freizeit haben und gut in der Schule sind. Und es will ja auch niemand, dass Kinder jetzt jeden Tag auf der Bühne stehen. Das soll ja reglementiert sein, aber halt etwas lockerer als momentan.

Und auf den Vergleich zum Sport reagieren sie dann, indem sie sagen, dass sie das dort auch kritisieren und dass das schon schlimm genug ist, aber dass das kein Grund ist, das auch noch auf andere Bereiche auszudehnen.

Meine Meinung:

Ich kann beide Seiten gut verstehen. Beide Seiten wollen letztlich das Beste fürs Kind (und das sollte auch einziges Argument sein; man darf nicht sagen, dass dieses oder jene Stück nun mal Kinder brauche, sondern das Kriterium muss immer das Kindeswohl sein). Und beide Seiten haben gute Argumente.

Ich finde, es kommt immer auf das Kind an. Wenn ein Kind wirklich Freude daran hat und das als sein Hobby ansieht - wieso nicht? Ob ein Kind jetzt in seiner Freizeit viel Sport macht, jeden Tag Schach spielt, gerne und viel Handarbeiten macht oder bastelt, etc. etc. etc. Oder ob es halt ein Hobby hat, wo andere zusehen... Und ehe ein Kind jeden Tag stundenlang vor der Spielkonsole oder vorm Internet hockt, dürften 1-2 (oder vielleicht auch mal 3) wöchentliche Auftritte im Theater allemal körperlich und psychisch gesünder sein.

Solchen Kindern, für die das wirklich Hobby ist und die das aus eigenem Antrieb gerne tun oder dadurch vielleicht auch aufblühen und selbstbewusster werden, sollte man mehr Möglichkeiten geben, das lockerer zu handhaben.

Umgekehrt gibt es halt auch Kinder, wo das eher Wunsch der Eltern ist und sie ihrem Kind das irgendwie schmackhaft machen oder gar einreden (oder es sogar zwingen). Da finde ich es dann tatsächlich schädlich. Ich habe nichts dagegen, wenn das Kind nicht als erstes mit der Idee kommt, sondern wenn Eltern von sowas hören und wissen wie ihr Kind ist (z.B. dass es gerne singt oder tanzt) und dann dem Kind sagen, dass es sowas gibt und ob es Interesse hat, sich da mal zu bewerben. Aber danach muss es dann immer Entscheidung des Kindes sein, ob es Lust darauf hat oder nicht und sobald Eltern anfangen, das dem Kind erst schmackhaft machen zu müssen, ist das schon ein Fehler.

Aber das gibt es in allen Bereichen. Es gibt auch Kinder, die von ihren Eltern zum Ballettunterricht, zum Instrumentenlernen (mit täglichem Üben) oder zu einer Sportart gezwungen werden. Oder Kinder, die eigentlich nicht das Zeug zum Gymnasium haben, aber von ihren Eltern aufs Gymnasium und zu täglichem stundenlangen Pauken und Verzicht auf Freizeit und Freunde gezwungen werden.

Das ist alles verwerflich. Aber wieso sollte man deswegen den Kindern, die an einer Sache wirklich Freude haben und die das erfüllt, diese Sache massiv begrenzen? Und wieso nur bei dieser einen Sache und nicht auch in anderen Bereichen, nur weil man nicht sieht, wie lange Kinder zuhause vielleicht zum täglichen Geigespielen gezwungen werden? (Nichts gegen Geige, aber das ist halt das Klischeeinstrument bei diesem Thema.) Oder wieviele Kinder von Bauern helfen nicht jeden Tag beim Stallausmisten, beim Melken, bei der Ernte, etc. Nicht nur mal ab und zu, weil sie Lust drauf haben, sondern täglich weil ihre Arbeit fest eingeplant ist.

Wieso dann nicht Kindern, die gerne auf der Bühne stehen das ermöglichen und nicht nach ein paar Monaten sagen "Du musst jetzt leider aufhören, obwohl wir Dich weiter nehmen würden und Du auch weitermachen willst."

Es muss natürlich gewisse Regeln geben: zu Ferien, wöchentlicher Trainungszeit, maximaler Auftrittsanzahl pro Woche, etc. Und wenn ein Kind wirklich die Lust verloren hat, muss auch ein schneller Ausstieg möglich sein, ohne dass man da noch monatelang irgendwelche Verträge erfüllen muss. Aber z.B. keine generellen Regeln wie lange man das insgesamt machen darf. Und natürlich muss es auch Begleitung durch Pädagogen, etc. geben, die sicherstellen, dass das wirklich Wunsch des Kindes und nicht nur der Eltern ist und die auch die gesamte weitere Entwicklung begleiten, ob das Kind nicht irgendwann die Lust verliert (was auch geschehen kann, wenn man anfangs mit ganzem Elan dabei war) oder ob vielleicht Schule und Freizeit darunter leiden.

Es sollte nicht gar keine Regeln geben, aber sie sollten etwas lockerer sein, denn bisher hat Deutschland in dem Bereich mit die strengsten Regeln und anderswo geht das ja auch viel lockerer.

Also wenn ich nochmal Kind wäre, würde ich gerne mal diese Erfahrung machen. Ich glaube, das hätte mir gut getan.

Wie seht ihr das?

Nutzer ausblenden
kevin
Benutzer
3789 Beiträge
07.08.17 12:01

Prinzipiell finde ich es gut und richtig, dass wir in Deutschland strenge gesetzliche Regelungen für diese Art von Kinderarbeit haben.

Man muss auch die Unterschiedlichen Anforderungen der verschiedenen Stücke sehen. In ELISABETH oder MISS SAIGON sind die Kinderollen fast Garnitur.

Dagegen sind SCHOOL OF ROCK oder BILLY ELLIOT doch ganz andere Kaliber. Diese hochgradig professionellen und anspruchsvollen Leistungen können nicht einfach nebenher aus Spass an der Freude in der Freizeit entstehen. Dazu gehört ein ordentliches Maß an Drill und Disziplin. Eigentlich müsste man ein psychologisches Gutachten für jeden einzelnen Kinderdarsteller anfertigen, um zu überprüfen inwieweit er mit diesem Druck zurecht kommt.

Ich persönlich brauche aber solche Stücke auch nicht auf deutschen Bühnen.

Nutzer ausblenden
MyMusical
Benutzer
7637 Beiträge
Beitrag gelöscht durch Autor
Nutzer ausblenden
MyMusical
Benutzer
7637 Beiträge
07.08.17 12:35

Ohne jetzt das lange Eingangsposting gelesen zu haben, aber liegt im erwähnten psychologischen Gutachten nicht genau das Problem hierzulande. Natürlich sollte das Kindeswohl immer an erster Stelle stehen, verantwortlich sind hierfür in erster Linie die Eltern/Erziehungsberechtigten. Das diese ihrer Aufgabe nicht immer nachkommen, weil ihr Kind ja ganz besonders ist und ganz besondere Leistungen erbringen kann/soll ist leider so, aber dies verhindert auch kein psychologisches Gutachten, sorry. Problem ist eher, dass der "gesunde Menschenverstand" offenbar immer weniger vermittelt und eingesetzt wird, nicht nur in diesem Bereich.

Nutzer ausblenden
Fiyero
Benutzer
3341 Beiträge
07.08.17 12:47

Ich sehe das ganz vereinfacht so, dass dann auch Bereiche wie Sport begrenzt werden müssten. Ich habe es schon öfters erlebt, dass die Kinder (fast) jeden Nachmittag sportlich aktiv sind und auch keine weitere Freizeit haben. Sei es im Schwimmkader oder aber auch Fußball, die Hoffnung auf eine Sportkarriere lässt da auch wenig Freizeit zu.
Alles sollte seine Grenzen und Regulierungen haben, aber ich finde das Theaterspiel ist halt genau wie sportliche Aktivitäten eine Aus- oder Fortbildung. Wie ist das eigentlich bei so weltberühmten Chören wie die Regensburger Domspatzen oder so? Die sind doch auch viel unterwegs?
Ich finde ab einem bestimmten Alter sollte man auch ganz einfach mal die Kinder befragen (ohne Eltern im besten Fall), denn oft wissen die doch am besten, ob sie Spaß daran haben und es machen wollen.

Nutzer ausblenden
HamYork
Benutzer
776 Beiträge
07.08.17 13:22

Also ich würde eine Flexibilisierung auch befürworten.

Es geht ja ausdrücklich nicht darum, dass minderjährige Darsteller jetzt mehr als 2 Shows pro Woche spielen sollen. Das steht ja auch so im Artikel. Sondern es geht um die maximal 30 Tage im Jahr (inkl. Proben).

Ich gehe z.B. mal davon aus, dass die Proben (zumal die bei Jugendlichen ja auch nur max. 2 Tage pro Woche sein dürfen und auch die Proben-Zeit pro Tag begrenzt ist und nicht so frei wie bei erwachsenen Darstellern), nicht unter 14 Tagen machbar sind. Für sowas wie Billy Elliot eh nicht, aber selbst sowas wie die Kinderrolle in IWNNINY nicht. Dann wären also noch 16 Tage übrig. Das wären bei den max. 2 Shows pro Woche 8 Wochen. Und dann dürfte man ein ganzes Jahr lang gar nicht mehr spielen.

Also wenn ich als Kind Spaß an den Shows habe, wäre ich schon ziemlich enttäuscht, wenn dann nach gerade mal 8 Wochen Schluss wäre.

Wenn man wenigstens anrechnen würde, dass das ja nur immer wenige Stunden sind und das dann nur als halbe Tage rechnen würde, so dass effektiv 60 Tage bleiben, wäre das ja schonmal ein Fortschritt. Und bei den 365 Tagen des Jahrs ja wohl auch keine zu große Belastung. Und selbst 70-80 (nicht mal halbe) Tage im Jahr fände ich noch okay - erst recht, wenn man mal vergleicht, wieviel Zeit im Sport & Co draufgehen.

Wobei spätestens bei 80 (nicht mal halben) Tagen dann wirklich auch eine Grenze sein sollte. Vielleicht auch schon eher. Aber 60 Tage sollten auf jeden Fall drin sein. Das wären dann bei maximal 2 Tagen pro Woche 30 Wochen. Und das obwohl da jeweils nicht mal ein halber Tag weg ist. Vergleicht das mal bitte mit anderen Hobbys, Sport, etc. wo man mehr als 2 Tage pro Woche und auch mehr als 30 Wochen im Jahr zu tun hat.

Und außerdem geht es ja nicht um eine Verpflichtung, dass jedes Kind so viel spielen muss. Sondern es geht um eine Flexibilisierung, dass die Kinder, die das wollen, die sich das zutrauen und wo man auch sieht, dass Schule und andere Aktivitäten nicht darunter leiden, das machen können, wenn sie wollen. Die Kinder, denen das zu viel ist oder wo die Schule oder Freizeit darunter leiden würden, können ja nach wie vor weniger oder nur ein bisschen mehr machen... Wie gesagt: kein Zwang, sondern Flexibilisierung.

(Ich war z.B. in der Schule in den meisten Fächern der beste, obwohl ich von allen am wenigsten lernte. Ich hätte da mehr Zeit gehabt als andere, die mehr für die Schule lernen müssen. Und wieso hätte dann mein Hobby künstlich reduziert werden sollen, wo ich doch genug Zeit übrig hatte, die andere schon belegt hatten. Ob jetzt andere diese Zeit mit Lernen verbringen oder ich - bei gleicher oder sogar besserer - schulischer Leistung für meine Hobbys sollte doch egal sein.)

Nutzer ausblenden
HamYork
Benutzer
776 Beiträge
07.08.17 13:33

@kevin:

Da hast Du recht. Und ob Kinder nur mehr oder weniger "Beiwerk" wie bei Miss Saigon bzw. Minirollen wie bei Kinky Bootes oder halt eben tragende Säule wie bei Oliver, Billy Elliot und School of Rock sind, findet ja leider auch gar keine Beachtung in den Regelungen.

Aber vergleiche mal mit Sport. Das ist ja noch deutlich mehr. MusicalJonas hat ja von seinem Kumpel erzählt, der als Jugendlicher Leistungssport gemacht hat. Dagegen ist selbst der Billy in Billy Elliot ein Faulenzer. Und beim Sport wird das sogar (nach wie vor) vom Staat gefördert. Aber im Kulturbereich werden selbst kleinste Flexibilisierungen kategorisch abgelehnt. Zum Schaden der Kinder, die das gerne tun.

Und wie ist es mit all den Helikopter-Eltern, die das Kind von Aktivität zu Aktivität jagen. Montags zum Judo, dienstags zum Englischkurs, mittwochs zur Mathe-Nachhilfe, donnerstags zum Klavierunterricht, freitags zum Fußball. Und natürlich parallel zur Schule. Und natürlich muss man auch an den anderen Tagen z.B. noch Klavier üben, etc.

Ist da ein Kind, das zweimal die Woche in einem Musical spielt und wo die Eltern drauf achten, dass da die restliche Zeit Freizeit bleibt, nicht viel besser dran? Und ist es nicht viel besser, ein Hobby zu machen, was einem Spaß macht, als eine Pflicht, weil die Eltern meinen, man müsse noch zusätzlich zur Schule Sprachkurse belegen um später Erfolg im Beruf zu haben? Am besten auch noch einen Chinesisch-Kurs am samstag, weil ja evtl. Chinesisch als Handelssprache immer wichtiger wird in Zukunft...

Also da sind Kinder, deren Hobby das Musical ist und die mit Freude und Spaß 2 mal die Woche jeweils 2-3 Stunden Show spielen, doch deutlich besser dran...

Nutzer ausblenden
HamYork
Benutzer
776 Beiträge
07.08.17 13:41

@Fiyero:

Das mit den ganzen Kinderchören wie Regensburger Domspatzen & Co ist ein guter Vergleich, der mir noch gar nicht eingefallen ist.

Da gelten diese Regeln ja auch nicht. Habe ich mal vor ein paar Jahren eine Doku drüber im Fernsehen gesehen. Die üben das ganze Jahr über mehrfach pro Woche. Und haben immer wieder Auftritte. Nicht nur 8 Wochen pro Jahr, sondern auch das ganze Jahr über und parallel zum Training. Und wenn die dann 2-3x mal im Jahr auf mehrwöchige Konzertreise gehen (teilweise sogar in fremde Länder und Kontinente), haben die auch deutlich mehr als 2 Auftritte pro Woche.

Und bei denen in den Internaten herrscht strenge Zucht und Ordnung. Dagegen dürften die Spielzimmer für Kinderdarsteller in Theatern Luxus sein und die betreuenden Erzieher/-innen im Theater eine wahre Wonne.

Diese Ungerechtigkeit ist es halt auch, was einen aufregt:
dort wo ein Staat seim Image polieren kann (Sport, international bekannte Kinderchöre, etc.) herrscht jede nur denkbare Freiheit - oft sogar zum Schaden der Kinder. Und das wird sogar noch staatlich gefördert. Aber bei Musicals werden selbst kleinste Flexibilisierungen kategorisch abgelehnt, auch wenn ein Jugendlicher das noch so sehr möchte und es ihm noch so gut in seiner Entwicklung täte.

Nutzer ausblenden
MusicalJonas
Benutzer
1231 Beiträge
07.08.17 15:55

Besonders absurd finde ich es, wenn dieselben Politiker, die auf Druck der Wirtschaft den Schulstoff von 13 Jahren in 12 Jahre gepresst haben, entsprechend viel Nachmittagsunterricht zu verantworten haben, oder in Sportinternaten und Leistungszentren Festreden halten, was für tolle Arbeit die dort machen (obwohl da nun wirklich die Jugendlichen gedrillt werden und einen Großteil ihrer Freizeit aufgeben), dann plötzlich beim Theater was von Kindeswohl und ausreichend Freizeit reden.

Dann sollen sie doch eine Regelung erlassen, dass Jugendliche an Sportinternaten, in Leistungszentren oder auch nur Sportvereinen an maximal 30 Tagen im Jahr trainieren und an Wettkämpfen teilnehmen dürfen. Von mir aus auch ganztägig, was immer noch ein Vielfaches mehr wäre als beim Theater.

Oder halt bei Kinderchören (danke, auch ein gutes Beispiel, und da sind nun wirklich viele Kinder auf Druck der Eltern drin) fordern, dass die an max. 30 Tagen im Jahr Auftritte und Gesangsunterricht haben dürfen.

Und dann können die mal die Reaktionen gucken. Und dann können die von mir aus dasselbe auch für Theater verlangen.

Aber in allen anderen Bereichen großzügig zu sein (bis hin in Bereiche wo es echt nicht mehr kindgerecht ist), das auch noch zu fördern oder durch Lehrpläne den Jugendlichen immer mehr Arbeit aufzuhalsen und dann gleichzeitig ein Hobby, was halt manchen Jugendlichen genauso viel Spaß macht und genauso viel bedeutet wie anderen der Sport, auf 30 Tage im Jahr zu begrenzen, ist absurd und jugendfeindlich.

Nutzer ausblenden
Alexander
Benutzer
502 Beiträge
07.08.17 17:29

Dagegen sind SCHOOL OF ROCK oder BILLY ELLIOT doch ganz andere Kaliber. Diese hochgradig professionellen und anspruchsvollen Leistungen können nicht einfach nebenher aus Spass an der Freude in der Freizeit entstehen. Dazu gehört ein ordentliches Maß an Drill und Disziplin. Eigentlich müsste man ein psychologisches Gutachten für jeden einzelnen Kinderdarsteller anfertigen, um zu überprüfen inwieweit er mit diesem Druck zurecht kommt.

Ich persönlich brauche aber solche Stücke auch nicht auf deutschen Bühnen.

---------

Die Kids von der Broadway Produktion machen mir nicht den Eindruck, das sie überfordert waren ganz im Gegenteil. Man muss es ja auch nicht so machen, das Kinder 8 mal pro Woche auf der Bühne stehen und Disziplin in Maßen ist auch nichts schlechtes im Gegenteil. Es gibt soviel, was man durch z. B. "School of Rock" lernen kann.

Nutzer ausblenden
Themen / Kinderdarsteller / Talentförderung
Seite:
Nicht angemeldet | Neu registrieren | Logon


© musicalzentrale 2019. Alle Angaben ohne Gewähr.

   ZAV-KÜNSTLERVERMITTLUNG

   Wir suchen Dich!

   SOFTWAREBILLIGER.DE

Ein Platz für Ihre Werbung?




Unsere Seite verwendet Cookies & Google Maps, um Ihnen ein bestmögliches Besuchserlebnis zu bieten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie beiden Nutzungen zu. [ X ]
;