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musicalzentrale - Forum
Themen / Das Ende des Musicals an Opernhäusern?
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blackrider
Benutzer
433 Beiträge
19.05.10 13:00

Anknüpfend an den Thread zu den Gastverträgen in Magdeburg möchte ich die Absage einer Musicalproduktion am Aalto-Theater in Essen für die kommende Spielzeit zur Diskussion stellen.

Im neuen Spielplan des Aalto-Theaters ist keine neue Musicalproduktion und auch keine Wiederaufnahme einer aktuellen Produktion (Jesus Christ und Chess) vorgesehen.
Die Vorstellung des Spielplans in Essen habe ich nicht besucht. Daher hatte ich eine Mail an die Öffentlichkeitsabteilung des Theaters gesandt mit der Frage nach kommenden Musicalproduktionen.

Mir wurde daraufhin zeitnah, der Service des Theaters ist wirklich sehr gut, mitgeteilt, dass eigentlich eine Musicalpremiere geplant war. Die neue Musical-Produktion war als fünfte szenische Premiere des Musiktheaters geplant.
Die Absage der Produktion wurde in der Mail
folgendermaßen begründet:
"Aufgrund der enormen Einsparzwänge mussten wir uns schweren Herzens von einer Premiere trennen. Es traf die Musical-Produktion, da diese vertragstechnisch noch nicht so weit abgeschlossen war. Selbstverständlich bemühen wir uns, auch in Zukunft die Genres Musical und Operette weiter anzubieten. Wobei gesagt sein muss, dass für ein Haus wie unseres Musical-Produktionen sehr teuer sind, da sie mit einem hohen Anteil an Gast-Darstellern gespielt werden müssen, bis hin zum Gast-Orchester (United Rock Orchestra)."
(Diese Textpassage bitte nur zur internen Diskussion.)
Leider weiss ich nicht welches Stück es hätte
werden sollen.

Nun also die Frage zur Diskussion:
Wird dies der Anfang vom Ende des Musicals an großen Opernhäusern in Deutschland sein?
Musical wird ja in den großen Häuser, gerade hier in NRW, vielfach nicht als Sparte gesehen, die man ernst nehmen müsste. Die Deutsche Oper am Rhein (Düsseldorf/Duisburg) oder die Oper in Köln spielen ja auch schon lange keine Musicals mehr. Wird diese Sparte unter dem Vorwand von Sparzwängen auf Dauer endgültig aus den großen Häusern verschwinden?

Bin gespannt auf Eure Gedanken dazu...

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Holgi
Benutzer
96 Beiträge
19.05.10 13:15

Die Stadt Essen ist, wie viele andere Städte auch, eigentlich schon insolvent. Die Bezirksregierung Düsseldorf hat der Stadt Essen einen enormen Sparkurs verordnet. Nun muss also die Stadtspitze in allen möglichen Sparten Geld sparen. U.a. sind die Sport, die Jugend, aber auch die Kultur betroffen.
Ich kenne leider keine genauen Zahlen, aber meines Wissens sollen in der Kultur mehrere Millionen eingespart werden.
Es war sogar schon einmal die Rede davon, daß Grillo-Theater (Schauspielhaus) zu schließen, was aber wohl wieder vom Tisch ist.
Es ist natürlich schade (wie bei allen Einsparungen), daß nun keine Musicalproduktion im Aalto-Theater stattfinden wird. Leider ja auch nicht mehr im Colosseum-Theater.
Aber wenn gespart werden muss, dann muss man überall mit Kürzungen rechnen. Mir wäre es auch viel lieber, wenn die Stadt kein Minus, sondern ein Plus auf ihren Konten hätte. Dann würde sowas nicht passieren.
Die Hoffnung, daß der Kämmerer doch noch in den Katakomben der städt. Liegenschaften eine Schatzkammer findet, ist ja utopisch.
Es schreien aber alle Sparten danach, nicht bei Ihnen zu sparen. Die Sparte Sport benötigt ein neues Stadion, was wohl wegen der Finanzmisere nicht gebaut wird, oder es werden Hallenbäder geschlossen. Die Sparte Jugend ist ebenso dran. Es werden Jugendhäuser geschlossen, was leider den negativen Aspekt hat, daß noch mehr Jugendliche vor den PC's hocken, oder gar wieder auf der Straße rumlungern, was wieder mehr Straftaten aus Langeweile fördert.

Es ist leider so.

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Johnny_Depp
Benutzer
10571 Beiträge
19.05.10 13:27

Naja, da haben halt die üblichen Besitzstandswahrer wieder mal gesiegt, denn "Es traf die Musical-Produktion, da diese vertragstechnisch noch nicht so weit abgeschlossen war"

Mit anderen Worten: Wo noch keine Gastverträge ausgehandelt waren, kann man schneller absagen als da wo die Festangestellten schon ihre Verträge und vermutlich Anspruch auf so-und-soviel Stunden/Aufführungen haben.

Wobei mir nicht einleuchtet, warum man für ein Musical ein Gast-Orchester engagieren muss oder einen "hohen Anteil an Gästen" - dann muss man sich halt ein Stück aussuchen, das man aus eigener Kraft ganz gut stemmen kann mit max. 2-3 Gästen in den Hauptrollen. Im Beispiel Magdeburg waren ja wohl auch teure Gäste in Rollen dabei, die eigentlich auch so hätten besetzt werden können.

Und warum dann ausgerechnet an der Cash Cow Musical sparen, statt an der 345.Inszenierung von "Aida" und "La Boheme"?

Ansonsten fände ich es in einem so dichtbesiedelten Gebiet wie dem Ruhrgebiet gar nicht so tragisch wenn es mehr Synergien geben würde. Ja, jetzt kommt wieder der Aufschrei der Besitzstandwahrer, aber ich fände es nicht schlimm, wenn z.B. Bochum, dessen Schauspielhaus einen hervorragenden Ruf besitzt, dort richtig gute Schauspiele macht, Essen sich im Aalto-Theater auf richtig gute Opern konzentriert und das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen auf richtig gute Musicals. Um die ist es ja leider ziemlich still geworden, ich kann mich noch an die grandiose Show Boat-Inszenierung dort erinnern. Also lieber EINE Sparte richtig richtig gut machen, als alle Sparten so lala-lauwarm bedienen.

Und - jetzt könnt ihr mich gern wieder verhauen - unterm Strich sollte man besser da sparen als z.B. an Angeboten für Jugendliche, Büchereien, Schwimmbäder, usw. die für die Allgemeinheit einfach wichtiger sind.

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Mariana
Benutzer
626 Beiträge
19.05.10 13:39

Das Problem im Fall Essen ist doch, dass das dortige Opernorchester zu arrogant ist, das Musical zu spielen (und nein, das ist keine Vermutung, sondern eine Aussage von Herrn Soltesz mir gegenüber), und man deshalb eine Band geholt hat. Sollen sie doch den Damen und Herren Orchestermusikern, die sehr gut bezahlt werden, einfach den Orchesterpart aufdrücken, schließlich sind die dort angestellt, oder? Dann hätte man die Kosten nicht...
Aber wahrscheinlich schmeckt es den Leuten nicht, dass ihre Musicalproduktionen erfolgreicher waren beim Publikum als ihre hehre Kunst, da schafft man sich die unliebsame Konkurrenz im eigenen Haus lieber gleich vom Leib.

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Charlotte
Benutzer
5833 Beiträge
19.05.10 13:49

Rein rechentechnisch ist es doch wirklich nicht zu glauben, ich mache lieber 3 Produktionen mit Hausbesetzung, die aber nur schlecht ausgelastet sind' als eine mit wenigen Gaesten, die immer rappelvoll ist.

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blackrider
Benutzer
433 Beiträge
19.05.10 14:41

Holgi, natürlich kann ich die Sparzwänge der Stadt Essen nachvollziehbar.
Aber die Ausführungen von Johnny, Mariana und Charlotte zeigen ja, dass sich eine Musicalaufführungen, gerade jenseits des allseits abgespülten Opern-Repertoire, lohnen. Für die Essener ist das wohl kein Argument, dass neue bzw. andere Publikumskreise an das Haus herangeführt werden. Ich wollte auf die Mail der Öffentlichkeitsarbeit wenigstens kurz reagieren, da ich die Argumente teilweise nicht nachvollziehen konnte. Die folgende Passage daraus ist sehr bezeichnend:
"In einigen Punkten gebe ich zu bedenken, dass Koproduktionen
mit dem Aalto-Theater wegen seiner enormen Bühnenmaße schwer durchzuführen sind, Gastspiele sehr teuer sind, derzeit gar
nicht finanzierbar. Und mit unseren sehr hohen Auslastungszahlen
von durchschnittlich etwa 90 Prozent ist das Erschließen neuer Publikumsschichten derzeit ein eher nachrangiges Ziel."

Ich fand es außerdem bei meiner Anfrage an das Aalto-Theater schon sehr verwunderlich, dass diese nicht auf der Homepage selbst im Gästebuch beantwortet wurde. Da meine "Anfrage nicht unbedingt von übergreifenden Interesse" gewesen ist, wurde mir persönlich geantwortet. Die Anfrage steht nicht mehr explizit im Gästebuch auf der Homepage. Es war wirklich ein guter Service so schnell eine Antwort auf meine Nachricht zu erhalten. Jedoch ist es schon sehr schade, dass Musicals nicht von übergreifenden Interesse sind.

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Johnny_Depp
Benutzer
10571 Beiträge
19.05.10 14:48

Öh... ich bin ja nun kein Mathegenie, aber...

"Und mit unseren sehr hohen Auslastungszahlen
von durchschnittlich etwa 90 Prozent ist das Erschließen neuer Publikumsschichten derzeit ein eher nachrangiges Ziel."

Wenn sie so zufrieden mit ihrer Auslastung sind (und 90% klingt ja auch sehr gut), WIESO SIND SIE DANN SO DEFIZITÄR?

Also irgendwas scheint da doch nicht zu stimmen. Hohe Auslastung = volle Kassen + Subventionen und trotzdem Sparzwänge, Theaterschließungen, bla bla? So ein System KANN doch nicht überlebensfähig sein?

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blackrider
Benutzer
433 Beiträge
19.05.10 14:58

Naja, eine hohe Auslastung ist bei einem großen Stadttheater mit Werkstätten,viel künstlerisches Personal... noch leider nicht Kosten deckend. Deutsche Theater, auch wenn sie die höchste Auslastung, wie die Semperoper in Dresden haben, decken vielleicht 40 bis 45 Prozent Eigenanteil ihrer Finanzierung.

Komisch finde ich aber, dass zu der hohen Auslastung in Essen gerade auch die Musicals Chess und Jesus Christ beigetragen haben...

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Johnny_Depp
Benutzer
10571 Beiträge
19.05.10 15:04

Tja, da liegt der Fehler also schon komplett im System. Statt Theater zu schließen oder an den Künstlern zu sparen (von wegen teure Gäste), sollten sie halt mal überlegen, was anders gemacht werden könnte. Von wegen Tarifverträge, der Schmu mit den Orchestermusikern, warum muss jedes Theater eigene Werkstätten und Schneidereien haben statt sowas irgendwo zentral anfertigen zu lassen mit EINEM großen Fundus, ach ich klink mich aus dem Thema wieder aus, weil ich mich eh nur aufrege und weil man gegen die Besitzstandwahrer eh nix ausrichten kann.

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Charlotte
Benutzer
5833 Beiträge
19.05.10 15:30

Man koennte bei dieser Auslastung auch einfach mal die Ticketpreise um 5 Euro erhoehen.

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Themen / Das Ende des Musicals an Opernhäusern?
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