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Film-Adaption

Big Fish

Be the Hero


© Karl + Monika Forster
© Karl + Monika Forster
Sei der Held deiner Geschichte ÔÇô das ist die wichtigste Botschaft an diesem Premierenabend. Die farbenfrohe, opulente Inszenierung von Andreas Gergen mit temporeichen Choreografien bringt genau diese Aussage auf den Punkt.

(Text: Merle Wilts)

Premiere:09.03.2019
Rezensierte Vorstellung:09.03.2019
Letzte bekannte Auff├╝hrung:29.06.2019


Edward Bloom ist der gr├Â├čte Fisch ÔÇô zumindest in seinen Erz├Ąhlungen. Eine Hexe sagte ihm seinen Tod voraus, ein Riese war sein bester Freund und auch im Zirkus und als Soldat machte er stets eine gute Figur. Sein Sohn Will Bloom fragt sich, je ├Ąlter er wird, immer mehr, welche dieser fantastischen Geschichten ├╝berhaupt der Wahrheit entsprechen. Als sein Vater im Sterben liegt, m├Âchte Will ÔÇô mittlerweile verheiratet und selbst kurz davon, Vater zu werden ÔÇô diese Erz├Ąhlungen durchschauen und wissen, wer sein Vater wirklich warÔÇŽ

© Karl + Monika Forster
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Am Premierenabend brilliert Benjamin Oeser in der Rolle von Edward Bloom. Er spielt den furchtlosen, charmanten Mann mit gro├čen Pl├Ąnen in jungen Jahren so ├╝berzeugend und sympathisch, dass man bei seinem spontanen Heiratsantrag an seine zuk├╝nftige Frau auch glatt "ja" sagen w├╝rde. Dabei ├╝berzeugt er gesanglich mit warmer Stimme, egal ob in den schnelleren oder langsameren Nummern, was bei den stellenweise etwas holprigen deutschen ├ťbersetzungen eine gro├če Leistung ist. Emotionalster Moment ist wohl der Song "Ich schlage Drachen" gemeinsam mit dem jungen Will, in dem Edward ganz in der Vaterrolle aufgeht. Schauspielerisch ├╝berragend sind auch Benjamin Oesers Wechsel zum alten Edward Bloom: Tats├Ąchlich hat man das Gef├╝hl, es stehen zwei unterschiedliche Darsteller auf der B├╝hne. Denn auch sein ├Ąlteres Alter Ego ├╝berzeugt auf ganzer Linie. Besonders im Ged├Ąchtnis bleibt hier sein Schauspiel, als der Konflikt zwischen ihm und Will immer mehr eskaliert.

Sein Sohn Will, gespielt von Dennis Hupka, wirkt dagegen zu Beginn stellenweise noch etwas blass, bl├╝ht aber im Laufe des St├╝ckes auf. Bei seinem Gesang besteht noch Luft nach oben; nicht alle Schlusst├Âne sind sauber. Im zweiten Akt hat er sich aber eingespielt und bringt den Vater-Sohn Konflikt im Zusammenspiel mit Oeser ber├╝hrend und ├╝berzeugend auf die B├╝hne. Vor allem der Albtraum seines Vaters (ÔÇťJemand wird h├Ąngen heute NachtÔÇť) ist eine einpr├Ągsame Nummer. Ebenso wie die finalen Momente, in denen er realisiert, was die Geschichten seines Vaters f├╝r ihn bedeuten ÔÇô in diesen Szenen bekommt der Charakter Farbe und wird viel greifbarer.

© Karl + Monika Forster
© Karl + Monika Forster

Der junge Will (Franz Aigner) gibt den skeptischen, klugen Sohn in seiner Kinderrolle sehr ├╝berzeugend und harmoniert in den gemeinsamen Auftritten mit Oeser.

Wills Frau (Sina Jacka) ist ebenfalls passend besetzt und stellt einen Ruhepol im famili├Ąren Konflikt dar. Auch Edwards Frau (Theresa Christahl) spielt den Alterswechsel ├╝berzeugend, spr├╝ht vor Charme als junges M├Ądchen aus Alabama und verliert nichts von ebendiesen Charme als liebende Ehefrau voller Sorge um ihren Mann. Ihre Stimme ist kristallklar und sehr sauber. So wird das finale Duett des ersten Aktes "Stille" ein passender Showstopper.

Auch die Partien der Charakteren aus Edwards Geschichten sind nahezu durchweg gut besetzt: Anke Sieloff ist eine gro├čartige Hexe, auch wenn der Alterswechsel bei ihren Auftritten als Edwards Highschool Liebe Jenny Hill nicht so recht glaubhaft wirkt. R├╝diger Frank gibt einen herrlich schamlos-schmierigen Zirkusdirektor Amos und Oliver Aigner den liebenswert deprimierten Riesen Karl.

Das gesamte Ensemble leistet durch die ganze Show eine herausragende Leistung, denn die Choreografien von Danny Costello sind temporeich und anspruchsvoll. Hier hat der erfahrene Choreograf volle Arbeit geleistet: Es passiert so viel auf der B├╝hne, dass man manches Mal nicht wei├č, wo der Blick zuerst hinwandern soll. W├Ąhrend dem gesamten Duett "Stille" etwa ist eine Artistik Nummer in luftiger H├Âhe zu bewundern, es wird Seilchen gesprungen und dazu gibt es immer wieder neue flotte Choreografien.

Eine fantastische Geschichte wie diese lebt auch von Ausstattung und B├╝hnendesign. Sam Madwar hat mit dem B├╝hnenbild und den Projektionen eine hervorragende Illusion geschaffen. Die B├╝hne besteht aus einem hinteren und vorderen Teil, mit jeweils unterschiedlichen Projektionen ÔÇô ein Paradebeispiel daf├╝r, wie gute Einbindung von Digital-Elementen eine Produktion unterst├╝tzen kann. Es werden ganze R├Ąume projiziert, zum Beispiel das Krankenhauszimmer von Edward, so dass eine beeindruckende Tiefe im B├╝hnenbild entsteht. Da die Band hinter der B├╝hne sitzt, werden aus dem ersten Orchestergraben immer wieder Darsteller hochgefahren. Eine tolle Idee, denn so kommt immer wieder neuer Schwung in die Inszenierung. Die B├╝hne ist in stetiger Bewegung und unterst├╝tzt die Geschichte, und auch der Riese Karl ist als Marionette eine imposante Erscheinung.

© Karl + Monika Forster
© Karl + Monika Forster

Die Kost├╝me von Ulli Kremer setzen der Ausstattung ihr Sahneh├Ąubchen auf. Alle Kost├╝me sind detailverliebt und durchdacht, so hat zum Beispiel der Zirkusdirektor sogar aufgeklebtes Brusthaar. Gro├čartig ist auch das schillernde Nixenkost├╝m oder die Hexen im Wald. Farbenfroh wie die Geschichte malen Sie die B├╝hne bunt. Deshalb ist neben den Projektionen und den Kost├╝men gar nicht viel zus├Ątzliche Ausstattung n├Âtig; mal wird ein Bett genutzt oder immer wieder Holzkisten.

Andreas Gergen, der bereits die europ├Ąische Urauff├╝hrung inszenierte und viele Darsteller gleich mitnahm, beweist hier ein H├Ąndchen f├╝r eine gute und klare Regief├╝hrung. Da die Handlung teils in der Vergangenheit und teils in der Gegenwart spielt, sind die Str├Ąnge der Geschichte sinnvoll zu verkn├╝pfen. Gergen gelingt dies gro├čartig, indem er teilweise den erwachsenen Will in den fantastischen Geschichten seines Vaters umherwandern l├Ąsst. Sch├Ân erz├Ąhlt ist auch der Moment, in dem Will erf├Ąhrt, dass er mit seiner Frau einen Sohn bekommt, und Wills Eltern gleichzeitig erfahren, dass Edward unheilbar krank ist. In diesem Moment ist die B├╝hne zweigeteilt; die Handlungen laufen parallel.

© Karl + Monika Forster
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Zudem wei├č Gergen ganz genau, wann es Zeit f├╝r gro├če Showstopper Momente ist ÔÇô n├Ąmlich in den fantastischen Geschichten von Edward ÔÇô und wann weniger viel mehr ist. Die letzten Momente des St├╝ckes sind unaufgeregt und ruhig erz├Ąhlt. Gerade das macht das Ende so ber├╝hrend. Das St├╝ck hat buchbedingt im ersten Akt leichte L├Ąngen, l├Ąuft aber im zweiten Akt vor allem in den emotionalen Momenten zwischen Will und Edward zu Hochform auf.

Am Premierenabend unterwandern leider Tonprobleme die gute Leistung der Band unter der Leitung von Heribert Feckler. Diese spielt sich ambitioniert und sicher durch die beschwingte Partitur von Andrew Lippa. Jedoch wirkt die Abmischung anfangs sehr einseitig, gerade Ensemblenummern sind zudem schlecht zu verstehen. Au├čerdem kommt es im zweiten Akt wiederholt zu Mikrofonaussetzern.
Ein kleiner, aber ├Ąrgerlicher Sch├Ânheitsfehler in einer gelungenen Produktion.

© Karl + Monika Forster
© Karl + Monika Forster


"Big Fish" am Musiktheater Gelesenkirchen ist ein fantastisches sowie ber├╝hrendes M├Ąrchen, das eine sch├Âne Moral vermittelt, ohne jemals den ermahnenden Zeigefinger zu heben. Die Geschichte zieht durch die tolle, klare Inszenierung und Ihre Darsteller in Ihren Bann. Sei der Held deiner Geschichte ÔÇô auf alle F├Ąlle ist es empfehlenswert, sich von diesem unterhaltsamen Theaterabend in Gelsenkirchen ein wenig inspirieren zu lassen.

(Text: Merle Wilts)




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Produktion: Big Fish (Prinzregententheater M├╝nchen)



Kreativteam

Musik und SongtexteAndrew Lippa
BuchJohn August
Musikalische LeitungHeribert Feckler
RegieAndreas Gergen
ChoreographieDanny Costello
B├╝hne und ProjektionenSam Madwar
Kost├╝mUlli Kremer
DramaturgieStephan Steinmetz
LichtAndreas Gutzmer
Ton-MischungDirk Lansing
Ton-GestaltungDirk Lansing
Miriam Reinhardt
Matthias Schaaff


Besetzung

EdwardBenjamin Oeser
WillDenis Hupka
SandraTheresa Christahl
JosephineSina Jacka
Junger WillFranz Aigner
Edgar Brinkmann
Joris Hill
Hexe/Jenny HillAnke Sieloff
Der Riese KarlOliver Aigner
AmosR├╝diger Frank
Don Price/General Patterson/EnsembleSebastian Schiller
Artistin/MeerjungfrauBirgit M├╝hlram
Frustrierter Fischer/B├╝rgermeister/Dr. Bennett/Richter/EnsembleAdrian Kroneberger
Zacky Price/EnsembleTimothy Roller
Alabama Lamm/EnsembleLisandra Bard├ęl
Alabama Lamm/Sch├Ąferin/EnsembleJoyce Dietrich
Bauernm├Ądchen/EnsembleKarina Kettenis
Barbier/EnsembleFlorentine K├╝hne
M├Ądchen mit Katze/Cheerleader/EnsembleRomina Markmann
EnsembleJulia Waldmayer
Schullehrer/├╝bereifriger Pfadfinder/EnsembleFin Holzwart
Red Fang/Waffennarr/EnsembleKevin Schmid
Farmp├Ąchter/EnsembleStefan Gregor Schmitz




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Karl + Monika Forster
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Besetzung

Ausstattung

Andreas Gergen zaubert ein fantastisches M├Ąrchen f├╝r Gro├č und Klein auf die B├╝hne - mit einem ├╝berragenden Benjamin Oeser als Edward Bloom. ├ärgerlich: Tonprobleme am Premierenabend.

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