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Mamma Mia! Here We Go Again

Film (Filmmusical)
 
Zehn Jahre nach dem Kino-Megaerfolg kreiert Regisseur und Drehbuchautor Ol Parker mit "Mamma Mia! Here We Go Again" einen etwas arg konstruierten zweiten Teil. Der Film ist gleichzeitig Vorgeschichte und Fortsetzung ‚Äď mit einer sichtlich gut aufgelegten Besetzung und einer kleinen Portion Melancholie, die dennoch Spa√ü macht.
 
Von Marcel Armlich
√úber "Mamma Mia!" kann man sagen, was man will: der gro√üe Erfolg des 1999 uraufgef√ľhrten Musicals ist nicht von der Hand zu weisen. So war es auch wenig verwunderlich, dass die 2008 erschiene Verfilmung ein Vielfaches seines Budgets einspielte. Ein Jahrzehnt sp√§ter gibt es nun die Fortsetzung.

F√ľnf Jahre nach dem Ende des ersten Teils er√∂ffnet Sophie (Amanda Seyfried) das general√ľberholte Hotel ihrer Mutter und hat dabei mit allerlei Problemen zu k√§mpfen. Mit Unterst√ľtzung von 1/3 Vater Sam (Pierce Brosnan) und Donnas besten Freundinnen Rosie und Tanya (Julie Walters und Christine Baranski) erf√§hrt sie, wie ihre Mutter das in ihrer Jugend alles gemeistert und auf der Insel die drei m√∂glichen V√§ter kennen gelernt hat.

√Ąhnlich wie schon im ersten Teil bzw. im B√ľhnenst√ľck ist die Handlung im Grunde nur dazu da, die Songs von ABBA miteinander zu verbinden. Gelang das im Original-Musical noch relativ geschickt, wird man gerade in der ersten H√§lfte von "Mamma Mia! Here We Go Again" das Gef√ľhl nicht los, dass die Szenen oftmals nur dazu da sind, um ein Lied unterzubringen. Exemplarisch daf√ľr ist gleich zu Beginn "I Kissed the Teacher", wo die junge Donna (Lily James) auf der Schulabschlussfeier eine der Lehrerinnen k√ľsst und es ansonsten keinen Bezug zur Handlung gibt.

Dass das √ľber weite Strecken dennoch ganz gut klappt, liegt vor allem an der tollen Besetzung, die hier mit viel Leidenschaft und oft mindestens passablen Leistungen die Songs zum besten geben. Allen voran Neuzugang Lily James verspr√ľht als junge Donna einen solchen Charme, der sich sehr schnell auf das Publikum √ľbertr√§gt. Schon "I Kissed the Teacher" l√§dt zum Mittanzen ein und ihr "Name of the Game" ist eine sehr gef√ľhlvoll dargebotene Ballade. Gesanglich hat es ‚Äď wie bereits im ersten Teil ‚Äď die Herrenriege nicht einfach und bleibt ein wenig blass. Au√üerdem ist es schade, dass zwar mit Jessica Keenan Wynn und Alexa Davies zwei Broadway erprobte Darstellerinnen als die jungen Ausgaben von Donnas Dynamo-Freundinnen Tanya und Rosie besetzt wurden, die beiden allerdings keinen eigenen Solopart bekommen haben.

Im Vergleich dazu hat die Originalbesetzung deutlich weniger zu tun, kann aber immer noch gl√§nzen. Allen voran Amanda Seyfried √ľberzeugt mit ihrer gef√ľhlvollen Interpretation von "I`ve Been Waiting For You" und "One of Us". Opulentes Highlight ist "Dancing Queen", das diesmal noch aufw√§ndiger inszeniert wurde und von beinahe allen Darstellern aus dem ersten Teil mit gro√üen Spa√ü und dem Einsatz einer Armada von Booten zum Besten gegeben wird. Mit viel Witz machen Christine Baranski und Julie Walters zusammen mit Seyfried "Angel Eyes" zu einem am√ľsanten H√∂hepunkt. Von den Herren ist diesmal Pierce Brosnan der einzige, der zumindest kleine Gesangspassagen alleine vortragen darf und gl√§nzt dabei (wie schon zehn Jahre zuvor) nicht gerade durch stimmliches K√∂nnen, was seine Spielfreude aber wieder wettmacht. Meryl Streep, unangefochtener Star des ersten Films, tritt diesmal in nur wenigen Szenen auf, aber mit ihrer Interpretation von "My Love, My Life" macht sie schnell klar, warum sie der Star von "Mamma Mia" war, und sorgt f√ľr G√§nsehaut und feuchte Taschent√ľcher.

Was schon im ersten Trailer f√ľr Spannung sorgte, war der Auftritt von Poplegende Cher, die hier als Sophies Gro√ümutter Ruby in Erscheinung tritt. Mit ihrer unverwechselbaren Stimme macht sie den ABBA-Hit "Fernando" zu ihrem Song, auch wenn sie darstellerisch und t√§nzerisch arg steif wirkt.

Technisch macht die Fortsetzung einen wesentlich ausgefeilteren Eindruck. Nicht nur die geschickten Überblendungen von Vergangenheit zur Gegenwart lassen erkennen, dass statt der hauptsächlich am Theater tätigen Phyllida Lloyd diesmal mit Ol Parker ein bereits erfahrener Filmregisseur am Werk war. Die Choreographien von Anthony van Laast sind zwar auch diesmal keine kreative Höchstleistung, aber sie gehören in der Fortsetzung zu den positiven Schauwerten. Gerade bei "Waterloo" zeigt sich das, wo sich ein komplettes französisches Restaurant in einen ausgelassenen Tanztempel verwandelt.

Alles in Allem macht "Mamma Mia! Here We Go Again" wieder Spa√ü und die Mischung aus bereits verwendeten und neu eingesetzten Songs l√§dt einen auf eine emotionale Achterbahn ein. Die ausgelassene Partystimmung weicht zwar teilweise einem melancholischeren Ton, aber nichtsdestotrotz summt man beim Verlassen des Kinos wieder den einen oder anderen ABBA-Song. Die Spielfreude der Darsteller und die Ohrw√ľrmer der schwedischen Popgruppe machen auch die Fortsetzung zu einem sch√∂nen Sommerfilm.

PS: Die ABBA-M√§nner Bj√∂rn Ulvaeus und Benny Andersson haben es sich wieder nicht nehmen lassen, f√ľr kleine Gastauftritte vorbeizuschauen.

 
 

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