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Drama

Chess

Lauwarmer kalter Krieg


© Jochen Quast
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Nasser Regen fällt auf die Bühne und bildet große Pfützen. Im Hintergrund der abgedunkelten Bühne steht eine verzweifelte Frau mit zwei Kindern. Ihr Mann - der frisch gebackene russische Schachweltmeister Anatoly Sergievsky - singt im Zentrum der Bühne eine gefühlvolle Hymne an sein Land, das er so liebt und doch verlassen muss. Gefühlvolle Streicher und zarte Holzbläser begleiten den emotionalen Augenblick. Gänsehaut pur? Leider nein. Denn das Orchester bleibt in Belanglosigkeit stecken. Es folgt weder dem Crescendo des Sängers noch der intensiven Dramatik. Kein opulent gewaltiger Orchesterklang beendet die Szene. Diese Schlussszene des 1. Aktes ist symptomatisch für die Premiere des Musicals "Chess" im Velodrom des Theaters Regensburg.

(Text: Marcus Hoffmann)

Premiere:16.03.2019
Rezensierte Vorstellung:16.03.2019
Showlänge:160 Minuten (ggf. inkl. Pause)


© Jochen Quast
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Heiß sind die Inszenierung von Christina Schmidt und die Dramaturgie von Julia Anslik. Schmidt und Anslik bewegen sich ambitioniert abseits ausgetretener Pfade. Zu Beginn hebt sich langsam der Vorhang über ein kleines Kind, das auf dem Boden sitzt und über einem Schachbrett sinniert. Die Stimme der Mutter aus dem Off ruft den Kleinen ins Bett. Die Hommage an "Starlight Express" gibt einen intimen Einblick in die Anfänge von Freddy Trumpers Schach-Obsession. Die Bühne von Frank Fellmann öffnet sich wie ein Buch mit menschlichen Schachfiguren in kreativ abstrakten Kostümen. Amerikanische Beamten bearbeiten Anatolys Asylantrag und jammern über einen Mangel an Anerkennung. Darüber erhebt sich eine menschliche amerikanische Freiheitsstatue, der irgendwann die Fackel zu schwer und das Gemaule der Beamten zu dumm wird und die dann entnervt die Bühne verlässt. "Chess" in Regensburg ist witzig, charmant und modern.

Kostümbildnerin Susanne Ellinghaus zeigt eine erstaunliche textile Bandbreite: amerikanische Cheerleader mit Pompoms, russische Diplomaten in schweren schwarzen Gewändern, Schachspieler in dezenten Anzügen, Frauen in mondänen Kleidern. Jede Gewandung ist erfrischend anders und fantasievoll verspielt. Die Kostüme in Regensburg unterstützen die Dramatik geschickt und präsentieren neue Aspekte.

© Jochen Quast
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Christina Schmidt modernisiert das Musical gründlich und reichert die Handlung mit zeitgemäßen Requisiten an. Die Strategen kommunizieren mit Handys. Spannendes Detail ist die Pressekonferenz von Frederick Trumper: Journalisten in Mäntel halb schwarz halb weiß stehen für Neutralität und führen das Interview. Chats im Stil WhatsApp oder Twitter auf seitlichen Monitoren kommentieren das Interview in Echtzeit. Steigen anfangs mit den Sympathien auch die Anzahl der Likes, so schlägt die Stimmung mit Trumpers zunehmenden Aggressivität um und die Anzahl der Dislikes nimmt überhand. Warum aber eingängige Songs wie "Merano" fehlen, ist unverständlich.

Auch die Tänzer heizen ein. Ausdrucksstark, präzise und immer synchron geben Sie vielen Szenen eine zusätzliche Dimension. Choreograph Tamás Mester - der übrigens selbst mitspielt (in der Rolle des Leonid Viigand, Anatolys Nachfolger im Sovjet-Team) - kombiniert verschiedene Stile. Heroisch asiatische Kampfkunst, ein witziges Ballett von Cowboy-Beamten auf Schreibtischstühlen als Pferdeersatz und ausgelassene Cheerleading-Moves begeistern.

© Jochen Quast
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Thomas Christ legt Anatoly als zurückhaltenden, fast schüchternen und verletzlichen Charakter an. Seine Stimme klingt über den kompletten Tonumfang kristallklar, fast schwerelos. Wo notwendig, ergänzt er Volumen und Tiefe. Jedes einzelne Wort ist verständlich. Christ spielt körperbetont. Jede Pose, jede Geste, jede Mimik sitzt auf den Punkt.

Anatolys Gegenspieler ist Frederick Trumper. Ruud van Overdijk spielt den Amerikaner anfangs frech und aggressiv, später trotzig und verletzt. Beim ersten Spiel lümmelt er gelangweilt im Stuhl. Mit zunehmender Partie steigt seine Anspannung, die in Entsetzen und Frustration gipfelt, als er sich geschlagen geben muss. Van Overdijk spielt die Metamorphose absolut glaubwürdig.

© Jochen Quast
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Van Overdijk und Christ sind gleichwertige feindliche Schlachtschiffe. Ihre restlichen Kollegen kühlen leider die Begeisterung ab: Die Artikulation der oft schwierigen deutschen Texte von Kevin Schroeder bleibt streckenweise unverständlich. Die Intonation in hohen Lagen ist nicht immer treffsicher. Bariton Seymur Karimov liefert ein überzeugendes Bild des intriganten russischen Strategen Molokov. In den mittleren Lagen singt er zwar druckvoll und volltönend. Da die Rolle für Bass oder Bassbariton ausgelegt ist, fehlt aber in den ausgedehnten tiefen Passagen Volumen. Brent L. Damkier ist ein Vollblut-Opern-Tenor. Doch Stimme und Schauspiel wollen zum rockig flippigen Schiedsrichter so ganz und gar nicht passen. Christiana Wimber gelingt es weder gesanglich noch schauspielerisch, Florence Vassy als gleichwertigen weiblichen Kontrapunkt zu Frederick und Anatoly zu platzieren.

© Jochen Quast
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Ganz kalt lassen Abmischung und Orchester. Das Potenzial der über 30 Musiker des Philharmonischen Orchesters Regensburg ist groß. Die Partitur aus der Feder der beiden B’s von ABBA pendelt anspruchsvoll zwischen Rock, Soundtrack und Symphonik. Dirigent Alistair Lilley gelingt es dabei nicht, die verschiedenen Register des Klangkörpers auszubalancieren und die Partitur wirkungsvoll umzusetzen. Holzbläser und Streicher sind stets zu leise, die Synthesizer bleiben ein Fremdkörper. Die Vorstellung des Schiedsrichters gerät fast zum Fiasko, als sich die elektronischen Instrumente nicht durchsetzen können. Tutti-Passagen wirken dünn und blass. Die Tontechnik ist saft- und kraftlos. "One Night In Bangkog" wirkt langweilig, obwohl die Tänzer hingebungsvoll einen thailändischen Tempeltanz interpretieren. Einzig die Blechbläser und die Pauken lassen die Kraft und die Energie der Komposition erahnen. Die Dynamik von Gesang und Orchester passt selten zusammen. Esther Baar beispielsweise als Svetlana singt meist unhörbar. Eine der wenigen positiven Ausnahmen ist "I Know Him So Well". Endlich darf sich beim Zuhörer eine intensive Gänsehaut einstellen. Sicherlich sind einige musikalische und akustische Schwächen dem Premierenfieber geschuldet, wie auch viele Versprecher. Was bleibt, ist eine moderne und fantasievolle Inszenierung des königlichen Spiels mit enttäuschend kraftloser Akustik - alles in allem eine eher lauwarme Fabel über den kalten Krieg.

(Text: Marcus Hoffmann)






Kreativteam

Musikalische Leitung Alistair Lilley
Inszenierung Christina Schmidt
Choreographie Tamás Mester
Bühne und Video Frank Fellmann
Kostüme Susanne Ellinghaus
Dramaturgie Julia Anslik


Besetzung

Frederick Trumper Ruud van Overdijk
Florence Vassy Christiana Wimber
Anatoly Sergievsky Thomas Christ
Walter de Courcey Christian Schossig
Alexander Molokov Seymur Karimov
Der Schiedsrichter Brent L. Damkier
Svetlana Sergievskaya Esther Baar
Viigand Tamás Mester
Beamte Raimund Burgmeier
Sehoon Ha
Kyu-Hyun Lee
Harald Mück
Jong-Il Park
Arpad Vulkan
TV-Kommentator Michael Haake
Sprecher Silke Heise; Brent L. Damkier
Maximilian Eisenacher
Seymur Karimov
Popchor Liliana Düstersiek
Laura Vögele; Kyu-Hyun Lee
Arpad Vulkan
Der kleine Frederick Benedict Clemens Jacob
Ferdinand Käser
Statisterie, Opernchor, Extrachor, Theater Regensburg Tanz

Philharmonisches Orchester Regensburg,





Produktionsgalerie (weitere Bilder)

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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


31994
Hingehen!

17.03.2019 - Die Premiere gestern in Regensburg war - STARK!

Die packende Inszenierung, das klare Bühnenbild und die Kostüme fügen sich zu einem großen Ganzen.
Das Tanzensemble und die Choreographien unterstreichen dies.

Die Solisten sind durchweg gut besetzt - berührend Ruud van Overdijjk in seiner Version von "Pity the Child". Thomas Christ und Christiana Wimber harmonieren wunderbar zusammen. Seymur Karimov und Christian Schossig agieren fabelhaft als russische und amerikanische Delegierten.

Am meisten im Gedächtnis bleiben jedoch Brent L. Damkier als Schiedsrichter und der leider viel zu kurze, dafür aber beeindruckende Auftritt von Esther Baar als Svetlana. Baar und Damkier bestachen durch exzellente und starke Stimmen und herausragende Bühnenpräsenz.

Ein kleines Manko gab es jedoch - die Textverständlichkeit des Opernchores ließ leider zu wünschen übrig.
Ansonsten - HINGEHEN! Es lohnt sich!

SinginFan (erste Bewertung)


31993
Zwei Weltmeister ihres Fachs

17.03.2019 - Im Velodrom des Theater Regensburg konnte ich gestern die Premiere von CHESS bewundern. Ein wahrlich bildgewaltiger Abend, der beeindruckt. Der vor allem durch seine leading men beeindruckt. Ruud van Overdijk beeindruckt mit seiner gut geführten Rockstimme in schwindelerregender Höhe. Selten habe ich ein besseres PITY THE CHILD gehört. Bravo! Sein Schachgegner Thomas Christ berührt mit seinem lyrischen Bariton und macht so ANTHEM zu einem Höhepunkt des Abends. Leider können da die Frauen nicht mithalten. Esther Baar klingt unsicher und Christiana Wimber ist stimmlich, aber auch spielerisch fehlbesetzt. Ein weiteres Highlight dieser Produktion ist das Ballett! Das Orchester sorgt für satte Unterstützung und mit mehr als 30 Musikern für einen symphonischen Sound, wie man ihn selten beim Musical findet. Die Regisseurin hat es geschafft, das komplizierte Stück so zu erzählen, dass man es versteht und so wird CHESS in Regensburg absolut sehenswert.

sweatcharity (erste Bewertung)


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Handlung
Schach und der kalte Krieg: Ein russischer und ein amerikanischer Schachspieler treten bei einer Schach-WM gegeneinander an. mehr

Weitere Infos
Für die Aufführung 2002 in Stockholm wurde das Buch erneut überarbeitet (von Lars Rudolfsson und Jan Mark). Die Handlung spielt nun komplett binnen einer Woche in Meran, die Figur der Svetlana wird bereits in der ersten Szene eingeführt und der Russe und der Amerikaner treffen in der entscheidenden Partie aufeinander (im Original war der Amerikaner bei der finalen Partie nur als Berichterstatter dabei). Diese Version wurde in Deutschland im Sommer 2012 bei den Domfestspielen Bad Gandersheim gezeigt.

 Kurzbewertung [ i ]
(mh)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Moderne und fantasievolle Inszenierung eines königlichen Spiels mit kraftloser Akustik - eine lauwarme Fabel über den kalten Krieg.

19.03.2019

 Termine
Do28.03.19:30 Uhr
Velodrom (Regensburg)
Fr29.03.19:30 Uhr
Velodrom (Regensburg)
So31.03.19:30 Uhr
Velodrom (Regensburg)
Mi03.04.19:30 Uhr
Velodrom (Regensburg)
Mo15.04.19:30 Uhr
Velodrom (Regensburg)
Di16.04.19:30 Uhr
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Velodrom (Regensburg)
Sa27.04.19:30 Uhr
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So28.04.19:30 Uhr
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Sa25.05.19:30 Uhr
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Mo27.05.19:30 Uhr
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So16.06.19:30 Uhr
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