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Operettical

Candide

Satirische Weltreise


"Candide" (nach Voltaires gleichnamigen Roman) erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der bei einer Reise feststellt, wie grausam die Welt ist. Mit ihren sehr klassischen Kompositionen von Leonard Bernstein richtet sich die aufwändige, abstrakte Inszenierung in Krefeld/Mönchengladbach eher an Liebhaber von Opern und erscheint in der Sparte "Musical" fehl am Platz.

(Text: Andreas Haider)

Premiere:29.01.2006
Letzte bekannte Aufführung:17.06.2006


Mit Musicals wie "Cabaret" und "Anatevka" fiel das Stadttheater Krefeld/Mönchengladbach in den vergangenen Jahren nicht gerade durch eine besonders originelle Stückauswahl auf. Umso größer war die Überraschung, als für die Saison 2005/06 das selten gespielte "Candide" von Leonard Bernstein ("West Side Story") angekündigt wurde. Mit etwa 40 Musikern im Orchestergraben und einem ebenso großen Opernchor, der die Solisten auf der Bühne unterstützt, zeigt das Drei-Sparten-Haus eine recht aufwändige Produktion. Doch wirklich überzeugen konnte "Candide" am Premierenabend in Mönchengladbach nicht: Die verworrene Handlung, die klassische Partitur und die abstrakte Inszenierung stellten zu hohe Ansprüche an ein Publikum, das mit der Erwartung ins Theater gekommen war, ein gewöhnliches Musical zu sehen.

"Candide" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Voltaire. Der Titelheld ist anfangs davon überzeugt, "in der besten aller Welten" zu leben, bekommt aber auf einer Weltreise die Grausamkeit der Realität zu spüren. Er gerät in Kriege, Naturkatastrophen und menschliche Hinterhalte. Seine Weggefährten werden regelmäßig ermordet, tauchen jedoch auf der nächsten Reisestation plötzlich wieder mit neuer Identität auf. Das Stück philosophiert über Optimismus und Pessimismus - mit dem Fazit, dass man die Welt einfach so hinnehmen muss, wie sie ist.

Die völlig abstruse Handlung geht mit den skurril überzeichneten Charakteren einher. Das Stück ist als Farce konstruiert, bei der die komischen Figuren im starken Kontrast zu den Inhalten ihrer Dialoge stehen, in denen es zumeist um "Tod", "aufgeschlitzte Körper" und "brutale Vergewaltigungen" geht. Dieser Gegensatz soll wohl das ständige Schwanken zwischen Optimismus und Pessimismus widerspiegeln. Zum Publikum hin schafft er jedoch Distanz - weil man bei einer so ungewöhnlichen Kombination der ästhetischen Mittel weder herzhaft über die Späße lachen kann, noch die schrecklichen Ereignisse als wirklich grauenhaft empfindet. Das mag Absicht sein, führt jedoch dazu, dass man schnell das Interesse an der Geschichte verliert und beginnt, sich zu langweilen.

Bei einer solchen Vorlage hatte es Regisseur Wolfgang Lachnitt zugegebenermaßen nicht leicht. Er inszeniert das Stück sehr lebendig: Wenn sich nicht gerade die Figuren umher bewegen, fahren große Hebebühnen rauf und runter. Einige lustige Ideen - wie pantomimische Kutschfahrten - sorgen für Heiterkeit im Publikum. Als sich dann im zweiten Akt die Ereignisse überschlagen, fehlt aber ein deutlicher Spannungsbogen. Das Bühnengeschehen wirkt hektisch und unkoordiniert.

Musikalisch bietet das Werk anspruchsvolle klassische Kompositionen, die eher dem Genre Oper angehören. Sie werden zwar – je nach Candides Reisestation - durch Folklore-Einflüsse aufgelockert (zum Beispiel durch Tango-Rhythmen in Spanien), sind aber zu komplex, um im Ohr haften zu bleiben.

Als Solisten überzeugen Hans-Jürgen Schöpflin (Candide), Jeanette Wernecke (Cunegonde), Christoph Erpenbeck (Voltaire/Pangloss) und Carin Schenk-Schmidt (Alte Lady) mit gut ausgebildeten klassischen Stimmen. Ihre plakativen Rollen geben ihnen leider kaum die Möglichkeit, schauspielerisch mehr als ein paar gekonnte Slapstick-Einlangen zu zeigen.

Wie bei vielen Opern-Inszenierungen leidet auch bei "Candide" die Textverständlichkeit der Sänger stark unter dem imposanten Klang des großen Orchesters (Leitung: Graham Jackson). Besonders gravierend fällt dies bei den Chorstücken auf, bei denen man leider kein einziges Wort versteht. In Kombination mit der schwierigen Thematik ist dies auch der entscheidende Faktor, der beim Zuschauer den letzten Funken Interesse an der Geschichte auslöscht.

Die Bühne von Rüdiger Tamschick arbeitet mit verschiedenfarbigen Vorhängen, Schiebewänden und einer großen Tischtafel, die sich durch eine Umdrehung in eine Blumenwiese verwandeln lässt. Mit Hilfe von Nebel- und Windmaschinen sowie stimmungsvollen Beleuchtungseffekten werden Stürme, Schiffbrüche und Kriegsschlachten gelungen dargestellt. Von der Decke fallende, rote Styropor-Brocken symbolisieren einen Vulkanausbruch. Tamschicks Bilder sind stets schön anzusehen, in manchen Szenen aber ein wenig zu abstrakt und modern, um dem Zuschauer als Orientierungshilfe im Handlungschaos zu dienen.

Elke König hat für die Solisten authentische Barockkleidung geschaffen. Der größte Teil ihrer Arbeit steckt aber wohl in den vielfältigen Kostümen des Chors, der jeweils die Bevölkerung von Candides Reisestationen darstellt. Mal komplett in Gold, mal in Weiß, mal in Rot – ob als Matrosen, Sklaven oder Venezianische Oberschicht – die Damen und Herren sehen immer adrett aus und bieten optisch viel Abwechslung.

Trotz des Aufwands verlässt man nach fast drei langwierigen Stunden das Theater, ohne recht zu wissen, was man eigentlich gerade gesehen hat. Für eine Oper war es zu albern, für ein Musical zu schwerfällig. Am besten lässt es sich wohl als "abstrakte Operette" bezeichnen. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb "Candide" so selten in der Musicalsparte deutscher Stadttheater auftaucht.


Musical in 2 Akten
Text von Hugh Wheeler nach dem Roman "Candide ou L’Optimisme" (1759) von Voltaire
Gesangstexte von Richard Willbur
Deutsch von Stephan Kopf, Zelma und Michael Millard
Musik von Leonard Bernstein (1919 – 1990)

(Text: Andreas Haider)




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News: PdW: Candide (23.01.2006)



Kreativteam

Musikalische Leitung Graham Jackson
Inszenierung Wolfgang Lachnitt
Bühne Rüdiger Tamschick
Kostüme Elke König


Besetzung

Voltaire/Pangloss/Cacambo/MartinChristoph Erpenbeck
Alte Lady Kerstin Brix
Carin Schenk-Schmidt
Candide Timothy Richards
Hans-Jürgen Schöpflin
Cunegonde Debra Hays
Jeannette Wernecke
Maximilian Simon Pauly
Paquette Uta Christina Georg
Susanne Seefing
Gouverneur/Vanderdendur/Ragotski Walter Planté
Kairschan Scholdybajew
in weiteren Rollen Markus Heinrich
Tobias Pfülb
Hayk Dèinyan
Matthias Wippich
Man-Taek Ha
Rochus Triebs
Manfred Feldmann
Nele van Deyk
Ursula Gröger



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


3 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


12313
Eine Anregung der Sinne! Toll

31.12.2009 - Zum Glück habe ich mich mit Candide keinen Moment gelangweilt! Im Gegenteil: herzhaft gelacht und im nächsten Moment, bei traurig-schönen Arien geweint; ganz zauberhaft der Tenor Hans- Jürgen Schöpflin! Und wer hier, wie Herr Haider oben beschreibt, "Distanz" schafft oder "dass Interesse verliert", verschließt wohl eher die Augen vor, leider immer noch aktuelle Themen wie, über die Erde tobende Kriege, Umweltkatastophen, Glaubensunterschiede und die daraus entstehenden Konflikte, Integration und Doppelmoral. Das Sterben der Figuren sowie einige Szenen mögen vielleicht abstrakt sein; wer reale Tote (oder wer, visuell schon völlig abgestumpft, Blut sehen will) soll den Fernseher einschalten. Haben wir keine Vorstellungskraft, kein Nachdenken, kein Mitgefühl mehr? Wenn ich in diesem Stück lachen und weinen musste, dann, weil mir mit einer hervorragenden schauspielerischen Leistung der Solisten unsere gesellschaftliche Doppelmoral vor Augen geführt wurde. Von Slapstick- Einlagen zu schreiben, sehr geehrter Herr Haider, lässt mich vermuten, dass Sie weder aufgepasst noch zugehört haben. Wobei alle ausgezeichnet zu verstehen waren und einige Solisten gleich mehreren Rollen ihren eigenen Charakter auf sehr feiner subtiler Weise verliehen. Eine darstellerische, geistige sowie körperliche und dabei auch gesanglich überzeugende Leistung der Solisten sowie auch dem Chor. Auch konnte ich keine Unkoordiniertheit feststellen, weder gab es schlechte oder verschwommene Übergänge noch peinliche Pausen. Ganz größartig und ergreifend finde ich den Schluss- das muss man einfach gesehen und gehört haben! Ein tolles Bild und musikalisch ergreifend: ...die gute Erde zu bebauen bis unser Garten blüht....Philosophisch betrachtet ein wundervoller Ansatz und das Hoffen in mir, sorgsamer miteinander und dieser Erde umzugehen. Vielleicht bin ich aber auch " nur" Optimist. Jedenlalls denke ich noch über das Leben und diese Erde nach. Braucht man dazu Phantasie? Ich sage jedenfalls "Bravo" zu dieser gelungenen Inszenierung! Sandrine M.

Sandrine


10563
finde das stück reichlich abstrus

03.02.2006 -

Mario


10555
einfach ein toller Abend! Bravo

02.02.2006 - Habe mich köstlich amüsiert, tolle Stimmen,wunderbare Musik, man sollte halt vorher wissen was man sich da anschaut, dann kann man es auch genießen!

Angeldiva


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