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Elisabeth

CD / Cast deutschsprachiger Raum (Tour 2011/2012 - Gesamtaufnahme)
 
Gut abgemischte Live-Gesamtaufnahme des Kunze/Levay-Musicals zur aktuellen Tournee-Produktion. Zu hören ist die gesamte Erstbesetzung um Annemieke van Dam, Mark Seibert und Mathias Edenborn.
 
Von Christian Heyden

Braucht der Musical-Fan wirklich die dritte deutschprachige Gesamtaufnahme von “Elisabeth”? Kaum ein Stück ist so oft auf CD veröffentlich worden, wenn auch in der Titelrolle kaum ein Wechsel stattfand. Daher lautet schon nach den ersten Höreindrücken die Antwort: Man braucht sie!

Nachdem sie die Elisabeth schon einige Jahre auf der Tourversion verkörpert, ist nun auch endlich Annemieke van Dam in der Titelpartie zu hören. Nach der in den vergangenen Jahren überpräsenten Maya Hakvoort muss man sich an van Dams sehr jung klingende Stimme etwas gewöhnen, aber gerade im ersten Teil des Stückes passt sie perfekt. Darüber hinaus gelingt es van Dam inzwischen, ihre Elisabeth im Laufe des Stückes stimmlich altern zu lassen. Besonders auffällig ist das in "Nichts ist schwer" im ersten Akt und in "Boote in der Nacht" am Ende des zweiten. Sehr gezielt nimmt sie als alte Elisabeth ihren Sopran zurück, ihre Stimme wird leise und brüchig, um dann ihre Verzweiflung wieder in den alt bekannten Höhen auszudrücken. Ihr "Ich gehör nur mir" steht der maßstabgebenden Interpretation von Ur-Elisabeth Pia Douwes selbst im Schlusston in nichts nach. In der Irrenhausballade wird de unterschwellige Wahnsinn in der Kaiserin deutlich wie bei kaum einer Darstellerin zuvor.


Mathias Edenborn gewinnt der undankbaren Rolle des Franz-Josephs viel ab und haucht ihr sogar Lebn ein. Große Soli hat er zwar nicht, überzeugt aber in Duetten mit van Dam und bleibt vor allem mit seinen kleinen Zwischenszenen im Gedächtnis, egal ob er gegen seine übermächtige Mutter aufbegehrt oder seinen Sohn in seine Schranken weist. Auch seine verzweifelte und unerfüllte Liebe zu Elisabeth vermeint man beim Hören zu spüren.

Als Luccheni ist Newcomer Kurosch Abbasi zu hören. Auch er gewinnt der Rolle neue Akzente ab. Frech und vorlaut kommentiert er das Leben der Kaiserin, wirkt allerdings weniger zynisch als seine Vorgänger. Interessant ist seine Interpretation der Rolle zum Ende des Stückes. Als Luccheni vom Tod die Feile zur Ermordung Elisabeths zugeworfen bekommt, fällt plötzlich alle Ironie von ihm ab und bis ins letzte Verhör hinein wirkt er auf einmal nur noch unsicher und zu einer Tat gezwungen, die er so nicht geplant hatte. So wird aus dem agierenden Erzähler eine weitere Schachfigur im Untergang der Habsburger.

In den Nebenrollen bleibt vorallem Betty Vermeulen als Kaisermutter Sophie im Gedächtnis. Es scheint in dieser Rolle immer weniger auf wirklich gute Sängerinnen anzukommen, vielmehr auf sehr gute Schauspielerinnen. Vermeulen wirkt mit ihrer recht kratzigen Stimme bereits ab ihrem ersten Auftritt gnadenlos unsympathisch. Auch wenn dies durchaus zur Rolle passt, in den längeren Part wird es anstrengend. Kleine, aber starke Auftritte haben die Tour-Alternates der Titelrolle. Ann-Christin Elverum ist als Gräfin Esterhazy zu hören und Alice Maura in der Irrenhaus-Szene als Fräulein Windisch. Ein netter Gag, diese Rolle mit einem Elisabeth-Cover zu besetzen - das gibt dem Duett zwischen Insassin und Kaiserin einen Extra-Kick. Auch Oliver Arno weiß als Kronprinz Rudolf zu überzeugen. War die Rolle in den schon existierenden Aufnahmen teilweise etwas stimmschwach besetzt, so stehen sich hier in "Die Schatten werden länger" mit Arno und Seibert zwei gleichstarke Sänger gegenüber und der Song zu einem Höhepunkt der Aufnahme.


Bleibt noch Mark Seibert als Tod: Allein seine Leistung ist schon ein Grund für diese Aufnahme. Sein Tod ist endlich einmal das, was man auf Grund der Rollenbeschreibung auch erwartet. Er singt die Rolle verführerisch, einschmeichelnd und mit einer gehörigen Portion Erotik in der Stimme. Hier passt einfach alles und es wird nachvollziehbar, warum sowohl Elisabeth als auch Rudolf ihm schließlich verfallen. Seibert liefert sich in "Wenn ich tanzen will" beinahe ein Duell mit Annemieke van Dam, rockt streckenweise fast zu sehr in "Der letzte Tanz" und wirkt beinahe diabolisch in"Am Deck der sinkenden Welt".

Bleibt das Klangbild: Natürlich muss man bei einer "Live-Aufnahme" Abstriche machen. So sind Bühnengeräusche und Applaus zu hören, ohne allerdings wirklich zu stören. Auch durch die Textverständlichkeit der Ensemble-Szenen punktet diese Aufnahme - auch ohne Booklet mit Text kann man dem Stück sehr gut folgen. Einzig das etwas abgespeckte Orchester ist ein kleiner Minuspunkt, aber sehr störend ist hier die dünnere Besetzung nicht. In Zeiten von Playback-Zweitverwertungen sollte man über jedes real spielende Orchester froh sein.


 
 

Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


3 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


nichts, nichts gar nichts

06.03.2013 - diese cd ist, meiner meinung nach, keinen cent wert!

Die Besetzung furchtbar, das orchester klanglos!

gebt das Geld für etwas anderes aus!

Leider ist die neue CD von wien nicht wirklich besser - wieso hat man wieder die gleichen hauptdarsteller genommen?

mischi100 (5 Bewertungen, ∅ 2.2 Sterne)


Die "Fan-Schmonzette" jenseits von Gut und Böse

19.03.2012 - Irgendwie ist das doch typisch DEUTSCH, möchte man fast sagen. Zumindest, wenn man auf Verallgemeinerungen steht. Da hat man im ach so – was Musicals angeht - gebeutelten deutschsprachigen Raum einen Hit, der sich 20 Jahre halten konnte und auch die Rotations-Niederungen der SE einigermaßen gut überstanden hat - und dann ist es irgendwie auch nicht recht. Überbewertet, abgenudelt, langweilig, eigentlich ja eine belanglose Schmonzette, Kapitulationserklärung der Kreativität etc. Das "Munter geht die Sissi unter" nach der Premiere 1992 war teilweise harmlos gegenüber dem Echo einiger Musicalliebhaber. Und sogar die Fans schreien Zeter und Mordio: Hier zu schrill, da zu bekannt gecastet, warum nicht Frau X und wer kann eigentlich überhaupt besser sein als Douwes und Kröger? Und dann auch noch in dieser Inszenierung? Weder Wiener-Abstraktheit noch SE-Pomp? Oh my!
Trotz alledem tourt Elisabeth. Und das auch noch erfolgreich. Musicalmitteleuropa meckert, das kann es wohl am besten. Allerdings - auch in den USA werden anfängliche Hypes wie „Wicked“ und „Next to Normal“ inzwischen genüsslich heruntergeschrieben. Vielleicht ist es auch einfach nur menschlich.
Vielleicht liegt es an einer gewissen Distanz zum Musicalgenre an sich, oder einfach daran, dass ich erst spät zum Musical gekommen bin, insbesondere zu Elisabeth, und den Hype der 90er verpasst habe. In jedem Fall finde ich die Grabenkämpfe (die hier natürlich total überspitzt dargestellt wurden) zwar unterhaltsam, aber doch auch reichlich albern.
Man könnte sich stattdessen ja darauf zurückbesinnen, dass irgendetwas an dem Stück dann doch "gut" zu sein scheint. Egal, wie man dieses "gut" nun interpretieren mag. Hoffentlich nicht nur in einem rein ökonomisch-markt-orientierten Ansatz, wie es hier im MUZ Forum gerne verlangt wird, wenn man nicht als Halb-Kommunist dargestellt werden möchte. Leider ist es kaum möglich ein Kommentar zu verfassen, ohne in eine Ecke gedrängt zu werden. Und ja, ich verfluche da meinen Benutzernamen, der es vielen zu leicht macht, einen in die Fan-Ecke zu stecken ohne sich einen Beitrag mal richtig anzusehen.
Aber zurück zu der hier besprochenen CD. In jedem Fall zeigt die Aufnahme, dass der Zahn der Zeit kaum an dem Stück genagt hat. In einer Inszenierung, die die Darsteller von viel Firlefanz befreit, spielen sie frisch und munter auf und selbst auf der CD hört man diese Frische und einige neue Nuancen. Welches im Moment in Deutschland erfolgreiche Musical kann so „minimalistisch“ gespielt werden und dennoch etwas beim Publikum bewegen?!
Neben der schönen Abmischung (zum ersten Mal verstehe ich, was Erzherzogin Sophie in „Ehejahre“ singt) liegt das bei einem Stück mit so vielen Charakterrollen natürlich an den Darstellern.
Nicht nur gehört Annemieke van Dam zu den wenigen Elisabeths, die die Altersspanne meistern, sie hat inzwischen auch die Balance zwischen viel Kraft und Stimme geben und dem Zurücknehmen an anderen Stellen gefunden. Eine zutiefst sichere Darstellung - leider nicht selbstverständlich in einem Business in dem reihenweise überforderten Alternates und Zweitbesetzungen auf die Bühne gejagt werden.
Ein noch größerer Gewinn: Mark Seibert. Kein Bubi, nicht mehr viel Androgynes und dafür ordentlich Rock. Egal, was '92 mal Ansage für die Rolle gewesen sein mag, so überzeugt ein Tod im Jahre 2012!
Ich werde hier nicht auf jeden Darsteller eingehen - die obige Besprechung hat dies bereits gut zusammengefasst und ich teile soweit Kritik und Lob. Man kann ferner kritisieren, dass die Geräusche der Bewegungen der Darsteller (Schritte, Stampfen, etc.) teilweise zu laut sind, dass man scheinbar nur eine Aufnahme gemacht und keine Alternative hatte, was es unmöglich machte Texthänger wie die des kleinen Rudolfs auszubügeln – aber andererseits ist es so auch eine wirkliche Live-Aufnahme. Größter Kritikpunkt bleibt vielleicht das Orchester, dessen Kleinheit auf der CD zwar ganz gut überspielt wird, aber der akustische Unterschied kann dann aber eben doch nicht kaschiert werden.
Ja, es gibt viele Aufnahmen dieses Stückes – aber eine Vielfalt an Darstellern auf diesen CDs sicherlich nicht, und schon gar nicht, wenn es um die Komplettfassungen geht. Daher sage ich auf die Frage, ob es diese CD hat geben müssen ganz klar Ja! So modern war Elisabeth schlicht noch nie auf CD gebannt.
Bleibt zu hoffen, dass man in Wien mal den Mut hat wirklich etwas Neues zu wagen (wenn dies auch leider eher unwahrscheinlich zu sein scheint). WARUM kann man etwas Provokantes und Frisches, wie es zum Beispiel die Thuner Version ausgetestet hat, nicht einmal in einer großen Produktion probieren? Elisabeths Erfolg hat doch genau so 1992 angefangen, oder nicht?! Denn wer nach 20 Jahren noch nicht verstanden hat, dass es in dem Stück nicht um die möglichst historisch korrekteste Bühnenversion des Lebens der Elisabeth geht, der hat wohl ohnehin den Schuss nicht gehört.
Das Musical im deutschsprachigen Raum, aber auch seine Liebhaber müssen vielleicht lernen, sich etwas mehr zu bewegen. Das heißt nicht, dass es seine Klassiker verlieren muss. Aber die Antwort kann auch nicht sein zu erstarren. So muss sich das Genre entwickeln – nicht über die kopflose Schuldabschiebung an die bösen Regietheaterleute, nicht über andauernde Barrikadenkämpfe in irgendwelchen Internetplattformen und auch nicht über die bloße Anbiederung an die Masse, genau so wenig wie am blinden Glauben an eben diese. Etwas mehr Maß, etwas mehr Zufriedenheit und etwas mehr Gelassenheit würden vielen erhitzten Gemütern da vielleicht ganz gut tun. Nach diesem Post, nehme ich mich selbst davon garantiert auch nicht aus.

Der schwarze Prinz (2 Bewertungen, ∅ 5 Sterne)


Erfrischend

15.03.2012 - Ich hab die CD heute zu Ende gehört. Ich hab sie vor zwei Tagen bekommen. Ein Genuss und wirklich erfrischend. Sehr schön gemacht, es lohnt sich. Ich hab es genossen und ich finde bei Liveaufnahmen sollte man auch nichts ändern, live ist live und genau das liebe ich an Liveaufnahmen. Man hört alles. Die Besetzung gefällt mir auch sehr gut. Mark Seibert hat mich überrascht. Ich kann der Kritik nur zustimmen und bin sehr zufrieden mit dem Kauf. Nun abwarten was nun ab Herbst in Wien passiert...

HetSpook (38 Bewertungen, ∅ 3.4 Sterne)


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Elisabeth
(Tour 2011/2012 - Gesamtaufnahme)
 

 
Erscheinungsjahr 2012



Elisabeth

 muz-Lexikon
Handlung
Der Mörder der österreichischen Kaiserin Elisabeth, Luigi Lucheni, ist gleichzeitig der Erzähler der Geschichte, die vom Lieben und Leiden, aber besonders vom immerwährenden Ringen um Freiheit der Monarchin handelt. mehr

Weitere Infos
Veröffentlicht wurden mehr als zehn Castaufnahmen in unterschiedlichem Umfang und unterschiedlicher Besetzung. So viel Auswahl haben Musicalfreunde bei keinem anderen deutschsprachigen Musical.


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